Archiv der Kategorie 'Medienschelte'

Der Saar-tan Lafontaine

Als ich ein kleiner Junge war, betrachtete ich Journalisten als Helden. Ja, eines Tages wollte ich selbst einer von ihnen sein. Ich sah sie als Intellektuelle in leicht abgeschabten Tweed-Anzügen, die kettenrauchend an ihrem Schreibtisch saßen und die Wahrheit in ihre kleinen schwarzen Schreibmaschinen hämmerten, die sich von nichts und niemandem aufhalten liessen in ihrem sisyphos-haften Kampf für das Gute und Gerechte in dieser Welt. Dabei lebten sie gefährlich, schufen sie sich doch mit Diktatoren, Geheimdiensten, Politikern, Konzernbossen, der Mafia und anderen Verbrechern mächtige Feinde. Das alles taten sie im Auftrag der Öffentlichkeit, der vierten Instanz im Staate, die, einmal aufgeklärt über die dunklen Machenschaften im Hintergrund, dafür sorgte, dass diese Verbrecher auf dem Müllhaufen der Geschichte landeten… Und der unbesungene Held, der Journalist, lächelte leicht, zündete sich eine neue Pfeife an und wandte sich dem nächsten Thema zu. Aber die Heldenverehrung eines kleinen Jungen zerbrach, wie so viele andere kindliche Illusionen auch. War ich noch als 12-,13-jähriger begeisterter SPIEGEL-Leser, der angeblich MEHR wusste, so änderte sich das, unmittelbar als ich lernte, im Kontext zu lesen. Und plötzlich war das schwarze gedruckte Wort auf weissem Hintergrund, an dass ich so unverbrüchlich geglaubt hatte, (fast) nichts mehr wert. Im SPIEGEL standen Dinge über „uns“ undankbare Ossis, die ich so nicht bestätigen konnte. Beinahe alle Zeitungen, quer durch die Bank, redeten Mitte der 1990er Jahre einen neoliberalen Markttotalitarismus herbei, in dem Gier, Profitsucht und Egoismus – die niedrigsten Instinkte – plötzlich zu den edelsten menschlichen Werten erklärt wurden. „Sozialismus funktioniert nicht“, „das Ende der Geschichte“ sei erreicht, es gäbe nur noch ein überlebendes System, dass sich quasi-evolutionär durchgesetzt habe – und dem man sich jetzt bedingunslos unterordnen müsse, so tönte es damals. In der Rückbetrachtung könnte man angesichts der  gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise jetzt mit einem simplen Schulterzucken erwidern: „Kapitalismus wohl auch nicht. Zumindest nicht so. Und zumindest nicht nur. Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues?“

In der deutschen politischen Landschaft wird letztere Position wohl am ehesten von der Linken und ihrer „Galionsfigur“ Oskar Lafontaine vertreten. Doch das darf nicht sein,im Wahlkampfjahr, so scheint es. Denken verboten, Hinterfragen verboten und gar die Systemfrage zu stellen in unseren Tagen, das… das ist infam. Und das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb dominiert seit Monaten in seltener Einhelligkeit von der „linksliberalen“ FR und „Zeit“ über das ZDF bis in Springers „Welt“ die Darstellung von Lafontaine und „der Linken“ als wirre Spinner, Populisten, aggressive Demokratiefeinde, Linksnazis. Die Saarbrücker Online Zeitung über das „ZDF-Sommerinterview“ mit Lafontaine:

Einen wirkungsvollen Auftakt bildete das ZDF-Interview mit dem Leiter des Hauptstadtbüros Berlin, Peter Frey am 12. Juli 09 in Saarbrücken. Dieser machte es praktisch unmöglich, sich von den Argumenten der Linken ein Bild zu machen, indem er unablässig die Person seines Gesprächspartners angriff. Der ZDF-Interviewer sprach anschliessend von Lafontaine als “dünnhäutig”, “verunsichert” , aus der “Fassung” geraten, als einem Mann der “kaum ruhig stehen kann”. Ähnlich fielen z.B. Organe der WAZ-Gruppe nach dem ZDF-Sommerinterview über Lafontaine her: er ist “umstritten”, “angefressen”, er “giftet”, “meckert” mit “gefrorenem Lächeln”, er “poltert”, er “mault”, ist “immer aufgeregter” und er ist “erkennbar angeschlagen”.

Die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Gift und Galle“ (die Lafontaine spucke, natürlich) über dasselbe Interview:

Dem Linken-Chef bereitete es sichtlichen Verdruss, mit welcher Hartnäckigkeit Frey auf seinem Rücktritt als Bundesfinanzminister im Jahr 1999 herumritt. „Wenn es brenzlig wird, wirft er hin“, laute ein gängiges Urteil über ihn, hielt Frey Lafontaine vor. Man solle doch „nicht so dämlich von hinschmeißen reden“, regte sich der sich auf. Mehrfach raunzte Lafontaine den Interviewer an: „Unterbrechen Sie mich nicht ständig“ und bügelte Fragen rüde ab: „Sie wissen doch, dass das ein Witz ist.“ [...] Als Lafontaine, dem das Rechthaben schon immer sehr wichtig war, davon sprach, dass es inzwischen auch „anständige Journalisten“ gebe, die ihm attestierten, richtig gelegen zu haben [...]

Die „Frankfurter Runschau“ schreibt über die ZDF-Wahlkampfsendung „Illner Intensiv“ unter dem Titel „Surreale Verschwörungstheorien“ (Lafontaines, selbstverständlich):

Auch Einspielfilmchen gehören zu „Illner Intim“ (oder so). Da tanzen Marx, Lenin, DDR-Funktionäre und Linke-Personal als Zombies zu Michael Jacksons „Thriller“ über die Gräber. Da werden Linke-Forderungen vor rosa Hintergrund als Seifenblasen auf den Schirm gepustet. [...]

Und der [Lafontaine] holt zur ganz großen Verschwörungstheorie aus: Die Medien in Deutschland, sagt er ungestört in einem deutschen Medium, seien ja in den Händen von zehn reichen Familien, und in deren Interesse liege es nun mal, die Linke klein zu halten. Jetzt muss er nur noch von jüdischen Familien reden, dann darf er bei der NPD eintreten, die redet genauso.

Damit hat der Saarkasper denn auch das Mitleid verspielt, das angesichts der ZDF-Inszenierung aufkommen könnte. Denn mit ein paar Höhenmetern Abstand, schon von der alleruntersten Metabene, sieht „Illner intrigant“ ganz, ganz hässlich aus. Zombie-Filme, DDR-Gesichter, wertend inszenierte Umfragen [...]

Der saarländische Napoleon-Imitator in seiner grenzenlosen Gier nach Aufmerksamkeit quält sich sogar noch ein falsches Lachen ab [...] Nicht, dass wir bei dem Herrn ein Rückgrat vermutet hätten – aber jeden Blödsinn muss man nicht mitmachen, selbst um der Sache willen nicht, falls die bei dem Herrn noch eine Rolle spielt.

Die „Welt“ (na gut, „die Welt“…) hat Lafontaine gar gleich als Verfassungsfeind entlarvt und berichtet über dieselbe „Illner Intensiv“-Sendung unter der Überschrift „Lafontaine stellt bei Illner die Demokratie in Frage“:

Irgendwie war „Illner Intensiv“ nur noch die Ein-Mann-Show des Oskar Lafontaine. Selbst wenn er gar nicht gefragt war, antwortete der Partei-Chef der Linken auf das Fragen-Bombardement der Moderatorin Maybrit Illner. Er stellte dabei aber nicht nur die Existenz der demokratischen Ordnung in Deutschland in Frage, sondern vor allem die Regierungsfähigkeit seiner Partei.

Angesichts der sinkenden Umfragewerte scheint die Linkspartei am Ende der Wirtschaftskrise in eine Parteikrise zu taumeln [...]

Lafontaine dagegen spricht lieber davon, dass das Programm, das unter anderem ein staatliches Ausgabenpaket von 300 Milliarden Euro pro Jahr vorsieht, kompromisslos ist. „Ein Parteiprogramm orientiert sich nicht an Kompromissen, sondern stellt die Positionen der Partei dar“, sagte er. Das klingt zwar ein bisschen besser, sagt aber auch nur, dass sich die Linken mit ihrem Programm selbst nicht als regierungsfähig betrachten.

Bei Linkspartei geht es mittlerweile offenbar nur noch um Protest pur. Sie präsentieren sich fast wie tanzende Partei-Zombies, wie die Illner-Redaktion in einem Einspieler zeigte, der mit der Musik von Michael Jacksons Thriller untermalt war. [...]

Ist es wirklich eine „surreale Verschwörungstheorie“ Oskar Lafontaines, dass die Mainstream-Medien offenbar kein großes Interesse an einer objektiven Berichterstattung über seine Person und „die Linke“ hätten? Es ist m. E. deutlich, dass sich viele Medien in einem „Klassenkampf“ um die gescheiterte neoliberale Ideologie sehen, die sie vor wenigen Jahren noch im Brustton der Überzeugung heraustrompeteten, womit nicht zuletzt sie auch eine Mitverantwortung an der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise tragen.

