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Der Neocon und die Grenzen der Empathie

Durch Zufall entdeckte ich diese kurze Notiz auf „shifting reality“, bereits vom 05.11.08. „Momorulez“ würdigt unter der Überschrift „Der letzte Pro-Bush-Blogger: Ich hab ihn lieb!“ Paul13, Betreiber des Blogs „No blood for sauerkraut“, und zwar

„Wirklich. Ganz ironiefrei. Das liest sich einmal mehr wirklich lustig, und es ist wie immer auch was dran (und zitiert aus einem Kommentar Paul13′ zur Wahl Obamas):“

“Aber letztlich ist all das fast egal, denn mit dem Wechsel vom verhaßtesten, bösesten, dümmsten und häßlichsten zum beliebtesten, gütigsten, klügsten und bestaussehendsten US-Präsidenten – sprich von Teufel und Beelzebub in einer Person zum ultimativen Erlöser des 3. Jahrtausends – wird leider auch jene schaurig-schöne Phase zu Ende gehen, in der sich von Politikern über Medien und Intellektuelle bis hin zum einfachen Volk alle in selten gekannter Eintracht als grenzdebile Volltrottel entlarvt haben.”

(ich erspare dem Leser den Rest von Paul13′ Artikel, der hier nachzulesen ist)

Nun steht “momorulez“ selbstverständlich unbenommen das Recht zu, zu würdigen, wen er will und witzisch zu finden, was er will. Und auch „Paul13s’ “ Recht auf seine Meinung und politische Ansichten steht für mich in keiner grundsätzlichen Weise in Frage. Ist denn aber „Paul13″ selbst dazu bereit, anderen dasselbe zuzugestehen? Offensichtlich nein, zumindest wenn man obiges Zitat genauer betrachtet, das aussagt:

1. Alle Obama-Unterstützer laufen einer absurden Erlöser-Illusion hinterher und sind daher eigentlich nicht zurechnungsfähig
2. Obamas Vorgänger Bush wurde von seinen politischen Gegnern gnadenlos demagogisch und selbstverständlich vollkommen ungerechtfertigt niedergemacht – so etwa standen weder die USA noch die Welt am Ende der Amtszeit eines Präsidenten jemals besser da als genau jetzt
3. Alle Bush-Kritiker, quer durch alle Bevölkerungsschichten, sind „grenzdebile Volltrottel“

-Schön, mag man sagen. Präsident Bushs weltweite Beliebtheit bewegt sich zwar irgendwo zwischen Irans Rumpelstilzchen Ahmahdinedjad und dem „lieben Führer“ Nord-Koreas, Kim Jong Ill, aber rund 67% der Weltbevölkerung sind ja, laut „Paul13″, „grenzdebile Volltrottel“:

wpo_leaders_jun08_graph2Weltweites Vertrauen in Bushs Weltpolitik, oder mit den Worten von „Paul13″: Weltweite Dichte „grenzdebiler Volltrottel“

In einem anhängigen Kommentar zu seinem Post bricht sich „momorulez“ ‘ Begeisterung endgültig Bann:

„Paul, ich finde Deine Standfestigkeit super! Das muß ich ja doch hier mal loswerden, und das kommt wirklich von Herzen! Zudem mir ja auch dieser Irak-Krieg viel Probleme bereitet hat als anderen Linken, ich konnte immer gar nicht so richtig gegen den wettern und bin da lieber auf die Abstraktion ausgewichen [...]„

Der liebe „momorulez“ tut in treuteutonischer Tradition gerade so, als wäre „Standfestigkeit“ ein Wert an sich. „Deine Ehre heisst Treue“ – oder was? An einem alten, unverbesserlichen Nazi-Onkel in der Familie bewundert man ja auch nicht seine „Standfestigkeit“ (wobei das hier kein auf-dieselbe-Stufe-stellen sein soll). „Paul13″ mag persönlich ein netter Mensch sein; die von ihm vetretende Neocon-Ideologie enthält aber u. a. folgende „Bonmots“:

Demokratie und Marktwirtschaft westlichen Zuschnitts haben sich quasi sozialdarwinististisch historisch als beste aller Gesellschaftsordnungen durchgesetzt und sind daher nicht hinterfragbar (Fukuyama, Bush-Doktrin)

Archaische Gesellschaftsentwürfe – also alle anderen außer der westlichen – sind beständige Quelle von Konflikten, Gewalt und Bedrohung der US-amerikanischen Sicherheitsinteressen; daher muss die westliche Konzeption von Demokratie und Marktwirtschaft weltweit, notfalls mit Gewalt, verbreitet werden (Huntington, Bush-Doktrin)

Die USA sind das wichtigste Land der ganzen Welt, ein leuchtendes Vorbild für dieselbe und par quasi-natürlichem Recht Hegemon („America first!“)

Es ist wichtig und richtig, dass politische Eliten „ihrem“ Volk einen Mythos als „notwendige Illusion“ vermitteln, an den der kleine Mann glauben kann. Das ist deshalb notwendig, weil der schädliche Liberalismus den kleinen Mann dazu bringt, alles anzuzweifeln, was die Grundlagen der Gesellschaft zerstört. Die Elite selbst muss nicht notwendigerweise selbst an diesen Mythos glauben (Leo Strauss).

In diesem Artikel geht es nicht eigentlich um „momorulez“ und „paul13″; sie dienen nur als Aufhänger. Es geht auch nicht um eine Kritik am Neokonservativismus – unnötig, denn selten dürfte jemand in nur acht Jahren so derartig und in jeglicher (ökonomisch, moralisch, militärisch, politisch) Hinsicht abgewirtschaftet haben wie die Neocons. Es geht um etwas, was ich den typischen linken „Egalismus“ nennen will. Es gibt unter „den Linken“ im allgemeinen (fast) keinen „Korpsgeist“, kein „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, nicht mal ein ausgesprochenes „Wir-Gefühl“. Und das ist ja auch in Ordnung so. ABER: Die Folgen der oben angedeuteten Neocon-Ideologie; das und das, das, das und das, das, das, das und dasDAS sollten und dürfen „wir“ den Neocons niemals vergessen. Und es niemals wieder soweit kommen lassen…

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„Laden Sie Neocons hier ab“, (Quelle)

Schwanengesang eines Neocon

Angesichts der überwältigenden Sieges Barack Obamas bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen und des beispiellosen moralischen und wirtschaftlichen Bankrotts der Neokonservativen kann man sich als Linker einer gewissen Schadenfreude kaum enthalten. Wirklich selten war es goldiger und herzerwämender als dieser Tage unser aller Lieblings-Hass- und Hetzblog „Politically Incorrect (PI) “ zu lesen, das verzweifelt vor dem Verfall seiner „pro-amerikanischen Werte“ in ihrem Mutterland vor einem Scherbenhaufen steht. Das ideologische Gerüst wackelt und seit Tagen windet man sich in Erklärungsversuchen:

„Woher kommt nun dieser Linksruck?“

„Man folgt offenbar dem Trend aus dem alten Europa.“

PI bemüht gar eine „Totalherrschaft von Massenwahn und Popkultur“ als einzig mögliche Erklärung, dass etwa 64 Millionen Bewohner der gottgleichen USA für einen „vermuselten“, „schwarzen Rassisten“ Barack Obama gestimmt haben. Das einzige, was ihnen bleibt ist

„Eine kulturpessimistische Polemik.“

Hä Hä Hä. Es sei erhellend, meint der PI-Gastautor Lion Edler, die heutige Situation in den USA mit Deutschland nach 1945 zu vergleichen:

„Die Durchdringung der deutschen Gesellschaft mit linker Propaganda begann, weil man aufgrund des totalen Zusammenbruchs 1945 tief im Inneren glaubte, das mit dem eigenen Volk etwas nicht stimmte, dass es nur aus Versagern und Verbrechern bestünde.“

Das ewige braune Gegreine vom „deutschen Schuldkomplex“ also. Wirklich erhellend.

„Die USA haben nach dem Irakkrieg etwas Ähnliches erlebt, nur nicht so extrem. Aus allen Ländern der Welt wurde Amerika unablässlich eingeredet, [...] dass sie nur Leid und Unglück über die Welt brächten. Das penetrante Einreden dieses schlechten Gewissens hat letztlich gefruchtet, auch die Amerikaner haben jetzt ihren Schuld-Komplex.“

Wenn „alle Länder der Welt“ der Meinung sind, der Irakkrieg sei von den USA ungerechtfertigt oder jedenfalls aus den falschen Motiven heraus begonnen worden, dann könnte ja vielleicht etwas dran sein? Nur so theoretisch? Nicht natürlich, wenn man von seiner göttlichen, unfehlbaren Mission überzeugt ist…

„Deswegen war es so eminent wichtig, dass George W. Bush direkt nach den Anschlägen des 11.September das Signal in die Welt sandte: Wir bleiben stolz auf Amerika, und wir lassen uns von den Feinden der Freiheit nicht unterkriegen, der amerikanische Traum wird auch weiterhin verteidigt.“

Es hapert offenbar nicht nur mit Logik und Demokratieverständnis, sondern sogar schon mit dem Verständnis einfachster zeitlicher Zusammenhänge: Weil die Welt aufgrund des Irakkriegs (Beginn März 2003) den USA permanent ein schlechtes Gewissen einredete, war es so wichtig, dass Bush ein Signal am 11.09.2001 sandte. Wenn es noch eines endgültigen Beweises bedurfte, dass Bush ein Messias ist bzw. war, dann ist er hiermit wohl erbracht.

„Bislang war Amerika immer ein geistiger Rebell und Einzelgänger. Egal, was der verprollte weltweite Mainstream wie eine “coole” Schulhof-Clique über das gemobbte Amerika sagte, Amerika ließ sich nichts einreden und ging wie ein einsamer Cowboy seinen Weg, und zeigte dem erbärmlichen Kontinent auf der anderen Seite des Atlantiks völlig zu Recht den Mittelfinger.“

So „einsam“ kann der „Cowboy“ mit negativer Außenhandelsbilanz, dessen Staatsverschuldung, die Verschuldung des Privatsektors und der Konsumentenhaushalte das BIP um mindestens das Dreifache übersteigt und dessen Finanzsektor gerade kollabiert, wohl nicht sein, denn ohne den „verprollten weltweiten Mainstream“ wäre er längst konkurs gegangen.

