Ey, isch schwör, Alter… weder Überschrift noch Thematik des Beitrags passen zum Niveau dieses Blogs (ich bin mir sicher, es gibt irgendwo eins…) Frau Saalfranks Sendung kenne ich nur vom durchzappen, überhaupt gehen mir diese ganzen langweiligen „DokuSoaps“, mit denen ausgerechnet die Privatsender vordergründig die Bevölkerung erziehen wollen, schwer auf mein empfindliches Nervenkostüm. Es soll hier aber nicht um boulevardeske TV-Formate gehen, sondern um den grotesken, rektalen Ausfluss einer bestimmten -eigentlich marginalen- neurechten Ecke, der im Moment, mit tatkräftiger Unterstützung der Springer-Presse, der FAZ und dem wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, in den Mainstream der politisch-publizistischen Debatte um die „jugendliche Migrationshintergrundsgewalt“ gespült wird. Wie diese Politische Inquisition (PI) funktioniert, und dass ihr eigentlich jeder, der tatsächlich oder scheinbar nicht auf Linie dieser neurechten Hetzergemeinde liegt, zum Opfer fallen kann, zeigt der im folgenden zitierte Artikel „Die rote Super-Nanny“ symptomatisch. Es reicht, Zusammenhänge zu verdrehen, zu unterstellen, zu lügen, Opfer zu instrumentalisieren, und fertig ist der Pranger, an dem der zum Feind auserkorene Mensch steht, der dann von erregten kleinbürgerlichen Geistern mit Schmutz, übelriechenden Parolen und schlechten Witzen beworfen werden kann.
Die Faktenlage ist simpel. Deutschlands größtes Online-Boulevardmagazin Spiegel Online interviewt Deutschlands größte Vorzeige-TV-Pädagogin Katharina Saalfrank bezüglich der Mediendiskussion zur jugendlichen Migrationshintergrundsgewalt, das ganze wird dann auf Deutschlands größtem politischen Hetzblog PI zweitverwertet (und hier jetzt gewissermaßen drittverwertet). Wohlgemerkt, SpOn befragt Frau Saalfrank ausdrücklich als Pädagogin, wie aus dem Untertitel „Deutschlands oberste Fernseherzieherin ist böse…“ in Springpiegel-typischer Manier klar hervorgeht. Für PI-“Gastautor Micha“ steht Frau Saalfrank auf einer Liste einer Reihe von „Volksfeinden“, welche in der von ihm prognostizierten Zukunft in einem von ihm prognostizierten
„…Buche steht. Und zwar in einem Buch, das so etwa in 50 Jahren im Rest der freien Welt erscheinen wird und zu erklären versucht, wie es dazu kommen konnte.“
Aus dem weiteren SpOn-Untertitel:
„…schimpft Katharina Saalfrank über die Unions-Debatte zum Thema Jugendgewalt – und erklärt, warum bei ihr nie ausländische Problembälger auftreten.“
meint „Micha“, man könne
„…zwischen den Zeilen [lesen, dass], “ausländische Problembälger” [...] im Vergleich zu “einheimischen Problembälgern” kaum vor [-kommen]…“
Die Antwort auf die SpOn-Frage, was denn die „Supernanny“ von Roland Kochs Wahlkampagne halte:
Saalfrank: „Herr Koch betreibt Wahlkampf auf dem Rücken der Jugendlichen. Was er fordert, ist für meine Begriffe eine reine Katastrophe – vor allem für die Jugendlichen. Offensichtlich hat Koch überhaupt keine Ahnung davon, was die Jugend für eine sensible Lebensphase ist [...]„
hat für „Micha“ natürlich nur eine Erklärung:
„Frau Saalfrank, die Rolle der Täterversteherin füllen Sie prima aus, das Opfer zu verstehen fällt Ihnen offensichtlich schon schwerer.“
Dann er brilliert mit seinen „anatomischen Grundkenntnissen“:
„…der Schädel [ist] eine sensible Körperregion [...], wenn mit voller Wucht dagegen getreten wird…“
Wer hätte das gedacht… Bei „Micha“ scheint die „sensible Körperregion“ weniger der Schädel als vielmehr dessen Inhalt zu sein, denn: Der tatsächliche Grund, warum Frau Saalfrank zu den jugendlichen Tätern (des U-Bahn-Überfalls in München) Stellung bezieht, ist natürlich, dass sie ausdrücklich als Pädagogin für schwererziehbare Jugendliche befragt wird, wie aus dem Untertitel auch klar hervorgeht. Jedenfalls für den, der lesen kann und will. Kontexte wie berufliche Hintergründe spielten für PI ja noch nie eine Rolle, außerdem bekennt Frau Saalfrank jetzt sowieso ihr Zentralverbrechen:
SpOn: „Sind Sie noch Mitglied in der SPD?“
Saalfrank: „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor.“
SpOn: „Wie wollen Sie denn der Jugendgewalt begegnen?
