„Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich sie (die Gutmenschen). Sie sind einfach nett…“
…schreibt Frau E. Danke. Danke auch für Ihren textlichen Versuch, „uns“ zu verstehen in: „Das geheime Wissen der Gutmenschen“. Was Dialoge mit Menschen angeht, die Ihre Auffassung nicht teilen, sind Sie ja nicht übermäßig beschlagen, wie ich hier schon feststellen musste, aber ich bewundere Ihre Hartnäckigkeit. Diesmal beginnen Sie Ihre Kommunikation wengistens nicht mit der Feststellung, dass Sie und ihr Dialogpartner Feinde seien.
„Der Titel hört sich an wie eine neue Verschwörungstheorie, oder? Nichts würde ich mehr genießen, als endlich auch einmal einer Weltverschwörung auf die Schliche zu kommen oder wenigstens in der Lage zu sein, eine zu glauben. Nur, es ist mir bisher noch nicht geglückt.“
Wow – so hatte ich das noch nie gesehen: Verschwörungstheoretiker sind Menschen, die gerne an eine Verschwörungstheorie glauben wollen…Und nicht etwa solche, die davon überzeugt sind, hinter die reine, absolute Wahrheit gekommen zu sein, die das ganze komplizierte Weltgeschehen mit einigen simplen Thesen erklärbar macht. Verschwörungstheoretiker glauben auch nicht, dass ihre Wahrheit nur deshalb nicht allgemein anerkannt ist, weil sie durch eine gigantische Verschwörung unterdrückt wird.
„…auf Eliten zumindest teilweise sicher zutreffen – [die] kleinen Privat-Gutmenschen […] sind nicht alles Mitglieder einer Verschwörung, den westlichen Lebensstil zu zerstören.“
Nicht alle sind Mitglieder einer Verschwörung zur Zerstörung des westlichen Lebenstils und Frau E. ist keine Verschwörungstheoretikerin. Wäre ja auch irgendwie sinnlos, so eine Verschwörung, wenn alle daran beteiligt wären…
Kennzeichen von Verschwörungstheorien sind (laut Wikipedia): Vereinfachende Muster der Realität, die aber nicht abstrahiert werden und somit korrekturfähig sind. Verschwörungstheoretiker verweigern es – im Gegensatz zu den Modellen von Wissenschaftlern – Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen herzustellen, bei denen ihre Hypothesen als falsifiziert gelten können. Es ist das Charakteristikum von Verschwörungstheorien, Behauptungen aufzustellen, die tatsächlich oder vermeintlich nicht überprüfbar sind. Verschwörungstheorien nehmen eine Konkretion der vereinfachten Realität vor, die unzulässigerweise verallgemeinert wird.
Da Frau E. keine Verschwörungstheoretikerin ist, finden sich solche nicht-abstrakten Vereinfachungen, die verallgemeinert werden, in ihrem Text nirgends.
Hier jedenfalls nicht:
„…die klassischen Gutmenschen – also Linke, Frauenbewegte, Schwulenbewegte oder ganz allgemein Spießbürger-Verächter, Patriarchats-Zerschlagerinnen und Alle-Menschen-sind-gleich-Prediger – dazu bewegt, sich mit dem Islam ausgerechnet einer Ideologie anzubiedern, die nun wirklich alles verkörpert, wogegen diese Leute vorgeblich stehen.“
Oder hier nicht:
„… [die klassichen Gutmenschen, die] sich zum Beispiel George Bush, den Papst oder die „Zionisten“ als Menschenfeind aus(zu)gucken…“
Hier auch nicht:
„…pflegen Moslems, die nicht aggressiv oder kriminell auffällig sind, einen Lebensstil, der bezüglich Spießigkeit alles toppt, was man sich vom schlimmsten erfundenen deutschen Gartenzwergebesitzer vorstellen kann.“
Konkretionen vereinfachter Realitäten sind auch hier überhaupt nicht zu finden:
„Vertreter des Islam sagen häufig erfrischend offen, dass sie Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Meinungsäußerung oder vor allem ihres Glaubens […] für ungleichwertig halten und notfalls mit brutaler Gewalt den Rest der Welt […] zu unterwerfen.“
„…ihre Grundlagenliteratur ansehen, um festzustellen, dass sie zumindest dann ganz und gar nicht spinnen, wenn man diese für das Wort Gottes hält, sondern vollkommen vernünftig handeln.“
Zumindest scheint sich Frau E. mit radikalen Islamisten darüber vollkommen einig zu sein, dass diese die einzig würdigen Vertreter der weltweit 1,3 Mrd. Muslime sind und dass die radikale Koranauslegung die einzig richtige ist. Das ist auch vollkommen logisch, denn: Feindliche und hasserfüllte Aussagen von Islamisten beweisen die Boshaftigkeit der Muslime – ausgleichende und friedvolle Statements gemäßigter Muslime beweisen nur ihre Hinterhältigkeit, uns zu täuschen (zu taqiyya-isieren).
