Archiv der Kategorie 'Globale Erwärmung'

Klimaerwärmung oder Ende des Eiszeitalters? Oder Opportunismus?

novaexpress Anfang Mai hinterliess ein engagierter Leser einen Kommentar zu meinem Artikel „Michael Miersch entlarvt die Klimadebatte als reine Hysterie. Nur… wer ist hier hysterisch?“, auf den ich die Antwort schuldig blieb. Das tut mir erstens Leid und zweitens hole ich es hiermit mit einem Ausdruck tiefsten Bedauerns nach. Don Parrot schrieb:

„Ist Dir eigentlich klar, dass Eiszeiten wie die, in der wir uns gerade befinden (seit ca. 2,6 bis 3 Millionen Jahren), erdgeschichtlich die Ausnahme darstellen? Und dass die seit ca. 10.000 bis 12.000 Jahren währende Warmphase einen Ausnahmezustand innerhalb dieser Ausnahme darstellt? Über den größten Zeitraum seiner Existenz waren der Planet bzw. seine Pole eisfrei. Wir nähern uns momentan also dem Normalzustand.“

Nun, es wäre sicher übertrieben zu sagen, dass ich täglich darüber nachdenke, dass wir uns gegenwärtig seit 2,3 Mio. Jahren im Quartär befinden, dass sich übrigens in Pleistozän (Eiszeit) und Holozän (Nacheiszeit) gliedert. Wo ich doch manchmal schon Schwierigkeiten damit habe, den Zeitraum zu überblicken, der sich bis über das letzte durchalkoholisierte Wochenende erstreckt. Genau da liegt übrigens das Problem, dass ich mit Deiner Argumentation habe: Eiszeitalter sind eine Ausnahme in der 4,6 Mrd.-jährigen Erdgeschichte, schreibst Du. Mal ganz davon abgesehen, dass das gegenwärtige Eiszeitalter seit 2,6 Mio. Jahren andauert, die seltenen Kaltzeiten in der Erdgeschichte aber durchschnittlich 15 – 20 Mio. Jahre lang waren, denke ich, wir können relativ schnell über den Punkt Einigkeit erzielen, dass sich die gegenwärtige Klima-Diskussion nicht mit den Begriffen 15 Mio. Jahre langer erdgeschichtlicher Perioden fassen lässt, da wir doch über einen Zeitraum von höchstens 150 Jahren diskutieren. In dieser Zeit hat mit Sicherheit kein Wechsel von Eiszeitalter zu Wärmeperiode stattgefunden – ein solcher Übergang dauert bestimmt einige 10.000 bis 100.000 Jahre. Sehr hilfreich bei der Diskussion über Erdgeschichte ist übrigens das Bild von der Eintagsfliege, die versucht, das Altern des Menschen zu erkennen.

Während der Eiszeitalter gibt es kalte und warme Zwischenphasen (Glaziale und Interglaziale), die durch Gletschervorstöße und –rückgänge gekennzeichnet sind. Die „Wellenlänge“ einer solchen Schwankung (also von Kältemaximum zu Kältemaximum) ist rund 100.000 Jahre lang, wobei Glaziale 90.000 Jahre und Interglaziale nur etwa 15.000 Jahre andauern. Das gegenwärtige Interglazial (Holozän) dauert seit etwa 11.000 Jahren an. Diese Schwankungen zwischen Glazialen und Interglazialen werden astronomisch mit dem „Kippeln der Eklipitik“ (die Lage der Erdachse im Verhältnis zur Fläche, die durch die Bahnen der Planeten definiert wird) erklärt. Dieses „Kippeln der Ekliptik“ kann man sich in etwa wie das Kippeln eines Kreisels kurz bevor er aufhört, sich zu drehen, vorstellen; es ist ein Resultat der Mehrkörperbewegung Sonne-Erde-Planeten. Auch ein Einfluss der Glazial-Interglazial-Schwankung auf die gegenwärtige Klimaerwärmung ist also eher auszuschließen.

