Archiv der Kategorie 'Gedankenverbrechen'

Der Saar-tan Lafontaine

Als ich ein kleiner Junge war, betrachtete ich Journalisten als Helden. Ja, eines Tages wollte ich selbst einer von ihnen sein. Ich sah sie als Intellektuelle in leicht abgeschabten Tweed-Anzügen, die kettenrauchend an ihrem Schreibtisch saßen und die Wahrheit in ihre kleinen schwarzen Schreibmaschinen hämmerten, die sich von nichts und niemandem aufhalten liessen in ihrem sisyphos-haften Kampf für das Gute und Gerechte in dieser Welt. Dabei lebten sie gefährlich, schufen sie sich doch mit Diktatoren, Geheimdiensten, Politikern, Konzernbossen, der Mafia und anderen Verbrechern mächtige Feinde. Das alles taten sie im Auftrag der Öffentlichkeit, der vierten Instanz im Staate, die, einmal aufgeklärt über die dunklen Machenschaften im Hintergrund, dafür sorgte, dass diese Verbrecher auf dem Müllhaufen der Geschichte landeten… Und der unbesungene Held, der Journalist, lächelte leicht, zündete sich eine neue Pfeife an und wandte sich dem nächsten Thema zu. Aber die Heldenverehrung eines kleinen Jungen zerbrach, wie so viele andere kindliche Illusionen auch. War ich noch als 12-,13-jähriger begeisterter SPIEGEL-Leser, der angeblich MEHR wusste, so änderte sich das, unmittelbar als ich lernte, im Kontext zu lesen. Und plötzlich war das schwarze gedruckte Wort auf weissem Hintergrund, an dass ich so unverbrüchlich geglaubt hatte, (fast) nichts mehr wert. Im SPIEGEL standen Dinge über „uns“ undankbare Ossis, die ich so nicht bestätigen konnte. Beinahe alle Zeitungen, quer durch die Bank, redeten Mitte der 1990er Jahre einen neoliberalen Markttotalitarismus herbei, in dem Gier, Profitsucht und Egoismus – die niedrigsten Instinkte – plötzlich zu den edelsten menschlichen Werten erklärt wurden. „Sozialismus funktioniert nicht“, „das Ende der Geschichte“ sei erreicht, es gäbe nur noch ein überlebendes System, dass sich quasi-evolutionär durchgesetzt habe – und dem man sich jetzt bedingunslos unterordnen müsse, so tönte es damals. In der Rückbetrachtung könnte man angesichts der  gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise jetzt mit einem simplen Schulterzucken erwidern: „Kapitalismus wohl auch nicht. Zumindest nicht so. Und zumindest nicht nur. Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues?“

In der deutschen politischen Landschaft wird letztere Position wohl am ehesten von der Linken und ihrer „Galionsfigur“ Oskar Lafontaine vertreten. Doch das darf nicht sein,im Wahlkampfjahr, so scheint es. Denken verboten, Hinterfragen verboten und gar die Systemfrage zu stellen in unseren Tagen, das… das ist infam. Und das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb dominiert seit Monaten in seltener Einhelligkeit von der „linksliberalen“ FR und „Zeit“ über das ZDF bis in Springers „Welt“ die Darstellung von Lafontaine und „der Linken“ als wirre Spinner, Populisten, aggressive Demokratiefeinde, Linksnazis. Die Saarbrücker Online Zeitung über das „ZDF-Sommerinterview“ mit Lafontaine:

Einen wirkungsvollen Auftakt bildete das ZDF-Interview mit dem Leiter des Hauptstadtbüros Berlin, Peter Frey am 12. Juli 09 in Saarbrücken. Dieser machte es praktisch unmöglich, sich von den Argumenten der Linken ein Bild zu machen, indem er unablässig die Person seines Gesprächspartners angriff. Der ZDF-Interviewer sprach anschliessend von Lafontaine als “dünnhäutig”, “verunsichert” , aus der “Fassung” geraten, als einem Mann der “kaum ruhig stehen kann”. Ähnlich fielen z.B. Organe der WAZ-Gruppe nach dem ZDF-Sommerinterview über Lafontaine her: er ist “umstritten”, “angefressen”, er “giftet”, “meckert” mit “gefrorenem Lächeln”, er “poltert”, er “mault”, ist “immer aufgeregter” und er ist “erkennbar angeschlagen”.

