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Der Saar-tan Lafontaine

Als ich ein kleiner Junge war, betrachtete ich Journalisten als Helden. Ja, eines Tages wollte ich selbst einer von ihnen sein. Ich sah sie als Intellektuelle in leicht abgeschabten Tweed-Anzügen, die kettenrauchend an ihrem Schreibtisch saßen und die Wahrheit in ihre kleinen schwarzen Schreibmaschinen hämmerten, die sich von nichts und niemandem aufhalten liessen in ihrem sisyphos-haften Kampf für das Gute und Gerechte in dieser Welt. Dabei lebten sie gefährlich, schufen sie sich doch mit Diktatoren, Geheimdiensten, Politikern, Konzernbossen, der Mafia und anderen Verbrechern mächtige Feinde. Das alles taten sie im Auftrag der Öffentlichkeit, der vierten Instanz im Staate, die, einmal aufgeklärt über die dunklen Machenschaften im Hintergrund, dafür sorgte, dass diese Verbrecher auf dem Müllhaufen der Geschichte landeten… Und der unbesungene Held, der Journalist, lächelte leicht, zündete sich eine neue Pfeife an und wandte sich dem nächsten Thema zu. Aber die Heldenverehrung eines kleinen Jungen zerbrach, wie so viele andere kindliche Illusionen auch. War ich noch als 12-,13-jähriger begeisterter SPIEGEL-Leser, der angeblich MEHR wusste, so änderte sich das, unmittelbar als ich lernte, im Kontext zu lesen. Und plötzlich war das schwarze gedruckte Wort auf weissem Hintergrund, an dass ich so unverbrüchlich geglaubt hatte, (fast) nichts mehr wert. Im SPIEGEL standen Dinge über „uns“ undankbare Ossis, die ich so nicht bestätigen konnte. Beinahe alle Zeitungen, quer durch die Bank, redeten Mitte der 1990er Jahre einen neoliberalen Markttotalitarismus herbei, in dem Gier, Profitsucht und Egoismus – die niedrigsten Instinkte – plötzlich zu den edelsten menschlichen Werten erklärt wurden. „Sozialismus funktioniert nicht“, „das Ende der Geschichte“ sei erreicht, es gäbe nur noch ein überlebendes System, dass sich quasi-evolutionär durchgesetzt habe – und dem man sich jetzt bedingunslos unterordnen müsse, so tönte es damals. In der Rückbetrachtung könnte man angesichts der  gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise jetzt mit einem simplen Schulterzucken erwidern: „Kapitalismus wohl auch nicht. Zumindest nicht so. Und zumindest nicht nur. Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues?“

In der deutschen politischen Landschaft wird letztere Position wohl am ehesten von der Linken und ihrer „Galionsfigur“ Oskar Lafontaine vertreten. Doch das darf nicht sein,im Wahlkampfjahr, so scheint es. Denken verboten, Hinterfragen verboten und gar die Systemfrage zu stellen in unseren Tagen, das… das ist infam. Und das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb dominiert seit Monaten in seltener Einhelligkeit von der „linksliberalen“ FR und „Zeit“ über das ZDF bis in Springers „Welt“ die Darstellung von Lafontaine und „der Linken“ als wirre Spinner, Populisten, aggressive Demokratiefeinde, Linksnazis. Die Saarbrücker Online Zeitung über das „ZDF-Sommerinterview“ mit Lafontaine:

Einen wirkungsvollen Auftakt bildete das ZDF-Interview mit dem Leiter des Hauptstadtbüros Berlin, Peter Frey am 12. Juli 09 in Saarbrücken. Dieser machte es praktisch unmöglich, sich von den Argumenten der Linken ein Bild zu machen, indem er unablässig die Person seines Gesprächspartners angriff. Der ZDF-Interviewer sprach anschliessend von Lafontaine als “dünnhäutig”, “verunsichert” , aus der “Fassung” geraten, als einem Mann der “kaum ruhig stehen kann”. Ähnlich fielen z.B. Organe der WAZ-Gruppe nach dem ZDF-Sommerinterview über Lafontaine her: er ist “umstritten”, “angefressen”, er “giftet”, “meckert” mit “gefrorenem Lächeln”, er “poltert”, er “mault”, ist “immer aufgeregter” und er ist “erkennbar angeschlagen”.

Die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Gift und Galle“ (die Lafontaine spucke, natürlich) über dasselbe Interview:

Dem Linken-Chef bereitete es sichtlichen Verdruss, mit welcher Hartnäckigkeit Frey auf seinem Rücktritt als Bundesfinanzminister im Jahr 1999 herumritt. „Wenn es brenzlig wird, wirft er hin“, laute ein gängiges Urteil über ihn, hielt Frey Lafontaine vor. Man solle doch „nicht so dämlich von hinschmeißen reden“, regte sich der sich auf. Mehrfach raunzte Lafontaine den Interviewer an: „Unterbrechen Sie mich nicht ständig“ und bügelte Fragen rüde ab: „Sie wissen doch, dass das ein Witz ist.“ [...] Als Lafontaine, dem das Rechthaben schon immer sehr wichtig war, davon sprach, dass es inzwischen auch „anständige Journalisten“ gebe, die ihm attestierten, richtig gelegen zu haben [...]

Die „Frankfurter Runschau“ schreibt über die ZDF-Wahlkampfsendung „Illner Intensiv“ unter dem Titel „Surreale Verschwörungstheorien“ (Lafontaines, selbstverständlich):

Auch Einspielfilmchen gehören zu „Illner Intim“ (oder so). Da tanzen Marx, Lenin, DDR-Funktionäre und Linke-Personal als Zombies zu Michael Jacksons „Thriller“ über die Gräber. Da werden Linke-Forderungen vor rosa Hintergrund als Seifenblasen auf den Schirm gepustet. [...]

Und der [Lafontaine] holt zur ganz großen Verschwörungstheorie aus: Die Medien in Deutschland, sagt er ungestört in einem deutschen Medium, seien ja in den Händen von zehn reichen Familien, und in deren Interesse liege es nun mal, die Linke klein zu halten. Jetzt muss er nur noch von jüdischen Familien reden, dann darf er bei der NPD eintreten, die redet genauso.

Damit hat der Saarkasper denn auch das Mitleid verspielt, das angesichts der ZDF-Inszenierung aufkommen könnte. Denn mit ein paar Höhenmetern Abstand, schon von der alleruntersten Metabene, sieht „Illner intrigant“ ganz, ganz hässlich aus. Zombie-Filme, DDR-Gesichter, wertend inszenierte Umfragen [...]

Der saarländische Napoleon-Imitator in seiner grenzenlosen Gier nach Aufmerksamkeit quält sich sogar noch ein falsches Lachen ab [...] Nicht, dass wir bei dem Herrn ein Rückgrat vermutet hätten – aber jeden Blödsinn muss man nicht mitmachen, selbst um der Sache willen nicht, falls die bei dem Herrn noch eine Rolle spielt.

Die „Welt“ (na gut, „die Welt“…) hat Lafontaine gar gleich als Verfassungsfeind entlarvt und berichtet über dieselbe „Illner Intensiv“-Sendung unter der Überschrift „Lafontaine stellt bei Illner die Demokratie in Frage“:

Irgendwie war „Illner Intensiv“ nur noch die Ein-Mann-Show des Oskar Lafontaine. Selbst wenn er gar nicht gefragt war, antwortete der Partei-Chef der Linken auf das Fragen-Bombardement der Moderatorin Maybrit Illner. Er stellte dabei aber nicht nur die Existenz der demokratischen Ordnung in Deutschland in Frage, sondern vor allem die Regierungsfähigkeit seiner Partei.

Angesichts der sinkenden Umfragewerte scheint die Linkspartei am Ende der Wirtschaftskrise in eine Parteikrise zu taumeln [...]

Lafontaine dagegen spricht lieber davon, dass das Programm, das unter anderem ein staatliches Ausgabenpaket von 300 Milliarden Euro pro Jahr vorsieht, kompromisslos ist. „Ein Parteiprogramm orientiert sich nicht an Kompromissen, sondern stellt die Positionen der Partei dar“, sagte er. Das klingt zwar ein bisschen besser, sagt aber auch nur, dass sich die Linken mit ihrem Programm selbst nicht als regierungsfähig betrachten.

Bei Linkspartei geht es mittlerweile offenbar nur noch um Protest pur. Sie präsentieren sich fast wie tanzende Partei-Zombies, wie die Illner-Redaktion in einem Einspieler zeigte, der mit der Musik von Michael Jacksons Thriller untermalt war. [...]

Ist es wirklich eine „surreale Verschwörungstheorie“ Oskar Lafontaines, dass die Mainstream-Medien offenbar kein großes Interesse an einer objektiven Berichterstattung über seine Person und „die Linke“ hätten? Es ist m. E. deutlich, dass sich viele Medien in einem „Klassenkampf“ um die gescheiterte neoliberale Ideologie sehen, die sie vor wenigen Jahren noch im Brustton der Überzeugung heraustrompeteten, womit nicht zuletzt sie auch eine Mitverantwortung an der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise tragen.

Guter Rassismus, böser Rassismus

„Ich kenne es aus Berlin so, dass Kultur meistens von Zuzüglern herein gebracht wird, während der Urberliner ein ziemlicher Schmutzfink ist. Neulich brachte das mal ein Imam am Kottbusser Tor auf den Punkt, als er sagte, die Berliner stinken. Aber da war was los, sag ich euch“

schrieb user „mahabba“ im Forum von „politischkorrekt“ resp. „politblogger“. Und fast niemand störte sich an einer solchen Äußerung. Mich regt das auf, denn auch das ist Rassismus (ausserdem bin ich, rein zufällig, ein Ur-Berliner). Man stelle sich vor, da hätte statt „Berliner“ „Türken“, „Araber“ oder „Migranten“ gestanden – „mahabba“ wäre auf der Stelle verwarnt oder gesperrt worden. Die zitierte Äußerung des Imams vom Kottbusser Tor ist hier dokumentiert. Der „Gelehrte“ hatte Ende 2004 in seinen Predigten geäußert, die Welt hätte noch nie irgendeinen Nutzen von Deutschen gehabt, sie würden nur üblen Geruch verbreiten. Dummerweise bekam der Verfassungsschutz Wind von diesen Predigten und ermittelte gegen den Imam.

