Es ist eben wie es ist. Man wird älter, der jugendliche Leichtsinn schwindet und man beginnt sich zu fragen: Werde ich von dem was ich mache in Zukunft leben können? Wie wird meine kärgliche Rente aussehen? Hartz IV-Niveau? Oder auch: nur meine Pension als bayerischer Landtagsabgeordneter plus Minister-Pension? Wird das reichen? Muss da nicht noch mehr kommen? Und man besinnt sich auf seine Möglichkeiten, vergisst all die großspurigen Ankündigungen, die man in seinem Bekanntenkreis gemacht hat und macht sich, wild entschlossen, auf die Suche nach einem neuen, besser bezahlten Job.
Nun muss man nicht denken, dass Zukunftssorgen wie diese nur den „normalen“ Bürger der Bananenrepublik Deutschland quälen. Nein, selbst Minister, genauer gesagt Wirtschaftsminister, sind davon betroffen. Allerdings, ist man zufällig Wirtschaftsminister – in einer „deregulierten“ Wirtschaft, in denen alles dem „freien Spiel der Märkte“ überlassen wird, eigentlich der Deppenjob der Nation – sind die Aussichten so schlecht nicht: Werner Schmidt, Wolfgang Clement, sie alle haben den Absprung in ein neues, besser bezahltes Berufsleben geschafft und arbeiten heute in der Energieindustrie. Michael Glos sollte sich also keine grauen Haare wachsen lassen, erst recht da die Energiekonzerne sicher wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass der Mann sich wirklich anstrengt. Vergessen hat er all das dämliche Gebrabbel von Anfang des Jahres, als Eon, RWE und EnBW die Strompreise erhöhten und er sich bedingungslos auf die Seite der Verbraucher schlug, drohen wollte, billigere Energie forderte, von mehr Wettbewerb, Sanktionen oder gar „Zerschlagung“ der Konzerne sprach.
Denkt Michael Glos an seine Zukunft? (Original-Bildquelle: swr.de)
“Unsere klare Position heißt, dass wir keine Zwangsenteignungen hinnehmen“, sagte Glos jetzt, nämlich zum Auftakt der EU-Ministerratskonferenz am Freitag (06.06.) in Luxemburg. Und zwar weil: “Wir [...] in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Netz (haben) und wir wollen, dass das immer wieder ertüchtigt wird – und zwar von denen, die Geld haben.“ Auch müssten die Netze ausgebaut werden, um Strom aus Erneuerbaren Energiequellen verteilen zu können, großen Offshore-Windenergieanlagen vor der Küste z. B. “Dazu bedarf es hoher Netzinvestitionen“. (Nur damit das mal klar ist, ist nämlich ganz anderer Strom, dieser erneuerbare, und Schuld an hohen Energiepreisen haben sowieso immer die Ökos mit ihren spleenigen Ideen.)
Abgesehen von der etwas dümmlichen Begründung hat sich Michael Glos mächtig ins Zeug gelegt und ein ordentliches Bewerbungsschreiben an einen späteren Energiekonzern-Arbeitgeber abgeliefert: Das Vorhaben der EU-Kommission war, die integrierten Energiekonzerne Europas zu „entflechten“, d. h. dass Energiekonzerne, die auch die Übertragungsnetze besitzen, diese an einen unabhängigen Netzbetreiber verkaufen müssen. Damit wäre ein Einstieg auf den deutschen Markt auch für kleinere Energieproduzenten erleichtert, die bislang recht willkürlich festgelegte „Netzdurchleitungsgebühren“ an ihre großen Konkurrenten zahlen müssen und daher kaum marktfähige Preise anbieten können. Nach Beschluss des Ministerrats können Deutschlands Energiekonzerne ihre Monopolstellung jetzt aber auch „sanft entflechten“ und ihre Netze an Tochtergesellschaften übergeben, in deren Aufsichtsräten sie „nur“ 51% der Stimmen halten dürfen [das Modell heisst in orwell´schem Neusprech: „Independent Transmission Operator" (ITO)]. Deutschland, Frankreich und Österreich haben sich damit gegen die EU-Kommission und Länder, deren Netze bereits von den Energieproduzenten getrennt sind, wie Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Spanien und Portugal, durchgesetzt. Zwar haben sich letztere Länder teilweise dagegen verwahren können, dass die Energiemonopolisten, die in „Heim“-Märkten die Preise diktieren, in ihre liberalisierten Energiemärkte einsteigen, sie dürfen „gewisse Abwehrmaßnahmen“ ergreifen. Aber da Michael Glos und seine Kamarilla eine Marktschieflage zugunsten seiner zukünftigen Arbeitgeber erstmal zugelassen hat, wird sich das mit Hilfe der EU-Wettbewerbskommission auch regeln lassen. Außerdem hat Glos erklärt, dass er gegen die Schaffung einer EU-Aufsichtsbehörde zur Kontrolle des Energiemarkts ist.
Eine Einigung auf das gesamte Energiepaket wird bis Jahresende angestrebt, wirksam werden könnte es ab 2011. Das EU-Parlament muss noch zustimmen. Der Chefökonom der österreichischen Energieaufsichtsbehörde, Johannes Mayer, sagte, damit könne nicht mit fallenden Energiepreisen gerechnet werden. Seine Erfahrung zeige, dass sich eine unzureichende Trennung zwischen Netzen und Vertrieb nur begrenzt regulieren lasse. Die Ökonomischen Interessen für eine Abschottung der Netze bzw. Märkte seien einfach zu groß.
Laut Beschluss des EU-Energieministerrats bezüglich des „Independent Transmission Operators“, also der Netzbetreiber-Tochtergesellschaft eines Energiemonopolisten, dürfen Manager des Mutterkonzerns künftig nicht unmittelbar in die Tochtergesellschaft wechseln, sondern es gilt eine „Karenzzeit“ für den Übergang von von drei Jahren bzw. umgekehrt 4 Jahren. Da weiss ich ja jetzt schon, wer ab 2009 für den Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden einer Netzbetreiber-Tochtergesellschaft von EnBW, RWE, Eon oder Vattenfall zur Verfügung steht. Herzlichen Glückwunsch, Herr Glos!
Dank an Fefes Blog für die Zweisatz-Inspiration!




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