„Amerika lässt sich langsam aber sicher herunterziehen auf das primitive geistige Niveau Europas, auf das sozialistische und selbstgerechte, überhebliche Mainstream-Denken.“

Das muss die Erklärung für die Wahl Obamas sein: Europa zieht Amerika auf sein „primitives geistiges Niveau“ herunter. Amerikaner selbst wären sonst nämlich gar nicht in der Lage gewesen überhaupt auf die Idee zu kommen, etwas anderes als die Republikaner zu wählen.

„Und was sollte diesen Weg der Welt in den Sozialismus ändern? [...] So könnte das gewissermaßen tatsächlich “das Ende der Geschichte” sein, allerdings anders, als Fukuyama sich das dachte, nämlich ein sozialistisches Ende.“

Weine nur nächtelang in dein Kissen, mein Mitleid kriegst du trotzdem nicht, du heulsusiger Neocon.

„Nein, ich will nicht alle Obama-Fans von vornherein als dumm oder als Mitläufer bezeichnen.“

Ach nein?

„Man stelle sich vor, jemand würde an der Uni oder in der Schule sich zu Bush bekennen. Man kann leise erahnen, was passieren würde.“

Man würde denjenigen komisch ansehen, weil er hoffnungslos in der Vergangenheit lebt?

„Dieser überhebliche Konformismus und die Stigmatisierung Andersdenkender ist es, der auch Angst machen muss bei der europäischen Sicht auf Obama, und nicht etwa Obamas politische Ansichten selbst. Über die werden einige rot-grüne Spinner in Europa noch ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn Obama erstmal harte außenpolitische Forderungen an Europa stellt.“

Auf der einen Seite fürchtet der Autor als einziger Obama-Gegner stigmatisiert zu werden, auf der anderen Seite wird die Politik Obamas ganz bestimmt dafür sorgen, dass viele seine europäischen Fans sich von ihm abwenden? Die Logik als tragisches Opfer der Rechthaberei…

„Das Studentenportal “studivz” führte vor Kurzem eine Umfrage durch, für welchen Präsidentschafts-Kandidaten man denn die Daumen drücken würde. 91,4% stimmten für Obama, bei über 900.000 abgegebenen Stimmen. Wahlergebnisse fast wie in der DDR also, man fühlt sich etwas einsam beim Lesen dieser Zahlen. [...] Dazu präsentiert “studivz” als Symbol eine Comic-Zeichnung mit McCain und Obama im Boxkampf gegeneinander. Auch das ist natürlich nicht gerade neutral: Soll es doch offenbar suggerieren, dass es bei der US-Wahl darauf ankommt, wer der “fittere” und “hipper” ist. Aber es fällt wahrscheinlich kaum noch auf, was für ein krankes Denken da ohnehin dahinter steckt: Der US-Wahlkampf als Boxkampf, als Show-Ereignis für die Spaßgesellschaft, anstatt als ernsthaftes politisches Thema. [...]“

„Denn das ist der zweite Trend, der durch die Wahl Obamas zementiert wird: Der Weg in die weltweite Herrschaft der dekadenten, entarteten Popkultur-Ochlokratie. Das Anstandslose und Primitive, das Entartete wird zum gesellschaftlichen Mainstream, die Geisteskranken werden allmählich zur Mehrheit. Geschichtsbewusstsein und geschichtliches Schwärmen werden ersetzt durch gleichgültige Geschichtslosigkeit und blinder Fortschrittsgläubigkeit, durch seichtes “I have a dream”, “Yes we can” und “Change”-Geschwafels.
Schon jetzt kann man in größeren Städten doch nirgendswo eine U-Bahn betreten, ohne sofort den Anblick eines Haufens Gestörter und Irrer ertragen zu müssen.

Zunächst beweist uns Herr Lion Edler eindrucksvoll anhand einer Umfrage im StudiVZ und derer graphischen Darstellung wie „dekadent und entartet“ der Pöbel doch sei, der unverschämterweise via freie Wahlen über die Regierung bestimmt. Warum gehste nicht nach Saudi-Arabien oder Nord-Korea, wenn dir die „Pöbelherrschaft“ so stinkt? Ein Demokrat redet nicht so.Und das Edler mit dem ÖPNV in Großstädten nicht klar kommt beweist nur, dass er ein Mahlower Landei ist. Bezüglich der „Geisteskranken“, die „zur Mehrheit werden“ sei nur an ein altes englisches Sprichwort erinnert: „The one man in the world who never believes he is mad is the mad man.“

„Wer die Nase voll von dieser abartigen und gestörten Fortschrittsgesellschaft hat, der ist ein “Ewiggestriger”, oder “engstirnig”, “verbohrt”“, er vertritt “Schwarz-Weiß-Denken”, und – natürlich – er ist “unfähig, mit den modernen Anforderungen einer komplexen Welt zu recht zu kommen”. So einfach ist das, warum auch nachdenken. Die Konservativen haben es in Deutschland immer noch nicht verstanden: Parteien und Politiker haben kaum noch Einfluss, sie sind zunehmend Sklaven eines abstoßenden Medien-Zirkus.“

Oh oh, die Welt geht unter, weil „der Pöbel“ den falschen Präsidentschaftskandidaten gewählt hat. Zivilisationsgedanke und gesellschaftlicher Fortschritt sind seit dem 05.11.2008 ausser Kraft gesetzt und Obamas Wahl der endgültige Beweis für das bevorstehende Armageddon.

„Wir müssen Konsequenzen ziehen. Von Parteien ist im Moment nicht viel Besserung zu erwarten. Wir müssen diesen abartigen, kranken Event-, Trash- und Porno-Apparat von “taz” bis “BILD” endlich unterwandern und gnadenlos aushöhlen, indem wir vor allem auch auf das Internet setzen (schon wieder etwas Fortschrittliches, welch Ironie…). Anstatt Kampagnen durchzuführen darüber, ob der Mindestlohn richtig ist oder nicht, sollte lieber über die Gehirnwäsche der nationalen Front der Linksmedien aufgeklärt werden.“

Die Springer-Presse reiht sich natürlich nahtlos ein in die „nationale Front der Linksmedien“… Die Konsequenzen, die eine solche „Unterwanderung“ und „gnadenlose Aushöhlung“ für unser Bildungssystem hätte, beweist Edler in seiner ganzen Pracht quasi im Selbstversuch im letzten Abschnitt:

„Und wir müssen dafür Sorgen, dass über die Lehrpläne in den Schulen nicht mehr nur rot-grüne Vollpfosten entscheiden, sodass zwischen all dem Böll-, Grass- und Brecht-Krempel zwischendurch auch noch was Vernünftiges kommt. Wir müssen Lehrkräfte durchsetzen, die ihre Aufgabe in Bildung und Wissensvermittlung sehen statt in politischer und ethischer Umerziehung und Indoktrinierung. Ansonsten wird man konstatieren müssen: Die Menschheit hat ihre kulturelle Höchstphase bereits seit Jahrhunderten hinter sich. Seit circa 300 Jahren ist ehrlicherweise kaum noch etwas passiert, was die herausragende Stellung gegenüber anderen Arten rechtfertigt, und die totale Obamisierung war dafür wieder ein besonders trauriges Beispiel. Sie reden von einem angeblich zu dämmenden “Raubtierkapitalismus” und “sozialer Gerechtigkeit”. In Wirklichkeit ist der Obama-Mob die Speerspitze einer in rein ökonomischen Kategorien denkenden Konsumgesellschaft, von dem sich nicht nur Karl Marx wohl angewidert abgewandt hätte.“

Wie wärs, an den Schulen ein paar Texte von Lion Edler zu bringen? Man hat ja sonst nicht viel zu lachen: Seit ca. 300 Jahren ist nichts mehr passiert, dass die besondere Stellung des Menschen gegenüber dem Tier rechtfertig?! Aufklärung, Wissenschaft, industrielle Revolution, Massenkommunikation, Technologisierung, Verfünffachung der Weltbevölkerung, Verdoppelung der Lebenserwartung, Luftfahrt, Raumfahrt, Demokratisierung, Globalisierung… Ja, auf welchem Ast hockt der denn, der Steinzeitkonservative?! Gott schütze uns vor der neokonservativen Unterwanderung unserer Medien und Lehrpläne, bleibt da nur zu konstatieren. Mit einem derartigen Rotzen auf alles, was unsere Gesellschaft ausmacht, bloß weil der demokratische Souverän in den USA anders entschieden hat, als er es gerne hätte, disqualifiziert sich der Neocon nur selbst. Es bleibt dem amüsierten Beobachter nur übrig, sein Taschentuch hervorzuziehen, um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen und dem Neocon ein leises „farewell“ zu winken. Und mach die Tür deiner Höhle hinter dir zu.

P.S. Der Text wäre nur ganz und gar amüsant, wenn es sich bei Lion Edler nur um einen dummen Jungen handeln würde. Allerdings möchte dieser sich offenbar mit dem Hoher-Teltower CDU-Ortsverband vom „entarteten, geisteskranken, popkulturellen Pöbel“ aus dem „erbärmlichen, geistig primitiven Europa“ in die Gemeindevertretung wählen lassen (Link via PK). Man fragt sich wirklich, mit was für einer Chuzpe dieser Typ ausgestattet ist…

Dümmliches Herumgebroder

Es gibt Leute wie Henryk M. Broder, die erreichen viel öffentliche Aufmerksamkeit auch für den geringsten Verbaldünnschiss. Broder bietet eigentlich nur noch Reibungsfläche ohne Substanz und sonnt sich in der generierten Aufmerksamkeit wie ein Frührentner, dessen Lebensinhalt darin besteht, seine Nachbarn zu terrorisieren.  Für mich ist er außerdem ein Symbol für den zum Neocon mutierten früheren linksliberalen Intellektuellen, der mal Ideale und was zu sagen hatte, dann aber aus persönlicher Eitelkeit und/oder des Geldes wegen der Versuchung erlag, den Mächtigen nach dem Mund zu reden. Und so salbadert Broder heute von den Gefahren eines „Einknickens“ vor der „islamischen Weltverschwörung“, um von den tatsächlichen Gefahren des Herausfallens ganzer Erdteile bzw. Bevölkerungsschichten aus dem Weltwirtschaftssystem abzulenken, dem kleinbürgerlichen Globalisierungsverlierer was zum Hassen zu geben – und dem „präventiven“ Sicherheitsstaat publizistische Unterfütterung, damit der dann notfalls sein Arsenal an polizeilichen bzw. weltpolizeilichen Maßnahmen gegen das Millionenheer der Marginalisierten auffahren kann. Außerdem symbolisiert er m. E. wie anerkannte neokonservative Intellektuelle ohne Zögern tief ins hinterste versiffte Plumpsklo der Medienlandschaft greifen, wenn das ihren Zielen dient. Und so bringt er es nicht einmal fertig, sich mehr als nur halbherzig vom Hass- und Hetzblog PI zu distanzieren.

