Archiv der Kategorie 'Tücken des Alltags'

Deutsche Identität in der Fremde

Mit Erschrecken musste ich vor kurzem feststellen, dass ich tatsächlich stolz bin, Deutscher zu sein. Allerdings nur hier in Ostafrika. Nicht auszuschliessen sogar, dass ich am Sonntag, wenn Deutschland spielt, beim Absingen der Nationalhymne, aufstehen, die Hand auf die Brust legen werde und als einziger in der ganzen biergeschwängerten Bar laut mitsingen werde. Naja – soweit wird es wohl doch nicht kommen. Ich habe mich lange gefragt, woher dieser plötzliche Anflug von Nationalstolz kommt –denn eigentlich ist es ja albern, auf etwas stolz zu sein, was nur eine Laune des Schicksals und nicht der eigene Verdienst ist; von der unheilvollen Geschichte des deutschen Nationalstolzes mal ganz abgesehen (ein „wenig“ haben „wir“ Deutschen im ehemaligen Deutsch-Ostafrika schließlich auch rumgemetzelt, im Krieg gegen den Wahehe-Tribe in den 1890ern und im „Maji Maji“-Aufstand 1905).

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mein Nationalstolz von der „Andersartigkeit“ kommt – meiner „Andersartigkeit“. Wenn man nicht als Tourist im Land ist (ich arbeite ja hier), nicht in abgeschotteten Touristenfestungen residiert, nicht von einem Haufen serviler Dienstleister umgeben ist und ansonsten in fast derselben „gut weissen“ Gesellschaft wie zu Hause auch, dann nimmt man Tanzania anders war (ich las neulich in einer Anzeige, dass irgendeine Tourismusmesse in einem der „paradiesischsten Länder der Welt“ stattfinden würde: Tanzania – und hielt das zunächst für ein zynischen Witz). Darüber hinaus gibt es für mich kaum etwas abgeschmackteres als diese ganze bestimmte Klientel mittelalterlicher Touristinnen, die am Kilimanjaro Airport (dem Touristenflughafen) aus dem Flugzeug stolpern, sich von Kopf bis Fuß in Massaitücher wickeln und sich ab jetzt als „weisse Massai“ fühlen und sich – als Höhepunkt der Abgeschmacktheit – noch einen 20 Jahre jüngeren afrikanischen Lover einkaufen. Eigentlich müssten sie der besagten Laune des Schicksals auf Knien dafür danken, keine jener halbverhungerten, abgearbeiteten Gestalten zu sein, welche die Massai ihre Frauen schimpfen.

Tatsächlich wird derjenige, der sich nicht in der von der afrikanischen Realität abgeschotteten Touristensphäre bewegt – und das heisst, konfrontiert zu werden, mit Lebenssituationen, in die man sich nicht mehr hineinversetzen kann, monatelang die Muttersprache nicht sprechen oder auch nur mit jemandem zu tun zu haben, der eine entfernt ähnliche kulturelle Prägung hat – bald überwältigt vom Gefühl der eigenen Fremdheit. „Was mache ich überhaupt hier?“ – ist dann die klassische Frage, wenn mal wieder nichts funktioniert, mit europäischen Verstand gefasste Pläne nicht aufgehen, man sich beleidigt oder verarscht fühlt vom Verhalten von Afrikanern, dass man eventuell nur einfach nicht versteht, oder wenn man, im Extremfall, betrogen, beraubt oder entführt wurde und die korrupten Behörden einem auch nicht weiterhelfen. Dann können einen nur echte, wahre Freundschaften trösten, die dann allerdings grandios sind in Herzlichkeit und Loyalität und auch in der Entdeckung, dass, wenn man eine individuelle Ebene gefunden hat, kulturelle Unterschiede eigentlich gar nicht mehr existieren: Der Typ da gegenüber, der ist genau wie ich, der mag Bier, Fußball, Zigaretten, Gitarrespielen und Frauen und der hat genau die gleichen Sorgen, wie es wohl in Zukunft mit ihm weitergeht… Sie sind allerdings rar, diese Freundschaften, abseits des eigennützigen Interesses: Viele Tanzanier suchen „Freundschaften“ mit „reichen“ Europäern, weil sich durch die jahrzehntelange „Entwicklungs“-Hilfe eine Geber-/Nehmer-Mentalität herausgebildet hat; umgekehrt erwischt man sich als Europäer immer wieder dabei, aus Bequemlichkeit auch die kleinsten Sachen durch seinen „Freund“ erledigen lassen zu wollen oder aus einer diffusen Ängstlichkeit zu erwarten, dass er dich überall hin begleitet; der „Freund“ avanciert dann immer mehr zum Dienstboten oder Bodyguard. 