Oma F.’s Meinungsimperium

Zumindest bei Menschen, die auch ganze Sätzen lesen können, ist der Springer-Konzern seit 40 Jahren als spiessbürgerlich, reaktionär und manipulativ verschrien. Beispiele für diese These sind sehr zahlreich. Der Springer-Medienkonzern folgt, teils offen, teils verdeckt einer ganz klaren Agenda – was für ein „normales“ Unternehmen ja auch ok wäre, nicht jedoch für einen Medienkonzern, der sich eigentlich journalistischen Grundsätzen verpflichtet fühlen müsste. Tatsächlich haben wir in Deutschland mit Springer so etwas wie Rupert Murdochs „News Corporation“  oder Berlusconis Medienimperium – eine Medienmacht, die sich in einer Hand konzentriert, welche mit einer ganz eindeutigen politischen Ausrichtung Ziele verfolgt und unsere demokratische und pluralistische Gesellschaftsordnung bedroht.

bildautomatBildquelle (cc) mkorsokov

Erstaunlicherweise ist diese Hand bei Springer die leicht schwächliche, blaugeäderte und leberfleckige Hand einer Oma. Oma F., die vor 44 Jahren als Kindermädchen bei Axel Springer begann und es über Tisch und Bett bis zur Mehrheitsaktionärin des größten europäischen Zeitungskonzerns brachte. Damals, zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens, war Axel Cäsar Springer 30 Jahre älter als F. und in vierter Ehe verheiratet. Er richtete seiner heimlichen Geliebten eine Wohnung ein; laut F. S.s Biographin stand sie in dieser Zeit unter hohem Psycho-Druck:

„… (F.) war Axel Springer ausgeliefert [...] ständig in der Angst, womöglich irgendetwas falsch zu machen, was seinen Unmut hätte erregen können, und dann wieder verstoßen zu werden, wie so viele vor ihr [....] An der Seite Axel Springers hatte sie auch bald keine Zeit mehr, ihre alten Freundschaften zu pflegen. Sie hatte sich auf den Verleger zu konzentrieren – die Bedingung dafür, dass sie bleiben konnte. Und sie wollte es so.“

Selber sagte F. S. einmal:

„Ich habe mich an seiner Seite entwickelt. Ich gebe es zu: Ich bin sein Produkt.“

Nach 10 Jahren, im Januar 1978, wird F. Axel Springers fünfte Ehefrau. Axel Springer starb 1985 und F. war Haupterbin und  (zusammen mit Springers Anwalt Servatius) Testamentsvollstreckerin. Zu diesem Zeitpunkt hat der Verlagskonzern jedoch eine äußerst verzwickte Unternehmensstruktur: ein Viertel der Aktien gehören den Springer-Erben, ein weiteres Viertel dem Felix Burda-Verlag; die andere Hälfte der Aktien ist in Streubesitz und von diesen kauft Leo Kirch nach und nach 40% zusammen, um unternehmerischen Einfluss auf den Springer-Konzern zu nehmen. Ihr gelang es in den folgenden 20 Jahren, die Anteile der Axel Springer AG so zurückzukaufen, dass die unternehmerische Mehrheiten der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. zufallen (50% plus 10 Aktien der Axel Springer AG). Ihr selbst gehören dabei 90% der Gesellschaftsanteile der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. sowie weitere 5% der Aktien der Springer AG (seit 2002). Sie selbst ist stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates des Springer AG; der Vositzende Matthias Döpfner ist allerdings ausdrücklich „ein Mann ihres Vertrauens“. (Quellen: 1, 2, 3)

Die Absurdität dieser Geschichte muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau, die ursprünglich offenbar weder Persönlichkeit noch eine eigene Meinung hatte, ein totales Landei, quasi wie eine leere Schachtel, die der alternde Eros und Großverleger mit Inhalt füllte, verfügt über die größte Meinungsmacht Europas… Dieses Ziel erreichte F. wohl auch mit zumindest moralisch ziemlich dubiosen Praktiken: Kurz nach Axel Springers Tod stellten F. und der Anwalt Servatius die These auf, dass der bereits sehr kranke Axel Springer kurz vor seinem Tod am 22.09.1985 in einer letzten Unterredung den Willen geäußert habe, sein Testament zu ändern. Dieser „allerletzte Wille“ fand jedoch nie eine schriftliche Entsprechung – in Springers Testament von 1983 stand nach wie vor, dass seine Frau 50 %, sein Enkel Axel Sven und Tochter Barbara jeweils 25 % seiner Aktien der Springer AG erhalten sollten. Am 31. Oktober 1985, dem Tag der Testamentsvollstreckung in der Springer-Villa in Berlin, stellte Anwalt Servatius die Sache so dar, dass der entkräftete Axel Springer keine Zeit mehr gehabt hätte, sein Testament zu korrigieren, dass eigentlich so aussehen sollte: 70 % für die Witwe, je 10 % für die beiden Kinder Nicolaus und Barbara sowie je 5 % für die Enkel Axel Sven und Ariane. Springer habe nur noch eine mündliche Erbenvereinbarung aufsetzen können, die er, Servatius, niedergeschrieben habe, so Servatius. In der 22 Jahre später von Axel Sven angestrengten zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit F. S. und Servatius ging es u. a. um die Frage, warum Axel Cäsar Springer in jenen Tagen eine Geburtstagskarte an seinen Freund Max Schmeling schreiben konnte, aber angeblich zu schwach war, ein neues Testament zu unterschreiben.

berlin_axel-springer-hochhausSpringer-Zentrale in Berlin [Bildquelle (cc) wikimedia]

Der damals 19-jährige Gymnasiast Axel Sven, der direkt von seinem Schweizer Internat angereist war und offenkundig keine juristische Beratung hatte, akzeptierte die Erbenvereinbarung, die seinen Erbanteil um 20 % auf nur 5 % reduzierte. Ernst Cramer, einer der engsten Freunde von Axel Springer, bekundete seine „Bauchschmerzen“ darüber, dass der Springer-Enkel nicht einmal über ein großes Risiko aufgeklärt worden war, dass er mit dieser Erbenvereinbarung einging: die mögliche Zahlung einer Schenkungssteuer in Millionenhöhe. Man kann sich vorstellen, wie überfordert Axel Sven war, dem mit allen Wassern gewaschenen Juristen Servatius gegenüberzustehen. Er hatte fünf Jahre zuvor seinen Vater verloren und war auch noch wenige Monate zuvor das Opfer einer Entführung geworden. Servatius hatte nicht nur Axel Svens Mutter nicht mit eingeladen, sondern womöglich auch dafür gesorgt, dass ein Exemplar des Testaments erst so spät abgeschickt wurde, dass der Springer-Enkel es nicht mehr rechtzeitig vor der Testamentseröffnung erhielt.  „Bitte erst am 28/10 verschicken“, steht auf dem Umschlag der Testamente in der Nachlassakte, in der Handschrift eines Beamten. 22 Jahre später versicherte Servatius vor Gericht, er wisse davon nichts und habe (als Testamentvollstrecker) keinen Kontakt zu dem amtlichen Rechtspfleger gehabt.

Zu juristischen Auseinandersetzungen kam es, weil F.S. an ihrem, auch in ihrer Biographie formulierten Ziel festhielt: Die Enkel aus dem Konzern hinauszudrängen und die alleinige Kontrolle auszuüben. 1996 beendete sie die Testamentsvollstreckung, übernahm die Geschäftsführung der Familienholding und kaufte Barbara und Nicolaus Springer deren Springer AG-Anteile ab. 2001 kündigte sie den Gesellschaftervertrag mit noch am Verlag beteiligten Erben, Axel Sven und Ariane. Deren Minderheitsrechte sollen beseitigt werden, unter anderem der Anspruch, einen Vertreter in den Aufsichtsrat zu schicken.2002 fochten Axel Sven und Ariane die Erbschaftsvereinbarung an. 2003 wurden den Enkeln in zwei Schiedsgerichtsverfahren  Veto-Rechte in der Familienholding zugesprochen. Trotz der oben beschriebenen halbseidenen Tricks, mit denen der Springer-Enkel übers Ohr gehauen und um 80 % seines Erbes gebracht wurden, kam die endgültige juristische Niederlage für Axel Sven vor einem Jahr, am 22.01.08. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg wies die Klage gegen Servatius’ Erbschaftsvereinbarung in zweiter Instanz endgültig ab. Auch ein weiterer Vertrag, mit dem sich F. S. weitere 10 % vom ursprünglichen Anteil ihres Stiefenkels sicherte, erklärten die Richter für rechtsgültig.

Die Finanzkrise und den damit verbundenen niedrigen Börsenkurs der Springer-Aktie nutzte F. S. 2008 für weitere Auftstockungen ihrer Aktienmehrheit an der Springer AG. Insgesamt erwarb sie mit einigen Transaktionen seit Januar 08 über 600 000 Aktien erworben; rund 2 % des Gesamtunternehmens. F. S. besitzt ein Privatvermögen von rund 3,2 Milliarden US-$ und landet damit auf Platz 26 (Stand 2007) der reichsten Menschen Deutschlands. (Quellen: 1, 2, 3, 4, 5)

Für das Superwahljahr 2009 wird man erwarten können, dass „die Welt“ und „Bild“ eifrigst für F. S.’s Busenfreundin Angela Merkel trommeln werden. Eine Hand wäscht die andere, wie es heisst. Gefahren für unsere Demokratie scheinen nicht nur an den „extremistischen, äußeren Rändern der Gesellschaft“ zu lauern…

Gregor Joseph Adolf Pol Pot Gysi, oder: Wie die BILD Geschichte ins “rechte” Licht rückt

Es hat natürlich gar keinen Zweck, sich über Äußerungen der BILD-„Zeitung“ überhaupt aufzuregen. BILD-„Zeitung“ „lesen“ doch nur Leute, die es nicht anders verdient haben. Ihr BILD-„Zeitungs“-„Journalisten“ könnt euch wirklich auf den Kopf stellen, euer Geschreibsel interessiert nur Leute, die entweder ein ernsthaftes Problem mit rudimentärstem Textverständnis oder ein ähnlich gestörtes Verhältnis zur Realität haben – wie ihr. Wie anders ist es sonst zu erklären, was Dr. Nicolaus Fest in seiner aktuellen Kolumne „Hieb und StichFest (und das kann nur ironisch gemeint sein, wenn Herr Dr. Fest, den Artikel, den er versucht zu verreissen, tatsächlich gelesen hat) mit dem Gysi-Portrait der ZEIT anstellt? Herr Dr. Fest wirft der ZEIT nämlich vor, sie würde die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung umschreiben. Diesen Intention meint Herr Dr. Fest aus ZEIT-Redakteurs Christoph Dieckmanns Sätzen:

„Gysis größtes Verdienst betrifft die deutsche Einheit. Es ist ihm maßgeblich zu verdanken, dass eine enorme Menge der staatsnahen DDR-Bevölkerung sich zur parlamentarischen Demokratie überreden ließ,“

herauslesen zu können. Fest erwidert darauf:

„Aha. So war das also.  Die Demonstranten in Leipzig, Dresden und Ost-Berlin wollten zunächst gar nicht die parlamentarische Demokratie, wollten kein selbst bestimmtes, ungegängeltes „Leben der Anderen“.