Wegen der Ankündigung des Vorsitzenden des Innenausschusses des Bundestages, SPD-MdB Sebastian Edathy auf „Spiegel Online“, den Verfassungschutz auf PI aufmerksam machen zu wollen, schreibt Broder auf „Die Achse des Guten“ über PI könne man

„…sehr geteilter Meinung sein, vieles spricht dafür, dass es sich um eine Internet-Sekte handelt, die extrem monothematisch ausgerichtet ist.“

Über eine Webseite, die gerade in letzter Zeit durch eindeutig rassistische Artikel seine Kommentatoren aufhetzte und Spam-Email-„Fatwas“ gegen mißliebige Meinungen verhängt, ist er „geteilter Meinung“, weil „vieles dafür spricht“, dass sie „extrem monothematisch ausgerichtet“ ist. Aha. Aber eigentlich ist diese „Kritik“ schon zu hart, denn

 „…davon gibt es im Internet die Hülle und die Fülle, vom sog. Palästina-Portal eines westfälischen Frührentners, der es sich vorgenommen hat, den Nahostkonflikt zu lösen, bis zum BILD-Blog [...]“

Das BILD-Blog, welches Fehler in der Berichterstattung der größten deutschen Tages-„Zeitung“ mit BELEGEN richtigstellt und so oft genug tendenziöse Berichterstattung aufzeigt; und PI, das eine euro-islamische Weltverschwörung, die Unterwanderung unserer Gesellschaft durch Muslime, Quasi-Bürgerkriege in unseren Städten, eine grün-linke Dauerbeeinflussung der Mainstreampresse (z. B. BILD) usw. ohne irgendwelche glaubhaften Belege (die es ja nicht geben kann, weil die Mainstreampresse uns das alles verschweigt) wiederholt, wiederholt und immer wieder wiederholt, stehen also auf einer „extrem monothematisch ausgerichteten“ Stufe. Das Broder das ABC des Journalismus schon lange vergessen hat, kann man ja auch in seinen Büchern nachlesen.

Laut Broder sei es von PI auch

„…sicher keine gute Idee, sich mit einer obskuren Gruppe wie der JTF einzulassen. [...] auch wenn sie zufällig wie man selbst der Meinung sind, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht.“

Der „Jewish Task Force“ steht der wegen Terroranschlägen auf verschiedene sowjetische „weiche“ Ziele in New York 1987 in den USA zu 10 Jahren Haft verurteilte Victor Vancier vor, der seine Taten bis heute verteidigt. Gegenwärtig fährt die „JTF“ die Kampagne „Jews against Obama“, in denen der demokratische Präsidentschaftsbewerber als „5. Kolonne der Islamisten in den USA“ bezeichnet wird. Vielleicht sind sie aber auch, wie Broder, der Meinung, dass die Sonne im Osten auf- und Westen untergeht.

Im Anschluss präsentiert Broder der Öffentlichkeit seinen Email-Schlagabtausch mit besagtem Herrn Edathy.

„… [Im] zusammenhang (mit der von Edathy empfohlenen Verfassungsschutz-Beobachtung PIs – Anm. d. A.) [würde es mich] interessieren, ob sie den verfassungsschutz auch darum gebeten haben, websites wie z.b. “muslimmarkt.de”  zu beobachten, weil dort antisemitische propaganda betrieben wird,“

fragt er an und Edathy antwortet:

„Darf ich Ihre Email so verstehen, dass Sie die Seite pi-news.net als unproblematisch erachten [...]? Wenn dem so ist, leite ich Ihre Email und diese Antwort gerne an die Mitglieder des Innenausschusses des Deutschen Bundestages weiter – gerade mit Blick auf die öffentliche Ausschuss-Anhörung am 16.06.2008 [...]“

Die Verbindung Broder-PI ist kein Geheimnis. Ausserdem würde jeder normalsterbliche Bundesbürger zu einer Frage, die ihn in der Sache interessiert, eine Google-Recherche machen, auf den Verfassungsschutzbericht stoßen oder den später noch zu erwähnenden Wikipedia-Eintrag. Natürlich ist Broder kein Normalsterblicher und das macht er Edathy jetzt erstmal klar. Er ist nämlich

„[...] der steuerzahler [...],“

und damit, Herr Edathy

„[...] ihr arbeitgeber [...]“. 

„ich [erwarte] deswegen, wie von jedem angestellten, [...] dass sie ihre arbeit machen und sich nicht in rabulistik üben.“

Darüber hinaus wird der Chef bald auch mal persönlich vorbeikommen, und:

„[...] ihre nicht-antwort auf meine anfrage bei der ausschuss-anhörung am 16.6. den mitgliedern des ausschusses zu präsentieren, als illustration für den extrem sensiblen umgang mit antisemitischen randerscheinungen.“

Das hat gesessen. Har har har. Der schlicht mit „b.“ unterschreibene Chef von Herrn Edathy wird also bei der Anhörung eine Nicht-Antwort als Illustration präsentieren, wo man ihm – wahrscheinlich rein interessehalber, wie das wohl anstellen mag – dann selbstverständlich auch Redezeit einräumt. Der Art, wie Herr „b.“ die Begriffe „Arbeitgeber“ und „Angestellte“ definiert, ist übrigens ausgesprochen dehnbar: Als jahrelanger „Spiegel“-Abonnent und „Spiegel“-Online-Leser, der mit meinen Zahlungen Ihren Lebensunterhalt mitfinanzierte, Herr Broder, erwarte ich, dass Sie sich endlich mal rasieren und aufhören, so einen Schwachsinn zu fabrizieren, jawohl!

Herr Edathy gibt in seiner neuerlichen Antwort nun zu bedenken, dass

„…meines Wissens die Internetseite muslim-markt.de vom Verfassungsschutz ausgewertet wird. Bezüglich der Seite pi-news.net bin ich mir diesbezüglich nicht sicher.“

Und hängt einen Wikipedia-Link an seine Mail, dass „muslimmarkt.de“ im Verfassungsschutz-Bericht schon ab 2005 erwähnt wird. Da Herr „b.“aber schon die Definitionsmacht darüber besitzt dass „1,3 Mrd. Muslime in aller Welt zum chronischen Beleidigtsein neigen“, der Unterschied zwischen Islam und Islamismus feinsinnig ist“ usw., ist es für ihn auch ein Leichtes seine, sagen wir mal, etwas phantasielose Erwiderung als geistreiche Pointe zu definieren:

„ich bin zutiefst beruhigt, dass der vorsitzende des innenausschusses des bundestages sich über die aktivitäten des verfassungsschutzes aus wikipedia informiert.“

Dass übrigens der Herr SPD-MdB Edathy ein gestörtes Verhältnis zur Meinungsfreiheit zu haben scheint, steht auf einem anderen Blatt: hier bei Herrn Hoff und hier die ganze Geschichte, wie Edathy die Nichtweiterbeschäftigung der Journalistin Susanne Härpfer bei „Zeit“-Online erwirkte. Es gab mal Zeiten, da beschäftigten sich Journalisten mit solchen Themen…

Gregor Joseph Adolf Pol Pot Gysi, oder: Wie die BILD Geschichte ins “rechte” Licht rückt

Es hat natürlich gar keinen Zweck, sich über Äußerungen der BILD-„Zeitung“ überhaupt aufzuregen. BILD-„Zeitung“ „lesen“ doch nur Leute, die es nicht anders verdient haben. Ihr BILD-„Zeitungs“-„Journalisten“ könnt euch wirklich auf den Kopf stellen, euer Geschreibsel interessiert nur Leute, die entweder ein ernsthaftes Problem mit rudimentärstem Textverständnis oder ein ähnlich gestörtes Verhältnis zur Realität haben – wie ihr. Wie anders ist es sonst zu erklären, was Dr. Nicolaus Fest in seiner aktuellen Kolumne „Hieb und StichFest (und das kann nur ironisch gemeint sein, wenn Herr Dr. Fest, den Artikel, den er versucht zu verreissen, tatsächlich gelesen hat) mit dem Gysi-Portrait der ZEIT anstellt? Herr Dr. Fest wirft der ZEIT nämlich vor, sie würde die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung umschreiben. Diesen Intention meint Herr Dr. Fest aus ZEIT-Redakteurs Christoph Dieckmanns Sätzen:

„Gysis größtes Verdienst betrifft die deutsche Einheit. Es ist ihm maßgeblich zu verdanken, dass eine enorme Menge der staatsnahen DDR-Bevölkerung sich zur parlamentarischen Demokratie überreden ließ,“

herauslesen zu können. Fest erwidert darauf:

„Aha. So war das also.  Die Demonstranten in Leipzig, Dresden und Ost-Berlin wollten zunächst gar nicht die parlamentarische Demokratie, wollten kein selbst bestimmtes, ungegängeltes „Leben der Anderen“.

Herr Dr. Fest, die Rede ist von der staatsnahen Bevölkerung. Für Sie noch mal zu Erklärung: Staatsnahe Bevölkerung, also SED-Mitglieder, protestierten im Allgemeinen nicht auf Montagsdemonstrationen gegen den Staat. Wirklich hieb- und stichfest, Ihre „Argumentation“, Herr Fest. Christoph Dieckmann hat klar zum Ausdruck gebracht, was er meint, er schreibt im folgenden:

„Die SED hatte vor der Wende 2,3 Millionen (Mitglieder). Sie befehligte noch Armee, Polizei, Geheimdienst, als ihr im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren wurde. Nur in tiefster Krise konnte dieser intellektuelle Entertainer Honecker und Krenz (als Parteivorsitzender) beerben. Frisch gewählt, schwenkte Gysi statt Blumen einen Besen, verhieß demokratischen Kehraus – und half der PDS gewordenen SED, ihr Parteivermögen zu retten.“

Und was drehen Sie daraus, Herr Dr. Fest?