Saalfrank: Die Situation wird sicherlich nicht dadurch entschärft, dass Leute weggesperrt werden. Die entscheidende Frage ist, warum Menschen aggressiv und straffällig werden [...]„
Was Frau Saalfrank hier (wahrscheinlich) meint, ist, dass eine Verschärfung des Strafrechts nicht zu weniger Kriminalität führt. Höhere Strafen haben keine Abschreckungswirkung, zahlreiche Untersuchungen zeigen dies, weswegen sich Experten eindeutig gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aussprechen. Das sind natürlich schon wieder Kontexte, die „Michas“ „sensibelste Körperregion“ überanstrengen, deswegen hilft er sich lieber mit einfacher Logik:
„Wenn die Schläger [...] rechtzeitig hinter Gitter oder [...] über die Grenze gewandert wären, hätte es die 100 Straftaten, [...] weniger gegeben. [...] für die 100 Opfer (ja, zu jeder Straftat gehört auch ein Opfer! Schon mal gehört?) 100 entschärfte Situationen gegeben hätte [...]: die Straftaten hätten einfach nicht stattgefunden!“
Wenn man Straftäter einsperrt, bevor sie Straftaten begehen, begehen sie keine Straftaten… Und wenn man den Rechtsstaat kritisiert ohne zu wissen, was ein Rechtsstaat überhaupt ist, läuft man Gefahr, sein wahres Gesicht zu zeigen…
„Für die Opfer ist die entscheidende Frage, warum man die Straftäter wieder und wieder und wieder und wieder (hier bitte mal durchschnittlich 50 ‘wieders’ denken) lässt!“
Die beiden Intensivstraftäter von München wurden nicht angeklagt und freigesprochen, sondern die Gerichtsverhandlungen kamen gar nicht erst (oder noch nicht) zustande. Zwischen der Verschleppung von Gerichtsverfahren, aufeinanderfolgenden „Bewährungs-“strafen aufgrund mangelnder Gefängniskapazitäten und dem Strafrecht besteht überhaupt kein Sinnzusammenhang. Es sei denn, man konstruiert einfach einen, redet von „zu gnädigen Richtern“, „zu laschen Gesetzen“ und hofft, das Leute darauf hereinfallen, die mit ihren „sensibelsten Körperregionen“ dieselben Schwierigkeiten haben wie Freund „Micha“. Ursachen für wie oben genannten Zustände dürften wohl eher bei Einsparungen in der Justiz zu finden sein, sowohl in Bayern als auch anderen Bundesländern.