Herr Dr. Fest, die Rede ist von der staatsnahen Bevölkerung. Für Sie noch mal zu Erklärung: Staatsnahe Bevölkerung, also SED-Mitglieder, protestierten im Allgemeinen nicht auf Montagsdemonstrationen gegen den Staat. Wirklich hieb- und stichfest, Ihre „Argumentation“, Herr Fest. Christoph Dieckmann hat klar zum Ausdruck gebracht, was er meint, er schreibt im folgenden:

„Die SED hatte vor der Wende 2,3 Millionen (Mitglieder). Sie befehligte noch Armee, Polizei, Geheimdienst, als ihr im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren wurde. Nur in tiefster Krise konnte dieser intellektuelle Entertainer Honecker und Krenz (als Parteivorsitzender) beerben. Frisch gewählt, schwenkte Gysi statt Blumen einen Besen, verhieß demokratischen Kehraus – und half der PDS gewordenen SED, ihr Parteivermögen zu retten.“

Und was drehen Sie daraus, Herr Dr. Fest?

„In Wahrheit waren sie, [...] gar nicht sicher, ob sie ihre verfallenden Städte, die Fürsorge der Stasi [...] tatsächlich gegen Reise- und Meinungsfreiheit, D-Mark und Rechtstaatlichkeit eintauschen sollten. Lange schwankten sie, [...] ob sie das Grau ihrer Häuser wie ihres staatlich überwachten Lebens den Billionensubventionen der alten Bundesländer opfern sollten. Doch dann wurde ihnen, so Dieckmann, „im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren“ – Gregor Gysi. Erst dieser Heiland nahm das schwankende Volk an die Hand und überredete es, den Weg ins neue, wenn auch kapitalistische und daher keineswegs gelobte Land mal zu versuchen. Das ist nun zugegebenermaßen eine Deutung der Wiedervereinigung, die man außerhalb der ZEIT noch nie lesen konnte.“

Herr Dr. Fest, in der ZEIT steht von Ihren soeben zusammenphantasierten Absurditäten nicht das Geringste. Christoph Dieckmann bezeichnet Gysi als „Heiland“ der SED/PDS und selbstverständlich nicht der DDR-Bevölkerung. Die nicht-staatsnahe DDR-Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt nämlich weder von Herrn Gysi noch von der SED/PDS sonderlich begeistert, wie es bei Dieckmann auch ganz deutlich steht:

„Im Volkskammer-Wahlkampf hielt er der Ost-Wut stand, ließ sich bedrohen und mit Kuhglocken niederläuten. Dank Gysi errang die PDS am 18. März 1990 bei den freien Wahlen 16,3 Prozent.“

Von „Billionensubventionen der alten Bundesländer“ war im Dezember 1989 noch keine Rede, Herr Dr. Fest – ganz davon abgesehen, dass Sie damit den Ossis das Verdienst an „ihrer“ friedlichen, demokratischen Wende 1989 komplett streitig machen, indem Sie ein rein monetäres Motiv unterstellen. Niemand wusste damals, wie es weitergehen würde. Oder sind Ihre Kenntnisse neuerer Geschichte ebenso rudimentär wie Ihr Textverständnis, wenn Sie nicht wissen, dass die deutsche Einheit erst mit den 4+2-Verhandlungen zwischen USA, Frankreich, Sowjetunion, Großbritannien und den beiden deutschen Staaten möglich wurde – und zwar im Frühjahr 1990?

Wenn der Leser jetzt aber glaubt, Fest hätte sein Potenzial an Absurditäten für dieses mal schon ausgeschöpft, der irrt. Denn in Fests kunterbunter Klischeekiste fehlt ja noch was: Gysi, Ossis, SED/PDS, „Das Leben der Anderen“… Stasi!

„Gysi und die Stasi-Vorwürfe, das ist ein alt vertrautes Karussell. Es kreist jahrein, jahraus. Dieselben Pferdchen kommen immer wieder vorbei,“

schreibt Dieckmann. Und da in Herrn Dr. Fests BILD-„Zeitungs“-geschulten Gehirn sich einmal ein Gedanke verfangen hat, bleibt er dabei:

„[...] Auch das ist ein Gedanke mit dem Potential, die Geschichte ganz neu zu schreiben. Auf andere Heilsbringer angewandt, ließen sich schöne neue Biographien verfassen. Stalin ohne die Karussell-Pferdchen Gulag, Deportationen und Kulackenmord; Pol Pot ohne die „killing fields“; und auch unser Adolf wäre in dieser Betrachtung vermutlich ein famoser Kerl, wenn nicht immer der Vorwurf des Judenmordes im Raum stehen würde.“

Was Stalin seine Gulags mit Millionen Toten waren, Pol Pot seine „killing fields“ und Hitler der Holocaust – dass ist Gysi seine Vergangenheit als Anwalt für DDR-Dissidenten, eine Rolle, in der er selbstverständlich Kontakte zur Stasi hatte… Was soll man dazu noch sagen? Das Beste wäre wohl: Ach, es ist ja bloß die BILD…

„Zum allerersten Mal seit 1949 existiere ein nennenswertes Bedürfnis nach einer politischen Kraft links von der Sozialdemokratie. In der alten Bundesrepublik sei das ja nicht nötig gewesen. Es gab den rheinischen Kapitalismus, sagt Gysi, das war ein Sozialstaatskompromiss, geformt in der Systemauseinandersetzung mit der DDR. Er war demokratisch, er fand Lösungen auch für Arbeitslose, Kranke, Rentner. Alle hatten am Aufschwung teil. Das ist spätestens seit Schröder vorbei,“

zitiert ZEIT-Redakteur Dieckmann Gysi. Und hier liegt der eigentliche Grund für BILD-Kolumnist Fests tatsachenverdrehendes Geschwafel. Zu Zeiten des Kalten Krieges befand sich der „Westen“ in System-Konkurrenz mit dem „Osten“ und zeigte deshalb – insbesondere im „Frontstaat“ Bundesrepublik Deutschland – seiner Bevölkerung, auf deren Unterstützung er angewiesen war, ein freundliches, fürsorgliches, wohlfahrtsstaatliches Antlitz. Nach Ende des Kalten Krieges war das nicht mehr notwendig – und die Bevölkerungsmassen der für das turbokapitalistische System ökonomisch „Überflüssigen“ werden als genau das behandelt. Dass ein neokonservativer Volksverdummer wie Dr. N. Fest das mit einer Wolke absurdester Worthülsen einzuhüllen versucht, verstehe ich ja – und breite gnädig den Mantel des Schweigens über den Rest seines „Artikels“.   

Phrasenverbrechen

Eine Phrase, die mir jedesmal auffällt, wenn ich Blogs lese -sei es in Artikeln oder Kommentaren- ist: „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Ganz abgesehen davon, dass das mittlerweile schon so abgedroschen ist, das jedesmal denke: Ooooh, noch so ein Langweiler, der seine Zeit vor dem Rechner verbringt um die virtuelle Welt zu langweilen, weil in der realen Welt schon jedermann flieht sobald er den Raum betritt – … handelt es sich dabei um den Ausspruch des deutsch-jüdischen Malers Max Liebermann, getätigt 1933, als ein Fackelzug der SA nach der Machtergreifung an seinem Haus vorbeizog. Alles klar?! Nun sehe ich das so, liebe Blogautoren und -kommentatoren: Hat irgendeiner von euch schon mal eine Situation erlebt, die auch nur im entferntesten damit zu vergleichen wäre, dass ein Angehöriger eines Kulturkreises seine Todfeinde und späteren Massenmörder dieses Kulturkreises im Triumph nach der Machtergreifung martialisch an seinem Haus vorbeimarschieren sieht? Hat irgendeiner der Zusammenhänge, in denen dieses Liebermann-Zitat gebraucht wird: Politiker X hat dieses, Prominenter Y jenes gesagt, das mir nicht passt, eine Fernsehsendung wurde abgesetzt, gestern ist in der Stadt Z etwas passiert, was einfach nicht in mein Weltbild passt… – auch nur annähernd eine solche magenverdrehende und angseinflössende Drohkulisse wie der Kontext in den das Zitat gehört? Nein?! Dann solltet ihr spätestens bei „Ich kann gar nicht soviel…“ einen arthritischen Schreibkrampf in den Fingern bekommen.

Für mich ist der inflationäre, unpassende Gebrauch des Liebermann-Zitats eine Zeichen für die Hysterisierung der Sprache, ähnlich Dosenpfand-Chaos (griech: „Das Ende aller Ordnungen“) oder Hühner-Holocaust (unsägliche PETA-Tierschutz-Kampagne). Sprache ist das wichtigste Symbolsystem sozialer Interaktion, wobei die Deutungszuweisungen der Symbole sich im ständigen (re-)interpretativen Prozess befinden und mit der Zeit wandeln. Die Hysterisierung der Sprache geschieht im wesentlichen im Kampf um Aufmerksamkeit in Politik, Medien und Wirtschaft (Werbung): Mag sein, dass ich ein fürchterlichen, plattdummen, reisserischen Dünnschiss an die öffentliche Plakatwand klebe, bei dem jeder halbwegs nachdenkende Mensch sich an den Kopf fasst, für den ich mich in zwei Wochen schäme und möglicherweise sogar entschuldigen muss, aber ich bin zwei Sekunden im Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit – wenn ich Glück habe regt sich vielleicht sogar jemand darüber auf und ich bin für vier Sekunden im Focus… Ähnliches gilt offenbar oft auch für die recht seltsame Parallelwelt „Bloggosphäre“, konstituiert von zänkischen Menschen, die in langen Nächten vor ihren Computern sitzen und glauben, sie würden mit der Welt kommunizieren… Wo soll diese sprachliche Hysterisierung enden? Wird in 20 Jahren ein Frau, deren Mann sich verspätet, ihn vorwurfsvoll anblicken und sagen: „Mach nie wieder so einen Holocaust mit mir, du Nazi?“