Wikipedia: Grundlage aller Verschwörungstheorien ist ein dezidiertes und vereinfachendes Welt- und Geschichtsbild…
Die zum Beispiel in vereinfachenden historischen Vergleichen bestehen können, oft verbunden mit der dezidierten Aussage, dass die Geschichte sich in diesem Falle doch wiederhole…
„…[Gutmenschen haben] keinerlei Problem damit, dass man Neonazis nicht nett behandelt, […] ihre Ideologie ablehnt.“
Da es sich bei Frau E. nicht um eine Verschwörungstheoretikerin handelt, ist der Vergleich zwischen dem deutschlandweit vorhandenen „rechtsextremen Personenpotenziel“ von 39.000 Menschen (Verfassungschutzbericht 2005) und 1,3 Mrd. Muslimen natürlich überaus legitim. Obwohl, wissenschaftlich betrachtet…
Sozialwissenschaftliche Modelle zeigen, dass sich weitreichende Ereignisse in Gesellschaft, Wirtschaft oder Staat nicht allein durch das zielgerichtete Handeln von Personen oder Personengruppen verursachen lassen. Man geht hier vielmehr vom Zusammenwirken vieler verschiedener subjektiver Gründe und objektiver Bedingungen aus, die aus Strukturen, Konjunkturen, Absichten, Gegenabsichten, Irrtümern und schlichten Zufällen bestehen und sich zudem gegenseitig beeinflussen. (Wikipedia)
Das heisst auch: Je größer ein soziales System ist, desto weniger lästet es sich von einzelnen Personen oder –gruppen in eine bestimmte Richtung (z. B. den Jihad gegen die westliche Welt) steuern. Damit wäre die Vergleichbarkeit zwischen 39.000 und 1,3 Mrd. Menschen hinfällig. Klingt logisch, rein wissenschaftlich betrachtet. Da „wir“ aber geneigt sind, Frau E. in ihrem unbedingten Willen, „uns Gutmenschen“ zu verstehen, zu unterstützen, müssen „wir“ wohl davon ausgehen, dass es sich bei wissenschaftlicher (erst recht sozialwissenschaftlicher) Argumentation wohl um dhimmitaqiyyalinksgrünmuselfaschistisches Geschwätz handelt, welches die Eliten aus Politik, Medien und Wissenschaft benutzen, um uns in einer gigantischen Verschwörung…
„…ich vermute, weil sie (die Gutmenschen) nicht komplett irr sind und das Grundlegende – nämlich, dass man manchmal mit Nettigkeit und Verständnis nicht weiterkommt, […] – [bei Neonazis] schon kapiert haben.Beim Islam kapieren sie’s aber nicht […]“
Sie müssen schon entschuldigen Frau E., dass „wir nicht komplett irren Gutmenschen“ nicht von allein auf den von Ihnen angestellten Vergleich zwischen 39.000 Neonazis und 1,3 Mrd. Muslimen gekommen sind. Das liegt wohl an der oben angestellten wissenschaftlichen dhimmitaqiyyalinksgrünmuselfaschistischen Argumentation Gehirnwäsche die „uns“ die an der islamischen Weltverschwörung beteiligten Wissenschaftler verpasst haben müssen. Obwohl Sie, Frau E., ja schon am Beginn Ihres Aufsatzes klargestellt haben, dass Sie keineswegs eine Verschwörungstheoretikerin sind. Um dies nachdrücklich zu unterstützenen, zitiere ich weiter den Wikipedia-Eintrag:
Ein wesentliches Merkmal von Verschwörungstheorien ist der normative Maßstab. Vorgänge werden nicht wertneutral konstatiert, sondern von einem normativen Standpunkt aus kritisiert.