„In Wahrheit waren sie, [...] gar nicht sicher, ob sie ihre verfallenden Städte, die Fürsorge der Stasi [...] tatsächlich gegen Reise- und Meinungsfreiheit, D-Mark und Rechtstaatlichkeit eintauschen sollten. Lange schwankten sie, [...] ob sie das Grau ihrer Häuser wie ihres staatlich überwachten Lebens den Billionensubventionen der alten Bundesländer opfern sollten. Doch dann wurde ihnen, so Dieckmann, „im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren“ – Gregor Gysi. Erst dieser Heiland nahm das schwankende Volk an die Hand und überredete es, den Weg ins neue, wenn auch kapitalistische und daher keineswegs gelobte Land mal zu versuchen. Das ist nun zugegebenermaßen eine Deutung der Wiedervereinigung, die man außerhalb der ZEIT noch nie lesen konnte.“

Herr Dr. Fest, in der ZEIT steht von Ihren soeben zusammenphantasierten Absurditäten nicht das Geringste. Christoph Dieckmann bezeichnet Gysi als „Heiland“ der SED/PDS und selbstverständlich nicht der DDR-Bevölkerung. Die nicht-staatsnahe DDR-Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt nämlich weder von Herrn Gysi noch von der SED/PDS sonderlich begeistert, wie es bei Dieckmann auch ganz deutlich steht:

„Im Volkskammer-Wahlkampf hielt er der Ost-Wut stand, ließ sich bedrohen und mit Kuhglocken niederläuten. Dank Gysi errang die PDS am 18. März 1990 bei den freien Wahlen 16,3 Prozent.“

Von „Billionensubventionen der alten Bundesländer“ war im Dezember 1989 noch keine Rede, Herr Dr. Fest – ganz davon abgesehen, dass Sie damit den Ossis das Verdienst an „ihrer“ friedlichen, demokratischen Wende 1989 komplett streitig machen, indem Sie ein rein monetäres Motiv unterstellen. Niemand wusste damals, wie es weitergehen würde. Oder sind Ihre Kenntnisse neuerer Geschichte ebenso rudimentär wie Ihr Textverständnis, wenn Sie nicht wissen, dass die deutsche Einheit erst mit den 4+2-Verhandlungen zwischen USA, Frankreich, Sowjetunion, Großbritannien und den beiden deutschen Staaten möglich wurde – und zwar im Frühjahr 1990?

Wenn der Leser jetzt aber glaubt, Fest hätte sein Potenzial an Absurditäten für dieses mal schon ausgeschöpft, der irrt. Denn in Fests kunterbunter Klischeekiste fehlt ja noch was: Gysi, Ossis, SED/PDS, „Das Leben der Anderen“… Stasi!

„Gysi und die Stasi-Vorwürfe, das ist ein alt vertrautes Karussell. Es kreist jahrein, jahraus. Dieselben Pferdchen kommen immer wieder vorbei,“

schreibt Dieckmann. Und da in Herrn Dr. Fests BILD-„Zeitungs“-geschulten Gehirn sich einmal ein Gedanke verfangen hat, bleibt er dabei:

„[...] Auch das ist ein Gedanke mit dem Potential, die Geschichte ganz neu zu schreiben. Auf andere Heilsbringer angewandt, ließen sich schöne neue Biographien verfassen. Stalin ohne die Karussell-Pferdchen Gulag, Deportationen und Kulackenmord; Pol Pot ohne die „killing fields“; und auch unser Adolf wäre in dieser Betrachtung vermutlich ein famoser Kerl, wenn nicht immer der Vorwurf des Judenmordes im Raum stehen würde.“

Was Stalin seine Gulags mit Millionen Toten waren, Pol Pot seine „killing fields“ und Hitler der Holocaust – dass ist Gysi seine Vergangenheit als Anwalt für DDR-Dissidenten, eine Rolle, in der er selbstverständlich Kontakte zur Stasi hatte… Was soll man dazu noch sagen? Das Beste wäre wohl: Ach, es ist ja bloß die BILD…

„Zum allerersten Mal seit 1949 existiere ein nennenswertes Bedürfnis nach einer politischen Kraft links von der Sozialdemokratie. In der alten Bundesrepublik sei das ja nicht nötig gewesen. Es gab den rheinischen Kapitalismus, sagt Gysi, das war ein Sozialstaatskompromiss, geformt in der Systemauseinandersetzung mit der DDR. Er war demokratisch, er fand Lösungen auch für Arbeitslose, Kranke, Rentner. Alle hatten am Aufschwung teil. Das ist spätestens seit Schröder vorbei,“

zitiert ZEIT-Redakteur Dieckmann Gysi. Und hier liegt der eigentliche Grund für BILD-Kolumnist Fests tatsachenverdrehendes Geschwafel. Zu Zeiten des Kalten Krieges befand sich der „Westen“ in System-Konkurrenz mit dem „Osten“ und zeigte deshalb – insbesondere im „Frontstaat“ Bundesrepublik Deutschland – seiner Bevölkerung, auf deren Unterstützung er angewiesen war, ein freundliches, fürsorgliches, wohlfahrtsstaatliches Antlitz. Nach Ende des Kalten Krieges war das nicht mehr notwendig – und die Bevölkerungsmassen der für das turbokapitalistische System ökonomisch „Überflüssigen“ werden als genau das behandelt. Dass ein neokonservativer Volksverdummer wie Dr. N. Fest das mit einer Wolke absurdester Worthülsen einzuhüllen versucht, verstehe ich ja – und breite gnädig den Mantel des Schweigens über den Rest seines „Artikels“.   

Mediale Vergewaltigungsopfer

Leider, leider habe ich im Moment keine Zeit für tiefschürfende Textanalysen. Denn dieser Phallisch Inkompatible (PI) Artikel haut mich echt vom Hocker. Kurz zusammengefasst:

Roland Koch hat die Wahl in Hessen verloren, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk gleich einem Triebtäter manisch über jeden armen Konservativen dieses Landes herfällt und ihn medial vergewaltigt.

So weit, so Pathologisch Irrational (PI). Was mich dabei jedoch am meisten verwirrt, ist: Gibt es nicht mal mehr im stramm rechtskonservativen Lager noch echte Männer? Nur noch heulende Memmen, die, wenn etwas nicht läuft wie geplant, alles auf das böse, böse Umfeld schieben, statt zu sagen: Gut. Hab ich wohl die Situation falsch eingeschätzt. Ist halt wie es ist. Das Leben geht weiter… ?

Ich meine, wie unaussprechlich armselig muss man eigentlich sein, um sich bzw. das eigene rechtskonservative Lager als mediales Vergewaltigungsopfer zu inszenieren?

Eigentlich fällt mir dazu nicht mehr viel ein.

Ist die Supernanny mitschuldig an der Islamisierung Europas? Wie Politische Inquisition (PI) funktioniert…

Ey, isch schwör, Alter… weder Überschrift noch Thematik des Beitrags passen zum Niveau dieses Blogs (ich bin mir sicher, es gibt irgendwo eins…) Frau Saalfranks Sendung kenne ich nur vom durchzappen, überhaupt gehen mir diese ganzen langweiligen „DokuSoaps“, mit denen ausgerechnet die Privatsender vordergründig die Bevölkerung erziehen wollen, schwer auf mein empfindliches Nervenkostüm. Es soll hier aber nicht um boulevardeske TV-Formate gehen, sondern um den grotesken, rektalen Ausfluss einer bestimmten -eigentlich marginalen- neurechten Ecke, der im Moment, mit tatkräftiger Unterstützung der Springer-Presse, der FAZ und dem wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, in den Mainstream der politisch-publizistischen Debatte um die „jugendliche Migrationshintergrundsgewalt“ gespült wird. Wie diese Politische Inquisition (PI) funktioniert, und dass ihr eigentlich jeder, der tatsächlich oder scheinbar nicht auf Linie dieser neurechten Hetzergemeinde liegt, zum Opfer fallen kann, zeigt der im folgenden zitierte Artikel „Die rote Super-Nanny“ symptomatisch. Es reicht, Zusammenhänge zu verdrehen, zu unterstellen, zu lügen, Opfer zu instrumentalisieren, und fertig ist der Pranger, an dem der zum Feind auserkorene Mensch steht, der dann von erregten kleinbürgerlichen Geistern mit Schmutz, übelriechenden Parolen und schlechten Witzen beworfen werden kann.

Die Faktenlage ist simpel. Deutschlands größtes Online-Boulevardmagazin Spiegel Online interviewt Deutschlands größte Vorzeige-TV-Pädagogin Katharina Saalfrank bezüglich der Mediendiskussion zur jugendlichen Migrationshintergrundsgewalt, das ganze wird dann auf Deutschlands größtem politischen Hetzblog PI zweitverwertet (und hier jetzt gewissermaßen drittverwertet). Wohlgemerkt, SpOn befragt Frau Saalfrank ausdrücklich als Pädagogin, wie aus dem Untertitel „Deutschlands oberste Fernseherzieherin ist böse…“ in Springpiegel-typischer Manier klar hervorgeht. Für PI-“Gastautor Micha“ steht Frau Saalfrank auf einer Liste einer Reihe von „Volksfeinden“, welche in der von ihm prognostizierten Zukunft in einem von ihm prognostizierten

„…Buche steht. Und zwar in einem Buch, das so etwa in 50 Jahren im Rest der freien Welt erscheinen wird und zu erklären versucht, wie es dazu kommen konnte.“

Aus dem weiteren SpOn-Untertitel:

„…schimpft Katharina Saalfrank über die Unions-Debatte zum Thema Jugendgewalt – und erklärt, warum bei ihr nie ausländische Problembälger auftreten.“

meint „Micha“, man könne

„…zwischen den Zeilen [lesen, dass], “ausländische Problembälger” [...] im Vergleich zu “einheimischen Problembälgern” kaum vor [-kommen]…“

Die Antwort auf die SpOn-Frage, was denn die „Supernanny“ von Roland Kochs Wahlkampagne halte:

Saalfrank: „Herr Koch betreibt Wahlkampf auf dem Rücken der Jugendlichen. Was er fordert, ist für meine Begriffe eine reine Katastrophe – vor allem für die Jugendlichen. Offensichtlich hat Koch überhaupt keine Ahnung davon, was die Jugend für eine sensible Lebensphase ist [...]„

hat für „Micha“ natürlich nur eine Erklärung:

„Frau Saalfrank, die Rolle der Täterversteherin füllen Sie prima aus, das Opfer zu verstehen fällt Ihnen offensichtlich schon schwerer.“

Dann er brilliert mit seinen „anatomischen Grundkenntnissen“:

„…der Schädel [ist] eine sensible Körperregion [...], wenn mit voller Wucht dagegen getreten wird…“