Update: 3 Genervte – ein Gedanke, siehe auch Bla bla, Plattitüden sowie Franks Kommentar im Craplog…

Review: „Death Proof“ by Quentin Tarantino

(Second part of „Grindhouse“ double feature with Robert Rodriguez’ „Planet Terror“)

The storyline is narrated around two groups of girls which one of them in each group is a model who started carrier shortly before. In general all the girls are wicked and in-heated as girls are rarely outside mens phantasies, especially old men I presume, which seems to be the main topic of Quentins last movie. For example it turns a lot about the young womens feet which are maybe nice but normally you’re not so much interested in feet, I mean there are definetely other more interesting parts. But in one of the best scenes a cutted leg of one girl is flying straight through the air and drops to the ground jerking like a spider leg after her and her girlfriends car crashed frontally because she put it out of the open window before. It’s a typical Tarantino and I really enjoyed that because while watching I started to hate that f***ing bitches I will get to that point later. There is an old guy -“Stuntman Mike“, played by Kurt Russell- which is jealous about his non-success in life, his ageing and because he will not be able to get one of this young chicks in his bed ever again. This guy is really disgusting, very impressive is his introduction to the story by eating a pizza so nasty and noisy that it’s shuddering. „Stuntman Mike“ has taken to observe young girls and drive nearby them in his 1970 Chevy Nova muscle car which is special designed as a stuntmen car and „death proof“ as he claims.

deathproof.jpg

Really „Stuntman Mike“ isn’t the sort of guy I would normally sympathize with but in this movie I came to that very soon. More precisely I don’t sympathize with him – I only hope that he will succeed. He is a ripper by using his „death proof“ car to kill young ladies and in the context of the movie that seems to be not a bad idea because dead they’re at least shut their f***ing mouth: Three quarters of the whole movie only consists of girl A meet girl B and they talking about something shit then girl C comes around and she has some more shit to talk about and don’t forget girl D who was out for a half hour refreshing her reserves in shit-talking. I mean Tarantino is a great screenplay writer but here are only dialogues without any sense, story or humor. You became an auto-agressive finger-nail-chewer while watching the movie and you’re begging: „Pleeeeeeeeeaaaaaaase, Stuntman Mike, drive around and kill this f***ing bitches, free me from this machine gun fire of senseless information and allow me five minutes silence, I can no more…“

„Death proof“ started so promising with its 1970ies style and theme and then it turned into that 2 hours stupid girls talking shit. Another thing I will not forgive you, Mr. Tarantino, is that you really perverted the Bullitt car chase scene in the last 10 minutes of the movie. To copy things from holy cultural goods like „Bullitt“ with Steve McQueen is not a bagatelle especially if you give it that prefix of stupid shit-talking girls who from now will rule the world, or what does that f***ing end mean?

Ist die Supernanny mitschuldig an der Islamisierung Europas? Wie Politische Inquisition (PI) funktioniert…

Ey, isch schwör, Alter… weder Überschrift noch Thematik des Beitrags passen zum Niveau dieses Blogs (ich bin mir sicher, es gibt irgendwo eins…) Frau Saalfranks Sendung kenne ich nur vom durchzappen, überhaupt gehen mir diese ganzen langweiligen „DokuSoaps“, mit denen ausgerechnet die Privatsender vordergründig die Bevölkerung erziehen wollen, schwer auf mein empfindliches Nervenkostüm. Es soll hier aber nicht um boulevardeske TV-Formate gehen, sondern um den grotesken, rektalen Ausfluss einer bestimmten -eigentlich marginalen- neurechten Ecke, der im Moment, mit tatkräftiger Unterstützung der Springer-Presse, der FAZ und dem wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, in den Mainstream der politisch-publizistischen Debatte um die „jugendliche Migrationshintergrundsgewalt“ gespült wird. Wie diese Politische Inquisition (PI) funktioniert, und dass ihr eigentlich jeder, der tatsächlich oder scheinbar nicht auf Linie dieser neurechten Hetzergemeinde liegt, zum Opfer fallen kann, zeigt der im folgenden zitierte Artikel „Die rote Super-Nanny“ symptomatisch. Es reicht, Zusammenhänge zu verdrehen, zu unterstellen, zu lügen, Opfer zu instrumentalisieren, und fertig ist der Pranger, an dem der zum Feind auserkorene Mensch steht, der dann von erregten kleinbürgerlichen Geistern mit Schmutz, übelriechenden Parolen und schlechten Witzen beworfen werden kann.

Die Faktenlage ist simpel. Deutschlands größtes Online-Boulevardmagazin Spiegel Online interviewt Deutschlands größte Vorzeige-TV-Pädagogin Katharina Saalfrank bezüglich der Mediendiskussion zur jugendlichen Migrationshintergrundsgewalt, das ganze wird dann auf Deutschlands größtem politischen Hetzblog PI zweitverwertet (und hier jetzt gewissermaßen drittverwertet). Wohlgemerkt, SpOn befragt Frau Saalfrank ausdrücklich als Pädagogin, wie aus dem Untertitel „Deutschlands oberste Fernseherzieherin ist böse…“ in Springpiegel-typischer Manier klar hervorgeht. Für PI-“Gastautor Micha“ steht Frau Saalfrank auf einer Liste einer Reihe von „Volksfeinden“, welche in der von ihm prognostizierten Zukunft in einem von ihm prognostizierten

„…Buche steht. Und zwar in einem Buch, das so etwa in 50 Jahren im Rest der freien Welt erscheinen wird und zu erklären versucht, wie es dazu kommen konnte.“

Aus dem weiteren SpOn-Untertitel:

„…schimpft Katharina Saalfrank über die Unions-Debatte zum Thema Jugendgewalt – und erklärt, warum bei ihr nie ausländische Problembälger auftreten.“

meint „Micha“, man könne

„…zwischen den Zeilen [lesen, dass], “ausländische Problembälger” [...] im Vergleich zu “einheimischen Problembälgern” kaum vor [-kommen]…“

Die Antwort auf die SpOn-Frage, was denn die „Supernanny“ von Roland Kochs Wahlkampagne halte:

Saalfrank: „Herr Koch betreibt Wahlkampf auf dem Rücken der Jugendlichen. Was er fordert, ist für meine Begriffe eine reine Katastrophe – vor allem für die Jugendlichen. Offensichtlich hat Koch überhaupt keine Ahnung davon, was die Jugend für eine sensible Lebensphase ist [...]„

hat für „Micha“ natürlich nur eine Erklärung:

„Frau Saalfrank, die Rolle der Täterversteherin füllen Sie prima aus, das Opfer zu verstehen fällt Ihnen offensichtlich schon schwerer.“

Dann er brilliert mit seinen „anatomischen Grundkenntnissen“:

„…der Schädel [ist] eine sensible Körperregion [...], wenn mit voller Wucht dagegen getreten wird…“

Wer hätte das gedacht… Bei „Micha“ scheint die „sensible Körperregion“ weniger der Schädel als vielmehr dessen Inhalt zu sein, denn: Der tatsächliche Grund, warum Frau Saalfrank zu den jugendlichen Tätern (des U-Bahn-Überfalls in München) Stellung bezieht, ist natürlich, dass sie ausdrücklich als Pädagogin für schwererziehbare Jugendliche befragt wird, wie aus dem Untertitel auch klar hervorgeht. Jedenfalls für den, der lesen kann und will. Kontexte wie berufliche Hintergründe spielten für PI ja noch nie eine Rolle, außerdem bekennt Frau Saalfrank jetzt sowieso ihr Zentralverbrechen:

SpOn: „Sind Sie noch Mitglied in der SPD?“
Saalfrank: „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor.“

SpOn: „Wie wollen Sie denn der Jugendgewalt begegnen?
Saalfrank: Die Situation wird sicherlich nicht dadurch entschärft, dass Leute weggesperrt werden. Die entscheidende Frage ist, warum Menschen aggressiv und straffällig werden [...]„

Was Frau Saalfrank hier (wahrscheinlich) meint, ist, dass eine Verschärfung des Strafrechts nicht zu weniger Kriminalität führt. Höhere Strafen haben keine Abschreckungswirkung, zahlreiche Untersuchungen zeigen dies, weswegen sich Experten eindeutig gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aussprechen. Das sind natürlich schon wieder Kontexte, die „Michas“ „sensibelste Körperregion“ überanstrengen, deswegen hilft er sich lieber mit einfacher Logik:

„Wenn die Schläger [...] rechtzeitig hinter Gitter oder [...] über die Grenze gewandert wären, hätte es die 100 Straftaten, [...] weniger gegeben. [...] für die 100 Opfer (ja, zu jeder Straftat gehört auch ein Opfer! Schon mal gehört?) 100 entschärfte Situationen gegeben hätte [...]: die Straftaten hätten einfach nicht stattgefunden!“

Wenn man Straftäter einsperrt, bevor sie Straftaten begehen, begehen sie keine Straftaten… Und wenn man den Rechtsstaat kritisiert ohne zu wissen, was ein Rechtsstaat überhaupt ist, läuft man Gefahr, sein wahres Gesicht zu zeigen…

„Für die Opfer ist die entscheidende Frage, warum man die Straftäter wieder und wieder und wieder und wieder (hier bitte mal durchschnittlich 50 ‘wieders’ denken) lässt!“

Die beiden Intensivstraftäter von München wurden nicht angeklagt und freigesprochen, sondern die Gerichtsverhandlungen kamen gar nicht erst (oder noch nicht) zustande. Zwischen der Verschleppung von Gerichtsverfahren, aufeinanderfolgenden „Bewährungs-“strafen aufgrund mangelnder Gefängniskapazitäten und dem Strafrecht besteht überhaupt kein Sinnzusammenhang. Es sei denn, man konstruiert einfach einen, redet von „zu gnädigen Richtern“, „zu laschen Gesetzen“ und hofft, das Leute darauf hereinfallen, die mit ihren „sensibelsten Körperregionen“ dieselben Schwierigkeiten haben wie Freund „Micha“. Ursachen für wie oben genannten Zustände dürften wohl eher bei Einsparungen in der Justiz zu finden sein, sowohl in Bayern als auch anderen Bundesländern.