Nun mag der Rassismus von Angehörigen einer Minderheitsgesellschaft gegenüber der Mehrheitsgesellschaft keine so „schlimmen“ Konsequenzen haben wie umgekehrt – eigentlich schaden sie sich nur selbst, wenn sie etwaige Ressentiments in der Mehrheitsgesellschaft noch befeuern. Aber Rassismus bleibt Rassismus, egal von wem und gegenüber wem. Selbstverständlich gibt es quer durch alle Bevölkerungsgruppen Idioten wie diesen Imam oder „mahabba“, die ihr kärgliches Ego nur dadurch aufplustern können, in dem sie sich selbst künstlich überhöhen, in dem sie sich über andere Menschen erhaben dünken. Geschenkt. Was mir aber sauer aufstösst ist, dass es von normalen, aufgeklärten „politisch korrekten“ Menschen so wenig Widerspruch gegen diesen Rassismus der Minderheitsgesellschaft gegen die Mehrheitsgesellschaft gibt. Etwa bei einer Google-Suche zu diesem Thema stösst man fast ausschließlich auf Giftblätter wie „blaue Narzisse“, „Junge Freiheit“ oder „Grüne Pest“ – und denen geht es wohl kaum um die Bekämpfung von Rassismus. Überlässt man hier einen Teil der Auseinandersetzung mit dem weiten Feld „Rassismus“ nicht eigentlich Rassisten? Was ist so verboten daran, zuzugestehen, dass es in gesellschaftlichen Minderheiten auch Rassisten gibt und warum artet die Forderung nach Gleichberechtigung von Minderheiten oder depriviliegierten Gruppen (ähnlich war es beim Feminismus) so oft in einen Status der Überhöhung: „der/die ist besser weil er/sie einer Gruppe angehört, die lange Zeit unterdrückt wurde“, aus?

Femi-schismus

Mariam Lau schreibt in der Welt einen kritischen Artikel zu Alice Schwarzer in der Welt (via Genderama). Alice Schwarzer ist eine kontroverse Figur des Zeitgeschehens: Sie erwarb sich unbestreitbare Verdienste um die Gleichberechtigung der Frauen; auf der anderen Seite hat sie sich mit Äußerungen selbst desavouiert, die jedem zur Empathie fähigen Menschen, Feminist oder Macho, die Kinnlade herunterklappen lassen müssten. So hetzte sie als Apologetin der sogen. „schleichenden Islamisierung Europas“ gegen Muslime und befürwortete schwerste Körperverletzung, so lange sie sich nur gegen Männer richtet. Das ist nicht gut, aber die Welt ist nicht schwarzweiss und viele Personen der Zeitgeschichte, von Martin Luther bis Friedrich Nietzsche waren kontroverse Persönlichkeiten.

alice_bildSo siehts aus… (Bild-Bildquelle)

Was ich grundsätzlich nicht verstehen kann, ist, dass bei jeder Kritik an ihrer Säulenheiligen sofort Feministen anrücken, und zwar mit Vorwürfen, die so altbacken sind, dass, wären sie eine Art Brötchen, man sich vermutlich alle Zähne ausbeissen würde. Und hier fängt die Kritik an, dem man dieser Art von Feminismus machen muss: Offensichtlich sind sie, die Feministen, eben keine empathie-fähigen Menschen, jedenfalls nicht, was das Darüber-Hinaus-Denken ihrer Geschlechterrolle betrifft. So schreibt die eigenbezeichnete „Feministin Christina Passberger“ im Kommentarbereich des Welt-Artikels:

„…gehören Sie etwa selbst noch zu den ,Alt-Paschas, an denen die Moderne spurlos vorbeigelaufen ist ?“

„Und Feminismus als totalitäre Ideologie zu bezeichnen ist ja wohl der Gipfel.“

„Als totalitäre Ideologie bezeichne ich es, wenn z.B. islamistisch gepolte Männer ihren Frauen im Namen der Religion verbieten, mit anderen Männern zu sprechen oder überhaupt am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilzunehmen.“

Die eine Sache ist die, dass eine Kritik an Alice Schwarzer einen offensichtlich automatisch in den Stand eines „Pascha“ erhebt. Geschenkt. Die andere Sache, die einem auch in der Diskussion mit sogen. „Islamkritikern“ immer wieder begegnet, ist: Was für einen Unterschied macht es eigentlich, ob Leute wie „Christina Passberger“, den Islam zur „totalitären Ideologie“ erklären und darauf ihre „Islamkritik“ aufbauen? Macht das den Islam in irgendeiner Weise weniger zur Weltreligion, weil offenbar hervorragend dafür qualifizierte Experten den Islam diesen Status aberkennen? Entweder sind alle Religionen „Ideologien“, oder keine. Und da Frau Passberger ja so eine Expertin ist, ist ihr die Geschichte des europäischen Feminismus natürlich vertraut und sie weiss, dass patriarchale Gesellschaftsentwürfe selbstverständlich ausschliesslich auf den Islam beschränkt sind…

Um ihrem Kommentar die Krone aufzusetzen, garniert sie ihn mit einem Verwurf, der in etwa so originell ist wie eingeschlafene Füße:

„Fakt ist, das sagt jede Statistik, dass Frauen die Führungsetagen noch lange nicht hälftig mit Männern erreicht haben. Frauen haben es aufgrund der immer noch besser funktionierenden Seilschaften von Männern in der Tat schwerer, dort anzukommen. Unmöglich ist es Gott sei Dank nicht mehr.“

ICH habe auch keinerlei Chance darauf, jemals im Vorstand eines großen börsennotierten Unternehmens zu sitzen. Aber da ich ein Mann bin, darf ich mich noch nicht mal darüber beschweren, schließlich bin ich grundsätzlich daran Schuld, dass Frauen in Führungsetagen statistisch unterrepräsentiert sind. Häh? Was haben denn die entsprechenden oligarchischen Seilschaften, die da aktiv sind, mit den Geschlechtern zu tun? Und wenn der Geldadel eine gewisse Art von Frauenquote einhalten würde, bei dem sich gegenseitigen Posten-Zuschachern, dann wäre das moralisch plötzlich viel mehr ok, ja?

Was die Frau Feministin Passberger grundsätzlich nicht zu verstehen in der Lage ist, ist nämlich, dass ihre Behauptung:

„Feminismus ist die Forderung nach uneingeschränkter Gleichheit von Rechten und Pflichten von Frauen und Männern.“

einer Quadratur des Kreises gleichkommt. Eine „uneingeschränkte Gleichheit“ liesse sich nur unter möglichst vollständiger Ignoranz der Geschlechter herstellen. Wie sollte eine Feministin wie Frau Passberger je dazu in der Lage sein? Dass sie eine Frau ist und ich ein Mann, ist nämlich weder ihr Verdienst noch meine Schuld oder andersherum – sondern ein genetischer Zufall.

Sexually Correct

Dieser Blog versteht sich ja durchaus als politisch korrekt, d. h. weder von Inhalt und Sprache der Beiträge sollen sich bestimmte Personengruppen verletzt fühlen – es sei denn, sie haben es verdient. Wie man aber bei bestem Wissen und Gewissen in seinen hehren Absichten scheitern kann, dass wurde mir beim Lesen dieses Beitrages im mädchenblog bewusst (auf den ich durch Arne Hoffmanns genderama-Blog aufmerksam wurde, den ich in letzter Zeit begeistert lese, ich ahnte nämlich bislang gar nicht, dass auch ich einer unterdrückten Klasse angehöre – man lernt nie aus.)

Wie allein die zweimalige Verwendung des Wortes „man“ im vorherigen Absatz zeigt, reicht politisch korrekter Sprachgebrauch nämlich allein nicht aus – das Wort ist ja eine verallgemeinerte Personalisierung – menschIn muss sorgfältiger werden und Sprache auch „sexuell korrekt“ verwenden, schliesslich lesen auch Frauen dieses Blog. Entschuldigung.

Wobei „menschIn“ darob auch wieder nicht geht, denn wie das mädchenblog erklärt:

„[...] die schreibweise mit dem großen I, was auch binnen-I genannt wird. was ist aber mit personen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen lassen oder wollen? die können von der sprache nicht so gut benannt werden. das sieht man auch daran, dass für die bezeichnung von personen nur “er” oder “sie” zur auswahl stehen [...]„

Das stimmt. Da kann man menschIn mal sehen… Daran ist zu erkennen wie sehr jemand durch den kulturellen Diskurs vorgeprägt wird. Ich möchte mich daher ausdrücklich bei allen

„[...] fällen von intersexualität, bekannter ist der begriff “zwitter” [bei denen], von den ärzt_innen und den eltern entschieden [wurde], welches geschlecht das kind haben soll,

entschuldigen. Ferner möchte ich mich bei

„[...] menschen, die als jugendliche oder erwachsene merken, dass sie sich in der geschlechtskategorie, in der sie aufgewachsen sind, nicht wohl fühlen. sicherlich habt ihr schon mal von transsexuellen gehört [...]„

entschuldigen, sowie bei

„[...] menschen, die sich in ihrem geburts-geschlecht nicht wohl fühlen, aber keine lust haben, ihren körper durch eine operation zu verändern. dafür gibt es den begriff transgender.“

Tut mir echt leid. Es ist nämlich so:

„da die menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen, meistens auch von der sprache nicht berücksichtig werden, muss man auch die sprache verändern, wenn man diese einteilung in nur zwei geschlechter verändern will. ein vorschlag dazu ist die verwendung des unterstrichs, der praktisch eine leerstelle in der sprache anzeigt.“

Das ist die Lösung, mit der mensch_in nicht nur kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, sondern die noch weitere unschätzbare Vorteile birgt:

„wenn nun die aufteilung in genau zwei geschlechter etwas durcheinander gebracht wird, ist das nicht nur besser für diejenigen, die sich keiner der kategorien mann und frau zuordnen wollen. auch diejenigen, die trotzdem gerne mann oder frau sein wollen, könnten so größere spielräume innerhalb ihrer geschlechtskategorie haben. zum beispiel wenn ein junge einfach gerne mal einen rock anziehen möchte, oder ein mädchen ene krawatte. [...]„

Wer nun denkt, sie, es oder er könne sich nun beruhigt von dem Artikel abwenden und fröhlich pfeifend ihr oder sein Leben weiterleben, die, das oder der irrt. Denn im Kommentarbereich werden berechtigte Zweifel laut, ob nicht selbst diese vorgeschlagene Version diskriminierend ist:

soe:
„interessanterweise gibt es zu “unterstrich” oder “großes-I” umgedreht die gleiche interpretation [...] d.h. der unterstrich betont erst die differen(z) zwischen “weiblich” und “männlich” [...] meine präferenz ist ja */frau/man in sich stets abwechselnden reihenfolgen. [...] bei der unterstrich variante [wird] zwangsläufig zuerst das “männliche”, dann dass dazwischen und zum schluss erst das “weibliche” [genannt]. als gegenstrategie wird [...] in feministischen zeitungen und blogs entweder in einer rein “weiblichen” form oder aber zumindest in einer das “weibliche” zu erstnennenden form geschrieben. [...]„

schnabeltasse:
„Eigentlich wollte ich nur einbringen, dass ein Unterstrich denkbar ungeeignet ist, die bestehenden sexuellen Herrschaftsformen zu kritisieren. Der Unterstrich steht vielmehr symbolhaft für die Darstellung des Phallus. [...]„

admin:
„schnabeltasse, mal ganz assoziativ – was ist phallischer: _ oder I?“

schnabeltasse:
„Das kommt zum einen auf das Auge des Betrachters, zum anderen sicherlich auf den Zustand des Phallus an. In der Mythologie wird häufig ein horizontoler Strich als Phallussymbol und ein Kreis als Symbol für eine Scheide verwendet. [...]„