Meistens bleibt die kulturelle Wand undurchdringlich, und inmitten der afrikanische Gesellschaft verwandelt man sich von einem Individuum mit Namen, Lebensweg, Schwächen und Stärken in den „Mzungu“ (kiswaheli für „Fremder“, „Reisender“, „Europäer“). Und es ist nicht mal „böse“ oder irgendwie rassistisch gemeint, es ist tatsächlich nur die „Andersartigkeit“ des Aussehens (eigentlich nicht einmal der Hautfarbe, es gibt ja Albinos, die sind sogar noch „weisser“), gepaart mit ausgeprägten Halbwissen über Europa aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen, jedoch kräht es einem in Städten und Dörfern abseits der Touristenpfade wohl hunderte Male hinterher,von  kleinen Kinder, Heranwachsenden, selbst Erwachsenen, die dich nicht kennen, als sei das dein Vorname. Und so wird es Realität, Identität, deine Hautfarbe und dein Land, das für dein Selbst, zumindest in der vertrauten Umgebung deiner Heimat, eigentlich keine Rolle spielt, wird Sinnbild für dich – und wenn man einen etwas trotzigen Charakter hat – zu Stolz.

Und plötzlich lässt man auf Deutschland nichts kommen  – das Land, wo es niemals zu Stromausfällen oder Wasserknappheit kommt, Infrastruktur, der Staat und seine Behörden funktionieren und alle Menschen pünktlich sind, das beste Auto der Welt, Mercedes, produziert wird und die besten Sportler der Welt, Michael Schumacher und Michael Ballack herkommen… Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich sofort wieder anfangen, auf das Land schimpfen, wie alle anderen anständigen Deutschen auch (und das – verdammt noch mal – völlig  zu Recht!), aber zumindest in den ersten Wochen allen kleinlichen Komfort geniessen (Heisses Wasser! Aus der Leitung! Internet, wann immer ich will! Bücher! Deutsches Fernsehen! Waschmaschine! Mutterns Küche!). Darauf freue ich mich schon.

Sexually Correct

Dieser Blog versteht sich ja durchaus als politisch korrekt, d. h. weder von Inhalt und Sprache der Beiträge sollen sich bestimmte Personengruppen verletzt fühlen – es sei denn, sie haben es verdient. Wie man aber bei bestem Wissen und Gewissen in seinen hehren Absichten scheitern kann, dass wurde mir beim Lesen dieses Beitrages im mädchenblog bewusst (auf den ich durch Arne Hoffmanns genderama-Blog aufmerksam wurde, den ich in letzter Zeit begeistert lese, ich ahnte nämlich bislang gar nicht, dass auch ich einer unterdrückten Klasse angehöre – man lernt nie aus.)

Wie allein die zweimalige Verwendung des Wortes „man“ im vorherigen Absatz zeigt, reicht politisch korrekter Sprachgebrauch nämlich allein nicht aus – das Wort ist ja eine verallgemeinerte Personalisierung – menschIn muss sorgfältiger werden und Sprache auch „sexuell korrekt“ verwenden, schliesslich lesen auch Frauen dieses Blog. Entschuldigung.

Wobei „menschIn“ darob auch wieder nicht geht, denn wie das mädchenblog erklärt:

„[...] die schreibweise mit dem großen I, was auch binnen-I genannt wird. was ist aber mit personen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen lassen oder wollen? die können von der sprache nicht so gut benannt werden. das sieht man auch daran, dass für die bezeichnung von personen nur “er” oder “sie” zur auswahl stehen [...]„

Das stimmt. Da kann man menschIn mal sehen… Daran ist zu erkennen wie sehr jemand durch den kulturellen Diskurs vorgeprägt wird. Ich möchte mich daher ausdrücklich bei allen

„[...] fällen von intersexualität, bekannter ist der begriff “zwitter” [bei denen], von den ärzt_innen und den eltern entschieden [wurde], welches geschlecht das kind haben soll,

entschuldigen. Ferner möchte ich mich bei

„[...] menschen, die als jugendliche oder erwachsene merken, dass sie sich in der geschlechtskategorie, in der sie aufgewachsen sind, nicht wohl fühlen. sicherlich habt ihr schon mal von transsexuellen gehört [...]„

entschuldigen, sowie bei

„[...] menschen, die sich in ihrem geburts-geschlecht nicht wohl fühlen, aber keine lust haben, ihren körper durch eine operation zu verändern. dafür gibt es den begriff transgender.“

Tut mir echt leid. Es ist nämlich so:

„da die menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen, meistens auch von der sprache nicht berücksichtig werden, muss man auch die sprache verändern, wenn man diese einteilung in nur zwei geschlechter verändern will. ein vorschlag dazu ist die verwendung des unterstrichs, der praktisch eine leerstelle in der sprache anzeigt.“

Das ist die Lösung, mit der mensch_in nicht nur kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, sondern die noch weitere unschätzbare Vorteile birgt:

„wenn nun die aufteilung in genau zwei geschlechter etwas durcheinander gebracht wird, ist das nicht nur besser für diejenigen, die sich keiner der kategorien mann und frau zuordnen wollen. auch diejenigen, die trotzdem gerne mann oder frau sein wollen, könnten so größere spielräume innerhalb ihrer geschlechtskategorie haben. zum beispiel wenn ein junge einfach gerne mal einen rock anziehen möchte, oder ein mädchen ene krawatte. [...]„