Die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Gift und Galle“ (die Lafontaine spucke, natürlich) über dasselbe Interview:

Dem Linken-Chef bereitete es sichtlichen Verdruss, mit welcher Hartnäckigkeit Frey auf seinem Rücktritt als Bundesfinanzminister im Jahr 1999 herumritt. „Wenn es brenzlig wird, wirft er hin“, laute ein gängiges Urteil über ihn, hielt Frey Lafontaine vor. Man solle doch „nicht so dämlich von hinschmeißen reden“, regte sich der sich auf. Mehrfach raunzte Lafontaine den Interviewer an: „Unterbrechen Sie mich nicht ständig“ und bügelte Fragen rüde ab: „Sie wissen doch, dass das ein Witz ist.“ [...] Als Lafontaine, dem das Rechthaben schon immer sehr wichtig war, davon sprach, dass es inzwischen auch „anständige Journalisten“ gebe, die ihm attestierten, richtig gelegen zu haben [...]

Die „Frankfurter Runschau“ schreibt über die ZDF-Wahlkampfsendung „Illner Intensiv“ unter dem Titel „Surreale Verschwörungstheorien“ (Lafontaines, selbstverständlich):

Auch Einspielfilmchen gehören zu „Illner Intim“ (oder so). Da tanzen Marx, Lenin, DDR-Funktionäre und Linke-Personal als Zombies zu Michael Jacksons „Thriller“ über die Gräber. Da werden Linke-Forderungen vor rosa Hintergrund als Seifenblasen auf den Schirm gepustet. [...]

Und der [Lafontaine] holt zur ganz großen Verschwörungstheorie aus: Die Medien in Deutschland, sagt er ungestört in einem deutschen Medium, seien ja in den Händen von zehn reichen Familien, und in deren Interesse liege es nun mal, die Linke klein zu halten. Jetzt muss er nur noch von jüdischen Familien reden, dann darf er bei der NPD eintreten, die redet genauso.

Damit hat der Saarkasper denn auch das Mitleid verspielt, das angesichts der ZDF-Inszenierung aufkommen könnte. Denn mit ein paar Höhenmetern Abstand, schon von der alleruntersten Metabene, sieht „Illner intrigant“ ganz, ganz hässlich aus. Zombie-Filme, DDR-Gesichter, wertend inszenierte Umfragen [...]

Der saarländische Napoleon-Imitator in seiner grenzenlosen Gier nach Aufmerksamkeit quält sich sogar noch ein falsches Lachen ab [...] Nicht, dass wir bei dem Herrn ein Rückgrat vermutet hätten – aber jeden Blödsinn muss man nicht mitmachen, selbst um der Sache willen nicht, falls die bei dem Herrn noch eine Rolle spielt.

Die „Welt“ (na gut, „die Welt“…) hat Lafontaine gar gleich als Verfassungsfeind entlarvt und berichtet über dieselbe „Illner Intensiv“-Sendung unter der Überschrift „Lafontaine stellt bei Illner die Demokratie in Frage“:

Irgendwie war „Illner Intensiv“ nur noch die Ein-Mann-Show des Oskar Lafontaine. Selbst wenn er gar nicht gefragt war, antwortete der Partei-Chef der Linken auf das Fragen-Bombardement der Moderatorin Maybrit Illner. Er stellte dabei aber nicht nur die Existenz der demokratischen Ordnung in Deutschland in Frage, sondern vor allem die Regierungsfähigkeit seiner Partei.

Angesichts der sinkenden Umfragewerte scheint die Linkspartei am Ende der Wirtschaftskrise in eine Parteikrise zu taumeln [...]

Lafontaine dagegen spricht lieber davon, dass das Programm, das unter anderem ein staatliches Ausgabenpaket von 300 Milliarden Euro pro Jahr vorsieht, kompromisslos ist. „Ein Parteiprogramm orientiert sich nicht an Kompromissen, sondern stellt die Positionen der Partei dar“, sagte er. Das klingt zwar ein bisschen besser, sagt aber auch nur, dass sich die Linken mit ihrem Programm selbst nicht als regierungsfähig betrachten.

Bei Linkspartei geht es mittlerweile offenbar nur noch um Protest pur. Sie präsentieren sich fast wie tanzende Partei-Zombies, wie die Illner-Redaktion in einem Einspieler zeigte, der mit der Musik von Michael Jacksons Thriller untermalt war. [...]