Ich finde diesen Aspekt beachtenswert, neige aber -rein assoziativ- dazu, der Administratorin zuzustimmen. Vielleicht haben ja auch beide recht, denn da die sexuell korrekte Stellung des Mannes ganz sicher die in 180° liegende Position darstellt, ergibt sich:

„I“: potenter Zustand des Phallus
„_“: impotent
er Zustand des Phallus

Und auch „soes“ Präferenz bietet unter dieser Annahme keine Lösung, denn
„/“ könnte bedeuten:
ER: Sowas ist mir noch nie passiert… (gelogen); SIE: Das macht doch nichts, dass kann jedem mal passieren… (auch gelogen)

Geradezu obszön ist unter dieser Annahme übrigens der griechische Buchstabe Phi Φ …

Einen praktischen Vorschlag macht die oder das oder der Kommentierende „ch“:

„am besten assen wr gech ae buchstaben, de aussehen we pensse, ganz weg. dann wrd das auge ncht mehr beästgt von wederchen geschechtsteen, de ohnehn nemand sehen w. doroborhonoos soton wor oo vokoo dorch schöno os orsotzon, om doo woobochkoot zo botonon [...]„

Phrasenverbrechen

Eine Phrase, die mir jedesmal auffällt, wenn ich Blogs lese -sei es in Artikeln oder Kommentaren- ist: „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Ganz abgesehen davon, dass das mittlerweile schon so abgedroschen ist, das jedesmal denke: Ooooh, noch so ein Langweiler, der seine Zeit vor dem Rechner verbringt um die virtuelle Welt zu langweilen, weil in der realen Welt schon jedermann flieht sobald er den Raum betritt – … handelt es sich dabei um den Ausspruch des deutsch-jüdischen Malers Max Liebermann, getätigt 1933, als ein Fackelzug der SA nach der Machtergreifung an seinem Haus vorbeizog. Alles klar?! Nun sehe ich das so, liebe Blogautoren und -kommentatoren: Hat irgendeiner von euch schon mal eine Situation erlebt, die auch nur im entferntesten damit zu vergleichen wäre, dass ein Angehöriger eines Kulturkreises seine Todfeinde und späteren Massenmörder dieses Kulturkreises im Triumph nach der Machtergreifung martialisch an seinem Haus vorbeimarschieren sieht? Hat irgendeiner der Zusammenhänge, in denen dieses Liebermann-Zitat gebraucht wird: Politiker X hat dieses, Prominenter Y jenes gesagt, das mir nicht passt, eine Fernsehsendung wurde abgesetzt, gestern ist in der Stadt Z etwas passiert, was einfach nicht in mein Weltbild passt… – auch nur annähernd eine solche magenverdrehende und angseinflössende Drohkulisse wie der Kontext in den das Zitat gehört? Nein?! Dann solltet ihr spätestens bei „Ich kann gar nicht soviel…“ einen arthritischen Schreibkrampf in den Fingern bekommen.

Für mich ist der inflationäre, unpassende Gebrauch des Liebermann-Zitats eine Zeichen für die Hysterisierung der Sprache, ähnlich Dosenpfand-Chaos (griech: „Das Ende aller Ordnungen“) oder Hühner-Holocaust (unsägliche PETA-Tierschutz-Kampagne). Sprache ist das wichtigste Symbolsystem sozialer Interaktion, wobei die Deutungszuweisungen der Symbole sich im ständigen (re-)interpretativen Prozess befinden und mit der Zeit wandeln. Die Hysterisierung der Sprache geschieht im wesentlichen im Kampf um Aufmerksamkeit in Politik, Medien und Wirtschaft (Werbung): Mag sein, dass ich ein fürchterlichen, plattdummen, reisserischen Dünnschiss an die öffentliche Plakatwand klebe, bei dem jeder halbwegs nachdenkende Mensch sich an den Kopf fasst, für den ich mich in zwei Wochen schäme und möglicherweise sogar entschuldigen muss, aber ich bin zwei Sekunden im Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit – wenn ich Glück habe regt sich vielleicht sogar jemand darüber auf und ich bin für vier Sekunden im Focus… Ähnliches gilt offenbar oft auch für die recht seltsame Parallelwelt „Bloggosphäre“, konstituiert von zänkischen Menschen, die in langen Nächten vor ihren Computern sitzen und glauben, sie würden mit der Welt kommunizieren… Wo soll diese sprachliche Hysterisierung enden? Wird in 20 Jahren ein Frau, deren Mann sich verspätet, ihn vorwurfsvoll anblicken und sagen: „Mach nie wieder so einen Holocaust mit mir, du Nazi?“

Update: 3 Genervte – ein Gedanke, siehe auch Bla bla, Plattitüden sowie Franks Kommentar im Craplog…

Ist die Supernanny mitschuldig an der Islamisierung Europas? Wie Politische Inquisition (PI) funktioniert…

Ey, isch schwör, Alter… weder Überschrift noch Thematik des Beitrags passen zum Niveau dieses Blogs (ich bin mir sicher, es gibt irgendwo eins…) Frau Saalfranks Sendung kenne ich nur vom durchzappen, überhaupt gehen mir diese ganzen langweiligen „DokuSoaps“, mit denen ausgerechnet die Privatsender vordergründig die Bevölkerung erziehen wollen, schwer auf mein empfindliches Nervenkostüm. Es soll hier aber nicht um boulevardeske TV-Formate gehen, sondern um den grotesken, rektalen Ausfluss einer bestimmten -eigentlich marginalen- neurechten Ecke, der im Moment, mit tatkräftiger Unterstützung der Springer-Presse, der FAZ und dem wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, in den Mainstream der politisch-publizistischen Debatte um die „jugendliche Migrationshintergrundsgewalt“ gespült wird. Wie diese Politische Inquisition (PI) funktioniert, und dass ihr eigentlich jeder, der tatsächlich oder scheinbar nicht auf Linie dieser neurechten Hetzergemeinde liegt, zum Opfer fallen kann, zeigt der im folgenden zitierte Artikel „Die rote Super-Nanny“ symptomatisch. Es reicht, Zusammenhänge zu verdrehen, zu unterstellen, zu lügen, Opfer zu instrumentalisieren, und fertig ist der Pranger, an dem der zum Feind auserkorene Mensch steht, der dann von erregten kleinbürgerlichen Geistern mit Schmutz, übelriechenden Parolen und schlechten Witzen beworfen werden kann.

Die Faktenlage ist simpel. Deutschlands größtes Online-Boulevardmagazin Spiegel Online interviewt Deutschlands größte Vorzeige-TV-Pädagogin Katharina Saalfrank bezüglich der Mediendiskussion zur jugendlichen Migrationshintergrundsgewalt, das ganze wird dann auf Deutschlands größtem politischen Hetzblog PI zweitverwertet (und hier jetzt gewissermaßen drittverwertet). Wohlgemerkt, SpOn befragt Frau Saalfrank ausdrücklich als Pädagogin, wie aus dem Untertitel „Deutschlands oberste Fernseherzieherin ist böse…“ in Springpiegel-typischer Manier klar hervorgeht. Für PI-“Gastautor Micha“ steht Frau Saalfrank auf einer Liste einer Reihe von „Volksfeinden“, welche in der von ihm prognostizierten Zukunft in einem von ihm prognostizierten

„…Buche steht. Und zwar in einem Buch, das so etwa in 50 Jahren im Rest der freien Welt erscheinen wird und zu erklären versucht, wie es dazu kommen konnte.“

Aus dem weiteren SpOn-Untertitel:

„…schimpft Katharina Saalfrank über die Unions-Debatte zum Thema Jugendgewalt – und erklärt, warum bei ihr nie ausländische Problembälger auftreten.“

meint „Micha“, man könne

„…zwischen den Zeilen [lesen, dass], “ausländische Problembälger” [...] im Vergleich zu “einheimischen Problembälgern” kaum vor [-kommen]…“

Die Antwort auf die SpOn-Frage, was denn die „Supernanny“ von Roland Kochs Wahlkampagne halte:

Saalfrank: „Herr Koch betreibt Wahlkampf auf dem Rücken der Jugendlichen. Was er fordert, ist für meine Begriffe eine reine Katastrophe – vor allem für die Jugendlichen. Offensichtlich hat Koch überhaupt keine Ahnung davon, was die Jugend für eine sensible Lebensphase ist [...]„

hat für „Micha“ natürlich nur eine Erklärung:

„Frau Saalfrank, die Rolle der Täterversteherin füllen Sie prima aus, das Opfer zu verstehen fällt Ihnen offensichtlich schon schwerer.“

Dann er brilliert mit seinen „anatomischen Grundkenntnissen“:

„…der Schädel [ist] eine sensible Körperregion [...], wenn mit voller Wucht dagegen getreten wird…“

Wer hätte das gedacht… Bei „Micha“ scheint die „sensible Körperregion“ weniger der Schädel als vielmehr dessen Inhalt zu sein, denn: Der tatsächliche Grund, warum Frau Saalfrank zu den jugendlichen Tätern (des U-Bahn-Überfalls in München) Stellung bezieht, ist natürlich, dass sie ausdrücklich als Pädagogin für schwererziehbare Jugendliche befragt wird, wie aus dem Untertitel auch klar hervorgeht. Jedenfalls für den, der lesen kann und will. Kontexte wie berufliche Hintergründe spielten für PI ja noch nie eine Rolle, außerdem bekennt Frau Saalfrank jetzt sowieso ihr Zentralverbrechen:

SpOn: „Sind Sie noch Mitglied in der SPD?“
Saalfrank: „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor.“

SpOn: „Wie wollen Sie denn der Jugendgewalt begegnen?
Saalfrank: Die Situation wird sicherlich nicht dadurch entschärft, dass Leute weggesperrt werden. Die entscheidende Frage ist, warum Menschen aggressiv und straffällig werden [...]„

Was Frau Saalfrank hier (wahrscheinlich) meint, ist, dass eine Verschärfung des Strafrechts nicht zu weniger Kriminalität führt. Höhere Strafen haben keine Abschreckungswirkung, zahlreiche Untersuchungen zeigen dies, weswegen sich Experten eindeutig gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aussprechen. Das sind natürlich schon wieder Kontexte, die „Michas“ „sensibelste Körperregion“ überanstrengen, deswegen hilft er sich lieber mit einfacher Logik:

„Wenn die Schläger [...] rechtzeitig hinter Gitter oder [...] über die Grenze gewandert wären, hätte es die 100 Straftaten, [...] weniger gegeben. [...] für die 100 Opfer (ja, zu jeder Straftat gehört auch ein Opfer! Schon mal gehört?) 100 entschärfte Situationen gegeben hätte [...]: die Straftaten hätten einfach nicht stattgefunden!“

Wenn man Straftäter einsperrt, bevor sie Straftaten begehen, begehen sie keine Straftaten… Und wenn man den Rechtsstaat kritisiert ohne zu wissen, was ein Rechtsstaat überhaupt ist, läuft man Gefahr, sein wahres Gesicht zu zeigen…

„Für die Opfer ist die entscheidende Frage, warum man die Straftäter wieder und wieder und wieder und wieder (hier bitte mal durchschnittlich 50 ‘wieders’ denken) lässt!“

Die beiden Intensivstraftäter von München wurden nicht angeklagt und freigesprochen, sondern die Gerichtsverhandlungen kamen gar nicht erst (oder noch nicht) zustande. Zwischen der Verschleppung von Gerichtsverfahren, aufeinanderfolgenden „Bewährungs-“strafen aufgrund mangelnder Gefängniskapazitäten und dem Strafrecht besteht überhaupt kein Sinnzusammenhang. Es sei denn, man konstruiert einfach einen, redet von „zu gnädigen Richtern“, „zu laschen Gesetzen“ und hofft, das Leute darauf hereinfallen, die mit ihren „sensibelsten Körperregionen“ dieselben Schwierigkeiten haben wie Freund „Micha“. Ursachen für wie oben genannten Zustände dürften wohl eher bei Einsparungen in der Justiz zu finden sein, sowohl in Bayern als auch anderen Bundesländern.