Wer nun denkt, sie, es oder er könne sich nun beruhigt von dem Artikel abwenden und fröhlich pfeifend ihr oder sein Leben weiterleben, die, das oder der irrt. Denn im Kommentarbereich werden berechtigte Zweifel laut, ob nicht selbst diese vorgeschlagene Version diskriminierend ist:

soe:
„interessanterweise gibt es zu “unterstrich” oder “großes-I” umgedreht die gleiche interpretation [...] d.h. der unterstrich betont erst die differen(z) zwischen “weiblich” und “männlich” [...] meine präferenz ist ja */frau/man in sich stets abwechselnden reihenfolgen. [...] bei der unterstrich variante [wird] zwangsläufig zuerst das “männliche”, dann dass dazwischen und zum schluss erst das “weibliche” [genannt]. als gegenstrategie wird [...] in feministischen zeitungen und blogs entweder in einer rein “weiblichen” form oder aber zumindest in einer das “weibliche” zu erstnennenden form geschrieben. [...]„

schnabeltasse:
„Eigentlich wollte ich nur einbringen, dass ein Unterstrich denkbar ungeeignet ist, die bestehenden sexuellen Herrschaftsformen zu kritisieren. Der Unterstrich steht vielmehr symbolhaft für die Darstellung des Phallus. [...]„

admin:
„schnabeltasse, mal ganz assoziativ – was ist phallischer: _ oder I?“

schnabeltasse:
„Das kommt zum einen auf das Auge des Betrachters, zum anderen sicherlich auf den Zustand des Phallus an. In der Mythologie wird häufig ein horizontoler Strich als Phallussymbol und ein Kreis als Symbol für eine Scheide verwendet. [...]„

Ich finde diesen Aspekt beachtenswert, neige aber -rein assoziativ- dazu, der Administratorin zuzustimmen. Vielleicht haben ja auch beide recht, denn da die sexuell korrekte Stellung des Mannes ganz sicher die in 180° liegende Position darstellt, ergibt sich:

„I“: potenter Zustand des Phallus
„_“: impotent
er Zustand des Phallus

Und auch „soes“ Präferenz bietet unter dieser Annahme keine Lösung, denn
„/“ könnte bedeuten:
ER: Sowas ist mir noch nie passiert… (gelogen); SIE: Das macht doch nichts, dass kann jedem mal passieren… (auch gelogen)

Geradezu obszön ist unter dieser Annahme übrigens der griechische Buchstabe Phi Φ …

Einen praktischen Vorschlag macht die oder das oder der Kommentierende „ch“:

„am besten assen wr gech ae buchstaben, de aussehen we pensse, ganz weg. dann wrd das auge ncht mehr beästgt von wederchen geschechtsteen, de ohnehn nemand sehen w. doroborhonoos soton wor oo vokoo dorch schöno os orsotzon, om doo woobochkoot zo botonon [...]„

Deutschland hat kein Problem mit Jugendgewalt

…auch nicht mit JugendlicherMigrationshintergrundsgewalt wie uns die Mainstreampresse  (MSM) mal wieder glauben machen will. Nein, das eigentliche Gewaltproblem und -vielleicht- auch die Islamisierung Europas geht von einer bisher kaum erwähnten Bevölkerungsgruppe aus, wie diese erschütternde Reportage dokumentiert: Omas!

[via Fareus & tkoslowski]

novaexpress-Frage des Jahres 2007

„Kannst Du diese wahrheitswidrige Tatsachenbehauptung auch mit Fakten untermauern?“ (Telehirn)

Gesetzt den Fall ich könnte, würde ich dann nicht eine Lüge beweisen?

 

Kurz notiert: Neocon-Pointe, die

Ein Autor des Weblogs „policallyincorrect.de“ beendete mit einigem Aufsehen seine Tätigkeit dort, nämlich mit einem Gastartikel im Blog des Journalisten Ramon Schack. Das kann man bejubeln, man kann J. W. Respekt zollen, man kann es auch einfach als persönliche Entscheidung eines Individuums hinnehmen, ohne allzuviel in die Sache hinein zu interpretieren. Relativ deutlich ist jedenfalls der Ansehensverlust für „politicallyincorrect“, handelt es sich hier doch um ein publizistisches Organ, das nach Selbstbezeugung der Autoren und ihrer Claqueure qua definitionem immer recht hat, weil man ist ja gegen den Mainstream und so – ein Gesinnungswandel im „inneren Kreis“ sieht da nicht gut aus. Der Blog veröffentlichte nur einen nichtssagende Mitteilung über den Abgang J. W.s  – die verstörte Glaubensgemeinschaft Leserschaft findet auch keinen Trost in den zahlreichen „politisch inkorrekten“ Epigonen-Blogs. Bis man auf diesen Artikel bei „Gegenstimme“ stößt, nach dem man natürlich greift wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm.

„Gegenstimme“ vertritt im großen und ganzen dieselben „islamkritischen“, neokonservativen und „mainstreamresistenten“ Positionen. Zu den Vorbildern zählen auch US-amerikanische, erzneokonservative Talkshow-Hosts wie Rush Limbaugh mit ihrem holprigen, goldigen „die Axt im Walde“-Humor. Dementsprechend liefert „Gegenstimme“-Autor Yaab eine Abrechnung mit dem Ex-„politicallyincorrect“-Autoren J. W., in dem er dessen Ausstiegserklärung satirisch aufbereitet, bzw. selbiges versucht. Laut der Pointe von Herrn Yaabs Satire – der Rest lohnt kaum der Betrachtung – war Grund für J. W.s Ausstieg bei „politicallyincorrect“:

„[Ich habe] auf dem Muslimmarkt eine Frau gefunden […], die ich preisgünstig erstehen konnte. Wir haben gestern geheiratet und sind auf dem Weg in die Flitterwochen. Möge Allah mir beistehen.“

Schön. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, so heisst es. Har har har. Die jahrzehntelang unterdrückte Sexualität verklemmter konservativer Dampfplauderer hat hier offenbar gewisse spätpubertäre Langzeitschäden verursacht.