Ist es wirklich eine „surreale Verschwörungstheorie“ Oskar Lafontaines, dass die Mainstream-Medien offenbar kein großes Interesse an einer objektiven Berichterstattung über seine Person und „die Linke“ hätten? Es ist m. E. deutlich, dass sich viele Medien in einem „Klassenkampf“ um die gescheiterte neoliberale Ideologie sehen, die sie vor wenigen Jahren noch im Brustton der Überzeugung heraustrompeteten, womit nicht zuletzt sie auch eine Mitverantwortung an der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise tragen.

Homer Simpson for President!

Anlässlich des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos äußerte sich der Soziologe und Reichtumsforscher Prof. Hans Jürgen Krysmanski im stern.de-Interview über Netzwerke des Geldes und der Macht und den Diskurs der Eliten.

„Das World Economic Forum ist etwas Besonderes geworden, weil dort Spitzenmanager mit Vertretern anderer Eliten in Berührung kommen. Das ist ja gar nicht selbstverständlich. [...] aufstrebende Politiker aus Afrika auf, die Musiklegende Brian Eno [...], Hollywoodstar Angelina Jolie [...] Wissenschaftler [...] alle verständigen sich selbstverständlich über Fragen, die jeden Menschen auf der Welt betreffen, aber es ist ein Diskurs unter Eliten für Eliten. Wenn dabei etwas für die Massen „abfällt“, ist das eher Zufall. „

„Davos ist ein Symbol für die Privatisierung der Macht. Schon längst sind große transnationale Konzerne mächtiger als die meisten Regierungen [...] Politische Macht ist abgewandert in die Finanzsphäre und in die Hände einer neuen Managerklasse, die über informelle Netzwerke weltweit politisch wirksam wird. [...] Dieser Primat der Politik aber wird derzeit in einem erschreckenden und noch gar nicht begriffenen Ausmaß ausgehöhlt. [...] gerade auch in den Bollwerken der westlichen Demokratie [...]„

„Wir sprechen von tausend bis zweitausend Milliardären, von hundert- bis zweihunderttausend Personen mit einem frei verfügbaren Geldvermögen von je über 30 Millionen Dollar weltweit. Das ist eine winzige Gruppe. Und doch scheint der auf dieser Welt produzierte Reichtum in diese Richtung zu fließen [...]„

Wie ist vor diesem Hintergrund das Wahlspektakel in den USA zu bewerten?

„Politische Macht ist unsichtbar geworden und zugleich weiß jedermann, dass es sie gibt,“

sagt Krysmanski (bezugnehmend auf Davos).

„Deshalb wird diese neue Form der Macht in prächtigen Schaubildern inszeniert.“

Dieser Eindruck drängt sich beim US-Vorwahlkampf allerdings auch auf. Sind Politiker als vom Volk gewählte Repräsentanten inzwischen mehr oder weniger Polit-Darsteller auf der Bühne der öffentlichen Aufmerksamkeit? Kaum mehr als Comic-Figuren, auf die sich Träume und Hoffnungen von Millionen marginalisierter Bürger projizieren?

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Welchen dieser Kandidaten würden Sie wählen? (Quelle 1, 2)

Die schon immer – diesmal aber besonders starke – Art der Personalisierung mag ja dem ganzen Schauspiel die Spannung einer Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft verleihen, lassen wir uns davon aber nicht allzusehr mitreissen und vergessen über den ganzen bunten Bildchen die wirklich wichtigen Fragen zu stellen? Wer zahlt und v. a. warum zahlt jemand für das ganze Spektakel? Laut der „Federal Election Commission“ könnte der gesamte Präsidentschaftswahlkampf diesmal nicht nur die 1-Mrd.-US$-Schallmauer durchbrechen, sondern direkt die 2-Mrd-US$-Schwelle erreichen. Lagen die Kosten der Präsidentschaftswahl 2004 insgesamt noch bei 693 Mio. US$, wurden bis jetzt -obwohl die eigentliche Präsidentenwahl erst am 04. November stattfindet- schon fast 600 Mio. US$ an Spenden eingesammelt. Und diesmal liegen die demokratischen Präsidentschaftsbewerber mit ihren „Kriegskassen“ weit in Führung – obwohl die Republikaner gemeinhin als Vertreter der US-Großindustrie betrachtet werden: Hillary Clinton sammelte 118 Mio. US$, Barack Obama 104 Mio., gefolgt von Mitt Romney mit 90 Mio., John McCain mit 42 und Mike Huckabee mit nur 9 Mio. US$. (Quelle) Wer immer die noblen Spender sind -von Obama heisst es, das hauptsächlich kleine Spender zu seiner Wahlkampfkasse beitragen würden und er Geld von „der Wall Street“ ablehne und von Romney, dass er einen Großteil aus seinem eigenen Multi-Millionen Doller-Vermögen eingebracht habe- zeichnet sich hier bereits eine Entscheidung um das Präsidentenamt ab?