Und ich, Frau E., habe nicht mal den allerkleinsten Zweifel daran, dass Sie „uns Gutmenschen“ von einem wertneutralen Standpunkt aus betrachten und sich nicht etwa überlegen fühlen, weil Sie sich im Besitz der reinen, absoluten Wahrheit wähnen:
„In Diskussionen über das Thema Islam mit lieben Islamverstehern (Gutmenschen), kommt irgendwann der Punkt, wo sie erschöpft sind, wo sie mit dem Rücken an der Wand stehen, wo sie merken, dass ihre Zirkelschlusslogik und ihre Strohmannargumente gegen Fakten nicht mehr ankommen, wo sie ausgepowert sind und keine Lust mehr haben, wo ihnen nichts mehr einfällt…“
Eines vergleichbaren Verlaufs einer Diskussion zwischen Ihnen und mir kann ich mich in diesem Thread allerdings durchaus nicht entsinnen… Trotzdem schätze ich an Ihnen, dass sie niemals vereinfachen und stereotypisieren.
„…und dann ziehen sie ihre allerletzte Waffe aus dem Sack und fragen triumphierend: Willst Du alle Moslems umbringen?“
Sie „neigen… irgendwie… zu einer Ansicht“, Frau E. und weil Sie es sind ist das natürlich beinahe genauso gut wie ein richtiges Argument:
„Es kommt so häufig, dass ich zu der Ansicht neige, es kommt immer …. und da, wo’s nicht kommt, hat man selber argumentativ geschwächelt oder vorzeitig aufgegeben, weil’s einem zu blöd wurde, gegen Mauern zu reden. Mit Sachkenntnis und Ausdauer kann man irgendwie wohl jeden Islamversteher dahin treiben, dass er das fragt.“
„Sachkenntnis und Ausdauer…“ Wohl eher das letztere, Frau E., mit der Sie Ihre Thesen, fast möchte ich sagen, Glaubensgrundsätze, wiederholen, wiederholen und immer und immer, immer, immer und immer wieder wiederholen, ohne sie jemals auch nur ein einziges Mal zu beweisen. Und offenbar ermüden Sie damit nicht nur jedesmal Ihre Diskussionspartner, auch Ihnen selbst wird es mittlerweile schon so langweilig, dass Sie ihren Grundsatzthesen ein frische, ironisch-zynische Verpackung verpassen:
„-Yepp, sollte man darauf (auf diese Frage) sagen. Du hast es erfasst. Ich bin wie Adolf Hitler, bloß schlimmer. Er wollte alle Juden ermorden, aber damit halte ich mich nicht auf, von denen gibt’s mir zu wenige. Ich nehme lieber Moslems, von denen gibt’s hundert mal soviele. Und zu dem Zweck haben meine Mitstreiter und ich ein fingiertes Hetzwerk namens Koran geschrieben…“
Ein „Hetzwerk“, das neben den Suren die Sie immer zitieren, auch solche enthält (die Sie in „Mein Kampf“ vermutlich nicht finden würden):
5:32 Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem anderen oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hätte er die ganze Welt getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen zu ihnen mit deutlichen Zeichen; dennoch, selbst nach diesem, begehen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. (Quelle)
So ist das nunmal mit tausend Jahre alten religiösen Texten. Damit lässt sich alles beweisen – und auch das genaue Gegenteil…
„…tausende von bärtigen Männern […] bestochen, [die] Hetzreden […] halten und Steinigungen und Kopfabhackereien […]“
Millionen von Muslimen tun nichts dergleichen…
„…20 Millionen Millionen Moslems nach Europa geholt…“
20 Billionen? Echt? Im übrigen sind Migrationsbewegungen ein vollkommen natürlicher Vorgang, die es zu allen Zeiten in allen Weltregionen gegeben hat, ja, geradezu als ein Motor der Weltgeschichte gelten können…
„Straßenkriminelle… (die)… Mädchen ohne Kopftuch als Schlampen […] beschimpfen oder gar […] belästigen und […] vergewaltigen.“
Die spannende Frage wäre hier doch, Frau E., ob sich die Motivation von Straßenkriminellen tatsächlich in einer logischen Kausalkette bis in den Koran zurückverfolgen lassen…
„Hunderttausende […] wegen ein paar Strichmännchen auf der Straße […] randalieren…“
Die Mohammed-Karikaturen der „Jyllands-Posten“ wurden schon am 17. Oktober 2005 in der ägyptischen Zeitung Al Fagr veröffentlicht – ohne irgendwelche Massenproteste oder Randalierungen. Erst durch die Erstellungen eines „Dossiers“ zweier Imame und der Beifügung einiger gefälschter Karikaturen grob beleidigenden Inhalts kam es Anfang 2006 zu den gewünschten Massenprotesten und Gewaltexzessen, die 140 Menschenleben kosteten. Der Karikaturenstreit war somit eine gezielte Aufhetzung der Bevölkerung durch Ihre Hetzer-Kollegen auf der muslimischen Seite, Frau E.