Fortschreitende Paranoia im „politicallyincorrect“en Autorenteam?

Könnte der vielleicht nicht ganz objektive, dafür um so mehr belustigte Beobachter diagnostizieren, angesichts dessen, was Deutschlands größte „Musel“hass-Seite in der letzten Zeit so abliefert. Zunächst fühlte sich der Chef“redakteur“ von einem roten Auto und einem zu frühen Handyanruf zu Tode erschreckt und flüchtete an einen „sicheren Ort“. Die „Politically Incorrect“-Redaktion berichtete uns allerdings nichts mehr vom Fortgang des Falles H., ob Anzeige bei der Polizei erstattet wurde, es Hinweise auf einen Täter gibt usw. sondern überraschte mit dem Artikel „Kritische Reflexionen“:

Und man ist angemessen überrascht, impliziert doch der Begriff „Re-flexion“ einen Selbstbezug und das in Verbindung mit „Kritik“… Zitat:

Wir werden weiterhin auf Menschenrechtsverletzungen in moslemischen Ländern hinweisen. Wir werden uns weiterhin für die Wahrung unseres Grundgesetzes einsetzen.

Die Wahrung unseres Grundgesetzes in muslimischen Ländern… Hier offenbart sich dem kritischen Leser noch nichts neues, ausser der üblichen „Am deutschen Wesen wird die Welt genesen“-Haltung

Wir werden weiterhin das Existenzrecht Israels verteidigen.

Das ist zweifellos einer der wenigen guten Aspekte „politicallyincorrect“s. Wie der Kommentator „Sebastian“ bei politischkorrekt.info richtig resumiert, wäre ohne das deutsche Weblog Israel bestimmt längst untergegangen.

Wir werden […] mehr Wert auf die Darstellung der positiven Aspekte unserer Gesellschaft legen.

Was den Apologeten des „Untergangs Europas durch fortschreitende Muselfizierung“ da wohl einfällt? Welche positiven Aspekte könnte eine sich in Agonie befindliche, vom Geist der 1968er zerfressene Gesellschaft denn schon noch haben?

Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter etc…

Sieh an, sieh an… Doch nicht etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die mit der „sexuellen Revolution“ der 68er zum Durchbruch kam?

Vorsorglich: Polemik und Gemeinheiten werden kommentarlos gelöscht.

Nur die Kommentare oder gleich die ganzen Artikel?

Noch absurder ist dieser Zufallsfund des Autors im Blog des Journalisten Ramon Schack, der in der Vergangenheit schon unangenehm durch seine „politicallyincorrect“-kritische Haltung auffiel. Ramon Schack amüsierte sich darüber, im Blog „Outcut TV“ des auch bei „Politically Incorrect“ schreibenden Blogbetreibers als „aufwärtsstrebender Jungjournalist“ und „williger Vollstrecker” bezeichnet zu werden. Dies geschah im zwanghaften Bemühen, auch Ramon Schack mit der angeblichen Bedrohung Herrn H.s in Verbindung zu bringen. Daraufhin meldet sich nun besagter „Outcut TV“-Betreiber im Kommentarbereich Herrn Schacks zu Wort und zwar mit der Anmerkung, er sei nicht besagter „Outcut TV“-Betreiber und habe diesen Artikel nicht geschrieben. Also, er sei schon Betreiber von outcut.tv, nicht aber von outcut.blogspot.com – wo besagter Artikel erschien. Denn:

[…] ob nun pi-autoren einen blog aufmachen und diesen dann “outcut TV” nennen oder “ramonschack.blogspot.com”, darauf habe ich keinen einfluss.

Und, etwas kryptisch:

daraus ergibt sich bereits, dass der obige von ihnen zitierte text nicht aus meiner feder stammt. ob ich meine “tätigkeit als technischer berater” für PI beendet habe oder nicht, das ist justament und offiziell von mir so verkündet worden.

Er beendete seine Tätigkeit eindeutig oder nicht, dass hat er zumindest so eindeutig verkündet, wer er es hier eindeutig sagen kann…

lediglich einer der autoren hat sich einen link, der sich “outcut TV – das original” nennt oder so ähnlich, plazieren lassen.

Was schließt nun man daraus? Multiple Persönlichkeitsspaltung? Total den Durchblick verloren? Verfolgungswahn? Oder gegenseitiges Plagiieren?

Den sorgfältig bis zum Schluss aufgesparten Höhepunkt dieser kritischen Betrachtung liefert eine ehemalige „politicallyincorrect“-Autorin, die schon vor einiger Zeit bei kewil.myblog.de schrieb:

[XXX] / Website (10.8.07 21:57)
Was mich in letzter Zeit ziemlich besorgt, ist:
Ich werde misstrauisch. Ich bin manchmal unsicher gegenüber freundlichen Mails, ich entdecke kleine Unstimmigkeiten, die vermutlich nur zufällig sind, ich spüre das Hochkriechen der Paranoia, gegen die ich mich aber noch massiv wehre.