Für das Geld wird uns aber auch eine perfekt inszenierte Multmedia-Show geboten, bei der mich (natürlich) insbesondere Barack Obamas Kampagne beeindruckt: „Change – we can believe in“: Partizipation, gelebte Demokratie, eine bessere Zukunft und ein neues Amerika. Der USA-Korrespondent der „Wirtschaftswoche“, Dieter Schnaas, berichtet über eine Wahlkampfveranstaltung in South Carolinas Hauptstadt Columbia am 25. Januar, dem Tag vor den Vorwahlen:

Amerika steht vor dem Ruin, ruft Obama, die Regierung sei ein Synonym für Korruption und Vetternwirtschaft, Washington ein Sammelbegriff für die Herrschaft von Lobbyismus und Unternehmensinteressen, Amerikas internationale Reputation durch eine bornierte Klimapolitik und dumme Kriege dahin […] [Aber eine Wandel ist möglich], durch eine nationale Anstrengung, [...] im Namen aller Amerikaner [...] durch ein Ende der alten Grabenkämpfe zwischen Demokraten und Republikanern, durch einen neuen Anfang und eine überparteiliche Politik des gesunden Menschenverstandes, die zum Beispiel nicht wollen kann, dass 47 Millionen Amerikaner nicht krankenversichert sind.

„Hoffnung“, ruft Obama, „bedeutet nicht, dass man sich etwas wünscht, sondern dass man sich Ziele setzt, um sie kämpft, sich für sie abrackert – und manchmal auch für sie stirbt“.

Einen Tag seinem Vorwahlsieg in South Carolina erhält Obama Unterstützung durch die liberalen Säulenheiligen Amerikas, den Kennedy-Clan:

„Ich habe keinen Präsidenten erlebt, der mich so inspiriert hat, wie mein Vater andere Menschen inspiriert hat“, schreibt John F. Kennedys Tochter Caroline in der „New York Times“, „und ich glaube, in Barack Obama den Menschen gefunden zu haben, der dieser Präsident sein könnte…“

Die anderen Präsidentschaftskandidaten konnten sich dem Sog von Obamas „Change“-Kampagne nicht entziehen: Hillbilly R. Clinton predigt den „cleverern Wandel“ und John Edwards (im Achtelfinale ausgeschieden) „wirklichen Wandel“, auch die republikanischen Kandidaten präsentieren sich als Erneuerer und der amtierende Präsident George W. Bush könnte, um einen von ihnen zu bestrafen, auf dessen Wahlkampfveranstaltung auftreten.

Ach, ist das schöööööööön, und es könnte dem Autor die Tränen in die Augen treiben – wenn, ja wenn ich religiös wäre. Ich glaube nicht an Erlöser. Politische Heilsversprechen mit dem Potenzial, dass sich alles von nun an in Richtung einer anderen, besseren Welt bewegen wird, dass der Zeiger einer Richterskala nach all den Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu weit ausgeschlagen ist und sich nun wieder zurückbewegen muss, hat es schon zu oft gegeben – man denke etwa an Präsident Lula in Brasilien oder Nelson Mandela in Südafrika. Und Präsidentschaftskampagnen, die hunderte Millionen Dollar kosten, können nicht die „Interessen des kleinen Mannes“ gegen die Strukturen und Netzwerke des „großen Geldes“ vertreten. Millionensummen würden nicht fliessen, wenn Unterstützer nicht ein „Shareholder Value“ des entsprechenden Kandidaten nach Antritt der Präsidentschaft erwarten würden.

Vorbehaltlos unterstützte ich deshalb nur eine einzige Kandidatur, die Homer Simpsons, welche er hier in der „Late Show with David Letterman“ ankündigt.

[Den besten Punkt der Top-Ten-Liste "Gründe, warum Homer Präsident werden sollte" finde ich No. 8: "FOX News (welches "The Simpsons" in den USA ausstrahlt) hätte ich in jedem Fall auf meiner Seite."]