Wer hätte das gedacht… Bei „Micha“ scheint die „sensible Körperregion“ weniger der Schädel als vielmehr dessen Inhalt zu sein, denn: Der tatsächliche Grund, warum Frau Saalfrank zu den jugendlichen Tätern (des U-Bahn-Überfalls in München) Stellung bezieht, ist natürlich, dass sie ausdrücklich als Pädagogin für schwererziehbare Jugendliche befragt wird, wie aus dem Untertitel auch klar hervorgeht. Jedenfalls für den, der lesen kann und will. Kontexte wie berufliche Hintergründe spielten für PI ja noch nie eine Rolle, außerdem bekennt Frau Saalfrank jetzt sowieso ihr Zentralverbrechen:

SpOn: „Sind Sie noch Mitglied in der SPD?“
Saalfrank: „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor.“

SpOn: „Wie wollen Sie denn der Jugendgewalt begegnen?
Saalfrank: Die Situation wird sicherlich nicht dadurch entschärft, dass Leute weggesperrt werden. Die entscheidende Frage ist, warum Menschen aggressiv und straffällig werden [...]„

Was Frau Saalfrank hier (wahrscheinlich) meint, ist, dass eine Verschärfung des Strafrechts nicht zu weniger Kriminalität führt. Höhere Strafen haben keine Abschreckungswirkung, zahlreiche Untersuchungen zeigen dies, weswegen sich Experten eindeutig gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aussprechen. Das sind natürlich schon wieder Kontexte, die „Michas“ „sensibelste Körperregion“ überanstrengen, deswegen hilft er sich lieber mit einfacher Logik:

„Wenn die Schläger [...] rechtzeitig hinter Gitter oder [...] über die Grenze gewandert wären, hätte es die 100 Straftaten, [...] weniger gegeben. [...] für die 100 Opfer (ja, zu jeder Straftat gehört auch ein Opfer! Schon mal gehört?) 100 entschärfte Situationen gegeben hätte [...]: die Straftaten hätten einfach nicht stattgefunden!“

Wenn man Straftäter einsperrt, bevor sie Straftaten begehen, begehen sie keine Straftaten… Und wenn man den Rechtsstaat kritisiert ohne zu wissen, was ein Rechtsstaat überhaupt ist, läuft man Gefahr, sein wahres Gesicht zu zeigen…

„Für die Opfer ist die entscheidende Frage, warum man die Straftäter wieder und wieder und wieder und wieder (hier bitte mal durchschnittlich 50 ‘wieders’ denken) lässt!“

Die beiden Intensivstraftäter von München wurden nicht angeklagt und freigesprochen, sondern die Gerichtsverhandlungen kamen gar nicht erst (oder noch nicht) zustande. Zwischen der Verschleppung von Gerichtsverfahren, aufeinanderfolgenden „Bewährungs-“strafen aufgrund mangelnder Gefängniskapazitäten und dem Strafrecht besteht überhaupt kein Sinnzusammenhang. Es sei denn, man konstruiert einfach einen, redet von „zu gnädigen Richtern“, „zu laschen Gesetzen“ und hofft, das Leute darauf hereinfallen, die mit ihren „sensibelsten Körperregionen“ dieselben Schwierigkeiten haben wie Freund „Micha“. Ursachen für wie oben genannten Zustände dürften wohl eher bei Einsparungen in der Justiz zu finden sein, sowohl in Bayern als auch anderen Bundesländern.

Saalfrank: „Und was die Herkunft angeht: Es schlagen genauso viele deutsche Jugendliche.Die Debatte wäre sicherlich nicht im doppelten Sinne so hochgekocht worden, wenn deutsche Jugendliche die letzten Überfälle begangen hätten.Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal. Als Pädagogin setze ich bei den Eltern an und betreibe Ursachenforschung – und gerade bei Kindern unter 14 Jahren hat man noch gute Chancen die Eltern zu erreichen.“

Das Frau Saalfrank bei ihrer Arbeit als Pädagogin objektiv vorgeht und die „Herkunft“ ihrer Schützlinge keine Rolle spielt, das ist für „Micha“ nun der Gipfel der Unverfrorenheit. Da er ein gewiefter Mathematiker ist, der schon den Dreisatz beherrscht, hängt er sich an der Formulierung „genauso viele“ auf und beweist uns:

„Tut mir Leid, Frau Saalfrank, jetzt wird es ein wenig mathematisch. Ich weiß, das kommt in Ihren Glaubenssystemen nicht vor – Glauben ersetzt bekanntlich Wissen – , aber versuchen Sie mir trotzdem mal zu folgen. Wenn die Bevölkerung mal angenommen aus 20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’ besteht,dann dürften nur 20 von 100 Schlägern einen Migationshintergrund haben. Sind es aber gleichviel, also 50 von 100 [...], das macht mitgerechnet eine VIERMAL höhere Gewaltneigung…“

Gut. Frau Saalfrank hat einen Fehler gemacht, sie hätte statt „genauso viele“ sagen müssen: „es schlagen mehr deutsche Jugendliche“. Dass sie sich damit der Kritik von Dreisatzverstehern aussetzt, hat sie vermutlich nicht bedacht. Was „der Micha“ bei anderen Leuten nicht ok findet, nämlich ungenaue Annahmen zu machen und damit zu argumentieren, findet er bei sich aber selbst offenbar weniger schlimm: Er geht nämlich von „…20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’…“ aus, tatsächlich beträgt der Anteil ethnischer Deutscher an der Wohnbevölkerung 91,5% (2007 est.; CIA World Factbook).

Um zu wissen, worüber man überhaupt redet, sollte man zunächst die Fakten kennen. Hier mal ein kleiner „kriminalstatistischer“ Exkurs:

Die polizeiliche Kriminalstatistik 2006 weist bei 14-21-jähriger Tatverdächtigen einen nichtdeutschen Anteil von 17% aus. Wobei sich „nichtdeutsch“ auf die Staatsangehörigkeit bezieht und nicht auf den „Migrationshintergrund“: Von 2000 (Reform des Staatsbürgerschaftsrechts) bis 2006 wurden rund 1 Mio. Menschen, also etwa 1,2% der Gesamtbevölkerung eingebürgert. Da insgesamt 8,5% der Wohnbevölkerung nichtdeutscher Herkunft minus 1,5% Eingebürgerter (wegen des fehlenden Jahres 2007 aufgerundet) ergeben sich 7% der Wohnbevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diesen 7% wird ein Anteil von Jugendkriminalität von 17% zugeschrieben. Damit ist der Anteil nichtdeutscher jugendlicher Straftäter, bezogen auf den Bevölkerungsanteil, höher: 93% „Staatsangehörige“ begehen 83%; 7% „nicht-Staatsangehörige“ 17% der Jugendstraftaten. Also begehen rund 13mal mehr „Staatsangehörige“ nur 5mal mehr Jugendstraftaten; Jugendkriminalität geht damit in etwa zweieinhalb so häufig von „nicht-Staatsangehörigen“ aus. Was die Ursachen für diese erhöhte Rate angeht, kommt diese Studie, die im Unterschied zu den Zahlen „Michas“ statt auf „Annahmen“ auf Umfragen, Quellenangaben und falsifizierbaren Operatoren basiert, zu folgendem Schluss:

„Die berichteten Ergebnisse zu den Ursachenfaktoren gewalttägen Verhaltens lassen sich wie folgt zusammenfassen: Deutsche Jugendliche bilden bei fast allen Indikatoren die am wenigsten belastete Gruppe. Soziale Benachteiligung, gewaltförmige Erziehung, problematische Persönlichkeitsfaktoren usw. sind bei Deutschen weniger verbreitet. Auf der anderen Seite gibt es aber keine nichtdeutsche Gruppe, die sich als durchgehend auffällig erweist. Insofern existieren gruppenspezifische Belastungen. Türkische Jugendliche sind häufiger von einer schlechten ökonomischen Lage und von geringerer Bildungsintegration betroffen [...]“ (S. 32)

Aber nach Fakten zu recherchieren, diese in Beziehung zueinander zu setzen und damit nachvollziehbar zu argumentieren, das können wir weder von unserem Dreisatzexperten noch von PI erwarten:

„Aber haben wir wirklich gleich viele ausländische und deutsche Schläger? Allein wenn ich die Vergewaltigungsrate in Berlin mit über 80% Migrantenanteil sehe, hätte ich da meine Zweifel.“

Quelle? Quelle? Da ist sie: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2006 (S. 15) Nichtdeutscher Anteil bei Sexualdelikten in Berlin: 39% . Aber… wie war das doch, Freund „Micha“?

„…Glauben ersetzt bekanntlich Wissen…“

Genau.

Aber leider ersetzt bei Politisch Indiskutabel (PI) und „Micha“ nicht nur der Glaube das Wissen, sondern sehr viel stärker noch die Hetze. Das die PI-Macher dabei kein Tabu kennen, haben sie oft genug bewiesen und wozu das im Kommentarbereich führt, ist hier und neuerlich hier dokumentiert.

„Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal.“

hatte Frau Saalfrank im obigen Kontext gesagt.

„Das merkt man. So egal wie die Opfer oder noch egal-er?“

erwidert Horst „Micha“ darauf. Nicht nur das er hier und im folgenden Satzfetzen aus den Interview-Antworten willkürlich auseinanderreisst und neu zusammensetzt, nein, dieser Satz will uns sagen: Die erhöhte Jugendkriminalitätsrate von Migrationshintergründlern nicht durch deren „artfremde“ Kultur zu erklären ist gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit gegenüber den Gewaltopfern. Dabei lautet die simple Wahrheit in diesem speziellen Fall Frau Saalfranks, dass sie Pädagogin ist und sicher daher mit Jugendlichen und nicht mit Rentnern beschäftigt.

SpOn: „[...] Wie wollen Sie zum Beispiel an eine türkische Problemfamilie in Berlin-Neukölln rankommen?“
Saalfrank: „Problemfamilien gibt es nicht. Es gibt aber schwierige Situationen und ungünstige Voraussetzungen. Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.“

Dem letzten Satz widmet der PI-Autor einen ironischen Exkurs, denn er hat Frau Saalfrank durchschaut:

„Lieber Herr Pensionär, wenn Sie glauben, sie haben es als Opfer nicht leicht: bitte nehmen Sie doch einmal zur Kenntnis, wie sehr man sich um Sie bemüht! [...] nimmt sich Frau Saalfrank auch noch die Zeit, Ihnen zu erläutern, dass es nicht die Opfer, sondern die Pädagogen sind, die die Last dieser Sozialexperimente zu tragen haben, denn:
“Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.”