Saalfrank: „Und was die Herkunft angeht: Es schlagen genauso viele deutsche Jugendliche.Die Debatte wäre sicherlich nicht im doppelten Sinne so hochgekocht worden, wenn deutsche Jugendliche die letzten Überfälle begangen hätten.Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal. Als Pädagogin setze ich bei den Eltern an und betreibe Ursachenforschung – und gerade bei Kindern unter 14 Jahren hat man noch gute Chancen die Eltern zu erreichen.“
Das Frau Saalfrank bei ihrer Arbeit als Pädagogin objektiv vorgeht und die „Herkunft“ ihrer Schützlinge keine Rolle spielt, das ist für „Micha“ nun der Gipfel der Unverfrorenheit. Da er ein gewiefter Mathematiker ist, der schon den Dreisatz beherrscht, hängt er sich an der Formulierung „genauso viele“ auf und beweist uns:
„Tut mir Leid, Frau Saalfrank, jetzt wird es ein wenig mathematisch. Ich weiß, das kommt in Ihren Glaubenssystemen nicht vor – Glauben ersetzt bekanntlich Wissen – , aber versuchen Sie mir trotzdem mal zu folgen. Wenn die Bevölkerung mal angenommen aus 20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’ besteht,dann dürften nur 20 von 100 Schlägern einen Migationshintergrund haben. Sind es aber gleichviel, also 50 von 100 [...], das macht mitgerechnet eine VIERMAL höhere Gewaltneigung…“
Gut. Frau Saalfrank hat einen Fehler gemacht, sie hätte statt „genauso viele“ sagen müssen: „es schlagen mehr deutsche Jugendliche“. Dass sie sich damit der Kritik von Dreisatzverstehern aussetzt, hat sie vermutlich nicht bedacht. Was „der Micha“ bei anderen Leuten nicht ok findet, nämlich ungenaue Annahmen zu machen und damit zu argumentieren, findet er bei sich aber selbst offenbar weniger schlimm: Er geht nämlich von „…20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’…“ aus, tatsächlich beträgt der Anteil ethnischer Deutscher an der Wohnbevölkerung 91,5% (2007 est.; CIA World Factbook).
Um zu wissen, worüber man überhaupt redet, sollte man zunächst die Fakten kennen. Hier mal ein kleiner „kriminalstatistischer“ Exkurs:
Die polizeiliche Kriminalstatistik 2006 weist bei 14-21-jähriger Tatverdächtigen einen nichtdeutschen Anteil von 17% aus. Wobei sich „nichtdeutsch“ auf die Staatsangehörigkeit bezieht und nicht auf den „Migrationshintergrund“: Von 2000 (Reform des Staatsbürgerschaftsrechts) bis 2006 wurden rund 1 Mio. Menschen, also etwa 1,2% der Gesamtbevölkerung eingebürgert. Da insgesamt 8,5% der Wohnbevölkerung nichtdeutscher Herkunft minus 1,5% Eingebürgerter (wegen des fehlenden Jahres 2007 aufgerundet) ergeben sich 7% der Wohnbevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diesen 7% wird ein Anteil von Jugendkriminalität von 17% zugeschrieben. Damit ist der Anteil nichtdeutscher jugendlicher Straftäter, bezogen auf den Bevölkerungsanteil, höher: 93% „Staatsangehörige“ begehen 83%; 7% „nicht-Staatsangehörige“ 17% der Jugendstraftaten. Also begehen rund 13mal mehr „Staatsangehörige“ nur 5mal mehr Jugendstraftaten; Jugendkriminalität geht damit in etwa zweieinhalb so häufig von „nicht-Staatsangehörigen“ aus. Was die Ursachen für diese erhöhte Rate angeht, kommt diese Studie, die im Unterschied zu den Zahlen „Michas“ statt auf „Annahmen“ auf Umfragen, Quellenangaben und falsifizierbaren Operatoren basiert, zu folgendem Schluss:
„Die berichteten Ergebnisse zu den Ursachenfaktoren gewalttägen Verhaltens lassen sich wie folgt zusammenfassen: Deutsche Jugendliche bilden bei fast allen Indikatoren die am wenigsten belastete Gruppe. Soziale Benachteiligung, gewaltförmige Erziehung, problematische Persönlichkeitsfaktoren usw. sind bei Deutschen weniger verbreitet. Auf der anderen Seite gibt es aber keine nichtdeutsche Gruppe, die sich als durchgehend auffällig erweist. Insofern existieren gruppenspezifische Belastungen. Türkische Jugendliche sind häufiger von einer schlechten ökonomischen Lage und von geringerer Bildungsintegration betroffen [...]“ (S. 32)
Aber nach Fakten zu recherchieren, diese in Beziehung zueinander zu setzen und damit nachvollziehbar zu argumentieren, das können wir weder von unserem Dreisatzexperten noch von PI erwarten:
„Aber haben wir wirklich gleich viele ausländische und deutsche Schläger? Allein wenn ich die Vergewaltigungsrate in Berlin mit über 80% Migrantenanteil sehe, hätte ich da meine Zweifel.“
Quelle? Quelle? Da ist sie: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2006 (S. 15) Nichtdeutscher Anteil bei Sexualdelikten in Berlin: 39% . Aber… wie war das doch, Freund „Micha“?