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„Gottesstaat“ USA: Die Präsidentschaftswahl 2008 und der Kampf um die Deutungshoheit über dem Altar

Nokia: „Collecting Subsidies, Dismissing People“ – Subventions-Kartell in Politik und Wirtschaft

Das Fallbeispiel Nokia Bochum verdeutlicht wieder einmal die innere Logik des Kartells aus Politik und Ökonomie, das über den Köpfen der Bevölkerung, von der ja eigentlich „alle Macht ausgehen soll“, in den Himmel zementiert ist und mit Tausenden Menschen Schicksal spielt. Konzerne, de jure ja Rechtspersonen, scheinen de facto etwa soviel gesellschaftliche Verantwortung zu haben wie „jugendliche Intensivstraftäter“. Gemäß der derzeit herrschenden neoliberalen Marktideologie geniesst der Konzern als Rechtsperson jedoch den Status eines „hyperanthropos“, eines Übermenschen, der alle Recht besitzt, aber keine Pflichten, außer: Profit erwirtschaften, d. h. seinen ureigensten Interessen durchsetzen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das Prinzip, das die Grenzen der Freiheit des Einzelnen dort beginnen, wo sie die Freiheit des anderen verletzen, ist damit ausser Kraft gesetzt.

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[mit freundlicher Genehmigung des Spiegelfechter(s)]

Europaweit konkurrieren Kommunen um Investoren und lassen sich dabei oft genug auf einen Subventionswettkampf ein, bei dem das Motto lautet: Geld gegen Arbeitsplätze. Niemand könne ermessen, wie groß die Finanzströme aus Fonds der EU und Länder seien, da die Verfahren aus sich überlagernden Zuständigkeits-Ebenen so undurchsichtig sind, so Alfred Boss, Subventionsexperte des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel laut zeit.de, „Die Mittel, die dort fließen sind beträchtlich“, auch böten viele Kommunen Investoren billiges Bauland oder erleichterten ihnen bürokratische Verfahren. So unübersichtliche die mäandrierenden Verästelungen der Subventionsströme auch sein mögen, ihr eigentlicher Ursprung steht dennoch fest: die Tasche des Steuerzahlers.

Selbst Wirtschaftsideologenexperten kritisieren anlässlich des Falls Nokia Bochum die Subventionspraxis, schieben -natürlich- den schwarzen Peter der Politik zu und stellen damit erneut ihren Tunnelblick unter Beweis: Man solle auf direkte Subventionen verzichten und stattdessen eine „klügere Wirtschaftsförderung“ betreiben. Der Standort müsse durch andere Dinge „attraktiver“ gemacht werden. „Etwa durch Förderung der Spitzenforschung oder eine gute Ausbildung der Arbeitsbevölkerung“, sagte Hilmar Schneider vom Institut zur Zukunft der Arbeit laut zeit.de.Für viele Firmen sei es vorrangig, dass an „Standorten“ gut ausgebildete Ingenieure und Techniker vorhanden sind. Herrn Schneider scheint es dabei völlig entgangen zu sein, dass all dies längst passiert ist: Der Strukturwandel im Ruhrgebiet dauert bereits seit 40 Jahren an, eine Stadt wie Bochum mit nur 375.000 Einwohnern verfügt über die viertgrößte Universität Deutschlands und fünf Fachhochschulen.

Das Subventions-Kartell aus Wirtschaft und Politik hat ein hauptsächliches Interesse: die kurzfristige Profitmaximierung auf Kosten des Steuerzahlers und -mit der Überschuldung öffentlicher Haushalte (Bochum hat 881 Mio. € Schulden) sowie der monostrukturellen Verschandelung des Naturraums (an der „Industrieleiche“ Ruhrgebiet besonders gut zu erkennen)- zu Lasten zukünftiger Generationen. Für Konzerne steht das Abzocken von Investitionen im Vordergrund, die sie als „Reingewinn“ ohne Produktionskosten in ihre Bilanzen schreiben und den Aktionären präsentieren können. Politiker schöpfen das Geld aus öffentlichen Kassen ab, um ihren Wählern schnelle Erfolge zu „verkaufen“. Was hinter den Kulissen an informellen Netzwerken zwischen einzelnen Politikern und Wirtschaftsakteuren abläuft, ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Auch wenn bei den nächsten Tarifrunden das im-Chor-Blöken von Politikern, Wirtschaftsexperten und -lobbyisten und Journalisten nach „Mäßigung“, „Lohnzurückhaltung“ um den „Standort Deutschland“ nicht zu gefährden, ansteht, sollte der Fall Nokia Bochum nicht vergessen werden. Die Nokia-Beschäftigten hatten mehrmals auf Lohnerhöhungen verzichtet und Arbeitszeitverlängerungen zugestimmt, weil sie dachten, sie sicherten damit ihre Arbeitsplätze. Wie Bochums oberster „Wirtschaftsförderer“ Dirks laut SZ bestätigte, arbeitet das Werk in Bochum profitabel und die Argumentation Nokias mit zu hohen Lohnkosten sei unverständlich „…die machen weniger als fünf Prozent der Produktionskosten aus“. Die Abwanderung eines profitablen Unternehmens findet Dirks „…menschlich enttäuschend.“