Könnten Sie daher also vielleicht etwas leiser jammern? [...]

(Und nun ganz im Ernst: bitte nehmen Sie, falls Sie diesen Text lesen sollten, meine Entschuldigung dafür entgegen, mich hier zu Ihrem unglaublichen Erlebnis so sarkastisch auszulassen. [...] wird mir trotz des Sarkasmus’ schlecht – aber Leute wie Frau Saalfrank [...] meinen das auch noch ganz im Ernst – und es geht ihnen prächtig dabei!)“

Gestatten, mein Name ist Überlegenheit. Moralische Überlegenheit. Auch wenn ich Sie, wertes Opfer, vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen als politische Waffe gegen „Überfremdung“ und „Linksgrünfaschistischgutmenschliche Sozialexperimente“ instrumentalisiere.

SpOn:“Nehmen wir mal an, Sie dürften eine einzige politische Maßnahme durchdrücken. Welche wäre das?“

lautet des Journalisten Thosten Dörtings Frage und:

Saalfrank: „Es muss gut ausgestattete Beratungsstellen geben und gut ausgebildete Pädagogen, die sich um Eltern und Kinder kümmern. Das heißt: Es geht ums Geld, nicht nur – aber auch! Und nicht nur um mehr, sondern das Geld muss anders verteilt werden. Und es muss ein wertschätzender Umgang mit den Menschen stattfinden – keine staatliche Kontrolle. In der derzeitigen Debatte fühlen sich viele Migranten sicherlich angegriffen. Das ist respektlos, kontraproduktiv und nicht zielführend.“

…Katharina Saalfranks Antwort. Was dreht Permanent Indoktrinierend (PI) daraus? Der Autor zitiert nur die letzten beiden Sätze und erwidert:

„Da habe ich doch glatt etwas falsch verstanden. Der Rentner wurde gar nicht angegriffen? Das waren vielmehr die Prügler, die angegriffen wurden? Ach ja, das hat uns Jessen von der ZEIT ja auch schon mal erklärt, aber das habe ich wohl einfach nicht verstanden.“

What the heck does that mean? Does the Supernanny talks in a foreign language you aren’t able to understand, dude? Where does she mention one single word of that crap you try to infiltrate here?

SpOn: „In Ihrer Sendung hält die Kamera auch beim schlimmsten Familienkrach respektlos drauf und baut so gesellschaftliche Hemmschwellen ab.“
Saalfrank: „Finden Sie? Ich bin etwas überrascht, weil mir diese Frage so noch nie gestellt wurde. Die gängige Kritik lautet ja eher: Wer schützt eigentlich die Kinder, wenn die Eltern das Verhalten der Kinder einer breiten Öffentlichkeit zeigen?“
SpOn: „Und?“
Saalfrank: „Ich antworte mit einer Gegenfrage: Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt. Ich verstehe, wenn sich der Zuschauer auch mal unwohl fühlt und denkt: Das ist mir zu intim. Und dennoch: In vielen Familien geschieht tagtäglich Gewalt. Ich möchte mit meiner Arbeit enttabuisieren.“

Saalfrank redet über ihre RTL-Sendung. Klar und erkennbar. Wiederum greift „Micha“ zwei Sätze aus diesem Zusammenhang heraus:

„Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt.“

…und berichtet live aus seiner imaginären Welt, in der er und die „Supernanny“ gemeinsam U-Bahnfahren:

„Ich stelle mir mal vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Vater sein Kind in der Öffentlichkeit ohrfeigt. Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen … Oder ich stelle mir vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Jugendlicher mir in einer Rauchverbotszone Rauch mitten ins Gesicht bläst … Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen…“

„Ich stelle mir mal vor…,“ dass Sie das und das machen… Sie Schwein! Und damit, dass „ich mir das mal vorstelle…“ habe ich ganz klar bewiesen, das Sie eine Heuchlerin sind, Frau Saalfrank, jawohl!

SpOn: „Sie nehmen für sich in Anspruch, dahin zu gehen, wo es pädagogisch weh tut. Haben Sie schon mal mit Migrantenfamilien gearbeitet?“
Saalfrank: „Natürlich! In meiner Zeit in der Familienberatung hatte ich viele Eltern und Kinder mit einem solchen Hintergrund. Im Rahmen der Sendung noch nicht.“
SpOn: „Ich sage Ihnen auch warum: Es bewerben sich zwar viele Familien, aber RTL nimmt davon Abstand. Der Sender hat uns mitgeteilt, dass er die Sendung nicht mit Untertiteln versehen will.“

Saalfrank: „Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

Hier, werter Herr „Micha“, ist tatsächlich Gelegenheit, Frau Saalfrank zu kritisieren. Und zwar als Opportunistin, die sich zwar im Rahmen halbstündiger Interviews bedingungslos für die Integration von Migranten einsetzt, wenn es sie nichts kostet – gegenüber ihrem Sender RTL aber dessen fadenscheinige Begründung mit den Untertiteln einfach akzeptiert, als hätte sie als „Kopf“ der Sendung keinen Einfluss auf die Gestaltung. Oder gibt es Studien darüber, dass ein signifikanter Anteil der RTL-Zuschauer nicht lesen kann? In diesem Fall könnte ja der durchschnittliche RTL-Zuschauer auch nicht besser deutsch als viele „problematische Migrantenfamilien“, denen die „Supernanny“ auf die Pelle rücken und mal einen echten Beitrag zur Integration leisten könnte. Tatsächlich haben wir ja einen -wenn auch nicht besonders wichtigen- Fall von Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund. DAS dürfen Sie, Herr „Micha“, als neurechter „Islamkritiker“ natürlich so nicht schlussfolgern, das wäre geradezu ein Gedankenverbrechen. Deswegen bleibt bei Ihnen nur ein:

„Ach so, natürlich, Sie enttabuisieren ja nur deutsche Gewalt.“

Es wird ein Motiv unterstellt wo keines ist, denn Frau Saalfrank sagte ja deutlich:

„Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

D. h. sie würde ja gerne (zumindest sagt sie das), aber man lässt sie nicht.

„Ja, beschränken wir das dann mal auf ein Bedauern. Während der Betreiber und die Autoren dieses Blogs bedroht werden, während Warner wie Ralf Giordano oder Henryk M. Broder mehr Morddrohungen gesammelt haben als diese Schläger Straftaten [...] bei Ihrer Popularität bei RTL [...], natürlich auf keinen Fall irgend etwas anderes tun, als das lediglich zu bedauern. [...]„

Tja, das ist schon eine Krux mit diesen Morddrohungen… Sie werden anonym geäußert, zurückverfolgen oder gar beweisen lässt sich meistens nix und überwiegend stammen sie von ausgesprochenen Soziopathen, die sowieso keiner Ernst nimmt, z. B. diesem. Aufgrund aller dies Eigenschaft eignen sie sich aber auch gar trefflich als „Argument“, v. a. wenn man keine hat, nicht wahr, Herr „Micha“? Was haben denn Morddrohungen gegen den Politisch Irrationalen (PI) Blogbetreiber, gegen Ralph Giordano und Henryk Broder mit der „Supernanny“ zu tun? Oder mit der Debatte um jugendliche Migrationshintergrundsgewalt bzw. die politische und mediale Ausschlachtung derselben? Was wollen Sie denn damit aussagen? Das ihre, die „islamkritische“ Front die einzig wahren Opfer sind? Das derjenige, der mehr Morddrohungen „sammelt“ eine höhere moralische Autorität besitzt? Wenn letzteres -was ich vermute- Ihrer Intention entspricht, ist es dann nicht unklug, das das PI-Weblog zu jeder missliebigen Person Kontaktdaten veröffentlicht, zumal häufig gewaltphantasmatische Kommentare aufgefallen sind?

„Und nun kommen wir zum Höhepunkt. Das absolute Highlight, quasi die Perle [...]„

SpOn: „Manche Publizisten vertreten jetzt die Meinung, dass ausländische Jugendliche aus rassistischen Motiven Gewalt gegen Deutsche ausüben. Ein Rentner wird nicht mehr angegriffen, weil er ein leichtes Opfer ist, sondern weil er ein deutsches Opfer ist.“
Saalfrank: „Ich stelle mir umgekehrt die Frage, warum wir uns der rechten Gewalt nicht genauso zuwenden. Vielfach werden Ausländer in Deutschland überfallen. Und außerdem: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Diese Jugendlichen werden allen möglichen Diskriminierungen ausgesetzt gewesen sein – was die Tatsache an sich natürlich nicht besser macht.“

„Das ist jetzt nicht wirklich Ihr Ernst? [...] Vielmehr ist dem Redakteur bloß ein Textbaustein aus einem Uralt-Programm hier reingeraten? [...] Dann erlaube ich mir mal eine Anleihe [...]:

Ostersonntag 2006: In Potsdam wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: bundesweite Seite-1-Pressemeldungen, Solidaritätsbekundungen, Lichterketten, Warnung vor aufkommendem Rechtsradikalismus, Proklamieren von No-go-Areas im Osten, Einschaltung der Bundesanwaltschaft, Handschellen, medienwirksamer Abtransport im orangefarbigen Dress Hubschrauber…

Juni 2007: In Berlin-Neukölln wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: etwas Lokalpresse, sonst nichts. Die Tatverdächtigen wurden nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Unterschied? Tatverdächtige im ersten Fall: Ostdeutsche. Tatverdächtige im zweiten Fall: türkischstämmige Migranten.

Noch Fragen, Kienzle?“

Ja. Übersieht man hier nicht das Offensichtliche?

22. Dezember 2007: Ein 76-jähriger Rentner wird in der Münchner U-Bahn brutal zusammengetreten und erleidet mehrere Schädelfrakturen. (Mediale) Folgen: Eine mehrwöchige Medienkampagne der Bild -“Zeitung“ und das Aufgreifen des Themas „Gewalt jugendlicher Migranten gegen Deutsche“ vom wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch…

Täter: ein 17-jähriger Grieche und einen 20-jähriger Türke

Nämlich, dass der Presse die Opfer scheissegal sind, es sei denn, ein entsprechendes Thema wird aktuell als mediale Sau durchs Dorf getrieben? Wie im ersteren Fall, als die Fußball-WM ins Haus stand und man eine Medienhysterie angesichts der Außenwirkung Deutschlands startete oder im aktuellen Fall, wo dem brodelnde „Volkszorn“ latent fremdenfeindlicher Kleinbürger wie Sie einer sind, Herr „Micha“, ein Druckablassventil gewährt wird, damit Roland Koch seine Wahlkampfsuppe darauf kochen kann?