Nun, das ist ja auch vollkommen gerechtfertigt. Es sind ja nicht „nur“ islamistische Terroristen, die „uns“ vernichten wollen, sondern auch der Durchschnittsmoslem, der „uns“ beschwichtigen und einlullen, eben „taqiyya-isieren“ will. Und als sei das alles noch nicht schlimm genug, wäre da noch der linksgrüngutmenschlichfaschistische politisch korrekte Mainstream, der – aus welchen Gründen auch immer – mit der „islamischen Umma“ Hand in Hand arbeitet, um den Westen zu vernichten…

Broder hat gefragt: „Bin ich verrückt oder sind es die anderen?“ Die anderes sind es, aber wir sind diejenigen, die sich solche Gedanken machen.

Klingt logisch. Wenn ICH die Welt nicht mehr verstehe, muss es wohl an den anderen rund 80 Mio. Menschen meiner Umgebung liegen. Denn ICH bin qua definitionem normal.

Paranoia und übertriebenes Misstrauen ist ein Begleiter des Widerstands gegen Totalitarismus.

Übertriebenes Misstrauen ist natürlicher Begleiter der Paranoia, aber ICH bin ja normal, also muss es da irgendwie, irgendwo einen linkgrüngutmenschlichen Totalitatirismus geben, der MICH in die paranoische Ecke stellt…

Die ersten Anzeichen sind da. Noch zwinge ich mich, sie zu ignorieren…

Ich muss einfach richtig liegen mit meiner Weltanschauung, auch wenn sie mich selbst manchmal schon an meiner geistigen Gesundheit zweifeln lässt.

Die genannten „Testpersonen“ zeugen deutlich, dass das pathologische Beharren auf einem völlig verqueren Weltbild zwangsläufig zu einem totalen Realitätsverlust führt, welcher – in der nächsten Phase – in eine Paranoia mündet. Das Endstadium dieser Entwicklung lässt sich bspw. hier beobachten. Die entsprechenden „islamkritischen“ Websiten sollten daher nur mit kritischer Distanz gelesen und keinesfalls ernstgenommen werden.

Die Mär von der „politischen (Un)korrektheit“

„Politische Unkorrektheit“ ist die – heute eindeutig positiv besetzte – Antithese zur „politischen Korrektheit“. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus den USA. Lorna Weir (1995) rekonstruierte drei Entwicklungsphasen, an deren Ende der Begriff “political correctness” in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen war. In der ersten Phase, terminiert auf die späten 1960er Jahre, wurde der Begriff von linken, feministischen, Bürgerrechts- und Studentenbewegungen gebraucht. Zumeist wurde er in ironischer Selbstkritik gegenüber Gleichgesinnten angewandt, um auf „diskriminierenden“ Sprachgebrauch hinzuweisen, der nicht das Bemühen dieser Gruppen wiedersspiegelte, die Gesellschaft zu verändern: „Das ist aber nicht pc…“ In der zweiten Phase, während der 1980er Jahre, erfuhr der Begriff seine massenmediale Verbreitung: In den linken Studentengruppen der späten 1960er sozialisierte Akteure hatten den Aufstieg in mittlere und höhere Kreise der Medien und Politik geschafft, und bemühten sich nun, Reste ihrer linken Überzeugungen zumindest sprachlich an den Mann (oder die Frau – das wäre sonst nicht pc) zu bringen. Diese, zweite Entwicklungsphase hat im Deutschland viel stärker stattgefunden als in den USA – die US-amerikanische Demokratie ist älter, etablierter, fest bipolar strukturiert und die Medien kooparatistischer organisiert. V.a. im deutschen Raum ist die weitgehend inhaltsleere Verhunzung der Sprache dem: „Verehrten Leser/Leserin, LeserIn, Lesenden…“, mit dem einige Alt-68er mit ihren zu bloßen Worthülsen verkommenen, ehemaligen Überzeugungen die Menschheit beglückten, sicherlich ein Begriff.

Die dritte Phase der Entwicklung des „political correctness“-Begriffs schließlich, fand in den USA Anfang der 1990er Jahre statt. Sie war von einer vollkommenden Vereinnahmung des Begriffs durch neokonservative Kreise charakterisiert. Diese instrumentalisierten den Begriff ausschließlich als Feindbestimmung und führten die „political correctness“ als Beweis für die angebliche linke bzw. liberale Dominanz in Politik und Medien an. Da letzteres eine der Säulen der neokonservativen Ideologie darstellt, die allerdings bei etwas näherer Betrachtung der politischen und wirtschaftlichen Strukturen keiner Überprüfung standhält (so wird etwa Rupert Murdoch, der weltweit größte Medienmogul, auch nicht von Neokonservativen zu einem „Liberal“ umzulügen sein), wurde der Begriff frei nach Joseph Goebbels („Wenn du einmal angefangen hast zu lügen, dann bleibe auch dabei!“) zu geradezu orwell’schen Dimensionen aufgeblasen: „Political Correctness“ war plötzlich eine gigantische Gehirnwaschmaschine, mit der die „liberal dominated media“ den Durchschnittskonsumenten für ihr eigentliches geheimes Ziel bearbeiten, nämlich die Zerstörung der westlichen Werte.