„Zu Zeiten der Großsaurier waren die Durchschnittstemperaturen auf Mutter Erde wohl rund sechs Grad höher als heute.“

Ich bin tatsächlich nicht in der Lage, einen Zusammenhang zwischen um sechs Grad höheren Durchschnittstemperaturen von vor über 70 Mio. Jahren und einem Anstieg der Durchschnittstemperatur von 0,74 °C zwischen 1906 und 2005 zu erkennen. Nur soviel: Dir ist klar, dass ein Anstieg der Temperaturen um 0,74 °C je 100 Jahre seit dem Aussterben der Dinosaurier einen Temperaturanstieg von rund 500.000 °C entspräche – es also einen großen Unterschied ausmacht, ob sich Temperaturen innerhalb von Millionen oder nur 100 Jahren ändern?

„Um das Jahr 1.000 stiegen die Temperaturen innerhalb von vermutlich 10 bis 15 Jahren so stark an, dass die Wikinger für mehrere Jahrhunderte auf Grönland siedeln konnten – danach fielen sie genauso schnell wieder.“

Ich vermute, Du spielst auf die sogen. Kleine Eiszeit von Anfang des 15. Jahrhunderts bis etwa 1850 an, die das vorherige sogen. Mittelalterliche Klimaoptimum ablöste. Dies sind tatsächlich kurzfristige Klimavariationen, bei denen aber weder geklärt ist, ob es sich um eine globale Temperaturschwankung handelt oder nur die Nordhalbkugel betroffen war. Auch die Ursachen, etwa eine Veränderung in der Strahlungsintensität der Sonne (gekennzeichnet durch die Sonnenflecken-Aktivität) oder verstärkter Vulkanismus zwischen 1400 und 1850, sind unklar. Die Temperaturen stiegen oder fielen aber nicht innerhalb von 10-15 Jahren, sondern der Unterschied zwischen den Wärme-Extrema des Klimaoptimums im 9. und 13. Jahrhundert und der Kälte-Extrema der „Kleinen Eiszeit“ 1570–1630 und 1675–1715 betrug durchschnittlich weniger als ein Grad. Zwischen den Wärme- und Kältemaxima des Klimaoptimums und der „Kleinen Eiszeit“ gab es aber Phasen des Ausgleichs der Durchschnittstemperaturen. Der Anstieg der Durchschnittstemperatur um 0,74 °C innerhalb von 100 Jahren lässt sich also auch damit nicht vergleichen – hier handelt es sich nicht um eine Schwankung, sondern um einen Anstieg des Temperaturniveaus, d. h. sowohl Wärme- als auch Kältemaxima sind um 0,74 °C „wärmer“.

Die Besiedlung Islands als auch Grönlands durch die Wikinger war tatsächlich durch das mittelalterliche Klimaoptimum begünstigt. Das Aussterben der grönländischen Wikinger-Kolonie kann man mit der „Kleinen Eiszeit“ begründen – man kann es auch damit begründen, dass die Wikinger „stur“ an ihrer europäischen Landwirtschaft festhielten. Bei den Inuit war es nämlich genau umgekehrt: Sie verliessen den von den Wikingern besiedelten südlichen Teil Grönlands zur Zeit des Klimaoptimums, da sie Wale und Robben jagten – und kehrten mit der „Kleinen Eiszeit“ zurück. Hätten die Wikinger von der Lebensweise der Inuit gelernt, statt zu konservativ an ihrer europäischen Lebensweise festzuhalten, dann wären sie möglicherweise nicht ausgestorben. (Lesetipp: Jared Diamond: „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“; Fischer, Frankfurt/M. 2005)

„Und es gab sogar Leben auf diesem Planeten, als hier eine Atmosphäre herrschte, die für uns nicht atembar gewesen wäre. Hätten die damaligen Erdbewohner Intelligenz besessen und erfolgreich das damalige Klima ‘eingefroren’, würde es uns überhaupt nicht geben.“

Das wäre aber fies von den intelligenten Amöben und Blaualgen gewesen, die sich die Erde untertan hätten machen wollen könnten… Man kann eben Einzellern einfach nicht trauen.