„…Glauben ersetzt bekanntlich Wissen…“
Genau.
Aber leider ersetzt bei Politisch Indiskutabel (PI) und „Micha“ nicht nur der Glaube das Wissen, sondern sehr viel stärker noch die Hetze. Das die PI-Macher dabei kein Tabu kennen, haben sie oft genug bewiesen und wozu das im Kommentarbereich führt, ist hier und neuerlich hier dokumentiert.
„Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal.“
hatte Frau Saalfrank im obigen Kontext gesagt.
„Das merkt man. So egal wie die Opfer oder noch egal-er?“
erwidert Horst „Micha“ darauf. Nicht nur das er hier und im folgenden Satzfetzen aus den Interview-Antworten willkürlich auseinanderreisst und neu zusammensetzt, nein, dieser Satz will uns sagen: Die erhöhte Jugendkriminalitätsrate von Migrationshintergründlern nicht durch deren „artfremde“ Kultur zu erklären ist gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit gegenüber den Gewaltopfern. Dabei lautet die simple Wahrheit in diesem speziellen Fall Frau Saalfranks, dass sie Pädagogin ist und sicher daher mit Jugendlichen und nicht mit Rentnern beschäftigt.
SpOn: „[...] Wie wollen Sie zum Beispiel an eine türkische Problemfamilie in Berlin-Neukölln rankommen?“
Saalfrank: „Problemfamilien gibt es nicht. Es gibt aber schwierige Situationen und ungünstige Voraussetzungen. Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.“
Dem letzten Satz widmet der PI-Autor einen ironischen Exkurs, denn er hat Frau Saalfrank durchschaut:
„Lieber Herr Pensionär, wenn Sie glauben, sie haben es als Opfer nicht leicht: bitte nehmen Sie doch einmal zur Kenntnis, wie sehr man sich um Sie bemüht! [...] nimmt sich Frau Saalfrank auch noch die Zeit, Ihnen zu erläutern, dass es nicht die Opfer, sondern die Pädagogen sind, die die Last dieser Sozialexperimente zu tragen haben, denn:
“Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.”
Könnten Sie daher also vielleicht etwas leiser jammern? [...]
(Und nun ganz im Ernst: bitte nehmen Sie, falls Sie diesen Text lesen sollten, meine Entschuldigung dafür entgegen, mich hier zu Ihrem unglaublichen Erlebnis so sarkastisch auszulassen. [...] wird mir trotz des Sarkasmus’ schlecht – aber Leute wie Frau Saalfrank [...] meinen das auch noch ganz im Ernst – und es geht ihnen prächtig dabei!)“
Gestatten, mein Name ist Überlegenheit. Moralische Überlegenheit. Auch wenn ich Sie, wertes Opfer, vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen als politische Waffe gegen „Überfremdung“ und „Linksgrünfaschistischgutmenschliche Sozialexperimente“ instrumentalisiere.
