Dieser Blog versteht sich ja durchaus als politisch korrekt, d. h. weder von Inhalt und Sprache der Beiträge sollen sich bestimmte Personengruppen verletzt fühlen – es sei denn, sie haben es verdient. Wie man aber bei bestem Wissen und Gewissen in seinen hehren Absichten scheitern kann, dass wurde mir beim Lesen dieses Beitrages im mädchenblog bewusst (auf den ich durch Arne Hoffmanns genderama-Blog aufmerksam wurde, den ich in letzter Zeit begeistert lese, ich ahnte nämlich bislang gar nicht, dass auch ich einer unterdrückten Klasse angehöre – man lernt nie aus.)
Wie allein die zweimalige Verwendung des Wortes „man“ im vorherigen Absatz zeigt, reicht politisch korrekter Sprachgebrauch nämlich allein nicht aus – das Wort ist ja eine verallgemeinerte Personalisierung – menschIn muss sorgfältiger werden und Sprache auch „sexuell korrekt“ verwenden, schliesslich lesen auch Frauen dieses Blog. Entschuldigung.
Wobei „menschIn“ darob auch wieder nicht geht, denn wie das mädchenblog erklärt:
„[...] die schreibweise mit dem großen I, was auch binnen-I genannt wird. was ist aber mit personen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen lassen oder wollen? die können von der sprache nicht so gut benannt werden. das sieht man auch daran, dass für die bezeichnung von personen nur “er” oder “sie” zur auswahl stehen [...]„
Das stimmt. Da kann man menschIn mal sehen… Daran ist zu erkennen wie sehr jemand durch den kulturellen Diskurs vorgeprägt wird. Ich möchte mich daher ausdrücklich bei allen
„[...] fällen von intersexualität, bekannter ist der begriff “zwitter” [bei denen], von den ärzt_innen und den eltern entschieden [wurde], welches geschlecht das kind haben soll,
entschuldigen. Ferner möchte ich mich bei
„[...] menschen, die als jugendliche oder erwachsene merken, dass sie sich in der geschlechtskategorie, in der sie aufgewachsen sind, nicht wohl fühlen. sicherlich habt ihr schon mal von transsexuellen gehört [...]„
entschuldigen, sowie bei
„[...] menschen, die sich in ihrem geburts-geschlecht nicht wohl fühlen, aber keine lust haben, ihren körper durch eine operation zu verändern. dafür gibt es den begriff transgender.“
Tut mir echt leid. Es ist nämlich so:
„da die menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich einordnen, meistens auch von der sprache nicht berücksichtig werden, muss man auch die sprache verändern, wenn man diese einteilung in nur zwei geschlechter verändern will. ein vorschlag dazu ist die verwendung des unterstrichs, der praktisch eine leerstelle in der sprache anzeigt.“
Das ist die Lösung, mit der mensch_in nicht nur kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, sondern die noch weitere unschätzbare Vorteile birgt:
„wenn nun die aufteilung in genau zwei geschlechter etwas durcheinander gebracht wird, ist das nicht nur besser für diejenigen, die sich keiner der kategorien mann und frau zuordnen wollen. auch diejenigen, die trotzdem gerne mann oder frau sein wollen, könnten so größere spielräume innerhalb ihrer geschlechtskategorie haben. zum beispiel wenn ein junge einfach gerne mal einen rock anziehen möchte, oder ein mädchen ene krawatte. [...]„
Wer nun denkt, sie, es oder er könne sich nun beruhigt von dem Artikel abwenden und fröhlich pfeifend ihr oder sein Leben weiterleben, die, das oder der irrt. Denn im Kommentarbereich werden berechtigte Zweifel laut, ob nicht selbst diese vorgeschlagene Version diskriminierend ist:
soe:
„interessanterweise gibt es zu “unterstrich” oder “großes-I” umgedreht die gleiche interpretation [...] d.h. der unterstrich betont erst die differen(z) zwischen “weiblich” und “männlich” [...] meine präferenz ist ja */frau/man in sich stets abwechselnden reihenfolgen. [...] bei der unterstrich variante [wird] zwangsläufig zuerst das “männliche”, dann dass dazwischen und zum schluss erst das “weibliche” [genannt]. als gegenstrategie wird [...] in feministischen zeitungen und blogs entweder in einer rein “weiblichen” form oder aber zumindest in einer das “weibliche” zu erstnennenden form geschrieben. [...]„
schnabeltasse:
„Eigentlich wollte ich nur einbringen, dass ein Unterstrich denkbar ungeeignet ist, die bestehenden sexuellen Herrschaftsformen zu kritisieren. Der Unterstrich steht vielmehr symbolhaft für die Darstellung des Phallus. [...]„
admin:
„schnabeltasse, mal ganz assoziativ – was ist phallischer: _ oder I?“
schnabeltasse:
„Das kommt zum einen auf das Auge des Betrachters, zum anderen sicherlich auf den Zustand des Phallus an. In der Mythologie wird häufig ein horizontoler Strich als Phallussymbol und ein Kreis als Symbol für eine Scheide verwendet. [...]„
Ich finde diesen Aspekt beachtenswert, neige aber -rein assoziativ- dazu, der Administratorin zuzustimmen. Vielleicht haben ja auch beide recht, denn da die sexuell korrekte Stellung des Mannes ganz sicher die in 180° liegende Position darstellt, ergibt sich:
„I“: potenter Zustand des Phallus
„_“: impotenter Zustand des Phallus
Und auch „soes“ Präferenz bietet unter dieser Annahme keine Lösung, denn „/“ könnte bedeuten:
ER: Sowas ist mir noch nie passiert… (gelogen); SIE: Das macht doch nichts, dass kann jedem mal passieren… (auch gelogen)
Geradezu obszön ist unter dieser Annahme übrigens der griechische Buchstabe Phi Φ …
Einen praktischen Vorschlag macht die oder das oder der Kommentierende „ch“:
„am besten assen wr gech ae buchstaben, de aussehen we pensse, ganz weg. dann wrd das auge ncht mehr beästgt von wederchen geschechtsteen, de ohnehn nemand sehen w. doroborhonoos soton wor oo vokoo dorch schöno os orsotzon, om doo woobochkoot zo botonon [...]„
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