„…am 11. September 2001 das World Trade Center zerstört…“
Die Reaktion auf „9/11“ war der Afghanistan-Krieg Ende 2001, welcher zwischen 20.000 und 50.000 zivile Todesopfer forderte (Recherchen von Jonathan Steele, “The Guardian”, eine offizielle Zahl gibt es nicht). Das ist die zehnfache Anzahl der zivilen Todesopfer von New York, Washington und Shanksville… Reicht Ihnen das noch immer nicht?
„…über 9.000 tödliche Anschläge im Namen des Islam verursacht…“
Sie spielen hier auf den „Toten-Ticker“: „Tödliche Terrorattacken seit 9/11“ an, der auf sämtlichen „islamkritischen“ Webseiten zu finden ist. Da zu dieser Zahl hauptsächlich Anschläge des irakischen Bürgerkrieges beitragen, bei denen hauptsächlich irakische Zivilisten und somit Muslime getötet werden, taugt dies als Argument gegen die „Islamisierung Europas“ wohl kaum…
„…diese unverschämte Frage…“ (aka „Willst Du alle Moslems umbringen?“)
Die – wohlgemerkt – Sie selbst aufgeworfen haben. Mit wem diskutieren Sie eigentlich? Mit sich selbst?
„…aus Gehässigkeit geboren und ersetzt das, was man normalerweise jemandem entgegenhält, dessen Ansichten man nicht teilt: Argumente.“
Ihr imaginärer, gutmenschlicher und gehässiger Diskussionspartner bringt also keine Argumente. Sehr bedauerlich. Warum denken Sie sich nicht einfach einen anderen aus? Oder führen reale Diskussionen? Weil Sie selbst argumentiv nicht das Geringste zu bieten haben?
„…glaube ich, dass man die Frage als Anzeichen werten kann, dass man die Diskussion auf ganzer Linie „gewonnen“ hat. Aber dann könnte ja auch ein „Ja, Du könntest recht haben“ kommen. Und ich glaube, das kommt. Das kommt implizit in der provokanten Frage mit.
Denn sie sagt aus:
„Wenn das alles wahr wäre, was Du sagst, was bliebe uns dann anderes übrig, als alle Moslems umzubringen? Weil ich das nicht will, darf nicht wahr sein, was Du sagst.“
Das ist schon ein interessanter Punkt, Frau E. Gerade oben warfen Sie „gutmenschlichen“ Diskussionspartnern noch vor, es käme immer
„…irgendwann der Punkt […] wo sie merken, dass ihre Zirkelschlusslogik und ihre Strohmannargumente gegen Fakten nicht mehr ankommen…“
…und hier brillieren Sie selbst mit Zirkelschlusslogik par excellence: Sie behaupten, alle „gutmenschlichen“ Argumente gegen Ihre Ideologie liessen sich zwangsläufig auf die von Ihnen auch noch selbst formulierte „unverschämte Frage“: „Willst du alle Moslems umbringen?“ zurückführen. Und dann behaupten Sie, diese Frage impliziere doch, dass Ihr Gegenüber Ihnen eigentlich zustimme und somit alle Gegenargumente eigentlich heimliche Zustimmung bedeuteten.
Zirkelschlusslogik und Behauptungen („Strohmannargumente“) sind offenbar nur „Islamkritikern“ erlaubt. Und wissen Sie was, Frau E.? Da stimme ich Ihnen zu. Erstens bedürfen „wir Gutmenschen“ derer nicht und zweitens würden dann so amüsante Texte wie der Ihre der Welt unwiderbringlich verloren gehen…
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