Saalfrank: „Und was die Herkunft angeht: Es schlagen genauso viele deutsche Jugendliche.Die Debatte wäre sicherlich nicht im doppelten Sinne so hochgekocht worden, wenn deutsche Jugendliche die letzten Überfälle begangen hätten.Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal. Als Pädagogin setze ich bei den Eltern an und betreibe Ursachenforschung – und gerade bei Kindern unter 14 Jahren hat man noch gute Chancen die Eltern zu erreichen.“

Das Frau Saalfrank bei ihrer Arbeit als Pädagogin objektiv vorgeht und die „Herkunft“ ihrer Schützlinge keine Rolle spielt, das ist für „Micha“ nun der Gipfel der Unverfrorenheit. Da er ein gewiefter Mathematiker ist, der schon den Dreisatz beherrscht, hängt er sich an der Formulierung „genauso viele“ auf und beweist uns:

„Tut mir Leid, Frau Saalfrank, jetzt wird es ein wenig mathematisch. Ich weiß, das kommt in Ihren Glaubenssystemen nicht vor – Glauben ersetzt bekanntlich Wissen – , aber versuchen Sie mir trotzdem mal zu folgen. Wenn die Bevölkerung mal angenommen aus 20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’ besteht,dann dürften nur 20 von 100 Schlägern einen Migationshintergrund haben. Sind es aber gleichviel, also 50 von 100 [...], das macht mitgerechnet eine VIERMAL höhere Gewaltneigung…“

Gut. Frau Saalfrank hat einen Fehler gemacht, sie hätte statt „genauso viele“ sagen müssen: „es schlagen mehr deutsche Jugendliche“. Dass sie sich damit der Kritik von Dreisatzverstehern aussetzt, hat sie vermutlich nicht bedacht. Was „der Micha“ bei anderen Leuten nicht ok findet, nämlich ungenaue Annahmen zu machen und damit zu argumentieren, findet er bei sich aber selbst offenbar weniger schlimm: Er geht nämlich von „…20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’…“ aus, tatsächlich beträgt der Anteil ethnischer Deutscher an der Wohnbevölkerung 91,5% (2007 est.; CIA World Factbook).

Um zu wissen, worüber man überhaupt redet, sollte man zunächst die Fakten kennen. Hier mal ein kleiner „kriminalstatistischer“ Exkurs:

Die polizeiliche Kriminalstatistik 2006 weist bei 14-21-jähriger Tatverdächtigen einen nichtdeutschen Anteil von 17% aus. Wobei sich „nichtdeutsch“ auf die Staatsangehörigkeit bezieht und nicht auf den „Migrationshintergrund“: Von 2000 (Reform des Staatsbürgerschaftsrechts) bis 2006 wurden rund 1 Mio. Menschen, also etwa 1,2% der Gesamtbevölkerung eingebürgert. Da insgesamt 8,5% der Wohnbevölkerung nichtdeutscher Herkunft minus 1,5% Eingebürgerter (wegen des fehlenden Jahres 2007 aufgerundet) ergeben sich 7% der Wohnbevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diesen 7% wird ein Anteil von Jugendkriminalität von 17% zugeschrieben. Damit ist der Anteil nichtdeutscher jugendlicher Straftäter, bezogen auf den Bevölkerungsanteil, höher: 93% „Staatsangehörige“ begehen 83%; 7% „nicht-Staatsangehörige“ 17% der Jugendstraftaten. Also begehen rund 13mal mehr „Staatsangehörige“ nur 5mal mehr Jugendstraftaten; Jugendkriminalität geht damit in etwa zweieinhalb so häufig von „nicht-Staatsangehörigen“ aus. Was die Ursachen für diese erhöhte Rate angeht, kommt diese Studie, die im Unterschied zu den Zahlen „Michas“ statt auf „Annahmen“ auf Umfragen, Quellenangaben und falsifizierbaren Operatoren basiert, zu folgendem Schluss:

„Die berichteten Ergebnisse zu den Ursachenfaktoren gewalttägen Verhaltens lassen sich wie folgt zusammenfassen: Deutsche Jugendliche bilden bei fast allen Indikatoren die am wenigsten belastete Gruppe. Soziale Benachteiligung, gewaltförmige Erziehung, problematische Persönlichkeitsfaktoren usw. sind bei Deutschen weniger verbreitet. Auf der anderen Seite gibt es aber keine nichtdeutsche Gruppe, die sich als durchgehend auffällig erweist. Insofern existieren gruppenspezifische Belastungen. Türkische Jugendliche sind häufiger von einer schlechten ökonomischen Lage und von geringerer Bildungsintegration betroffen [...]“ (S. 32)

Aber nach Fakten zu recherchieren, diese in Beziehung zueinander zu setzen und damit nachvollziehbar zu argumentieren, das können wir weder von unserem Dreisatzexperten noch von PI erwarten:

„Aber haben wir wirklich gleich viele ausländische und deutsche Schläger? Allein wenn ich die Vergewaltigungsrate in Berlin mit über 80% Migrantenanteil sehe, hätte ich da meine Zweifel.“

Quelle? Quelle? Da ist sie: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2006 (S. 15) Nichtdeutscher Anteil bei Sexualdelikten in Berlin: 39% . Aber… wie war das doch, Freund „Micha“?

„…Glauben ersetzt bekanntlich Wissen…“

Genau.

Aber leider ersetzt bei Politisch Indiskutabel (PI) und „Micha“ nicht nur der Glaube das Wissen, sondern sehr viel stärker noch die Hetze. Das die PI-Macher dabei kein Tabu kennen, haben sie oft genug bewiesen und wozu das im Kommentarbereich führt, ist hier und neuerlich hier dokumentiert.

„Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal.“

hatte Frau Saalfrank im obigen Kontext gesagt.

„Das merkt man. So egal wie die Opfer oder noch egal-er?“

erwidert Horst „Micha“ darauf. Nicht nur das er hier und im folgenden Satzfetzen aus den Interview-Antworten willkürlich auseinanderreisst und neu zusammensetzt, nein, dieser Satz will uns sagen: Die erhöhte Jugendkriminalitätsrate von Migrationshintergründlern nicht durch deren „artfremde“ Kultur zu erklären ist gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit gegenüber den Gewaltopfern. Dabei lautet die simple Wahrheit in diesem speziellen Fall Frau Saalfranks, dass sie Pädagogin ist und sicher daher mit Jugendlichen und nicht mit Rentnern beschäftigt.

SpOn: „[...] Wie wollen Sie zum Beispiel an eine türkische Problemfamilie in Berlin-Neukölln rankommen?“
Saalfrank: „Problemfamilien gibt es nicht. Es gibt aber schwierige Situationen und ungünstige Voraussetzungen. Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.“

Dem letzten Satz widmet der PI-Autor einen ironischen Exkurs, denn er hat Frau Saalfrank durchschaut:

„Lieber Herr Pensionär, wenn Sie glauben, sie haben es als Opfer nicht leicht: bitte nehmen Sie doch einmal zur Kenntnis, wie sehr man sich um Sie bemüht! [...] nimmt sich Frau Saalfrank auch noch die Zeit, Ihnen zu erläutern, dass es nicht die Opfer, sondern die Pädagogen sind, die die Last dieser Sozialexperimente zu tragen haben, denn:
“Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.”

Könnten Sie daher also vielleicht etwas leiser jammern? [...]

(Und nun ganz im Ernst: bitte nehmen Sie, falls Sie diesen Text lesen sollten, meine Entschuldigung dafür entgegen, mich hier zu Ihrem unglaublichen Erlebnis so sarkastisch auszulassen. [...] wird mir trotz des Sarkasmus’ schlecht – aber Leute wie Frau Saalfrank [...] meinen das auch noch ganz im Ernst – und es geht ihnen prächtig dabei!)“

Gestatten, mein Name ist Überlegenheit. Moralische Überlegenheit. Auch wenn ich Sie, wertes Opfer, vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen als politische Waffe gegen „Überfremdung“ und „Linksgrünfaschistischgutmenschliche Sozialexperimente“ instrumentalisiere.

SpOn:“Nehmen wir mal an, Sie dürften eine einzige politische Maßnahme durchdrücken. Welche wäre das?“

lautet des Journalisten Thosten Dörtings Frage und:

Saalfrank: „Es muss gut ausgestattete Beratungsstellen geben und gut ausgebildete Pädagogen, die sich um Eltern und Kinder kümmern. Das heißt: Es geht ums Geld, nicht nur – aber auch! Und nicht nur um mehr, sondern das Geld muss anders verteilt werden. Und es muss ein wertschätzender Umgang mit den Menschen stattfinden – keine staatliche Kontrolle. In der derzeitigen Debatte fühlen sich viele Migranten sicherlich angegriffen. Das ist respektlos, kontraproduktiv und nicht zielführend.“

…Katharina Saalfranks Antwort. Was dreht Permanent Indoktrinierend (PI) daraus? Der Autor zitiert nur die letzten beiden Sätze und erwidert:

„Da habe ich doch glatt etwas falsch verstanden. Der Rentner wurde gar nicht angegriffen? Das waren vielmehr die Prügler, die angegriffen wurden? Ach ja, das hat uns Jessen von der ZEIT ja auch schon mal erklärt, aber das habe ich wohl einfach nicht verstanden.“

What the heck does that mean? Does the Supernanny talks in a foreign language you aren’t able to understand, dude? Where does she mention one single word of that crap you try to infiltrate here?