„Es wäre also tatsächlich opportun, zu versuchen, sich an die Situation anzupassen, statt Panik zu verbreiten und so zu tun, als seien wir in der Lage, die aktuellen klimatischen Bedingungen zum Dauerzustand zu machen. Denn das ist einfach unmöglich und absurd.“

Nein. Es ist opportunistisch von Dir, zu verbreiten, die gegenwärtige und zukünftige globale Erwärmung sei ein völlig natürlicher Vorgang, also lasst uns weitermachen wie bisher und unsere Kinder und Kindeskinder müssen dann mit den Folgen klarkommen. Die aktuellen klimatischen Bedingungen können nicht „eingefroren“ werden – es kann nur noch um Schadensbegrenzung gehen und darum, die Folgen für unsere Nachkommen so gering wie möglich zu halten.

Quellen:

http://www.kneissl-olaf.de/ok05c.htm

Zahlen: wikipedia

Michael Miersch entlarvt die Klimadebatte als reine Hysterie. Nur… wer ist hier hysterisch?

novaexpress In seiner „Die Welt“ –Kolummne „Hurra, wir werden die Welt retten“ vom 10/03 2007 möchte der „Öko-Kritiker“ Michael Miersch – nach eigenen Angaben – vor zuviel Hysterie und Heuchelei und zuwenig praktischer Vernunft in der Debatte um die globale Erwärmung warnen. Bei genauem Hinsehen wirkt dieses, an sich ehrenwerte Vorhaben allerdings nicht ganz so überzeugend.

Michael Miersch als Kapitalismuskritiker

Zunächst beschreibt Herr Miersch mit süffisanter humoristischer Note die Debatte um die globale Erwärmung als einen Wettlauf radikaler Klimaretter: Werner Schnappauf (CSU), bayrischer Umweltminister, Sigmar Gabriel (SPD), Bundesumweltminister, und Al Gore, ehemaliger demokratischer US-Vizepräsident und seit neuestem Oscar-prämierter Dokumentarfilmer. „Wer wird gewinnen?“ fragt Miersch schelmisch. Al Gore jedenfalls nicht, fährt er fort und betätigt sich in ungewohnter Rolle als Kapitalismuskritiker. Der „Öko-Oscar aus Tennessee“ ist nämlich reich und hat ein großes Haus, das 20-mal mehr Strom verbraucht als Häuser von Durchschnittsamerikanern. Was noch nichts darüber aussagt, wie die von Al Gore verbrauchte Energie erzeugt wird: Aus erneuerbaren Energiequellen, so lautete zumindest Al Gores Verteidigung auf die Anschuldigungen des US-Regierungssenders Fox News und nicht, wie Miersch schreibt, dass Al Gore zum Ausgleich Emissionszertifikate kaufe. Das schreibt Miersch allerdings nur aus den ehrenwertesten Gründen, nämlich, um eine weitere Kapitalismuskritik vorzubringen: Al Gore gehöre gleichzeitig die Firma, die diese Emissionzertifikate oder „Ablassbriefe“ verkaufe. Das kann allerdings so nicht ganz stimmen, Herr Miersch: Die USA haben das Kyotoprotokoll, das den Emissionshandel regelt, gar nicht unterschrieben und somit können US-Firmen daran nicht partizipieren.