SpOn:“Nehmen wir mal an, Sie dürften eine einzige politische Maßnahme durchdrücken. Welche wäre das?“
lautet des Journalisten Thosten Dörtings Frage und:
Saalfrank: „Es muss gut ausgestattete Beratungsstellen geben und gut ausgebildete Pädagogen, die sich um Eltern und Kinder kümmern. Das heißt: Es geht ums Geld, nicht nur – aber auch! Und nicht nur um mehr, sondern das Geld muss anders verteilt werden. Und es muss ein wertschätzender Umgang mit den Menschen stattfinden – keine staatliche Kontrolle. In der derzeitigen Debatte fühlen sich viele Migranten sicherlich angegriffen. Das ist respektlos, kontraproduktiv und nicht zielführend.“
…Katharina Saalfranks Antwort. Was dreht Permanent Indoktrinierend (PI) daraus? Der Autor zitiert nur die letzten beiden Sätze und erwidert:
„Da habe ich doch glatt etwas falsch verstanden. Der Rentner wurde gar nicht angegriffen? Das waren vielmehr die Prügler, die angegriffen wurden? Ach ja, das hat uns Jessen von der ZEIT ja auch schon mal erklärt, aber das habe ich wohl einfach nicht verstanden.“
What the heck does that mean? Does the Supernanny talks in a foreign language you aren’t able to understand, dude? Where does she mention one single word of that crap you try to infiltrate here?
SpOn: „In Ihrer Sendung hält die Kamera auch beim schlimmsten Familienkrach respektlos drauf und baut so gesellschaftliche Hemmschwellen ab.“
Saalfrank: „Finden Sie? Ich bin etwas überrascht, weil mir diese Frage so noch nie gestellt wurde. Die gängige Kritik lautet ja eher: Wer schützt eigentlich die Kinder, wenn die Eltern das Verhalten der Kinder einer breiten Öffentlichkeit zeigen?“
SpOn: „Und?“
Saalfrank: „Ich antworte mit einer Gegenfrage: Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt. Ich verstehe, wenn sich der Zuschauer auch mal unwohl fühlt und denkt: Das ist mir zu intim. Und dennoch: In vielen Familien geschieht tagtäglich Gewalt. Ich möchte mit meiner Arbeit enttabuisieren.“
Saalfrank redet über ihre RTL-Sendung. Klar und erkennbar. Wiederum greift „Micha“ zwei Sätze aus diesem Zusammenhang heraus:
„Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt.“
…und berichtet live aus seiner imaginären Welt, in der er und die „Supernanny“ gemeinsam U-Bahnfahren:
„Ich stelle mir mal vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Vater sein Kind in der Öffentlichkeit ohrfeigt. Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen … Oder ich stelle mir vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Jugendlicher mir in einer Rauchverbotszone Rauch mitten ins Gesicht bläst … Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen…“
„Ich stelle mir mal vor…,“ dass Sie das und das machen… Sie Schwein! Und damit, dass „ich mir das mal vorstelle…“ habe ich ganz klar bewiesen, das Sie eine Heuchlerin sind, Frau Saalfrank, jawohl!