Eine vergleichbare Entwicklung fand auch in Deutschland statt: Seit den 1990er Jahren machten konservative und rechte Kreise die „Political Correctness (PC)“ dafür verantwortlich, dass „wir Deutschen“ immer noch kein „normales“ Verhältnis zu unserer Vergangenheit hätten, PC verhindere Meinungsfreiheit und sorge für Denk- und Handlungsverbote. „PC-Kritikern“ zufolge muss es wohl eine gigantische „PC-Industrie“ von – wie sie es nennen – „Gutmenschen“ geben , die durch ihren repressiven Machtapparat alle „politisch unkorrekten“ Underdogs unterdrücken und verhindern, dass sie „…endlich die Dinge wieder beim Namen nennen…“ können (Klaus J. Groth 1996 in „Die Diktatur des Guten“). Ständig behaupten die armen, armen, neokonservativen „politisch unkorrekten Underdogs“, sie könnten wegen der übermächtigen PC-Zensur kaum atmen… und zwar in deutschen Leitmedien wie der FAZ, dem „Spiegel“, der „Welt“ und der „Süddeutschen Zeitung“ sowie diversen Büchern. Nachforschungen, wer denn diese „Meinungsunterdrücker“ seien, ergeben dann ein recht buntes Sammelsurium: Linke, Alternative, Grüne, „männerverächtende Feministinnen“, „waldorfschulgeprägte SozialpädagogInnen“, antimperialistische und antifaschistische Splittergruppen; die allesamt wohl kaum über die Mittel verfügen, eine Meinungsführerschaft in der Gesellschaft ausüben. Neokonservative „politische Unkorrektheit“ ist nichts weiter als eine Verleumdungsstrategie gegen die liberale, multikulturelle Gesellschaft.

protestkarte_pc.jpg Motiv einer „Protestpostkarte“ der „deutschen Burschenschaft“

Man sollte sich also immer genau vor Augen führen, wer sich dort unter dem Schlagwort der „politische Unkorrektheit“ produziert: Im Kontext der inhaltsleeren PC-Bemühungen von zu Spiessern mutierten Altlinken ist der (teilweise) intelligente, schwarze Humor etwa der „South Park“-Macher Parker und Stone, des Polenwitze reissenden Harald Schmidt oder des „Borat“ Sasha Baron Cohen „politisch unkorrekt“, aber dadurch, dass die auf den ersten Blick platten Witze bloßes, „neues“ Klischeedenken entlarven. Die Grenze zwischen Humor und diskriminierender Hetze wird jedoch dünn, wenn es eben genau darum nicht mehr geht: Im Zeichen der von neokonservativen Meinungsmachern vereinnahmten „politische Inkorrektheit“, wird eine Polen- oder „Neger-“witz wieder genau das, was er vordergründig ist: diskriminierendes Klischeedenken.

Auf den Punkt bringt es die die Autorin „Ramana“ im Blog des Magazins „Neon“ (06/08/07):

„Ich frage mich mittlerweile wirklich, ob es im Moment gerade hip ist politisch unkorrekt zu sein. Mittlerweile ist das Wort Gutmensch schon [...] eine geläufige Beleidigung […] Ich habe bei Diskussionen [Menschen erlebt, die] es sogar als Verbrechen an der deutschen Sprache bezeichnen, […] das N-Wort […] [das] eine rassistische Beleidigung darstellt, [nicht verwenden zu dürfen], ja die ernsthaft behaupten, es wäre eine Diskriminierung. Ich stelle mir folgende Situation vor:

Person Y (weiss) nennt Person X (schwarz) einen „Neger“ Person X sagt: “ich möchte nicht so bezeichnet werden, „Neger“ sagt man nicht.“ Person Y sagt daraufhin: “Du diskriminierst mich. […] ich lasse mir doch nicht von „Negern“ das „Negersagen“ verbieten!“

Neokonservative beschweren sich darüber, dass sie angeblich statt „Negerkuss“ jetzt „Schokokuss“ sagen müssen oder „Schwuchtel“ nicht mehr als Schimpfwort gegen „windelweiche Liberale“ nutzen dürfen. Die Beschäftigung mit diesem gewaltigen Denkverbot der übermächtigen PC-Industrie sollte uns allerdings nicht daran hindern, auch mal andere Denkverbote zu beleuchten. Denkverbote, die sich über Sprache ausdrücken, existieren nämlich in jeder festen Weltsicht. Etwa die automatische Verknüpfung von Demokratie-und-Marktwirtschaft oder FDGO, die mantra-artige Wiederholung, dass die Globalisierung „von uns allen Opfer“ fordere (wirklich von allen?), oder dass es zum Rückbau des Sozialstaates „keine Alternative“ gebe und es keinesfalls die Aufgabe des Staates sei, Rahmenbedingungen für Vollbeschäftigung zu schaffen…

 

Quellen:

http://www.renner-institut.at/download/texte/auer.pdf
http://www.sonntagsblatt.de/1996/3/4-21.htm
http://www.das-parlament.de/2007/01-02/Thema/016.html
http://www.spiesser.de/default.aspx?ID=3242&showNews=68156&showArchiv=1&aktMonat=2&aktJahr=2007&aktWoche=1
http://dermorgen.blogspot.com/2005/11/die-bewegung-gegen-political.html

Zitat des Tages

Über eine neue Art, mit Finanzdienstleistungen eine noch gänzlich unerschlossende Kundenzielgruppe zu erreichen, denkt Toms Wochenschau nach.