Saalfrank: „Und was die Herkunft angeht: Es schlagen genauso viele deutsche Jugendliche.Die Debatte wäre sicherlich nicht im doppelten Sinne so hochgekocht worden, wenn deutsche Jugendliche die letzten Überfälle begangen hätten.Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal. Als Pädagogin setze ich bei den Eltern an und betreibe Ursachenforschung – und gerade bei Kindern unter 14 Jahren hat man noch gute Chancen die Eltern zu erreichen.“

Das Frau Saalfrank bei ihrer Arbeit als Pädagogin objektiv vorgeht und die „Herkunft“ ihrer Schützlinge keine Rolle spielt, das ist für „Micha“ nun der Gipfel der Unverfrorenheit. Da er ein gewiefter Mathematiker ist, der schon den Dreisatz beherrscht, hängt er sich an der Formulierung „genauso viele“ auf und beweist uns:

„Tut mir Leid, Frau Saalfrank, jetzt wird es ein wenig mathematisch. Ich weiß, das kommt in Ihren Glaubenssystemen nicht vor – Glauben ersetzt bekanntlich Wissen – , aber versuchen Sie mir trotzdem mal zu folgen. Wenn die Bevölkerung mal angenommen aus 20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’ besteht,dann dürften nur 20 von 100 Schlägern einen Migationshintergrund haben. Sind es aber gleichviel, also 50 von 100 [...], das macht mitgerechnet eine VIERMAL höhere Gewaltneigung…“

Gut. Frau Saalfrank hat einen Fehler gemacht, sie hätte statt „genauso viele“ sagen müssen: „es schlagen mehr deutsche Jugendliche“. Dass sie sich damit der Kritik von Dreisatzverstehern aussetzt, hat sie vermutlich nicht bedacht. Was „der Micha“ bei anderen Leuten nicht ok findet, nämlich ungenaue Annahmen zu machen und damit zu argumentieren, findet er bei sich aber selbst offenbar weniger schlimm: Er geht nämlich von „…20% Migranten und 80% ‘Eingeborenen’…“ aus, tatsächlich beträgt der Anteil ethnischer Deutscher an der Wohnbevölkerung 91,5% (2007 est.; CIA World Factbook).

Um zu wissen, worüber man überhaupt redet, sollte man zunächst die Fakten kennen. Hier mal ein kleiner „kriminalstatistischer“ Exkurs:

Die polizeiliche Kriminalstatistik 2006 weist bei 14-21-jähriger Tatverdächtigen einen nichtdeutschen Anteil von 17% aus. Wobei sich „nichtdeutsch“ auf die Staatsangehörigkeit bezieht und nicht auf den „Migrationshintergrund“: Von 2000 (Reform des Staatsbürgerschaftsrechts) bis 2006 wurden rund 1 Mio. Menschen, also etwa 1,2% der Gesamtbevölkerung eingebürgert. Da insgesamt 8,5% der Wohnbevölkerung nichtdeutscher Herkunft minus 1,5% Eingebürgerter (wegen des fehlenden Jahres 2007 aufgerundet) ergeben sich 7% der Wohnbevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diesen 7% wird ein Anteil von Jugendkriminalität von 17% zugeschrieben. Damit ist der Anteil nichtdeutscher jugendlicher Straftäter, bezogen auf den Bevölkerungsanteil, höher: 93% „Staatsangehörige“ begehen 83%; 7% „nicht-Staatsangehörige“ 17% der Jugendstraftaten. Also begehen rund 13mal mehr „Staatsangehörige“ nur 5mal mehr Jugendstraftaten; Jugendkriminalität geht damit in etwa zweieinhalb so häufig von „nicht-Staatsangehörigen“ aus. Was die Ursachen für diese erhöhte Rate angeht, kommt diese Studie, die im Unterschied zu den Zahlen „Michas“ statt auf „Annahmen“ auf Umfragen, Quellenangaben und falsifizierbaren Operatoren basiert, zu folgendem Schluss:

„Die berichteten Ergebnisse zu den Ursachenfaktoren gewalttägen Verhaltens lassen sich wie folgt zusammenfassen: Deutsche Jugendliche bilden bei fast allen Indikatoren die am wenigsten belastete Gruppe. Soziale Benachteiligung, gewaltförmige Erziehung, problematische Persönlichkeitsfaktoren usw. sind bei Deutschen weniger verbreitet. Auf der anderen Seite gibt es aber keine nichtdeutsche Gruppe, die sich als durchgehend auffällig erweist. Insofern existieren gruppenspezifische Belastungen. Türkische Jugendliche sind häufiger von einer schlechten ökonomischen Lage und von geringerer Bildungsintegration betroffen [...]“ (S. 32)

Aber nach Fakten zu recherchieren, diese in Beziehung zueinander zu setzen und damit nachvollziehbar zu argumentieren, das können wir weder von unserem Dreisatzexperten noch von PI erwarten:

„Aber haben wir wirklich gleich viele ausländische und deutsche Schläger? Allein wenn ich die Vergewaltigungsrate in Berlin mit über 80% Migrantenanteil sehe, hätte ich da meine Zweifel.“

Quelle? Quelle? Da ist sie: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2006 (S. 15) Nichtdeutscher Anteil bei Sexualdelikten in Berlin: 39% . Aber… wie war das doch, Freund „Micha“?

„…Glauben ersetzt bekanntlich Wissen…“

Genau.

Aber leider ersetzt bei Politisch Indiskutabel (PI) und „Micha“ nicht nur der Glaube das Wissen, sondern sehr viel stärker noch die Hetze. Das die PI-Macher dabei kein Tabu kennen, haben sie oft genug bewiesen und wozu das im Kommentarbereich führt, ist hier und neuerlich hier dokumentiert.

„Mir ist der ethnische Hintergrund erst einmal egal.“

hatte Frau Saalfrank im obigen Kontext gesagt.

„Das merkt man. So egal wie die Opfer oder noch egal-er?“

erwidert Horst „Micha“ darauf. Nicht nur das er hier und im folgenden Satzfetzen aus den Interview-Antworten willkürlich auseinanderreisst und neu zusammensetzt, nein, dieser Satz will uns sagen: Die erhöhte Jugendkriminalitätsrate von Migrationshintergründlern nicht durch deren „artfremde“ Kultur zu erklären ist gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit gegenüber den Gewaltopfern. Dabei lautet die simple Wahrheit in diesem speziellen Fall Frau Saalfranks, dass sie Pädagogin ist und sicher daher mit Jugendlichen und nicht mit Rentnern beschäftigt.

SpOn: „[...] Wie wollen Sie zum Beispiel an eine türkische Problemfamilie in Berlin-Neukölln rankommen?“
Saalfrank: „Problemfamilien gibt es nicht. Es gibt aber schwierige Situationen und ungünstige Voraussetzungen. Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.“

Dem letzten Satz widmet der PI-Autor einen ironischen Exkurs, denn er hat Frau Saalfrank durchschaut:

„Lieber Herr Pensionär, wenn Sie glauben, sie haben es als Opfer nicht leicht: bitte nehmen Sie doch einmal zur Kenntnis, wie sehr man sich um Sie bemüht! [...] nimmt sich Frau Saalfrank auch noch die Zeit, Ihnen zu erläutern, dass es nicht die Opfer, sondern die Pädagogen sind, die die Last dieser Sozialexperimente zu tragen haben, denn:
“Wichtig ist, immer wieder Angebote zu machen – auch wenn das für uns Pädagogen anstrengend ist.”

Könnten Sie daher also vielleicht etwas leiser jammern? [...]

(Und nun ganz im Ernst: bitte nehmen Sie, falls Sie diesen Text lesen sollten, meine Entschuldigung dafür entgegen, mich hier zu Ihrem unglaublichen Erlebnis so sarkastisch auszulassen. [...] wird mir trotz des Sarkasmus’ schlecht – aber Leute wie Frau Saalfrank [...] meinen das auch noch ganz im Ernst – und es geht ihnen prächtig dabei!)“

Gestatten, mein Name ist Überlegenheit. Moralische Überlegenheit. Auch wenn ich Sie, wertes Opfer, vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen als politische Waffe gegen „Überfremdung“ und „Linksgrünfaschistischgutmenschliche Sozialexperimente“ instrumentalisiere.

SpOn:“Nehmen wir mal an, Sie dürften eine einzige politische Maßnahme durchdrücken. Welche wäre das?“

lautet des Journalisten Thosten Dörtings Frage und:

Saalfrank: „Es muss gut ausgestattete Beratungsstellen geben und gut ausgebildete Pädagogen, die sich um Eltern und Kinder kümmern. Das heißt: Es geht ums Geld, nicht nur – aber auch! Und nicht nur um mehr, sondern das Geld muss anders verteilt werden. Und es muss ein wertschätzender Umgang mit den Menschen stattfinden – keine staatliche Kontrolle. In der derzeitigen Debatte fühlen sich viele Migranten sicherlich angegriffen. Das ist respektlos, kontraproduktiv und nicht zielführend.“

…Katharina Saalfranks Antwort. Was dreht Permanent Indoktrinierend (PI) daraus? Der Autor zitiert nur die letzten beiden Sätze und erwidert:

„Da habe ich doch glatt etwas falsch verstanden. Der Rentner wurde gar nicht angegriffen? Das waren vielmehr die Prügler, die angegriffen wurden? Ach ja, das hat uns Jessen von der ZEIT ja auch schon mal erklärt, aber das habe ich wohl einfach nicht verstanden.“

What the heck does that mean? Does the Supernanny talks in a foreign language you aren’t able to understand, dude? Where does she mention one single word of that crap you try to infiltrate here?