Kommen wir nun endlich zum Abschlussurteil, welches der PI-Autor sich über Frau Saalfrank erdreistet:

„Bisher waren mir Sie und Ihre Sendung relativ gleichgültig [...] aber meine Meinung über Sie muss ich nach dem, was Sie sich hier geleistet haben, revidieren:
Ich erkenne in Ihnen nun einen ignoranten Gutmenschen übelster Sorte; jemanden, der auf die Gewaltopfer spuckt; bis zur Schmerzgrenze uninformiert ist; Wissenslücken durch Glaubensinhalte füllt [...]„

Auf wen diese Attribute -insbesondere was „Wissenslücken“ und „Glaubensinhalte“ angehen- wohl eher zutreffen, dürfte die obige Betrachtung einer reinen Scheinargumentation mit dem Zweck zu diffamieren, wohl hinreichend gezeigt haben.

„[...] kurz gesagt: Ich erkenne in Ihnen einen, wenn auch zugegebenermaßen hübsch verpackten, Kotzbrocken.“

„Micha“ ist nicht nur ein diffamierender, fremdenfeindlicher Hetzer mit einem wirklich bemerkenswert dummdreisten Scheinargumentations-Stil sondern auch noch ein Macho-Arschloch. Na, wie putzig.

„Und damit Sie nicht annehmen, das kann ich nur in der Anonymität des Internets so schön sagen – Irrtum: Sie bekommen von mir den Ausdruck des Artikels [...] und das ordentlich mit Absender!

Dann können Sie mich ganz nach Belieben ignorieren, verklagen, zum Teufel wünschen, einer Antwort würdigen oder in eine Diskussion verwickeln.“

Einen größeren Gefallen könnte man so einem neurechten Gollum aus den Tiefen des Internet gar nicht tun, denn alles wonach es ihm giert, ist AUF-MERK-SAM-KEIT für sein absurd zusammenkonstruierten Weltbild…

by red.cloud

Net of Absurdities: Bedrohen UK und Frankreich bald die Weltsicherheitslage?

Unter dem Artikel der Permanent Indoktrinierten (PI)

pi-news.net/2008/01/europa-wird-zur-bedrohung-fuer-us-sicherheit/ ,

den allerdings Politisch Korrekt bereits als wild zusammenkonstruierte Story entlarvt hat, verleiht ein Politisch Irreversibel (PI) geschädigter Kommentator seiner Besorgnis Ausdruck:

#11 Andy (17. Jan 2008 13:02)

Wie sagt man so schön, aller (guten) Dinge sind drei. Bisher mussten uns die USA in zwei Weltkriegen den Arsch retten.

Und wenn man bedenkt, dass einige der Europäischen Länder Atomwaffen haben, kann ich mir die Sorgen in den USA lebhaft vorstellen. Wenn GB oder Frankreich an die Islamisten fallen, dann hat die Welt ein Problem.

Mir ist nicht ganz klar was der Kommentator im ersten Satz meint. Sicherlich war der (späte) Kriegseintritt der USA im ersten Weltkrieg eine große Entlastung für Frankreich und Großbritannien. Inwieweit aber dadurch dem damaligen deutschen Kaiserreich „der Arsch gerettet wurde“, erschliesst sich mir nicht. Im zweiten Weltkrieges sind die USA wiederum sehr spät, nämlich 1944 massiv auf dem europäischen Kriegsschauplatz in Erscheinung getreten. Zu einem Zeitpunkt also, als die Ostfront längst zusammengebrochen und die Sowjettruppen auf direktem Weg nach Deutschland waren. Zumindest aus historischer Perspektive war der Krieg längst entschieden, hätte aber sicher ohne „Zweifrontenkrieg“ noch länger gedauert. Ebenfalls aus historischer Perspektive kann man aber konstatieren, dass die Landung der Allierten in der Normandie dem Westteil Europas vor Stalins Einfluss „den Arsch rettete“.

Ist die historische Faktenlage dem Kommentator „Andy“ schon ein undurchdringlicher Dschungel, so erscheint er hinsichtlich seiner Einschätzung der aktuellen Lage unserer europäischer Nachbarn einer akuten Wahrnehmungsstörung zu unterliegen. Für eine solch doch recht erstaunliche Behauptung scheint auch keine einzige Begründung nötig zu sein. Es gibt weder einflussreiche islamistische Bewegungen noch eine signifkante politische Basis für „Islamisten“ in beiden Ländern. Doch das Fehlen von Anzeichen für seine Befürchtungen fechten weder diesen noch die anderen Kommentatoren an, die nicht überrascht nachfragen oder widersprechen. Für solche irrationalen Ängste gibt es eine Bezeichnung: Paranoia – welche offenbar unter PIs Stammklientel einen gewissen Konsenszustand erreicht… Anhand dieser lückenlosen deduktiven Beweiskette lässt sich konstatieren: PI gefährdet die (geistige) Gesundheit.

Fortschreitende Paranoia im „politicallyincorrect“en Autorenteam?

Könnte der vielleicht nicht ganz objektive, dafür um so mehr belustigte Beobachter diagnostizieren, angesichts dessen, was Deutschlands größte „Musel“hass-Seite in der letzten Zeit so abliefert. Zunächst fühlte sich der Chef“redakteur“ von einem roten Auto und einem zu frühen Handyanruf zu Tode erschreckt und flüchtete an einen „sicheren Ort“. Die „Politically Incorrect“-Redaktion berichtete uns allerdings nichts mehr vom Fortgang des Falles H., ob Anzeige bei der Polizei erstattet wurde, es Hinweise auf einen Täter gibt usw. sondern überraschte mit dem Artikel „Kritische Reflexionen“:

Und man ist angemessen überrascht, impliziert doch der Begriff „Re-flexion“ einen Selbstbezug und das in Verbindung mit „Kritik“… Zitat:

Wir werden weiterhin auf Menschenrechtsverletzungen in moslemischen Ländern hinweisen. Wir werden uns weiterhin für die Wahrung unseres Grundgesetzes einsetzen.

Die Wahrung unseres Grundgesetzes in muslimischen Ländern… Hier offenbart sich dem kritischen Leser noch nichts neues, ausser der üblichen „Am deutschen Wesen wird die Welt genesen“-Haltung

Wir werden weiterhin das Existenzrecht Israels verteidigen.

Das ist zweifellos einer der wenigen guten Aspekte „politicallyincorrect“s. Wie der Kommentator „Sebastian“ bei politischkorrekt.info richtig resumiert, wäre ohne das deutsche Weblog Israel bestimmt längst untergegangen.

Wir werden […] mehr Wert auf die Darstellung der positiven Aspekte unserer Gesellschaft legen.

Was den Apologeten des „Untergangs Europas durch fortschreitende Muselfizierung“ da wohl einfällt? Welche positiven Aspekte könnte eine sich in Agonie befindliche, vom Geist der 1968er zerfressene Gesellschaft denn schon noch haben?

Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter etc…

Sieh an, sieh an… Doch nicht etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die mit der „sexuellen Revolution“ der 68er zum Durchbruch kam?

Vorsorglich: Polemik und Gemeinheiten werden kommentarlos gelöscht.

Nur die Kommentare oder gleich die ganzen Artikel?

Noch absurder ist dieser Zufallsfund des Autors im Blog des Journalisten Ramon Schack, der in der Vergangenheit schon unangenehm durch seine „politicallyincorrect“-kritische Haltung auffiel. Ramon Schack amüsierte sich darüber, im Blog „Outcut TV“ des auch bei „Politically Incorrect“ schreibenden Blogbetreibers als „aufwärtsstrebender Jungjournalist“ und „williger Vollstrecker” bezeichnet zu werden. Dies geschah im zwanghaften Bemühen, auch Ramon Schack mit der angeblichen Bedrohung Herrn H.s in Verbindung zu bringen. Daraufhin meldet sich nun besagter „Outcut TV“-Betreiber im Kommentarbereich Herrn Schacks zu Wort und zwar mit der Anmerkung, er sei nicht besagter „Outcut TV“-Betreiber und habe diesen Artikel nicht geschrieben. Also, er sei schon Betreiber von outcut.tv, nicht aber von outcut.blogspot.com – wo besagter Artikel erschien. Denn:

[…] ob nun pi-autoren einen blog aufmachen und diesen dann “outcut TV” nennen oder “ramonschack.blogspot.com”, darauf habe ich keinen einfluss.

Und, etwas kryptisch:

daraus ergibt sich bereits, dass der obige von ihnen zitierte text nicht aus meiner feder stammt. ob ich meine “tätigkeit als technischer berater” für PI beendet habe oder nicht, das ist justament und offiziell von mir so verkündet worden.

Er beendete seine Tätigkeit eindeutig oder nicht, dass hat er zumindest so eindeutig verkündet, wer er es hier eindeutig sagen kann…

lediglich einer der autoren hat sich einen link, der sich “outcut TV – das original” nennt oder so ähnlich, plazieren lassen.

Was schließt nun man daraus? Multiple Persönlichkeitsspaltung? Total den Durchblick verloren? Verfolgungswahn? Oder gegenseitiges Plagiieren?

Den sorgfältig bis zum Schluss aufgesparten Höhepunkt dieser kritischen Betrachtung liefert eine ehemalige „politicallyincorrect“-Autorin, die schon vor einiger Zeit bei kewil.myblog.de schrieb:

[XXX] / Website (10.8.07 21:57)
Was mich in letzter Zeit ziemlich besorgt, ist:
Ich werde misstrauisch. Ich bin manchmal unsicher gegenüber freundlichen Mails, ich entdecke kleine Unstimmigkeiten, die vermutlich nur zufällig sind, ich spüre das Hochkriechen der Paranoia, gegen die ich mich aber noch massiv wehre.

Nun, das ist ja auch vollkommen gerechtfertigt. Es sind ja nicht „nur“ islamistische Terroristen, die „uns“ vernichten wollen, sondern auch der Durchschnittsmoslem, der „uns“ beschwichtigen und einlullen, eben „taqiyya-isieren“ will. Und als sei das alles noch nicht schlimm genug, wäre da noch der linksgrüngutmenschlichfaschistische politisch korrekte Mainstream, der – aus welchen Gründen auch immer – mit der „islamischen Umma“ Hand in Hand arbeitet, um den Westen zu vernichten…

Broder hat gefragt: „Bin ich verrückt oder sind es die anderen?“ Die anderes sind es, aber wir sind diejenigen, die sich solche Gedanken machen.