SpOn: „Sie nehmen für sich in Anspruch, dahin zu gehen, wo es pädagogisch weh tut. Haben Sie schon mal mit Migrantenfamilien gearbeitet?“
Saalfrank: „Natürlich! In meiner Zeit in der Familienberatung hatte ich viele Eltern und Kinder mit einem solchen Hintergrund. Im Rahmen der Sendung noch nicht.“
SpOn: „Ich sage Ihnen auch warum: Es bewerben sich zwar viele Familien, aber RTL nimmt davon Abstand. Der Sender hat uns mitgeteilt, dass er die Sendung nicht mit Untertiteln versehen will.“
Saalfrank: „Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“
Hier, werter Herr „Micha“, ist tatsächlich Gelegenheit, Frau Saalfrank zu kritisieren. Und zwar als Opportunistin, die sich zwar im Rahmen halbstündiger Interviews bedingungslos für die Integration von Migranten einsetzt, wenn es sie nichts kostet – gegenüber ihrem Sender RTL aber dessen fadenscheinige Begründung mit den Untertiteln einfach akzeptiert, als hätte sie als „Kopf“ der Sendung keinen Einfluss auf die Gestaltung. Oder gibt es Studien darüber, dass ein signifikanter Anteil der RTL-Zuschauer nicht lesen kann? In diesem Fall könnte ja der durchschnittliche RTL-Zuschauer auch nicht besser deutsch als viele „problematische Migrantenfamilien“, denen die „Supernanny“ auf die Pelle rücken und mal einen echten Beitrag zur Integration leisten könnte. Tatsächlich haben wir ja einen -wenn auch nicht besonders wichtigen- Fall von Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund. DAS dürfen Sie, Herr „Micha“, als neurechter „Islamkritiker“ natürlich so nicht schlussfolgern, das wäre geradezu ein Gedankenverbrechen. Deswegen bleibt bei Ihnen nur ein:
„Ach so, natürlich, Sie enttabuisieren ja nur deutsche Gewalt.“
Es wird ein Motiv unterstellt wo keines ist, denn Frau Saalfrank sagte ja deutlich:
„Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“
D. h. sie würde ja gerne (zumindest sagt sie das), aber man lässt sie nicht.
„Ja, beschränken wir das dann mal auf ein Bedauern. Während der Betreiber und die Autoren dieses Blogs bedroht werden, während Warner wie Ralf Giordano oder Henryk M. Broder mehr Morddrohungen gesammelt haben als diese Schläger Straftaten [...] bei Ihrer Popularität bei RTL [...], natürlich auf keinen Fall irgend etwas anderes tun, als das lediglich zu bedauern. [...]„
Tja, das ist schon eine Krux mit diesen Morddrohungen… Sie werden anonym geäußert, zurückverfolgen oder gar beweisen lässt sich meistens nix und überwiegend stammen sie von ausgesprochenen Soziopathen, die sowieso keiner Ernst nimmt, z. B. diesem. Aufgrund aller dies Eigenschaft eignen sie sich aber auch gar trefflich als „Argument“, v. a. wenn man keine hat, nicht wahr, Herr „Micha“? Was haben denn Morddrohungen gegen den Politisch Irrationalen (PI) Blogbetreiber, gegen Ralph Giordano und Henryk Broder mit der „Supernanny“ zu tun? Oder mit der Debatte um jugendliche Migrationshintergrundsgewalt bzw. die politische und mediale Ausschlachtung derselben? Was wollen Sie denn damit aussagen? Das ihre, die „islamkritische“ Front die einzig wahren Opfer sind? Das derjenige, der mehr Morddrohungen „sammelt“ eine höhere moralische Autorität besitzt? Wenn letzteres -was ich vermute- Ihrer Intention entspricht, ist es dann nicht unklug, das das PI-Weblog zu jeder missliebigen Person Kontaktdaten veröffentlicht, zumal häufig gewaltphantasmatische Kommentare aufgefallen sind?
„Und nun kommen wir zum Höhepunkt. Das absolute Highlight, quasi die Perle [...]„
SpOn: „Manche Publizisten vertreten jetzt die Meinung, dass ausländische Jugendliche aus rassistischen Motiven Gewalt gegen Deutsche ausüben. Ein Rentner wird nicht mehr angegriffen, weil er ein leichtes Opfer ist, sondern weil er ein deutsches Opfer ist.“
Saalfrank: „Ich stelle mir umgekehrt die Frage, warum wir uns der rechten Gewalt nicht genauso zuwenden. Vielfach werden Ausländer in Deutschland überfallen. Und außerdem: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Diese Jugendlichen werden allen möglichen Diskriminierungen ausgesetzt gewesen sein – was die Tatsache an sich natürlich nicht besser macht.“
„Das ist jetzt nicht wirklich Ihr Ernst? [...] Vielmehr ist dem Redakteur bloß ein Textbaustein aus einem Uralt-Programm hier reingeraten? [...] Dann erlaube ich mir mal eine Anleihe [...]:
Ostersonntag 2006: In Potsdam wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: bundesweite Seite-1-Pressemeldungen, Solidaritätsbekundungen, Lichterketten, Warnung vor aufkommendem Rechtsradikalismus, Proklamieren von No-go-Areas im Osten, Einschaltung der Bundesanwaltschaft, Handschellen, medienwirksamer Abtransport im orangefarbigen Dress Hubschrauber…
Juni 2007: In Berlin-Neukölln wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: etwas Lokalpresse, sonst nichts. Die Tatverdächtigen wurden nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.