SpOn: „In Ihrer Sendung hält die Kamera auch beim schlimmsten Familienkrach respektlos drauf und baut so gesellschaftliche Hemmschwellen ab.“
Saalfrank: „Finden Sie? Ich bin etwas überrascht, weil mir diese Frage so noch nie gestellt wurde. Die gängige Kritik lautet ja eher: Wer schützt eigentlich die Kinder, wenn die Eltern das Verhalten der Kinder einer breiten Öffentlichkeit zeigen?“
SpOn: „Und?“
Saalfrank: „Ich antworte mit einer Gegenfrage: Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt. Ich verstehe, wenn sich der Zuschauer auch mal unwohl fühlt und denkt: Das ist mir zu intim. Und dennoch: In vielen Familien geschieht tagtäglich Gewalt. Ich möchte mit meiner Arbeit enttabuisieren.“

Saalfrank redet über ihre RTL-Sendung. Klar und erkennbar. Wiederum greift „Micha“ zwei Sätze aus diesem Zusammenhang heraus:

„Wer schützt die Kinder, wenn niemand hinguckt? Und ich meine nicht die Fernsehöffentlichkeit, sondern Nachbarn, Lehrer, die Gesellschaft insgesamt.“

…und berichtet live aus seiner imaginären Welt, in der er und die „Supernanny“ gemeinsam U-Bahnfahren:

„Ich stelle mir mal vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Vater sein Kind in der Öffentlichkeit ohrfeigt. Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen … Oder ich stelle mir vor, ich sage etwas, wenn z.B. ein migrantischer Jugendlicher mir in einer Rauchverbotszone Rauch mitten ins Gesicht bläst … Was dann passiert, und wie Menschen wie Sie anschließend dann zu mir stehen…“

„Ich stelle mir mal vor…,“ dass Sie das und das machen… Sie Schwein! Und damit, dass „ich mir das mal vorstelle…“ habe ich ganz klar bewiesen, das Sie eine Heuchlerin sind, Frau Saalfrank, jawohl!

SpOn: „Sie nehmen für sich in Anspruch, dahin zu gehen, wo es pädagogisch weh tut. Haben Sie schon mal mit Migrantenfamilien gearbeitet?“
Saalfrank: „Natürlich! In meiner Zeit in der Familienberatung hatte ich viele Eltern und Kinder mit einem solchen Hintergrund. Im Rahmen der Sendung noch nicht.“
SpOn: „Ich sage Ihnen auch warum: Es bewerben sich zwar viele Familien, aber RTL nimmt davon Abstand. Der Sender hat uns mitgeteilt, dass er die Sendung nicht mit Untertiteln versehen will.“

Saalfrank: „Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

Hier, werter Herr „Micha“, ist tatsächlich Gelegenheit, Frau Saalfrank zu kritisieren. Und zwar als Opportunistin, die sich zwar im Rahmen halbstündiger Interviews bedingungslos für die Integration von Migranten einsetzt, wenn es sie nichts kostet – gegenüber ihrem Sender RTL aber dessen fadenscheinige Begründung mit den Untertiteln einfach akzeptiert, als hätte sie als „Kopf“ der Sendung keinen Einfluss auf die Gestaltung. Oder gibt es Studien darüber, dass ein signifikanter Anteil der RTL-Zuschauer nicht lesen kann? In diesem Fall könnte ja der durchschnittliche RTL-Zuschauer auch nicht besser deutsch als viele „problematische Migrantenfamilien“, denen die „Supernanny“ auf die Pelle rücken und mal einen echten Beitrag zur Integration leisten könnte. Tatsächlich haben wir ja einen -wenn auch nicht besonders wichtigen- Fall von Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund. DAS dürfen Sie, Herr „Micha“, als neurechter „Islamkritiker“ natürlich so nicht schlussfolgern, das wäre geradezu ein Gedankenverbrechen. Deswegen bleibt bei Ihnen nur ein:

„Ach so, natürlich, Sie enttabuisieren ja nur deutsche Gewalt.“

Es wird ein Motiv unterstellt wo keines ist, denn Frau Saalfrank sagte ja deutlich:

„Ja, ich kenne die Begründung und bedauere das. Es wäre spannend zu sehen, dass es auch in diesen Familien teilweise nicht anders aussieht als bei uns! Aber das ist nicht meine Entscheidung.“

D. h. sie würde ja gerne (zumindest sagt sie das), aber man lässt sie nicht.

„Ja, beschränken wir das dann mal auf ein Bedauern. Während der Betreiber und die Autoren dieses Blogs bedroht werden, während Warner wie Ralf Giordano oder Henryk M. Broder mehr Morddrohungen gesammelt haben als diese Schläger Straftaten [...] bei Ihrer Popularität bei RTL [...], natürlich auf keinen Fall irgend etwas anderes tun, als das lediglich zu bedauern. [...]„

Tja, das ist schon eine Krux mit diesen Morddrohungen… Sie werden anonym geäußert, zurückverfolgen oder gar beweisen lässt sich meistens nix und überwiegend stammen sie von ausgesprochenen Soziopathen, die sowieso keiner Ernst nimmt, z. B. diesem. Aufgrund aller dies Eigenschaft eignen sie sich aber auch gar trefflich als „Argument“, v. a. wenn man keine hat, nicht wahr, Herr „Micha“? Was haben denn Morddrohungen gegen den Politisch Irrationalen (PI) Blogbetreiber, gegen Ralph Giordano und Henryk Broder mit der „Supernanny“ zu tun? Oder mit der Debatte um jugendliche Migrationshintergrundsgewalt bzw. die politische und mediale Ausschlachtung derselben? Was wollen Sie denn damit aussagen? Das ihre, die „islamkritische“ Front die einzig wahren Opfer sind? Das derjenige, der mehr Morddrohungen „sammelt“ eine höhere moralische Autorität besitzt? Wenn letzteres -was ich vermute- Ihrer Intention entspricht, ist es dann nicht unklug, das das PI-Weblog zu jeder missliebigen Person Kontaktdaten veröffentlicht, zumal häufig gewaltphantasmatische Kommentare aufgefallen sind?

„Und nun kommen wir zum Höhepunkt. Das absolute Highlight, quasi die Perle [...]„

SpOn: „Manche Publizisten vertreten jetzt die Meinung, dass ausländische Jugendliche aus rassistischen Motiven Gewalt gegen Deutsche ausüben. Ein Rentner wird nicht mehr angegriffen, weil er ein leichtes Opfer ist, sondern weil er ein deutsches Opfer ist.“
Saalfrank: „Ich stelle mir umgekehrt die Frage, warum wir uns der rechten Gewalt nicht genauso zuwenden. Vielfach werden Ausländer in Deutschland überfallen. Und außerdem: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Diese Jugendlichen werden allen möglichen Diskriminierungen ausgesetzt gewesen sein – was die Tatsache an sich natürlich nicht besser macht.“

„Das ist jetzt nicht wirklich Ihr Ernst? [...] Vielmehr ist dem Redakteur bloß ein Textbaustein aus einem Uralt-Programm hier reingeraten? [...] Dann erlaube ich mir mal eine Anleihe [...]:

Ostersonntag 2006: In Potsdam wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: bundesweite Seite-1-Pressemeldungen, Solidaritätsbekundungen, Lichterketten, Warnung vor aufkommendem Rechtsradikalismus, Proklamieren von No-go-Areas im Osten, Einschaltung der Bundesanwaltschaft, Handschellen, medienwirksamer Abtransport im orangefarbigen Dress Hubschrauber…

Juni 2007: In Berlin-Neukölln wird ein Schwarzafrikaner ins Koma geprügelt. Folgen: etwas Lokalpresse, sonst nichts. Die Tatverdächtigen wurden nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Unterschied? Tatverdächtige im ersten Fall: Ostdeutsche. Tatverdächtige im zweiten Fall: türkischstämmige Migranten.

Noch Fragen, Kienzle?“

Ja. Übersieht man hier nicht das Offensichtliche?

22. Dezember 2007: Ein 76-jähriger Rentner wird in der Münchner U-Bahn brutal zusammengetreten und erleidet mehrere Schädelfrakturen. (Mediale) Folgen: Eine mehrwöchige Medienkampagne der Bild -“Zeitung“ und das Aufgreifen des Themas „Gewalt jugendlicher Migranten gegen Deutsche“ vom wahlkämpfenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch…

Täter: ein 17-jähriger Grieche und einen 20-jähriger Türke

Nämlich, dass der Presse die Opfer scheissegal sind, es sei denn, ein entsprechendes Thema wird aktuell als mediale Sau durchs Dorf getrieben? Wie im ersteren Fall, als die Fußball-WM ins Haus stand und man eine Medienhysterie angesichts der Außenwirkung Deutschlands startete oder im aktuellen Fall, wo dem brodelnde „Volkszorn“ latent fremdenfeindlicher Kleinbürger wie Sie einer sind, Herr „Micha“, ein Druckablassventil gewährt wird, damit Roland Koch seine Wahlkampfsuppe darauf kochen kann?

Kommen wir nun endlich zum Abschlussurteil, welches der PI-Autor sich über Frau Saalfrank erdreistet:

„Bisher waren mir Sie und Ihre Sendung relativ gleichgültig [...] aber meine Meinung über Sie muss ich nach dem, was Sie sich hier geleistet haben, revidieren:
Ich erkenne in Ihnen nun einen ignoranten Gutmenschen übelster Sorte; jemanden, der auf die Gewaltopfer spuckt; bis zur Schmerzgrenze uninformiert ist; Wissenslücken durch Glaubensinhalte füllt [...]„

Auf wen diese Attribute -insbesondere was „Wissenslücken“ und „Glaubensinhalte“ angehen- wohl eher zutreffen, dürfte die obige Betrachtung einer reinen Scheinargumentation mit dem Zweck zu diffamieren, wohl hinreichend gezeigt haben.

„[...] kurz gesagt: Ich erkenne in Ihnen einen, wenn auch zugegebenermaßen hübsch verpackten, Kotzbrocken.“

„Micha“ ist nicht nur ein diffamierender, fremdenfeindlicher Hetzer mit einem wirklich bemerkenswert dummdreisten Scheinargumentations-Stil sondern auch noch ein Macho-Arschloch. Na, wie putzig.