SpOn: „In Ihrer Sendung hält die Kamera auch beim schlimmsten Familienkrach respektlos drauf und baut so gesellschaftliche Hemmschwellen ab.“
Saalfrank: „Finden Sie? Ich bin etwas überrascht, weil mir diese Frage so noch nie gestellt wurde. Die gängige Kritik lautet ja eher: Wer schützt eigentlich die Kinder, wenn die Eltern das Verhalten der Kinder einer breiten Öffentlichkeit zeigen?“
SpOn: „Und?“
Saalfrank: „Ich antworte mit einer Gegenfrage: Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt. Ich verstehe, wenn sich der Zuschauer auch mal unwohl fühlt und denkt: Das ist mir zu intim. Und dennoch: In vielen Familien geschieht tagtäglich Gewalt. Ich möchte mit meiner Arbeit enttabuisieren.“

Saalfrank redet über ihre RTL-Sendung. Klar und erkennbar. Wiederum greift „Micha“ zwei Sätze aus diesem Zusammenhang heraus:

„Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt.“

…und berichtet live aus seiner imaginären Welt, in der er und die „Supernanny“ gemeinsam U-Bahnfahren:

„Ich stelle mir mal vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Vater sein Kind in der Öffentlichkeit ohrfeigt. Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen … Oder ich stelle mir vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Jugendlicher mir in einer Rauchverbotszone Rauch mitten ins Gesicht bläst … Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen…“

„Ich stelle mir mal vor…,“ dass Sie das und das machen… Sie Schwein! Und damit, dass „ich mir das mal vorstelle…“ habe ich ganz klar bewiesen, das Sie eine Heuchlerin sind, Frau Saalfrank, jawohl!

SpOn: „Sie nehmen für sich in Anspruch, dahin zu gehen, wo es pädagogisch weh tut. Haben Sie schon mal mit Migrantenfamilien gearbeitet?“
Saalfrank: „Natürlich! In meiner Zeit in der Familienberatung hatte ich viele Eltern und Kinder mit einem solchen Hintergrund. Im Rahmen der Sendung noch nicht.“
SpOn: „Ich sage Ihnen auch warum: Es bewerben sich zwar viele Familien, aber RTL nimmt davon Abstand. Der Sender hat uns mitgeteilt, dass er die Sendung nicht mit Untertiteln versehen will.“

Saalfrank: „Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

Hier, werter Herr „Micha“, ist tatsächlich Gelegenheit, Frau Saalfrank zu kritisieren. Und zwar als Opportunistin, die sich zwar im Rahmen halbstündiger Interviews bedingungslos für die Integration von Migranten einsetzt, wenn es sie nichts kostet – gegenüber ihrem Sender RTL aber dessen fadenscheinige Begründung mit den Untertiteln einfach akzeptiert, als hätte sie als „Kopf“ der Sendung keinen Einfluss auf die Gestaltung. Oder gibt es Studien darüber, dass ein signifikanter Anteil der RTL-Zuschauer nicht lesen kann? In diesem Fall könnte ja der durchschnittliche RTL-Zuschauer auch nicht besser deutsch als viele „problematische Migrantenfamilien“, denen die „Supernanny“ auf die Pelle rücken und mal einen echten Beitrag zur Integration leisten könnte. Tatsächlich haben wir ja einen -wenn auch nicht besonders wichtigen- Fall von Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund. DAS dürfen Sie, Herr „Micha“, als neurechter „Islamkritiker“ natürlich so nicht schlussfolgern, das wäre geradezu ein Gedankenverbrechen. Deswegen bleibt bei Ihnen nur ein:

„Ach so, natürlich, Sie enttabuisieren ja nur deutsche Gewalt.“

Es wird ein Motiv unterstellt wo keines ist, denn Frau Saalfrank sagte ja deutlich:

„Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

D. h. sie würde ja gerne (zumindest sagt sie das), aber man lässt sie nicht.

„Ja, beschränken wir das dann mal auf ein Bedauern. Während der Betreiber und die Autoren dieses Blogs bedroht werden, während Warner wie Ralf Giordano oder Henryk M. Broder mehr Morddrohungen gesammelt haben als diese Schläger Straftaten [...] bei Ihrer Popularität bei RTL [...], natürlich auf keinen Fall irgend etwas anderes tun, als das lediglich zu bedauern. [...]„

Tja, das ist schon eine Krux mit diesen Morddrohungen… Sie werden anonym geäußert, zurückverfolgen oder gar beweisen lässt sich meistens nix und überwiegend stammen sie von ausgesprochenen Soziopathen, die sowieso keiner Ernst nimmt, z. B. diesem. Aufgrund aller dies Eigenschaft eignen sie sich aber auch gar trefflich als „Argument“, v. a. wenn man keine hat, nicht wahr, Herr „Micha“? Was haben denn Morddrohungen gegen den Politisch Irrationalen (PI) Blogbetreiber, gegen Ralph Giordano und Henryk Broder mit der „Supernanny“ zu tun? Oder mit der Debatte um jugendliche Migrationshintergrundsgewalt bzw. die politische und mediale Ausschlachtung derselben? Was wollen Sie denn damit aussagen? Das ihre, die „islamkritische“ Front die einzig wahren Opfer sind? Das derjenige, der mehr Morddrohungen „sammelt“ eine höhere moralische Autorität besitzt? Wenn letzteres -was ich vermute- Ihrer Intention entspricht, ist es dann nicht unklug, das das PI-Weblog zu jeder missliebigen Person Kontaktdaten veröffentlicht, zumal häufig gewaltphantasmatische Kommentare aufgefallen sind?

„Und nun kommen wir zum Höhepunkt. Das absolute Highlight, quasi die Perle [...]„

SpOn: „Manche Publizisten vertreten jetzt die Meinung, dass ausländische Jugendliche aus rassistischen Motiven Gewalt gegen Deutsche ausüben. Ein Rentner wird nicht mehr angegriffen, weil er ein leichtes Opfer ist, sondern weil er ein deutsches Opfer ist.“
Saalfrank: „Ich stelle mir umgekehrt die Frage, warum wir uns der rechten Gewalt nicht genauso zuwenden. Vielfach werden Ausländer in Deutschland überfallen. Und außerdem: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Diese Jugendlichen werden allen möglichen Diskriminierungen ausgesetzt gewesen sein – was die Tatsache an sich natürlich nicht besser macht.“

„Das ist jetzt nicht wirklich Ihr Ernst? [...] Vielmehr ist dem Redakteur bloß ein Textbaustein aus einem Uralt-Programm hier reingeraten? [...] Dann erlaube ich mir mal eine Anleihe [...]:

Ostersonntag 2006: In Potsdam wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: bundesweite Seite-1-Pressemeldungen, Solidaritätsbekundungen, Lichterketten, Warnung vor aufkommendem Rechtsradikalismus, Proklamieren von No-go-Areas im Osten, Einschaltung der Bundesanwaltschaft, Handschellen, medienwirksamer Abtransport im orangefarbigen Dress Hubschrauber…

Juni 2007: In Berlin-Neukölln wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: etwas Lokalpresse, sonst nichts. Die Tatverdächtigen wurden nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Unterschied? Tatverdächtige im ersten Fall: Ostdeutsche. Tatverdächtige im zweiten Fall: türkischstämmige Migranten.

Noch Fragen, Kienzle?“

Ja. Übersieht man hier nicht das Offensichtliche?

22. Dezember 2007: Ein 76-jähriger Rentner wird in der Münchner U-Bahn brutal zusammengetreten und erleidet mehrere Schädelfrakturen. (Mediale) Folgen: Eine mehrwöchige Medienkampagne der Bild -“Zeitung“ und das Aufgreifen des Themas „Gewalt jugendlicher Migranten gegen Deutsche“ vom wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch…

Täter: ein 17-jähriger Grieche und einen 20-jähriger Türke

Nämlich, dass der Presse die Opfer scheissegal sind, es sei denn, ein entsprechendes Thema wird aktuell als mediale Sau durchs Dorf getrieben? Wie im ersteren Fall, als die Fußball-WM ins Haus stand und man eine Medienhysterie angesichts der Außenwirkung Deutschlands startete oder im aktuellen Fall, wo dem brodelnde „Volkszorn“ latent fremdenfeindlicher Kleinbürger wie Sie einer sind, Herr „Micha“, ein Druckablassventil gewährt wird, damit Roland Koch seine Wahlkampfsuppe darauf kochen kann?

Kommen wir nun endlich zum Abschlussurteil, welches der PI-Autor sich über Frau Saalfrank erdreistet:

„Bisher waren mir Sie und Ihre Sendung relativ gleichgültig [...] aber meine Meinung über Sie muss ich nach dem, was Sie sich hier geleistet haben, revidieren:
Ich erkenne in Ihnen nun einen ignoranten Gutmenschen übelster Sorte; jemanden, der auf die Gewaltopfer spuckt; bis zur Schmerzgrenze uninformiert ist; Wissenslücken durch Glaubensinhalte füllt [...]„

Auf wen diese Attribute -insbesondere was „Wissenslücken“ und „Glaubensinhalte“ angehen- wohl eher zutreffen, dürfte die obige Betrachtung einer reinen Scheinargumentation mit dem Zweck zu diffamieren, wohl hinreichend gezeigt haben.

„[...] kurz gesagt: Ich erkenne in Ihnen einen, wenn auch zugegebenermaßen hübsch verpackten, Kotzbrocken.“

„Micha“ ist nicht nur ein diffamierender, fremdenfeindlicher Hetzer mit einem wirklich bemerkenswert dummdreisten Scheinargumentations-Stil sondern auch noch ein Macho-Arschloch. Na, wie putzig.

„Und damit Sie nicht annehmen, das kann ich nur in der Anonymität des Internets so schön sagen – Irrtum: Sie bekommen von mir den Ausdruck des Artikels [...] und das ordentlich mit Absender!