Der Unterschied? Tatverdächtige im ersten Fall: Ostdeutsche. Tatverdächtige im zweiten Fall: türkischstämmige Migranten.
Noch Fragen, Kienzle?“
Ja. Übersieht man hier nicht das Offensichtliche?
22. Dezember 2007: Ein 76-jähriger Rentner wird in der Münchner U-Bahn brutal zusammengetreten und erleidet mehrere Schädelfrakturen. (Mediale) Folgen: Eine mehrwöchige Medienkampagne der Bild -“Zeitung“ und das Aufgreifen des Themas „Gewalt jugendlicher Migranten gegen Deutsche“ vom wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch…
Täter: ein 17-jähriger Grieche und einen 20-jähriger Türke
Nämlich, dass der Presse die Opfer scheissegal sind, es sei denn, ein entsprechendes Thema wird aktuell als mediale Sau durchs Dorf getrieben? Wie im ersteren Fall, als die Fußball-WM ins Haus stand und man eine Medienhysterie angesichts der Außenwirkung Deutschlands startete oder im aktuellen Fall, wo dem brodelnde „Volkszorn“ latent fremdenfeindlicher Kleinbürger wie Sie einer sind, Herr „Micha“, ein Druckablassventil gewährt wird, damit Roland Koch seine Wahlkampfsuppe darauf kochen kann?
Kommen wir nun endlich zum Abschlussurteil, welches der PI-Autor sich über Frau Saalfrank erdreistet:
„Bisher waren mir Sie und Ihre Sendung relativ gleichgültig [...] aber meine Meinung über Sie muss ich nach dem, was Sie sich hier geleistet haben, revidieren:
Ich erkenne in Ihnen nun einen ignoranten Gutmenschen übelster Sorte; jemanden, der auf die Gewaltopfer spuckt; bis zur Schmerzgrenze uninformiert ist; Wissenslücken durch Glaubensinhalte füllt [...]„
Auf wen diese Attribute -insbesondere was „Wissenslücken“ und „Glaubensinhalte“ angehen- wohl eher zutreffen, dürfte die obige Betrachtung einer reinen Scheinargumentation mit dem Zweck zu diffamieren, wohl hinreichend gezeigt haben.
„[...] kurz gesagt: Ich erkenne in Ihnen einen, wenn auch zugegebenermaßen hübsch verpackten, Kotzbrocken.“
„Micha“ ist nicht nur ein diffamierender, fremdenfeindlicher Hetzer mit einem wirklich bemerkenswert dummdreisten Scheinargumentations-Stil sondern auch noch ein Macho-Arschloch. Na, wie putzig.
„Und damit Sie nicht annehmen, das kann ich nur in der Anonymität des Internets so schön sagen – Irrtum: Sie bekommen von mir den Ausdruck des Artikels [...] und das ordentlich mit Absender!
Dann können Sie mich ganz nach Belieben ignorieren, verklagen, zum Teufel wünschen, einer Antwort würdigen oder in eine Diskussion verwickeln.“
Einen größeren Gefallen könnte man so einem neurechten Gollum aus den Tiefen des Internet gar nicht tun, denn alles wonach es ihm giert, ist AUF-MERK-SAM-KEIT für sein absurd zusammenkonstruierten Weltbild…
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