Der Kreditberater: Haben Sie denn irgendwelche Sicherheiten, z.B. Immobilien, Wertgegenstände, Pfandbriefe…?

Ich: Pfandbriefe habe ich nicht, aber Pfandflaschen…

PI: Von Kühen, fanatischen Hindus und Verbrechen, die einfach nicht ins Weltbild passen

- Sind Fanatismus und Gewalt vielleicht doch nicht auf einen bestimmten Kulturkreis zu beschränkt?

Diese Frage wirft – ausgerechnet – das größte deutsche politische Blog „Politically Incorrect“ auf. Abweichend von der sonst üblichen Blog Policy: Ausschließlich von Straftaten von Muslimen oder angeblichen Muslimen berichten, diesen eine Einleitung, DAS würde uns die gleichgeschaltete Dhimmi-Mainstreampresse mal wieder verschweigen, voranstellen. Dann einen entsprechenden Artikel ebendieser Mainstreampresse zitieren, um dann „politisch inkorrekt“ zu konkludieren, diesen islamischen „Kulturbereicherungs“-Beitrag verdanken wir nur den linksgrüngutmenschlichen Poltikern, die – neben den „Kulturbereicherern“ natürlich – unser Untergang seien…; erlaubte sich ein PI-Autor nun allerdings einen Fauxpas. Er berichtete unter dem Titel „Wegen einer Kuh: Christ von Hindus gesteinigt“, dass es durchaus auch vor anderen kulturellen Hintergründen zu fanatischen Gewaltverbrechen komme und berief sich auf einen Artikel im Nachrichtenportal idea.de. Laut diesem wurde in der indischen Provinz Kerala ein christlicher Inder nach einem Nachbarschaftsstreit über dessen Kuh, die den Nachbargarten zertrampelt hatte, von dem bekannt fanatischen Hindu- Nachbarn und einigen seiner Geistesbrüder mit Steinen erschlagen. Dieses grausame Verbrechen kann einem „politisch inkorrekt“ geschulten Menschen eigentlich nur ins Raster …klick…klick… MUSEL! passen. Entsprechend groß war die Verwirrung nun im PI-Kommentarbereich und es liessen sich ganz ungewöhnliche Töne vernehmen:

„ [...] Der hier geschilderte Fall ist vielleicht nur ein gewöhnlicher krimineller Übergriff eines gewalttätigen Menschen.“

Es war kein „Musel“, also kann es kein religiöser Fanatiker gewesen, qed.

Obwohl,

„Es gibt überall religiöse Wahnsinnige!“

Vorsicht! Hier begibt sich der Kommentator in das gefährliche Terrain der linksgrünmuselfaschistischen Dhimmi-Gehirnwäsche-Propaganda. Dieses Problem erkennt auch ein anderer Kommentator noch im selben Moment, da er es formuliert und versucht eine Kehrtwende:

„Das ewige Grünenargument bzgl. der muslimischen Gewalt, diese Gewalt käme nicht aus dem Glauben sondern aus der schlechten Bildung, bei den Hindus ist dies zutreffend. Das […] darf aber keinesfalls als Relativierung der islamischen Gewalt verstanden werden! […] Die Hindus gab es nämlich schon lange bevor die Moslems dort vor Jahrhunderten einmarschierten und die Gewaltspirale in Gang gebracht haben.“

Gewaltspirale! Schon wieder ein linksgrünmuselfaschistisches Dhimmi-Argument. Da fragt man sich doch, ob monatelanges PI-Lesen definitiv nichts genutzt hat. Endgültig verzweifeln könnte man da an der folgenden Anmerkung:

„Wichtig: Wir sollten uns davor hüten, alle Hindus unter Generalverdacht zu stellen. Die in diesem Beitrag beschriebene Tat hat nichts mit dem Hinduismus zu tun.

oder

„Allerdings befindet sich Indien in einer Krise des Säkularismus. Diese Spannungen sind jedoch eher politisch […] hier wird die Religion instrumentalisiert. Eine der Ursachen ist tatsächlich das Schüren von Angst vor dem Verlust von Privilegien. Es liegt mir fern, dieses Problem “schön” zu reden und nicht zu verurteilen […]“

Da hat doch nicht etwa jemand bei den Islamverstehern abgeschrieben? Endlich Ordnung in den verunsicherten Haufen der „Islamkritiker“ bringt eine gestählte und erfahrene Denkerin, die auch in diesem Blog keiner Vorstellung mehr bedarf:

„Religion als Regelwerk zu begreifen, das man durch “Demokratie und Gesetze” ersetzen kann […] zeugt von einer vollkommen gelungenen Islamisierung der Denkweise, die man leider aufrund destruktiver atheistischer Propaganda, die schon seit Jahrzehnten läuft, bei vielen Westlern findet.“

Das macht natürlich Sinn. „Islamisierung der Denkweise“ durch „atheistische Propoganda“. So muss es sein. Also voran, voran und Augen fest geschlossen! Auch wenn es Dinge gibt, von denen wir denken, dass sie nicht in unser Weltbild passen, aber dann liegts halt am… Denken.