„Und damit Sie nicht annehmen, das kann ich nur in der Anonymität des Internets so schön sagen – Irrtum: Sie bekommen von mir den Ausdruck des Artikels [...] und das ordentlich mit Absender!

Dann können Sie mich ganz nach Belieben ignorieren, verklagen, zum Teufel wünschen, einer Antwort würdigen oder in eine Diskussion verwickeln.“

Einen größeren Gefallen könnte man so einem neurechten Gollum aus den Tiefen des Internet gar nicht tun, denn alles wonach es ihm giert, ist AUF-MERK-SAM-KEIT für sein absurd zusammenkonstruierten Weltbild…

by red.cloud

„Stern“-Umfrage: Gute NS-Zeiten, schlechte NS-Zeiten

In dem sehr lesenswerten Blog von Frau Silverblick fand ich einen Artikel über eine „Forsa“-Umfrage im Auftrag des „Stern“ laut dieser angeblich 25 % aller Deutschen der Meinung wären, das Dritte Reich „hätte auch gute Seiten gehabt“. So weit, so empörend. Mein Gott, was ist nur mit diesen Deutschen wieder los, das is ja fürchtabah – unbelehrbare, vestockte, ewige Nazis…

Kommen Sie mal runter, verehrte Leser.

Mal ehrlich: Gibt es tatsächlich irgend jemanden, der glaubt, ein Viertel aller Deutschen wünschten sich klammheimlich „den Füührrrräääähh“ zurück? Ich meine, glaubt das irgend jemand ernstzunehmendes außer irgendwelche ideologisch verstrahlten, „antideutschen“ Hirne? Schauen wir uns doch den betreffenden „Stern“-Artikel mal näher an:

„Auf die Frage, ob der Nationalsozialismus auch gute Seiten gehabt habe, wie etwa den Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie, antworteten 25 Prozent der Befragten mit ja.“

So was nennt man eine Suggestivfrage. Und diese sind bei statistischen Befragungen, zumindest bei wissenschaftlich-objektivierbarem Anspruch, absolut unzulässig. Mit solchen Fragen können Sie herausfinden was immer Sie wollen. Es ist doch fast schon eher erstaunlich, dass sich immerhin 75 % der üblicherweise 1025 telefonisch Befragten die Frage genau anhörten und reflektierten und mit „Nein“ antworteten. Gut, aus Sichtweise der „Stern“ irgendwie verständlich, dass man keine teure „Forsa“-Umfrage bezahlt, ohne Ergebnisse rauszubekommen, die zumindest eine spektakuläre Schlagzeile liefert. Das nennt man wohl Marktwirtschaft.

So produziert man Nachrichten, die keine sind… Als nächstes kommt dann gleich wieder SPRINGEL ONLINEs Claus Christian Mahlzahn mit der Zweitverwertung und fordert „Re-Education“ der Deutschen, die eigentlich alles noch verkappte Faschisten und – noch schlimmer – „Antiamerikanisten“ sind, weil sie nicht alles so ganz so toll finden, was der nette Onkel Bush so macht.

Und so läuft die mediale Empörungsmaschinerie weiter und weiter, produziert Plattitüde um Plattitüde und lenkt von den wirklichen Problemen ab. Zum Beispiel, ist ja nur ein Vorschlag, ob die globale Apartheid zwischen Entwicklungs- und Industrieländern und die wachsende soziale Kluft zwischen Arm und Reich Symptome einer Art von „strukturellem Faschismus“ sind und der globale „Kampf gegen den Terror“ eine Nebelwand ist, die davon ablenken soll…

Und zum unsäglichen Medienspektakel Frau Herman, in deren Dunstkreis diese ganze „Stern“-Story eingebettet ist, bleibt eigentlich nicht mehr zu sagen, als dass Bücher von Nachrichtensprechern im allgemeinen völlig überbewertet werden.

Die Mär von der „politischen (Un)korrektheit“

„Politische Unkorrektheit“ ist die – heute eindeutig positiv besetzte – Antithese zur „politischen Korrektheit“. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus den USA. Lorna Weir (1995) rekonstruierte drei Entwicklungsphasen, an deren Ende der Begriff “political correctness” in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen war. In der ersten Phase, terminiert auf die späten 1960er Jahre, wurde der Begriff von linken, feministischen, Bürgerrechts- und Studentenbewegungen gebraucht. Zumeist wurde er in ironischer Selbstkritik gegenüber Gleichgesinnten angewandt, um auf „diskriminierenden“ Sprachgebrauch hinzuweisen, der nicht das Bemühen dieser Gruppen wiedersspiegelte, die Gesellschaft zu verändern: „Das ist aber nicht pc…“ In der zweiten Phase, während der 1980er Jahre, erfuhr der Begriff seine massenmediale Verbreitung: In den linken Studentengruppen der späten 1960er sozialisierte Akteure hatten den Aufstieg in mittlere und höhere Kreise der Medien und Politik geschafft, und bemühten sich nun, Reste ihrer linken Überzeugungen zumindest sprachlich an den Mann (oder die Frau – das wäre sonst nicht pc) zu bringen. Diese, zweite Entwicklungsphase hat im Deutschland viel stärker stattgefunden als in den USA – die US-amerikanische Demokratie ist älter, etablierter, fest bipolar strukturiert und die Medien kooparatistischer organisiert. V.a. im deutschen Raum ist die weitgehend inhaltsleere Verhunzung der Sprache dem: „Verehrten Leser/Leserin, LeserIn, Lesenden…“, mit dem einige Alt-68er mit ihren zu bloßen Worthülsen verkommenen, ehemaligen Überzeugungen die Menschheit beglückten, sicherlich ein Begriff.

Die dritte Phase der Entwicklung des „political correctness“-Begriffs schließlich, fand in den USA Anfang der 1990er Jahre statt. Sie war von einer vollkommenden Vereinnahmung des Begriffs durch neokonservative Kreise charakterisiert. Diese instrumentalisierten den Begriff ausschließlich als Feindbestimmung und führten die „political correctness“ als Beweis für die angebliche linke bzw. liberale Dominanz in Politik und Medien an. Da letzteres eine der Säulen der neokonservativen Ideologie darstellt, die allerdings bei etwas näherer Betrachtung der politischen und wirtschaftlichen Strukturen keiner Überprüfung standhält (so wird etwa Rupert Murdoch, der weltweit größte Medienmogul, auch nicht von Neokonservativen zu einem „Liberal“ umzulügen sein), wurde der Begriff frei nach Joseph Goebbels („Wenn du einmal angefangen hast zu lügen, dann bleibe auch dabei!“) zu geradezu orwell’schen Dimensionen aufgeblasen: „Political Correctness“ war plötzlich eine gigantische Gehirnwaschmaschine, mit der die „liberal dominated media“ den Durchschnittskonsumenten für ihr eigentliches geheimes Ziel bearbeiten, nämlich die Zerstörung der westlichen Werte.

Eine vergleichbare Entwicklung fand auch in Deutschland statt: Seit den 1990er Jahren machten konservative und rechte Kreise die „Political Correctness (PC)“ dafür verantwortlich, dass „wir Deutschen“ immer noch kein „normales“ Verhältnis zu unserer Vergangenheit hätten, PC verhindere Meinungsfreiheit und sorge für Denk- und Handlungsverbote. „PC-Kritikern“ zufolge muss es wohl eine gigantische „PC-Industrie“ von – wie sie es nennen – „Gutmenschen“ geben , die durch ihren repressiven Machtapparat alle „politisch unkorrekten“ Underdogs unterdrücken und verhindern, dass sie „…endlich die Dinge wieder beim Namen nennen…“ können (Klaus J. Groth 1996 in „Die Diktatur des Guten“). Ständig behaupten die armen, armen, neokonservativen „politisch unkorrekten Underdogs“, sie könnten wegen der übermächtigen PC-Zensur kaum atmen… und zwar in deutschen Leitmedien wie der FAZ, dem „Spiegel“, der „Welt“ und der „Süddeutschen Zeitung“ sowie diversen Büchern. Nachforschungen, wer denn diese „Meinungsunterdrücker“ seien, ergeben dann ein recht buntes Sammelsurium: Linke, Alternative, Grüne, „männerverächtende Feministinnen“, „waldorfschulgeprägte SozialpädagogInnen“, antimperialistische und antifaschistische Splittergruppen; die allesamt wohl kaum über die Mittel verfügen, eine Meinungsführerschaft in der Gesellschaft ausüben. Neokonservative „politische Unkorrektheit“ ist nichts weiter als eine Verleumdungsstrategie gegen die liberale, multikulturelle Gesellschaft.

protestkarte_pc.jpg Motiv einer „Protestpostkarte“ der „deutschen Burschenschaft“

Man sollte sich also immer genau vor Augen führen, wer sich dort unter dem Schlagwort der „politische Unkorrektheit“ produziert: Im Kontext der inhaltsleeren PC-Bemühungen von zu Spiessern mutierten Altlinken ist der (teilweise) intelligente, schwarze Humor etwa der „South Park“-Macher Parker und Stone, des Polenwitze reissenden Harald Schmidt oder des „Borat“ Sasha Baron Cohen „politisch unkorrekt“, aber dadurch, dass die auf den ersten Blick platten Witze bloßes, „neues“ Klischeedenken entlarven. Die Grenze zwischen Humor und diskriminierender Hetze wird jedoch dünn, wenn es eben genau darum nicht mehr geht: Im Zeichen der von neokonservativen Meinungsmachern vereinnahmten „politische Inkorrektheit“, wird eine Polen- oder „Neger-“witz wieder genau das, was er vordergründig ist: diskriminierendes Klischeedenken.