Dann können Sie mich ganz nach Belieben ignorieren, verklagen, zum Teufel wünschen, einer Antwort würdigen oder in eine Diskussion verwickeln.“

Einen größeren Gefallen könnte man so einem neurechten Gollum aus den Tiefen des Internet gar nicht tun, denn alles wonach es ihm giert, ist AUF-MERK-SAM-KEIT für sein absurd zusammenkonstruierten Weltbild…

by red.cloud

red.cloud feat. Frau E.: „Die Restbestände meiner Gutmenschlichkeit“

Frau E. schrieb einen Text, in dem sie behauptete, sie könne jeden beliebigen „Gutmenschen“, also z. B. auch mich, mit Leichtigkeit an die Wand diskutieren. Warum sie das denn auf meine Replik hin nicht einfach mal tut, das begründet sie in ihrem Blog (Kommentar 27) so:

„Und ja…. es ist mir schon aufgefallen, dass redcloud offenbar Freude daran hat, meine Texte einer Textanalyse zu unterziehen. Das ist in Ordnung, das darf er. Dafür, dass man so was tut, kriegt man heutzutage sogar Abitur, ohne zu wissen wie man zwei Brüche durcheinander dividiert.
Aber ernsthaft: Wenn Sie in der Schule Texte von einem lebenden Schriftsteller analysieren, erwarten Sie dann, dass dieser sich dazu äußert?
Nein?
Dann erwarten Sie das bitte auch nicht von mir. Dass ich es einmal tat, verbuchen Sie bitte unter Restbeständen meiner Gutmenschlichkeit.“

Dazu fällt mir nichts, aber auch gar nichts mehr ein. Deswegen und weil ich gerade völlig begeistert vom Freesound Project bin und schon seit zwei Tagen irgendwelche albernen mp3 Jingles komponiere statt mal was Vernünftiges zu machen hab ich das mal musikalisch verarbeitet:*

*(Warum geben die bei wordpress nicht einfach zu, dass das mit ihrem mp3-Player nicht funktioniert? Wieder 2 Stunden meines Lebens, die mir keiner wiedergibt…)

Frau E. weiss etwas, dass wir nicht wissen…

„Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich sie (die Gutmenschen). Sie sind einfach nett…“

…schreibt Frau E. Danke. Danke auch für Ihren textlichen Versuch, „uns“ zu verstehen in: „Das geheime Wissen der Gutmenschen“. Was Dialoge mit Menschen angeht, die Ihre Auffassung nicht teilen, sind Sie ja nicht übermäßig beschlagen, wie ich hier schon feststellen musste, aber ich bewundere Ihre Hartnäckigkeit. Diesmal beginnen Sie Ihre Kommunikation wengistens nicht mit der Feststellung, dass Sie und ihr Dialogpartner Feinde seien.

„Der Titel hört sich an wie eine neue Verschwörungstheorie, oder? Nichts würde ich mehr genießen, als endlich auch einmal einer Weltverschwörung auf die Schliche zu kommen oder wenigstens in der Lage zu sein, eine zu glauben. Nur, es ist mir bisher noch nicht geglückt.“

Wow – so hatte ich das noch nie gesehen: Verschwörungstheoretiker sind Menschen, die gerne an eine Verschwörungstheorie glauben wollen…Und nicht etwa solche, die davon überzeugt sind, hinter die reine, absolute Wahrheit gekommen zu sein, die das ganze komplizierte Weltgeschehen mit einigen simplen Thesen erklärbar macht. Verschwörungstheoretiker glauben auch nicht, dass ihre Wahrheit nur deshalb nicht allgemein anerkannt ist, weil sie durch eine gigantische Verschwörung unterdrückt wird.

„…auf Eliten zumindest teilweise sicher zutreffen – [die] kleinen Privat-Gutmenschen […] sind nicht alles Mitglieder einer Verschwörung, den westlichen Lebensstil zu zerstören.“

Nicht alle sind Mitglieder einer Verschwörung zur Zerstörung des westlichen Lebenstils und Frau E. ist keine Verschwörungstheoretikerin. Wäre ja auch irgendwie sinnlos, so eine Verschwörung, wenn alle daran beteiligt wären…

Kennzeichen von Verschwörungstheorien sind (laut Wikipedia): Vereinfachende Muster der Realität, die aber nicht abstrahiert werden und somit korrekturfähig sind. Verschwörungstheoretiker verweigern es – im Gegensatz zu den Modellen von Wissenschaftlern – Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen herzustellen, bei denen ihre Hypothesen als falsifiziert gelten können. Es ist das Charakteristikum von Verschwörungstheorien, Behauptungen aufzustellen, die tatsächlich oder vermeintlich nicht überprüfbar sind. Verschwörungstheorien nehmen eine Konkretion der vereinfachten Realität vor, die unzulässigerweise verallgemeinert wird.

Da Frau E. keine Verschwörungstheoretikerin ist, finden sich solche nicht-abstrakten Vereinfachungen, die verallgemeinert werden, in ihrem Text nirgends.

Hier jedenfalls nicht:

„…die klassischen Gutmenschen – also Linke, Frauenbewegte, Schwulenbewegte oder ganz allgemein Spießbürger-Verächter, Patriarchats-Zerschlagerinnen und Alle-Menschen-sind-gleich-Prediger – dazu bewegt, sich mit dem Islam ausgerechnet einer Ideologie anzubiedern, die nun wirklich alles verkörpert, wogegen diese Leute vorgeblich stehen.“

Oder hier nicht:

„… [die klassichen Gutmenschen, die] sich zum Beispiel George Bush, den Papst oder die „Zionisten“ als Menschenfeind aus(zu)gucken…“

Hier auch nicht:

„…pflegen Moslems, die nicht aggressiv oder kriminell auffällig sind, einen Lebensstil, der bezüglich Spießigkeit alles toppt, was man sich vom schlimmsten erfundenen deutschen Gartenzwergebesitzer vorstellen kann.“

Konkretionen vereinfachter Realitäten sind auch hier überhaupt nicht zu finden:

„Vertreter des Islam sagen häufig erfrischend offen, dass sie Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Meinungsäußerung oder vor allem ihres Glaubens […] für ungleichwertig halten und notfalls mit brutaler Gewalt den Rest der Welt […] zu unterwerfen.“

„…ihre Grundlagenliteratur ansehen, um festzustellen, dass sie zumindest dann ganz und gar nicht spinnen, wenn man diese für das Wort Gottes hält, sondern vollkommen vernünftig handeln.“

Zumindest scheint sich Frau E. mit radikalen Islamisten darüber vollkommen einig zu sein, dass diese die einzig würdigen Vertreter der weltweit 1,3 Mrd. Muslime sind und dass die radikale Koranauslegung die einzig richtige ist. Das ist auch vollkommen logisch, denn: Feindliche und hasserfüllte Aussagen von Islamisten beweisen die Boshaftigkeit der Muslime – ausgleichende und friedvolle Statements gemäßigter Muslime beweisen nur ihre Hinterhältigkeit, uns zu täuschen (zu taqiyya-isieren).

Wikipedia: Grundlage aller Verschwörungstheorien ist ein dezidiertes und vereinfachendes Welt- und Geschichtsbild…

Die zum Beispiel in vereinfachenden historischen Vergleichen bestehen können, oft verbunden mit der dezidierten Aussage, dass die Geschichte sich in diesem Falle doch wiederhole…

„…[Gutmenschen haben] keinerlei Problem damit, dass man Neonazis nicht nett behandelt, […] ihre Ideologie ablehnt.“

Da es sich bei Frau E. nicht um eine Verschwörungstheoretikerin handelt, ist der Vergleich zwischen dem deutschlandweit vorhandenen „rechtsextremen Personenpotenziel“ von 39.000 Menschen (Verfassungschutzbericht 2005) und 1,3 Mrd. Muslimen natürlich überaus legitim. Obwohl, wissenschaftlich betrachtet…

Sozialwissenschaftliche Modelle zeigen, dass sich weitreichende Ereignisse in Gesellschaft, Wirtschaft oder Staat nicht allein durch das zielgerichtete Handeln von Personen oder Personengruppen verursachen lassen. Man geht hier vielmehr vom Zusammenwirken vieler verschiedener subjektiver Gründe und objektiver Bedingungen aus, die aus Strukturen, Konjunkturen, Absichten, Gegenabsichten, Irrtümern und schlichten Zufällen bestehen und sich zudem gegenseitig beeinflussen. (Wikipedia)

Das heisst auch: Je größer ein soziales System ist, desto weniger lästet es sich von einzelnen Personen oder –gruppen in eine bestimmte Richtung (z. B. den Jihad gegen die westliche Welt) steuern. Damit wäre die Vergleichbarkeit zwischen 39.000 und 1,3 Mrd. Menschen hinfällig. Klingt logisch, rein wissenschaftlich betrachtet. Da „wir“ aber geneigt sind, Frau E. in ihrem unbedingten Willen, „uns Gutmenschen“ zu verstehen, zu unterstützen, müssen „wir“ wohl davon ausgehen, dass es sich bei wissenschaftlicher (erst recht sozialwissenschaftlicher) Argumentation wohl um dhimmitaqiyyalinksgrünmuselfaschistisches Geschwätz handelt, welches die Eliten aus Politik, Medien und Wissenschaft benutzen, um uns in einer gigantischen Verschwörung…

„…ich vermute, weil sie (die Gutmenschen) nicht komplett irr sind und das Grundlegende – nämlich, dass man manchmal mit Nettigkeit und Verständnis nicht weiterkommt, […] – [bei Neonazis] schon kapiert haben.Beim Islam kapieren sie’s aber nicht […]“

Sie müssen schon entschuldigen Frau E., dass „wir nicht komplett irren Gutmenschen“ nicht von allein auf den von Ihnen angestellten Vergleich zwischen 39.000 Neonazis und 1,3 Mrd. Muslimen gekommen sind. Das liegt wohl an der oben angestellten wissenschaftlichen dhimmitaqiyyalinksgrünmuselfaschistischen Argumentation Gehirnwäsche die „uns“ die an der islamischen Weltverschwörung beteiligten Wissenschaftler verpasst haben müssen. Obwohl Sie, Frau E., ja schon am Beginn Ihres Aufsatzes klargestellt haben, dass Sie keineswegs eine Verschwörungstheoretikerin sind. Um dies nachdrücklich zu unterstützenen, zitiere ich weiter den Wikipedia-Eintrag:

Ein wesentliches Merkmal von Verschwörungstheorien ist der normative Maßstab. Vorgänge werden nicht wertneutral konstatiert, sondern von einem normativen Standpunkt aus kritisiert.

Und ich, Frau E., habe nicht mal den allerkleinsten Zweifel daran, dass Sie „uns Gutmenschen“ von einem wertneutralen Standpunkt aus betrachten und sich nicht etwa überlegen fühlen, weil Sie sich im Besitz der reinen, absoluten Wahrheit wähnen:

„In Diskussionen über das Thema Islam mit lieben Islamverstehern (Gutmenschen), kommt irgendwann der Punkt, wo sie erschöpft sind, wo sie mit dem Rücken an der Wand stehen, wo sie merken, dass ihre Zirkelschlusslogik und ihre Strohmannargumente gegen Fakten nicht mehr ankommen, wo sie ausgepowert sind und keine Lust mehr haben, wo ihnen nichts mehr einfällt…“

Eines vergleichbaren Verlaufs einer Diskussion zwischen Ihnen und mir kann ich mich in diesem Thread allerdings durchaus nicht entsinnen… Trotzdem schätze ich an Ihnen, dass sie niemals vereinfachen und stereotypisieren.