Klingt logisch. Wenn ICH die Welt nicht mehr verstehe, muss es wohl an den anderen rund 80 Mio. Menschen meiner Umgebung liegen. Denn ICH bin qua definitionem normal.

Paranoia und übertriebenes Misstrauen ist ein Begleiter des Widerstands gegen Totalitarismus.

Übertriebenes Misstrauen ist natürlicher Begleiter der Paranoia, aber ICH bin ja normal, also muss es da irgendwie, irgendwo einen linkgrüngutmenschlichen Totalitatirismus geben, der MICH in die paranoische Ecke stellt…

Die ersten Anzeichen sind da. Noch zwinge ich mich, sie zu ignorieren…

Ich muss einfach richtig liegen mit meiner Weltanschauung, auch wenn sie mich selbst manchmal schon an meiner geistigen Gesundheit zweifeln lässt.

Die genannten „Testpersonen“ zeugen deutlich, dass das pathologische Beharren auf einem völlig verqueren Weltbild zwangsläufig zu einem totalen Realitätsverlust führt, welcher – in der nächsten Phase – in eine Paranoia mündet. Das Endstadium dieser Entwicklung lässt sich bspw. hier beobachten. Die entsprechenden „islamkritischen“ Websiten sollten daher nur mit kritischer Distanz gelesen und keinesfalls ernstgenommen werden.

Politically Incorrect: Von Morddrohungen, Menschenrechtsverletzungen und Opferrollen

In letzter Zeit verschwendete auch die Mainstreampresse einige Aufmerksamkeit darauf, was da im Internet so aus den Kellerlöchern quillt, namentlich dem islamkritischen verfassungsfeindlichen (*) Weblog „politicallyincorrect.de“. „Politically Incorrect“ schlug zurück: Zunächst erschienen einige Postings, die den Zeitungen tendenziöse Berichterstattung vorwarfen, die Journalisten auf persönlicher Ebene angriffen, sowie sich ironisch für die öffentliche Aufmerksamkeit bedankten. Diese Postings erschienen wohl nicht nur dem kritischen Leser als lächerliche, untaugliche Versuche, die argumentativ nicht das Geringste zu bieten hatten, sondern offenbar auch den „politicallyincorrect“-Machern selbst. Wohl deshalb – so jedenfalls die Deutung des Autors – wich man dort auf eine andere Ebene aus: Man interpretiert sich jetzt hauptsächlich als Opfer einer Rufmordkampagne.

Herr H., Gründer von „Politically Incorrect“, erhielt nach eigenem Bekunden ständig Morddrohungen, stemmte sich aber trotzdem weiterhin mutig gegen den „politisch korrekten Mainstream“. Auf seiner Website veröffentlichte er weiterhin willkürliche Zusammenstellungen von Nachrichten über Taten mutmaßlicher Muslime, für die er dann pauschal den ganzen Kulturkreis verantwortlich erklärte. Die Tatsache, dass in der Mainstreampresse weiterhin Mindeststandards journalistischer Ausgewogenheit gelten, diese somit der Logik Herrn H.s nicht ganz folgen kann, werten er und seine Entourage als eindeutigen Beweis für die „politisch korrekte Meinungszensur“ und die „schleichende Islamisierung Europas“. Nun erhält Herr H. angeblich eine weitere angebliche Morddrohung. die plötzlich allerdings vieeeeeeel ernstzunehmender ist. Die Morddrohung ergibt sich laut Zeugen, die vor Ort waren (Herrn H.), aus einem apokalyptischen Handyanruf morgens um 7.00 Uhr:

“Ist da [Herr H.]?”
“Ja, warum?”
“Ich stehe vor deiner Tür. Ich hab ein rotes Auto. Komm raus.”
“Wieso sollte ich?”
“Es wird Zeit für dich…”

Irgendwie kann ich Herrn H. ja auch verstehen. Handyanrufe um 7.00 Uhr morgens sind echt unangebracht… (**) Nun, der Herr H. war wohl immer noch recht sauer, da vor zwei Tagen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)“ ein harscher Artikel des bekannten und preisgekrönten Journalisten und Bloggers Stefan N. sein Lebenswerk (das „politisch inkorrekte“ Weblog „politicallyincorrect.de“) sowie die Fundamente seiner Weltanschauung (die „schleichende Islamisierung Europas“) in massive Zweifel zog. Dazu war Herrn H. nichts, aber auch gar nichts besseres eingefallen, als die dümmliche Replik in seinem Weblog „Die FAS blind vor Menschenrechtsverletzungen“. Ganz so, als stellte Kritik an einem Blog, das die zumindest anzweifelbare Meinung vertritt, 1,3 Mrd. Angehörige einer Religionsgruppe vereinte nur ein Ziel, nämlich die Vernichtung „des Westens“, sowie „die Politiker“, „die Medien“ und der verblendete „linksgrüngutmenschliche Mainstream“ ebenjenes Westens täten alles um sie hierin zu unterstützen, schon eine Menschenrechtsverletzung dar. Offenbar handelt Herr H. nach der Logik: „Ich bin ein Mensch. Und ich hab recht (ich hab immer recht). Der FAS-Artikel hat mich verletzt. Es handelt sich daher um eine Menschenrechtsverletztung.“

Kurz und gut, Herr H. beschloss, sich und seine „Islamkritiker“ fortan „Menschenrechtsaktivisten“ zu nennen und den FAS-Artikel „Rufmord“. Mit glasklarer Logik folgert der Bericht auf „politicallyincorrect.de“ über die oben wiedergegebene Morddrohung gegen Herrn H. nun:

„Dem Rufmord folgt gelegentlich ein Mord. Pim Fortuyn war ein solches Opfer. […] Er wurde von einem radikalen Linken (bzw. radikalen Multikulturalisten) ermordet, der in Fortuyn […] einen „Rassisten“ sah. (***) Zweifellos war der Mörder Fortuyns beeinflusst von Medien und Politikern, die zuvor Fortuyns berechtigte Anliegen und seine Person in massiver Weise diffamiert haben […]“

„Wie schon andere zuvor wird nun auch [Herr H.] Betroffener jener ausufernden Intoleranz und Gewalt […] Besonders schockierend daran ist, daß überregionale Tageszeitungen bei dieser Hetzkampagne mitmachen […]“

„Wann folgt dem Rufmord ein Verbrechen – denn die Verunmenschlichung, wie sie […] insbesondere gegen [Herr H.] betrieben wird, senkt die Hemmschwelle zur Gewalt, wie wir am schrecklichen Schicksal Pim Fortyuns gesehen haben.“

Um es noch einmal klar zu sagen: Der Autor verurteilt Morddrohungen, selbstverständlich auch wenn sie sich gegen politisch Andersdenkende richten, auf das Schärfste. Diese angebliche Morddrohung gegen Herrn H. halte ich jedoch von vorne bis hinten für erstunken und erlogen. M. E. schafft sich der Mann seinen eigenen Mythos inklusive Märtyrer- und Führerkult, um schön von den Spenden seiner „politisch inkorrekten“, „islamkritischen“ Schafherde leben zu können. Unter „Politische Unkorrektheit“ verstehen ihre Verfechtern offenbar zunehmend dass in die Welt setzen zweifelhafter Legenden, um Gegner, denen man nicht gewachsen ist, mit Dreck zu bewerfen…

Der geneigte Leser bilde sich seine eigene Meinung:

http://www.politicallyincorrect.de/2007/10/fas-blind-vor-menschenrechtsverletzungen/

http://www.politicallyincorrect.de/2007/10/drohungen-gegen-pi-gruender-stefan-herre/

FAS-Artikel vom 21.10.2007 via Watchblog Islamophobie http://zwischenruf.wordpress.com/2007/10/22/morddrohungen-gegen-pi-team/
politischkorrekt.info: „surprise, surprise!“
___________________________________________________________________________________________ Fußnoten:

(*) Artikel 4 des Grundgesetzes:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(**) An dieser Stelle will ich mal nicht so sein und mich der Solidaritätsaktion von politischkorrekt.info für Herrn H. anschliessen: Keine Mobifunkanrufe vor neun Uhr!

(***) Der Mörder Pim Fortuyns war radikaler Umweltaktivist und Tierrechtler, ein gerichtliches Gutachten bescheinigte ihm eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung (aber keine Unzurechnungsfähigkeit) (wikipedia)

 

Frau E. ist traurig…

Und veröffentlichte anlässlich der gescheiterten Antiislamisierungseuropademo am 11.09. in Brüssel unter dem Titel „Wir haben verloren“ ein paar Bilder von den qualmenden „Twin Towers“ und zwei Demonstranten. Aber warum? Klären Sie uns doch auf, Frau E., geteiltes Leid ist halbes Leid, so heisst es.

Angesichts einer 9/11-Doku seien ihr, so schreibt sie, die Tränen gekommen.

Und zwar weil… es bleibt mir angesichts der etwas kryptischen Bildunterschriften nichts anderes übrig, als zu deuteln … auf dem Bild hält jemand ein Schild mit der Aufschrift: „Europa, nimm einige Lehrstunden aus 9/11“ in die Höhe … weil „wir“ genau dies auch getan hätten.

Ooooooooooooohhhhhhhhhhhhhhhh…

Inwiefern haben „wir“ das getan? (Auf dem folgenden Bild wird ein mutmaßlicher Teilnehmer der verbotenen „Stoppt die Islamisierung Europas“-Demonstration in Brüssel abgeführt.)

„Wir pflegen begeistert unsere nationale Neurose und distanzieren uns von rechts.“

Ja, das tun „wir“. Das dritte Reich und der zweite Weltkrieg sind gerade mal 62 Jahre vorbei und kosteten insgesamt 55 Mio. Menschenleben. Und wenn man bedenkt, wie das in Deutschland in den späten 1920er Jahren angefangen hat – mit Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und einer aufkeimenden politischen Bewegung, die die Schuld an allen Problemen populistisch einer ethnokulturellen Minderheit in die Schuhe schob – dann tun „wir“ das auch völlig zu Recht.

„Und wer nicht freiwillig auf den Kehrichthaufen geht, wird hingebracht.“

Ich stimme Ihnen völlig zu, Frau E., auch wenn Sie das vermutlich eher nicht trösten wird…

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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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