Auch die anderen beiden radikalen Klimaschützer kann Miersch nicht so recht als glaubwürdig empfinden: Werner Schnappauf (!) fliegt gern (!) in den Süden (!) und Sigmar Gabriel fährt zwar vorbildlich mit der Bahn, lässt sich aber seinen Dienstwagen leer hinterherfahren. Tatsächlich handelte es sich bei diesem Fall um den Landwirtschaftsminister Horst Seehofer und nicht um Gabriel. Aber wer wollte sich von Kleinigkeiten aufhalten lassen, wenn es ums große Ganze geht, um Herrn Mierschs Anliegen, vor Klimahysterie zu warnen und die „peinliche Lücke“ „…zwischen tadellosen Presseerklärungen und persönlichem Verhalten“ aufzuzeigen, die „kognitive Dissonanz“ wie Psychologen das nennen? Herr Miersch erklärt uns die Welt UND schlägt sich auf unsere Seite, des „Normalkonsumenten“, des Proletariers sozusagen: Dieser könne „…auf vieles verzichten: warmes Wasser, wohlige Raumtemperatur, Autofahren, Flugreisen, Obst und Gemüse aus Übersee“ um zu verhindern, was wir alle fürchten, nämlich dass „…die Nordsee demnächst an die Alpen (schwappt)“. Aber „Wir (!) würden es allerdings mit mehr Begeisterung tun, wenn jene, die sich solche Vorschläge ausdenken, sich auch selbst daran hielten.“ Aber diese Oberschicht-Klimaretter, zu denen sich Herr Miersch natürlich überhaupt nicht zählt (zur Oberschicht meine ich, nicht etwa zu den Klimarettern) „…pendeln als Abgeordnete seit Jahren munter zwischen Bonn und Berlin, oder als Europa-Abgeordnete zwischen Brüssel und Straßburg“ Was sie als Europa-Abgeordnete auch tun müssen, denn das Europa-Parlament ist zwischen Brüssel und Straßburg aufgeteilt und die Sitzungen werden im Wechsel abgehalten. Eine weitere, entlarvende Beobachtung teilt uns Herr Miersch mit:Die 500 Meter vom Bundestag zur Sondervorführung von Gores Katastrophenfilm legten viele Abgeordnete im Dienstwagen zurück.“ Er hat nämlich ganz genau vom Straßenrand aus beobachtet, dass alle Abgeordneten, die ins Auto einstiegen, auch zur Fraktion der „Klimaschützer“ gehörten. Aber Abgeordnete sind ja gleich Klimaschützer gleich Oberschicht gleich Heuchler, die an „kognitive(r) Dissonanz“ leiden, wie Psychologen das nennen. Da hat Miersch aber eine lückenlose Beweiskette vorgelegt und sich nicht etwa billigster Politiker-Resentements bedient.

Von rücksichtslos weintrinkenden Schülersprechern, darbenden Lobbyschreibern und zu lang lebenden Öko-Kühen

Aber „wir alle“ nicht nur „die da oben“ sind Sünder, das – immerhin – hat Michael Miersch erkannt, aber: „Wir alle“, die Normalverdiener, zu denen er sich ja zählt „…(müssen) schon aus Kostengründen bei Sprit und Heizung sparen…“ während „…der moralisch gerüstete Mittelstand… vor allem jene Kreise… (die) beim Ökobauern kaufen, für Greenpeace zu spenden und grün zu wählen… reichlich Ressourcen (verbrauchen), um die Welt zu retten…“ „…allen voran Zehntausende Delegierte und Aktivisten, die in immer schnellerem Rhythmus für Klima- und Umweltkonferenzen um den Globus jetten.“ Eindrucksvoll in der Argumentation hat Miersch hier nicht nur bewiesen, dass in Deutschland die Normalverdiener nicht mehr zur Mittelschicht gehören – vermutlich wegen der ganzen negativen Folgen der Klimahysterie auf die deutsche Wirtschaft – sondern auch, dass es den deutschen Energie- und Automobilkonzernen mittlerweile so dreckig geht, das diese nicht einmal mehr ihre Lobby-Schreiber anständig bezahlen können.