„…und dann ziehen sie ihre allerletzte Waffe aus dem Sack und fragen triumphierend: Willst Du alle Moslems umbringen?“

Sie „neigen… irgendwie… zu einer Ansicht“, Frau E. und weil Sie es sind ist das natürlich beinahe genauso gut wie ein richtiges Argument:

„Es kommt so häufig, dass ich zu der Ansicht neige, es kommt immer …. und da, wo’s nicht kommt, hat man selber argumentativ geschwächelt oder vorzeitig aufgegeben, weil’s einem zu blöd wurde, gegen Mauern zu reden. Mit Sachkenntnis und Ausdauer kann man irgendwie wohl jeden Islamversteher dahin treiben, dass er das fragt.“

„Sachkenntnis und Ausdauer…“ Wohl eher das letztere, Frau E., mit der Sie Ihre Thesen, fast möchte ich sagen, Glaubensgrundsätze, wiederholen, wiederholen und immer und immer, immer, immer und immer wieder wiederholen, ohne sie jemals auch nur ein einziges Mal zu beweisen. Und offenbar ermüden Sie damit nicht nur jedesmal Ihre Diskussionspartner, auch Ihnen selbst wird es mittlerweile schon so langweilig, dass Sie ihren Grundsatzthesen ein frische, ironisch-zynische Verpackung verpassen:

„-Yepp, sollte man darauf (auf diese Frage) sagen. Du hast es erfasst. Ich bin wie Adolf Hitler, bloß schlimmer. Er wollte alle Juden ermorden, aber damit halte ich mich nicht auf, von denen gibt’s mir zu wenige. Ich nehme lieber Moslems, von denen gibt’s hundert mal soviele. Und zu dem Zweck haben meine Mitstreiter und ich ein fingiertes Hetzwerk namens Koran geschrieben…“

Ein „Hetzwerk“, das neben den Suren die Sie immer zitieren, auch solche enthält (die Sie in „Mein Kampf“ vermutlich nicht finden würden):

5:32 Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem anderen oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hätte er die ganze Welt getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen zu ihnen mit deutlichen Zeichen; dennoch, selbst nach diesem, begehen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. (Quelle)

So ist das nunmal mit tausend Jahre alten religiösen Texten. Damit lässt sich alles beweisen – und auch das genaue Gegenteil…

„…tausende von bärtigen Männern […] bestochen, [die] Hetzreden […] halten und Steinigungen und Kopfabhackereien […]“

Millionen von Muslimen tun nichts dergleichen…

„…20 Millionen Millionen Moslems nach Europa geholt…“

20 Billionen? Echt? Im übrigen sind Migrationsbewegungen ein vollkommen natürlicher Vorgang, die es zu allen Zeiten in allen Weltregionen gegeben hat, ja, geradezu als ein Motor der Weltgeschichte gelten können…

„Straßenkriminelle… (die)… Mädchen ohne Kopftuch als Schlampen […] beschimpfen oder gar […] belästigen und […] vergewaltigen.“

Die spannende Frage wäre hier doch, Frau E., ob sich die Motivation von Straßenkriminellen tatsächlich in einer logischen Kausalkette bis in den Koran zurückverfolgen lassen…

„Hunderttausende […] wegen ein paar Strichmännchen auf der Straße […] randalieren…“

Die Mohammed-Karikaturen der „Jyllands-Posten“ wurden schon am 17. Oktober 2005 in der ägyptischen Zeitung Al Fagr veröffentlicht – ohne irgendwelche Massenproteste oder Randalierungen. Erst durch die Erstellungen eines „Dossiers“ zweier Imame und der Beifügung einiger gefälschter Karikaturen grob beleidigenden Inhalts kam es Anfang 2006 zu den gewünschten Massenprotesten und Gewaltexzessen, die 140 Menschenleben kosteten. Der Karikaturenstreit war somit eine gezielte Aufhetzung der Bevölkerung durch Ihre Hetzer-Kollegen auf der muslimischen Seite, Frau E.

„…am 11. September 2001 das World Trade Center zerstört…“

Die Reaktion auf „9/11“ war der Afghanistan-Krieg Ende 2001, welcher zwischen 20.000 und 50.000 zivile Todesopfer forderte (Recherchen von Jonathan Steele, “The Guardian”, eine offizielle Zahl gibt es nicht). Das ist die zehnfache Anzahl der zivilen Todesopfer von New York, Washington und Shanksville… Reicht Ihnen das noch immer nicht?

„…über 9.000 tödliche Anschläge im Namen des Islam verursacht…“

Sie spielen hier auf den „Toten-Ticker“: „Tödliche Terrorattacken seit 9/11“ an, der auf sämtlichen „islamkritischen“ Webseiten zu finden ist. Da zu dieser Zahl hauptsächlich Anschläge des irakischen Bürgerkrieges beitragen, bei denen hauptsächlich irakische Zivilisten und somit Muslime getötet werden, taugt dies als Argument gegen die „Islamisierung Europas“ wohl kaum…

„…diese unverschämte Frage…“ (aka „Willst Du alle Moslems umbringen?“)

Die – wohlgemerkt – Sie selbst aufgeworfen haben. Mit wem diskutieren Sie eigentlich? Mit sich selbst?

„…aus Gehässigkeit geboren und ersetzt das, was man normalerweise jemandem entgegenhält, dessen Ansichten man nicht teilt: Argumente.“

Ihr imaginärer, gutmenschlicher und gehässiger Diskussionspartner bringt also keine Argumente. Sehr bedauerlich. Warum denken Sie sich nicht einfach einen anderen aus? Oder führen reale Diskussionen? Weil Sie selbst argumentiv nicht das Geringste zu bieten haben?

„…glaube ich, dass man die Frage als Anzeichen werten kann, dass man die Diskussion auf ganzer Linie „gewonnen“ hat. Aber dann könnte ja auch ein „Ja, Du könntest recht haben“ kommen. Und ich glaube, das kommt. Das kommt implizit in der provokanten Frage mit.

Denn sie sagt aus:

„Wenn das alles wahr wäre, was Du sagst, was bliebe uns dann anderes übrig, als alle Moslems umzubringen? Weil ich das nicht will, darf nicht wahr sein, was Du sagst.“

Das ist schon ein interessanter Punkt, Frau E. Gerade oben warfen Sie „gutmenschlichen“ Diskussionspartnern noch vor, es käme immer

„…irgendwann der Punkt […] wo sie merken, dass ihre Zirkelschlusslogik und ihre Strohmannargumente gegen Fakten nicht mehr ankommen…“

…und hier brillieren Sie selbst mit Zirkelschlusslogik par excellence: Sie behaupten, alle „gutmenschlichen“ Argumente gegen Ihre Ideologie liessen sich zwangsläufig auf die von Ihnen auch noch selbst formulierte „unverschämte Frage“: „Willst du alle Moslems umbringen?“ zurückführen. Und dann behaupten Sie, diese Frage impliziere doch, dass Ihr Gegenüber Ihnen eigentlich zustimme und somit alle Gegenargumente eigentlich heimliche Zustimmung bedeuteten.

Zirkelschlusslogik und Behauptungen („Strohmannargumente“) sind offenbar nur „Islamkritikern“ erlaubt. Und wissen Sie was, Frau E.? Da stimme ich Ihnen zu. Erstens bedürfen „wir Gutmenschen“ derer nicht und zweitens würden dann so amüsante Texte wie der Ihre der Welt unwiderbringlich verloren gehen…

Perlen des Internet: Offener Brief einer deutschen Bloggerin im Namen „des Westens“ an „die Moslems“. Eine Analyse.

Das unmotivierte Herumsurfen im Web offenbart manchmal Überraschendes. Lustiges. Hoffnungen und Visionen. Absurdes… und Größenwahnsinniges. Die (aus ihrer Sicht) positive Vision einer Welt, in der Leute wie sie die Meinungsführerschaft der westlichen Welt übernommen haben, beschreibt eine deutsche Bloggerin hier. Diese ihre westliche (Traum-) Welt vertritt in ganz und gar undemokratischer Weise eine Einheitsmeinung (zumindest der islamischen Welt gegenüber), als deren Botschafterin sich die Bloggerin versteht (wobei sie offenbar vollständig verkennt, das viele Millionen Moslems längst Teil der westlichen Welt sind). In diplomatischer Mission ist sie nun unterwegs, endlich den wahren Dialog mit „den Moslems“ aufzunehmen. Da sie sich das Recht herausnimmt, „im Namen der westlichen Welt“ zu sprechen, deren Teil ich ja auch bin, nehme ich mir das Recht, auf ihre Botschaft gründlich einzugehen…

„Liebe Moslems,
Ihr und wir – wir sind Feinde. Wir finden es an der Zeit, dass wir das offen aussprechen. […] Wir sind (eurem)… Rat, inzwischen gefolgt. Wir haben Obsession gesehen, wir haben Bat Ye’Or und Robert Spencer gelesen, wir haben die Videobotschaften Osama Bin Ladens sowie die Aussagen der Islam-Gelehrten aus aller Welt […] und Herrn Achmedinedschads zur Kenntnis genommen.“

Aber warum hat sie nicht mal mit dem türkischen Gemüsehändler unten an der Straße über den Islam diskutiert? Für ein unvoreingenommenes Bild taugen die genannten Informationskanäle wohl kaum: Die britische Autorin Bat Ye’or ist – natürlich rein zufällig – die Vordenkerin der „schleichenden Islamisierung Europas“, hat Begriffe wie „Eurabia“ oder „Dhimmitude“ erfunden bzw. geprägt. Vergleichbares gilt aus amerikanischer Sicht für Robert Spencer. Der Film „Obsession“ (Untertitel: The Radical Islam’s War Against the West) beinhaltet zumindest nur eine Seite des Islam. Alle genannten Quellen haben eines gemeinsam: Sie behandeln islamische Gesellschaften mit der analytischen Tiefe einer Sperrholzplatte. Auch radikale Islam-Gelehrte und der iranische Maulheld Ahmadinejad verkörpern nur eine Seite der islamischen Welt, auch wenn sie es selbst sicher gerne anders hätten. Was unsere „westliche Botschafterin“ hier macht, ist die Glaubensgrundsätze ihrer Sekte der sogen. Islamkritiker zu zitieren. Da könnte ich auch mit einem Zeugen Jehovas auf Grundlage des „Wachturms“ über Atheismus diskutieren.

Rhetorisch geschickt vollzieht die „westliche Botschafterin“ jetzt ein Wende:

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir uns für unser Verhalten, das wir an den Tag legten, als wir das alles noch nicht wussten, entschuldigen müssen. Es war unser Fehler, nicht Eurer, dass wir so lange interesselos und unwissend gegenüber Euch blieben…“

Wofür entschuldigen? Für die zivilen Bombentoten der Kriege in Afghanistan und Irak? Die US-Militärbasen in den ölreichen und hauptsächlich arabisch geprägten Regionen der Welt? Die US-Interventionen in die Innenpolitik z. B. Irans und Indonesiens in den vergangenen 50 Jahren? Dafür, dass wir durch und durch korrupte und repressive Diktaturen in muslimischen Ländern mit unseren Petrodollars unterstützen?