Update: Via Citronengras stiess ich auf diesen neuen, „islamkritischen“ Blog. Ähnlichkeiten mit bereits existierenden Seiten sind rein zufällig beabsichtigt.

Islamisten, Terroristen, Internet, „Schmutzige Bomben“…? Oder: Wie uns „Die Welt“ mit einer Nullmeldung verdummt

Via Watchblog Islamophobie stieß ich auf folgenden „Die Welt“-Artikel (24/07):

„Islamisten infiltrieren Yahoo, MSN und Google
Religiöse Fanatiker verbreiten ihre Hasspropaganda bevorzugt über das Internet. […] (dabei) helfen Yahoo, Google und MSN den Terroristen mit kostenlosen Web-Diensten – ohne es zu wissen. […] Neben den Diensten der Internet-Riesen nutzen die Extremisten auch viele kleine US-Unternehmen, sogenannte Hoster..“

So erschreckt uns „Die Welt“ unter Berufung auf eine Studie der US-NGO Middle East Media Research Institute (MEMRI). Was für eine Erkenntnis. Jede kriminelle Organisation der vergangenen 10 Jahre, von Terroristen über Kinderpornographie-Ringen, Drogenhändlern, dubiosen Finanztricksern, illegalen Glücksspielen usw., verbreiteten sich bevorzugt über das Internet…

Wie so vieles andere, dass ohne

„…die Reichweite, den Einfluss und den Möglichkeiten des Internets nicht vorstellbar..“

wäre, ist es auch

 

„Das Aufkommen des Islamismus und der Dschihad-Organisationen in den vergangenen Jahren…“

zitiert „Die Welt“ die MEMRI-Studie. Besorgt sieht das Blatt eine

„Große Gefahr für die westlichen Staaten… Die Webseiten hätten in der Vergangenheit viele Terroristen in den USA und Europa für ihre Anschläge inspiriert oder sogar Hilfsmittel geliefert. Dazu zählen etwa Anleitungen für sogenannte schmutzige Bomben.“

Bauanleitungen für schmutzige Bomben, die von Islamisten übers Internet verbreitet werden? Wow! What the f**** ist der praktische Nutzen einer Bauanleitung für eine „schmutzige Bombe“, die man sich im Internet runterladen kann? Sagt sich der gemeine Terrorist dann: „Cool! Die Bauanleitung hab ich schonmal. Jetzt muss ich mir nur noch ein bisschen Plutonium besorgen, und ich kann anfangen zu basteln…“ ?

Ganz nebenbei bemerkt ist die sogen. schmutzige Bombe eine Zeitungsente. Sie besteht angeblich aus einem konventionellen Sprengsatz, der radioaktives Material (Plutonium, Cäsium oder Strontium) enthält, die durch die Explosion über einen Landschaftsradius verstreut wird. Es findet also keine nukleare Kettenreaktion statt. Und die „schmutzige Bombe“ erreicht das Gegenteil dessen, was sie eigentlich soll: Das radioaktive Material wird durch die Explosion zerstreut, dadurch wird die Strahlungsintensität des Ausgangsmaterials über die Fläche verteilt. Wie der Physikprofessor (University Berkeley) Richard A. Muller nachrechnet, würde etwa Cäsium 137 mit einer Strahlungsintensität von1.400 Curie ( 1 Curie = Strahlung eines Gramms Radium) aus einem Meter Entfernung mit 50 %iger Wahrscheinlichkeit zum Tod führen, verstreut auf 1 Quadratkilometer reichte die Strahlungsdosis nicht einmal für die Strahlungserkrankung aus, wenn sich jemand 10 Jahre lang ununterbrochen in dem Gebiet aufhielte. Der Effekt der in diesem Beispiel beschriebenen „schmutzigen Bombe“ ist eine Erhöhung des Krebsrisikos um 6 % pro Jahr Aufenthalt in dem betroffenen Gebiet. Damit wäre eine „schmutzige Bombe“ für terroristische Aktionen ungeeignet, oder kann sich jemand folgende „Al Qaida“-Drohung vorstellen:

„Allah ist groß! Wenn ihr imperialistischen Kreuzzügler eure Truppen nicht aus Afghanistan abzieht, werden in den und dem Gebiet die Anzahl der Krebserkrankungen im Laufe der nächsten 10 Jahre um 60 % zunehmen… Es sei denn, ihr evakuiert das Gebiet… Ach Mist!

Zusätzlich nebenbei bemerkt sei, dass die Objektivität des zitierten „Middle East Media Research Institute (MEMRI)“ zumindest umstritten ist. U. a. war der MEMRI-Gründer Angehöriger des israelischen Militärgeheimdienstes und der Besatzungsverwaltung in der Westbank. Brian Whitaker, Journalist der britischen Zeitung „The Guardian“ warf dem MEMRI u. a. einseitige Zitation aus arabischen Medien vor.

Was aber will „Die Welt“ mit dieser künstlich aufgebauschten Nullmeldung erreichen? Ein Hinweis lieferte die dem Artikel beigefügte Linksammlung, die u. a. auf einen früheren „Die Welt“-Artikel verweist:

Ein Plädoyer für die Online-Durchsuchung

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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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