Herr Miersch sieht weitere Beweise für die Privilegierung des „moralisch gerüsteten Mittelstands“: „Während die proletarische Bierdose verteufelt wird, steht die Einwegflasche für Wein unter Naturschutz. Zufall?“ Sicher nicht, denn: „Diese Schicht hat schon als Schülersprecher gelernt, ihre Interessen durchzusetzen.“ Als Erwachsene gehen dann diese ehemaligen Schülersprecher so weit, dass sie am „…Kaminfeuer… ihre ökosensible Seele wärmen…“ das sich inzwischen „…als schlimmste Feinstaubschleuder…“ erwiesen hätte. Mag sein. Rauchen schadet der Gesundheit, wie man weiss und die vielen von Kaminfeuern qualmenden Schornsteine etwa hier in Berlin verdunkeln den immer wieder zu Unrecht gescholtenen Autofahrern regelrecht die Sicht im Straßenverkehr. Aber wir sprachen doch vom „Global Warming“, wenn ich mich recht entsinne, und da spielt doch irgendwie die CO2-Emission eine Rolle – die beim Verbrennen von Holz genau dem vorher von der entsprechenden Pflanze immittierten CO2-Betrag entspricht? Oder ist das was anderes, wenn ehemalige „Schülersprecher“, „ökosensible Bildungsbürger“ bzw. „moralisch gerüstete Mittelständler“ da die dreckigen Finger mit im Spiel haben?

Dieser perfiden Bildungsbürger-Schicht ist ja schließlich alles zuzutrauen, etwa auch von den, diese Leute auch noch ernährenden, Ökobauern: Deren Verbände werben: „Bio ist prima fürs Klima!“, mit dem Argument, dass sie keinen Mineraldünger benötigen, zu dessen Herstellung fossile Brennstoffe verbrannt werden. Ein wahrhaft geschicktes Gegenargument zugunsten der Massentierhaltung macht sich Miersch da zu eigen: „Mehr Milch pro Kuh ist aktiver Klimaschutz!“ Konventionelle Bauernhöfe erzeugen mehr Milch, Fleisch und Eier pro Tier, die Tiere erreichen eher ihr Schlachtgewicht, leben also kürzer und brauchen weniger Futter. Und deswegen: „Sie stoßen weniger klimaschädliches Methan aus.“ Klingt etwas brutal, aber gut. Nur: Bauernbetriebe mit Massentierhaltung erzeugen nicht nur mehr Milch, Fleisch und Eier pro Tier und stoßen deshalb vielleicht pro Liter Milch, kg Fleisch und Ei weniger Methan aus – sie haben auch 100 mal mehr Tiere pro Betrieb als Ökobauern, was den möglicherweise vorhandenen kleinen Einspareffekt ad absurdum führt. Biologischer Landbau beruht doch gerade auf der Prämisse, die Massenproduktion tierischer Nahrungsmittel zugunsten pflanzlicher Nahrungsmittel zurückzufahren. Und was machen Pflanzen? Sie nehmen CO2 auf…

Biodiesel: Aller Anfang ist zu schwer. Lassen wir es lieber sein!

So wie Herr Miersch durch genaues Falschrechnen die ökologische Landwirtschaft als Klimasünder entlarvt hat, rechnet er sich weiter durch die klimahysterische Welt und findet – völlig überraschend – nichts als „Mogelpackungen“. Er nennt das auch gern „nähere Betrachtung“. Der „Verzicht auf Flugreisen“ zum Beispiel – ich vermute, er meint die Aufhebung der Steuerbefreiung von Flugzeugkerosin. Diese soll dazu führen, das Billig- und Kurzstreckenflüge nicht mehr weit unter dem Preis der entsprechenden Bahn- und Autofahrten angeboten werden können. Der Kosteneffekt auf Langstreckenflüge ist eher gering, da hier weit höhere Flughafensteuern und Flugpreise anfallen. Aber plötzlich macht sich Miersch Sorgen um „Umwelteffekte…“ wie „…der Ruin vieler Nationalparks in armen Ländern. Ohne Touristen ist Naturschutz dort einfach nicht finanzierbar.“ Wie überaus rührend. Oder Windkraftanlagen – eine weitere „Mogelpackung“: „Die Netzbetreiber müssen Reservekapazitäten für windstille Tage aufbauen, um die reibungslose Stromversorgung zu gewährleisten. Windkraftanlagen ersetzen also keine Kohlekraftwerke, sondern brauchen sie.“ Selbstverständlich sind Kohlekraftwerke die einzige Möglichkeit für Reservekapazitäten und nicht etwa das Netz selbst: Wenn es nämlich an einem Ort windstill ist, heisst das nicht, das es an jedem anderen Ort, der an das (europaweite) Netz angeschlossen ist, auch windstill ist. Oder die Sonne scheint. Und stellen Sie sich vor, Herr Miersch: Das gilt auch umgekehrt! Sie haben nämlich das Prinzip der dezentralen Energieversorgung nicht verstanden. Nein, Sie wollen es nicht verstehen.