„Wir entschuldigen uns auch dafür, dass wir Euch über lange Zeit hinweg mit einem “Dialog” belästigt haben… Insbesondere entschuldigen wir uns für diejenigen unter uns, die den fürchterlich beleidigenden Begriff “Islamismus” geprägt haben, um die besonders Rechtgläubigen und Korantreuen unter Euch zu verunglimpfen.“

Nein, laut der „westlichen Botschafterin“ entschuldigen wir uns dafür, dass wir mit Moslems geredet haben und nicht schätzungsweise 1,3 Mrd. Menschen über einen Kamm scherten. Ich vermute auch, es handelt sich hier um den tödlichen Gebrauch der Waffe Ironie.

„Der Versuch, Euch schulmeisterlich Eure eigenen Religion erklären zu wollen (“Islam heißt Frieden”) war ein unglaublicher Fauxpas, und wir verstehen daher, dass Ihr Euch häufig an unserer Arroganz gestört habt.“

Ach? Haben „wir“ das?

„Dass Ihr Euch die Formulierung “Islam heißt Frieden” ebenfalls zu eigen gemacht habt, tragen wir Euch nicht nach – wissen wir doch, dass Euch Euer Prophet Mohammed höchstpersönlich empfohlen hat, zum Kunstgriff der Lüge ( Taqiyya) zu greifen, wenn Ungläubige zu stark sind, um militärisch unterworfen zu werden.“

Ich rede zwar mit euch, aber antworten braucht ihr gar nicht erst, denn ihr seid grundsätzlich alle Lügner, alle! Und das hat auch gar nichts damit zu tun, dass wir euch schulmeisterlich eure eigene Religion erklären. Oder die Arroganz besitzen, zu behaupten, euch vollkommen zu durchschauen!

„Nun, wir wissen inzwischen, was Ihr wollt. Ihr wollt das Dar al-Islam auf Kosten des Dar al-Harb ausbreiten und langfristig die Herrschaft des Islam über die ganze Welt installieren. […] Der Djihad umfasst auch demographische Bemühungen, Migration, Da’Wa (Missionierung), Taqiyya (geschickte Lüge), den Djihad der Feder (Propaganda) und den Einsatz ökonomischer Mächt (Petrodollars).“

ALLE Muslime, angefangen beim iranischen Ayatollah Khamenei über den saudischen Ölscheich, den libanesischen Geschäftsmann, den westafrikanischen Fulbe-Nomaden bis hin zur indonesischen Putzfrau und dem türkischen Gemüsehändler in Europa vereint nur ein Ziel: Die Vernichtung des Westens. Es muss eine schreckliche Welt sein, in der die arme Verfasserin dieser Zeilen lebt. Die Frage ist nur, lebt sie vielleicht größtenteils allein in dieser Welt? „Ein paranoider Mensch glaubt oft, dass andere beabsichtigen, ihn zu schädigen, zu betrügen oder auch zu töten. Oft kann er dafür auch „Beweise“ präsentieren, die ihm völlig überzeugend scheinen, für Außenstehende dagegen überhaupt nichts besagen. Diese Überzeugungen sind wahnhaft. Der Patient ist durch nichts von ihnen abzubringen, rationale Argumente und Überzeugungsversuche von Außenstehenden haben keinen Erfolg und sind vielmehr kontraproduktiv, da sie das Mißtrauen der paranoiden Person nur noch verstärken.“ (Zitat: wikipedia – Paranoia)

„Ihr wisst, das Ungläubige sich gegen Euch wehren. Islamische Kriegsherren der Vergangenheit wussten (das) sehr wohl… Wenn Ihr davon ausgingt, dass die Juden Israels eine Islamisierung Ihres Landes im Sinne eines islamisch beherrschten “Palästina” mit eventuell geduldeter reduzierter jüdischer Dhimmi-Bevölkerung wünschten, dann müsset Ihr sie nicht in die Luft sprengen oder mit Raketenangriffen und nuklearen Drohungen aus Teheran zermürben. Dann müsstet Ihr Ihnen einfach nur den Vorschlag machen und darauf warten, dass sie begeistert zustimmen.“

Gott, Frau Botschafterin, ich krieche durch Ihre Gehirnwindungen und versuche, zu verstehen, was Sie wohl meinen könnten. In den sogen. Türkenkriegen Europas mit dem Osmanischen Reich vom 15. bis 18. Jh. und haben (wie der Name schon sagt) Türken Europa angegriffen – keine Araber (Palästinenser) und auch keine Perser (Iraner). Wenn Sie sich die militärische Lage im Nahostkonflikt mal angucken, kann von einer drohenden Islamisierung Israels ja wohl nicht im entferntesten die Rede sein. Eher davon, dass Israel die Mehrzahl der Palästinenser nicht integrieren kann, weil es sonst seinen Charakter als jüdischer Staat verlöre und die arabischen Anrainer die staaten- und damit rechtlosen Palästinenser als politisches Faustpfand einsetzen.

„Unglücklicherweise befinden sich bereits eine große Anzahl Eurer Kolonisten in unseren Ländern. Wir sind uns bewusst, dass viele davon nicht wissen, dass sie als Kolonisten fungieren […] Wir sehen keinen Grund, einen Dialog mit unwissenden Privatpersonen zu führen… […] Wir müssen diesen Dialog auf der Grundlage Eurer und unserer ideologischen Ausrichtung führen – mit denjenigen, die sie ernst nehmen und nicht mit […] Einzelpersonen.“

An dieser Stelle komme ich ohne ein Wörterbuch Absurdisch – Deutsch nicht weiter. Kolonisten, die nicht wissen, dass sie Kolonisten sind und mit denen wir deshalb nicht sprechen können? Mit den Djihadisten können wir doch auch nicht sprechen, wie Sie oben bereits anmerkten, da sie verpflichtet seien, uns geschickt anzulügen (zu Taqiyya-ieren)? Mit wem können wir dann sprechen? Oder geht es Ihnen etwa darum, zu betonen, dass wir gar nicht reden sollten? Dass wir „den Dialog auf Grundlage unserer (westlichen) Ideologie führen“ sollten, d. h. mit Waffengewalt in ihre Länder einzumarschieren? Ich weiss nicht, ob dies einer vielbeschäftigten Frau wie Ihnen eventuell entgangen ist, aber eigentlich tun wir das bereits…

„Wir entnehmen aus den Äußerungen islamischer Organisationen und auch islamischer Einzelpersonen (und deren feindseligem Verhalten) in unserern Ländern, dass Moslems im Westen sich nicht wohlfühlen und uns nicht mögen.“

Friedliche muslimische Einzelpersonen werden also von Ihnen grundsätzlich nicht angehört, aber sobald eine fanatische Gruppe „Tod allen Ungläubigen“ schreit oder ein 14-jähriger Türke „Ey, du scheiss Schinkenfresser“ sagt, sprechen diese für die Gesamtheit der Muslime. Irgendwie logisch, dass Ihnen das so erscheint, wenn sie die anderen nicht anhören wollen, meinen Sie nich?

„Wir würden das sehr gerne friedlich lösen, aber notfalls können wir auch gemein werden. […] Wir hoffen, dass Ihr diese Ehrlichkeit, die Ihr von uns leider bisher nicht gewohnt ward, zu schätzen wisst.“

Ehrlichkeit sind sie von uns vielleicht nicht gewohnt, aber dass wir „gemein“ sein können, das wissen sie schon, „die Muslime“, dazu bedarf es nicht erst Ihrer klaren Worten. Es genügen ja auch schon einige simple Google-Anfragen: Abu Graibh, Haditha, Baghdad bombed by US Air force oder auch diese kleine, nette Szene hier (via Rollmops im Kanzlerbunker).

„Ebenfalls finden wir es nicht so gut, dass unsere Wirtschaften einerseits teuer für das Öl aus islamischen Ländern bezahlen und andererseits mit zunehmend drückenderen Steuern islamische Migranten, die wir für gar nichts brauchen, mittels Sozialleistungen durchfüttern.“

Ihnen ist aber schon klar, Frau „Botschafterin“, dass der hohe Ölpreis auf die Angebot- und Nachfragesteuerung des Weltmarktes zurückgeht und sie aufgrunddessen allenfalls die Chinesen beschuldigen könnten? Für die Marktwirtschaft können „die Muslime“ nun doch tatsächlich nichts – ich war sogar davon ausgegangen, dass diese Bestandteil ihrer oben angesprochenden „westlichen Ideologie“ ist… Was die Sozialleistungen für Migranten angeht, da haben sie offenbar keine Ahnung, wie schwer es für einen nichtdeutschen Bürger ist, diese in Anspruch zu nehmen (Stichwort: Asylbewerberleistungsgesetz). Wäre ja schon ziemlich blöd von den Politikern, überlegen Sie doch mal: Die Sozialleistungen für ihre deutsche Wählerschaft immer weiter zurückzufahren, Steuern- und Abgabenlasten für diese zu erhöhen – nur um Migranten „durchzufüttern“, die sie nicht mal wählen können. Das ist doch billigste NPD-Rhetorik und das aus dem Munde einer Botschafterin, die für den gesamten freien Westen spricht.

„Wir verpflichten uns ebenfalls, das Christentum nicht “mit dem Schwert” bzw. moderner Hochtechnologie-Kriegsführung in Euren Ländern zu verbreiten. Wir könnten das prinzipiell – wir haben es in Lateinamerika getan (und es war sehr hässlich). Wir möchten es aber heutzutage nicht mehr tun. Dass wir – wann immer wir den Eindruck gewinnen, Eure militärische Entwicklung könnte uns (einschließlich Israel) gefährlich werden – militärisch eingreifen, behalten wir uns davon unabhängig ausdrücklich vor.“

Nein, das Christentum verbreiten wir nicht mehr. Unser schranken- und bedingungsloser Turbokapitalismus braucht nur noch eure Rohstoffe und (ein bisschen) eure Märkte. Schwerter benutzen wir auch nicht mehr. Ist ja vieeeel zu anstrengend…

„[…] Wir würden uns über eine ehrliche Antwort sehr freuen. […]“

Ich dachte jetzt, das geht nicht, weil uns doch die Moslems fortwährend taqiyya-ieren?

„Euer Feind, der Westen”

Eine kurze Antwort habe ich auch vorbereitet:

Sehr geehrte Frau „Botschafterin des Westens“,

Schreiben Sie soviele Briefe wie, worüber und an wen Sie wollen. Aber schreiben Sie in Ihrem Namen, mit der hässlichen Fratze des Apologeten des „Clash of Civilisations“ im Gesicht, und NICHT (auch) IN MEINEM NAMEN.

Herzlichst – red.cloud


…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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