Auf den Punkt bringt es die die Autorin „Ramana“ im Blog des Magazins „Neon“ (06/08/07):

„Ich frage mich mittlerweile wirklich, ob es im Moment gerade hip ist politisch unkorrekt zu sein. Mittlerweile ist das Wort Gutmensch schon [...] eine geläufige Beleidigung […] Ich habe bei Diskussionen [Menschen erlebt, die] es sogar als Verbrechen an der deutschen Sprache bezeichnen, […] das N-Wort […] [das] eine rassistische Beleidigung darstellt, [nicht verwenden zu dürfen], ja die ernsthaft behaupten, es wäre eine Diskriminierung. Ich stelle mir folgende Situation vor:

Person Y (weiss) nennt Person X (schwarz) einen „Neger“ Person X sagt: “ich möchte nicht so bezeichnet werden, „Neger“ sagt man nicht.“ Person Y sagt daraufhin: “Du diskriminierst mich. […] ich lasse mir doch nicht von „Negern“ das „Negersagen“ verbieten!“

Neokonservative beschweren sich darüber, dass sie angeblich statt „Negerkuss“ jetzt „Schokokuss“ sagen müssen oder „Schwuchtel“ nicht mehr als Schimpfwort gegen „windelweiche Liberale“ nutzen dürfen. Die Beschäftigung mit diesem gewaltigen Denkverbot der übermächtigen PC-Industrie sollte uns allerdings nicht daran hindern, auch mal andere Denkverbote zu beleuchten. Denkverbote, die sich über Sprache ausdrücken, existieren nämlich in jeder festen Weltsicht. Etwa die automatische Verknüpfung von Demokratie-und-Marktwirtschaft oder FDGO, die mantra-artige Wiederholung, dass die Globalisierung „von uns allen Opfer“ fordere (wirklich von allen?), oder dass es zum Rückbau des Sozialstaates „keine Alternative“ gebe und es keinesfalls die Aufgabe des Staates sei, Rahmenbedingungen für Vollbeschäftigung zu schaffen…

 

Quellen:

http://www.renner-institut.at/download/texte/auer.pdf
http://www.sonntagsblatt.de/1996/3/4-21.htm
http://www.das-parlament.de/2007/01-02/Thema/016.html
http://www.spiesser.de/default.aspx?ID=3242&showNews=68156&showArchiv=1&aktMonat=2&aktJahr=2007&aktWoche=1
http://dermorgen.blogspot.com/2005/11/die-bewegung-gegen-political.html

Islamisten, Terroristen, Internet, „Schmutzige Bomben“…? Oder: Wie uns „Die Welt“ mit einer Nullmeldung verdummt

Via Watchblog Islamophobie stieß ich auf folgenden „Die Welt“-Artikel (24/07):

„Islamisten infiltrieren Yahoo, MSN und Google
Religiöse Fanatiker verbreiten ihre Hasspropaganda bevorzugt über das Internet. […] (dabei) helfen Yahoo, Google und MSN den Terroristen mit kostenlosen Web-Diensten – ohne es zu wissen. […] Neben den Diensten der Internet-Riesen nutzen die Extremisten auch viele kleine US-Unternehmen, sogenannte Hoster..“

So erschreckt uns „Die Welt“ unter Berufung auf eine Studie der US-NGO Middle East Media Research Institute (MEMRI). Was für eine Erkenntnis. Jede kriminelle Organisation der vergangenen 10 Jahre, von Terroristen über Kinderpornographie-Ringen, Drogenhändlern, dubiosen Finanztricksern, illegalen Glücksspielen usw., verbreiteten sich bevorzugt über das Internet…

Wie so vieles andere, dass ohne

„…die Reichweite, den Einfluss und den Möglichkeiten des Internets nicht vorstellbar..“

wäre, ist es auch

 

„Das Aufkommen des Islamismus und der Dschihad-Organisationen in den vergangenen Jahren…“

zitiert „Die Welt“ die MEMRI-Studie. Besorgt sieht das Blatt eine

„Große Gefahr für die westlichen Staaten… Die Webseiten hätten in der Vergangenheit viele Terroristen in den USA und Europa für ihre Anschläge inspiriert oder sogar Hilfsmittel geliefert. Dazu zählen etwa Anleitungen für sogenannte schmutzige Bomben.“

Bauanleitungen für schmutzige Bomben, die von Islamisten übers Internet verbreitet werden? Wow! What the f**** ist der praktische Nutzen einer Bauanleitung für eine „schmutzige Bombe“, die man sich im Internet runterladen kann? Sagt sich der gemeine Terrorist dann: „Cool! Die Bauanleitung hab ich schonmal. Jetzt muss ich mir nur noch ein bisschen Plutonium besorgen, und ich kann anfangen zu basteln…“ ?

Ganz nebenbei bemerkt ist die sogen. schmutzige Bombe eine Zeitungsente. Sie besteht angeblich aus einem konventionellen Sprengsatz, der radioaktives Material (Plutonium, Cäsium oder Strontium) enthält, die durch die Explosion über einen Landschaftsradius verstreut wird. Es findet also keine nukleare Kettenreaktion statt. Und die „schmutzige Bombe“ erreicht das Gegenteil dessen, was sie eigentlich soll: Das radioaktive Material wird durch die Explosion zerstreut, dadurch wird die Strahlungsintensität des Ausgangsmaterials über die Fläche verteilt. Wie der Physikprofessor (University Berkeley) Richard A. Muller nachrechnet, würde etwa Cäsium 137 mit einer Strahlungsintensität von1.400 Curie ( 1 Curie = Strahlung eines Gramms Radium) aus einem Meter Entfernung mit 50 %iger Wahrscheinlichkeit zum Tod führen, verstreut auf 1 Quadratkilometer reichte die Strahlungsdosis nicht einmal für die Strahlungserkrankung aus, wenn sich jemand 10 Jahre lang ununterbrochen in dem Gebiet aufhielte. Der Effekt der in diesem Beispiel beschriebenen „schmutzigen Bombe“ ist eine Erhöhung des Krebsrisikos um 6 % pro Jahr Aufenthalt in dem betroffenen Gebiet. Damit wäre eine „schmutzige Bombe“ für terroristische Aktionen ungeeignet, oder kann sich jemand folgende „Al Qaida“-Drohung vorstellen:

„Allah ist groß! Wenn ihr imperialistischen Kreuzzügler eure Truppen nicht aus Afghanistan abzieht, werden in den und dem Gebiet die Anzahl der Krebserkrankungen im Laufe der nächsten 10 Jahre um 60 % zunehmen… Es sei denn, ihr evakuiert das Gebiet… Ach Mist!

Zusätzlich nebenbei bemerkt sei, dass die Objektivität des zitierten „Middle East Media Research Institute (MEMRI)“ zumindest umstritten ist. U. a. war der MEMRI-Gründer Angehöriger des israelischen Militärgeheimdienstes und der Besatzungsverwaltung in der Westbank. Brian Whitaker, Journalist der britischen Zeitung „The Guardian“ warf dem MEMRI u. a. einseitige Zitation aus arabischen Medien vor.

Was aber will „Die Welt“ mit dieser künstlich aufgebauschten Nullmeldung erreichen? Ein Hinweis lieferte die dem Artikel beigefügte Linksammlung, die u. a. auf einen früheren „Die Welt“-Artikel verweist:

Ein Plädoyer für die Online-Durchsuchung

Terror (böse) und Anti-Terror (gut)

novaexpress Am frühen Freitagmorgen wurden in London zwei Autobomben gefunden und entschärft. In zwei Mercedes in Haymarket und Piccadilly Circus fand die Polizei Konstruktionen aus Gasflaschen, Benzin und Nägeln. Angeblich soll der Spengsatz nach Plänen gebaut worden sein, die „Al Qaida“ im Internet veröffentlichte. Ausserdem raste ein brennender Jeep – ebenfalls mit Gasflaschen an Bord – in das Hauptterminal des Glasgow International Airport. Die beiden Insassen wurden verhaftet bzw. derjenige mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Ansonsten erlitten fünf Passanten leichte Verletzungen. Der Flughafen Glasgow wurde geschlossen, ausserdem die britische Terroralarmstufe auf das höchste Level „kritisch“ gesetzt. BBC-Korrespondent Danny Shaw spekulierte, da Commissioner Peter Clark, der Leiter der Londoner Ermittlungen, nach Schottland reiste, liege den Verdacht nahe, die Terrorattacken von London und Glasgow könnten von derselben Terrorzelle ausgeführt worden sein.

Bei Bombenangriffen im Rahmen des Kampfes gegen den Terror wurden am Samstag morgen in der afghanischen Provinz Helmand über 30 Zivilisten getötet und Dutzende verletzt, meldete die Provinzverwaltung. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder. Ein Sprecher der US Air Force sagte, ISAF (International Security Assistance Force) – Truppen hätten Luftunterstützung angefordert, weil sie von aufständischen Taliban-Kämpfern beschossen worden seien. Die USAF hätte alle feindlichen Stellungen zerstört und ausserdem Berichte über mögliche Zivilisten unter den Todesopfern erhalten.

Quellen:

01/07 BBC News
30/06 Reuters

Die Terroranschläge in Großbritannien schlugen fehl, was wohl an ihrer dilletantischen Planung und Ausführung lag. Bisland gibt es keine Beweise dafür, dass sie im Zusammenhang mit islamistischen Gruppen um „Al Qaida“ stehen. Es gibt auch keine Bekenntnisse, etwa auf gimf1.wordpress.com. Es stellt sich sowieso die Frage, wie ein Beweis für die Schuld des globalen Medienphantoms „Al Qaida“ aussieht und wie dann Querverbindungen zu irgendeinem Ort auf der Erde, den man bombardieren kann, hergestellt werden können.

In Afghanistan fielen am Samstag über 30 Zivilisten Bombardierungen zum Opfer. NATO- und US-Truppen kämpfen gegen „aufständische Taliban“. Eigentlich galt Afghanistan als bereits von den Taliban „befreit“ – es könnte allerdings sein, dass die Zivilbevölkerung ausserhalb der Hauptstadt Kabul das bislang noch nicht so mitbekommen hat. Wir sollten die Augen schließen und uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass NATO-Truppen in Afghanistan in unserem Namen gegen das Böse kämpfen. Damit wir das nicht vergessen. Und der Kampf gegen das Böse fordert – wie jeder Krieg – unschuldige Opfer. Nicht bei uns, zum Glück. Wer weiss, ob wir dann zu solch feinen Differenzierungen: Zivilisten wurden aus guten und aus bösen Motiven von einer Bombe zerfetzt, noch in der Lage wären?

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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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