Der parteiübergreifend aufgrund von ideologischen „Einflüsterungen“ von „Ökoexperten“ gepriesene Biodiesel hat nach Meinung von Herrn Miersch eine „klägliche Ökobilanz“: Pro Hektar Land werden nämlich nur höchstens 1.200 Liter Biodiesel erzeugt und dafür müsse ein Landwirt 150 Liter fossilen Kraftstoff der Ernte-, Extraktionsmaschinen, Transport und Raffinerierung aufbringen; noch einmal die 150 Litern fossilem Kraftstoff entsprechende Energie werde für die Herstellung des benötigten Düngers aufgewandt. Mit dem Einsatz von ¼ fossilem Kraftstoff werden ¾ Biokraftstoff erzeugt – das ist „kläglich“? Nein, das ist klägliche Argumentation. Aber darum geht es Miersch auch gar nicht: Er will verhindern, dass eines, nicht allzu fernen Tages alle entsprechenden Maschinen auf der Basis von Biodiesel laufen. Um dieses zu erreichen, muss die ausreichende Menge an Biokraftstoffen erst einmal kontinuierlich zur Verfügung stehen, damit die Technologien modifiziert und im praktischen Einsatz getestet werden können. Mierschs Scheinargument: „Ganz oder gar nicht“ kann für Technologie-Übergänge gar nicht gelten.

Klimaschädlicher Irrsinn ist es, tropische Regenwälder abzuholzen. Das ist lange bekannt. Nicht besonders originell, Herr Miersch, aber wenigstens endlich einmal ein Punkt, wo man Ihnen zustimmen kann. Aber meinen Sie wirklich, das geschieht „…im Dienste der Klimarettung“? „In Brasilien wird für Zuckerrohrplantagen zur Herstellung von Bio-Ethanol gerodet. In Malaysia und Indonesien brennen Plantagenfirmen den Dschungel ab, um Ölpalmen anzupflanzen.“ Das ist leider wahr. Aber ist es das Ziel Brasiliens oder Indonesiens, einem OPEC-Land, das 2010 vom Ölexporteur zum –Importeur wird, Malaysias oder auch der Philippinen – letztere drei Länder haben bereits eine „Biofuel-OPEC“ gegründet – damit zum Klimaschutz beizutragen? Ist es nicht vielmehr das Ziel dieser Länder, von denen drei hauptsächlich Rohstoff-Exporteure mit stark negativer Außenhandelsbilanz sind, einen Bioöl-Boom zu entfachen, vergleichbar der wahnwitzigen „Jagd nach dem schwarzen Gold“, welche nun mehr seit fast 100 Jahren ungebremst um den Globus geht?

Michael Miersch. Selbst er eine reine Energieverschwendung?

„Auch die als sauber geltende Wasserkraft ist nicht so umweltfreundlich, wie uns die Lobbyisten der Alternativenergien glauben machen wollen.“ Es gibt keine „Lobbyisten für Alternativenergien“, die „uns das glauben machen wollen“. Großwasserkraftwerke gelten schlicht nicht als „alternative“ oder erneuerbare Energien, da für sie Staudämme und Stauseen angelegt werden, die stark in den Naturraum eingreifen, was beispielsweise in tropischen Regionen – in denen jahrzehntelang solche Großprojekte von den Industrieländern gebaut wurden – zu riesigen Verdunstungsraten des Wassers führt. Damit ist das Prädikat „erneuerbar“ hinfällig. Großwasserkraftwerke galten und gelten schon immer als konventionelle Energien. Als „erneuerbare Energie“ wird dagegen die sogen. „Klein-Wasserkraft“ gewertet, Mini- oder Microturbinen, die an natürliche Flussgefälle angepasst werden können.

Neben Herrn Miersch selbst gibt es aber auch andere Produzenten heisser Luft, die wir leider nicht in nutzbare Energie umwandeln können: „Allein durch Brände in den Tropen und Subtropen wird alljährlich mehr Energie ungenutzt verschleudert, als Deutschland insgesamt umsetzt.“ Aber, „…es (kann) nicht falsch sein, sich auf mögliche Folgen des Klimawandels vorzubereiten.“ Huh? Welch überraschende Wendung… „Auch die Abkehr vom Öl ist auf jeden Fall richtig, selbst wenn sich die heutige Klimapanik später einmal als unbegründet herausstellen sollte. Ein Blick auf die Regimes der meisten Öl-Länder ist mindestens so gruselig wie ein Film von Al Gore.“ Meine Beine sind vom Schenkelklopfen schon ganz rot… Es soll übrigens niemand behaupten, Michael Miersch wäre nicht lernfähig. Nachdem jahrzehntelang Diktaturen in ölreichen Regionen unterstützt, finanziert und/oder geschaffen wurden (Saudi-Arabien, Iran, Irak, arab. Emirate, Ägypten, Indonesien…) hat Miersch jetzt auch schon gemerkt, dass das Diktaturen sind. Beeindruckend! „Energie sparen ist also grundsätzlich richtig… Die Effizienzrevolution ist im Gange… Ein permanenter Wettbewerb um effizientere Technik wäre die beste Antwort auf Ressourcenabhängigkeit und Klimawandel. Die Chancen dafür stünden am besten, wenn nicht nach deutscher Art von vornherein einige Technologien ideologisch ausgeschlossen würden.“ Ach! Allein, ich fürchte, ich weiss, worauf das wieder hinausläuft… Immer wenn diesen deutschen Wirtschaftslobbyisten nichts mehr einfällt, kommen sie mit der „deutschen Art“, um einen niederzumachen. Aber gleich darauf bieten sie einen Ausweg aus der „deutschen Depression“: „Atomtechnologie und Gentechnik könnten wichtige Komponenten für eine grüne Zukunft sein.“ Ressourcenunabhängige Nukleartechnologie und Gentechnik für eine grüne Zukunft! Um auf so originelle Ideen zu kommen, brauchen wir Köpfe wie Michael Miersch. Warum übrigens den eindeutig negativ belegten Terminus „grün“ verwenden und nicht z. B. strahlende Zukunft? Die Verknüpfung von Gentechnik und Klimadebatte fällt ihm dann – einmal in Hochform – auch nicht mehr schwer: „…Milliarden Rinder, Schafe, Schweine und Hühner stoßen nicht nur gewaltige Mengen Methan und andere klimarelevanten Gase aus, der Futteranbau für sie verbraucht auch riesige Flächen. Womöglich wird ein Ausweg in den Labors gefunden, in denen Wissenschaftler derzeit Fleisch aus Zellkulturen entwickeln.Womöglich…

…birgt Gentechnik aber auch Gesundheitsrisiken. Laut der französichen Forschergruppe CRIIGen haben Tierversuche an Ratten, die mit der Gen-Maissorte MON863 des US-Agrarkonzerns MONSANTO gefüttert wurden, zu Vergiftungserscheinungen an Leber und Nieren der Tiere geführt. (13/03 FR-Online.de)


…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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