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Nokia erhielt seit 1995 von Bund, NRW und der Stadt Bochum Subventionen von insgesamt 88 Mio. Euro und hatte sich im Gegenzug verpflichtet, in Bochum langfristig 2856 Arbeitsplätze zu erhalten.Derzeit arbeiten allerdings nach Firmenangaben nur noch 2300 Beschäftigte im Werk. Von der Schließung sind auch 2000 Leiharbeiter und Angestellte von Zulieferern betroffen. (SZ) Eine Erklärung, warum Nokia das Bochumer Werk ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt schliesst, lieferte der NRW-Bundestagsabgeordnete der Linken, Hüseyin Aydin: Die vereinbarte Rückforderungsfrist der Subventionen durch das Land NRW, falls Nokia seinen vertraglich geregelten Verpflichtungen nicht nachkommt, ist gerade abgelaufen.

>>UPDATE: Nokia-Image im freien Fall. Der Schaden ist laut einer Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics AG deutlich: „Das Image von Nokia hat in den vergangenen Tagen deutlich gelitten“, sagte Projektleiterin Bettina Willmann – und zwar „fast erdrutschartig“. Laut einer repräsentativen Befragung von 1.000 Bundesbürgern durch das Marktforschungsinstitut hat sich überdurchschnittlich positive Wahrnehmung der Marke Nokia umgekehrt: Beim Arbeitgeber-Image fiel Nokia vom ersten auf den letzten Platz der Branche. Auch die Verbraucher-Wahrnehmung von Qualität und Preis fiel innerhalb der letzten Tage deutlich ab. Letztere Bewertungen werden laut Willmann  Auswirkungen auf den Absatz von Nokia-Handys haben.

„Subventioniert, Abkassiert“; Oeffinger Freidenker

„Stern“-Umfrage: Gute NS-Zeiten, schlechte NS-Zeiten

In dem sehr lesenswerten Blog von Frau Silverblick fand ich einen Artikel über eine „Forsa“-Umfrage im Auftrag des „Stern“ laut dieser angeblich 25 % aller Deutschen der Meinung wären, das Dritte Reich „hätte auch gute Seiten gehabt“. So weit, so empörend. Mein Gott, was ist nur mit diesen Deutschen wieder los, das is ja fürchtabah – unbelehrbare, vestockte, ewige Nazis…

Kommen Sie mal runter, verehrte Leser.

Mal ehrlich: Gibt es tatsächlich irgend jemanden, der glaubt, ein Viertel aller Deutschen wünschten sich klammheimlich „den Füührrrräääähh“ zurück? Ich meine, glaubt das irgend jemand ernstzunehmendes außer irgendwelche ideologisch verstrahlten, „antideutschen“ Hirne? Schauen wir uns doch den betreffenden „Stern“-Artikel mal näher an:

„Auf die Frage, ob der Nationalsozialismus auch gute Seiten gehabt habe, wie etwa den Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie, antworteten 25 Prozent der Befragten mit ja.“

So was nennt man eine Suggestivfrage. Und diese sind bei statistischen Befragungen, zumindest bei wissenschaftlich-objektivierbarem Anspruch, absolut unzulässig. Mit solchen Fragen können Sie herausfinden was immer Sie wollen. Es ist doch fast schon eher erstaunlich, dass sich immerhin 75 % der üblicherweise 1025 telefonisch Befragten die Frage genau anhörten und reflektierten und mit „Nein“ antworteten. Gut, aus Sichtweise der „Stern“ irgendwie verständlich, dass man keine teure „Forsa“-Umfrage bezahlt, ohne Ergebnisse rauszubekommen, die zumindest eine spektakuläre Schlagzeile liefert. Das nennt man wohl Marktwirtschaft.

So produziert man Nachrichten, die keine sind… Als nächstes kommt dann gleich wieder SPRINGEL ONLINEs Claus Christian Mahlzahn mit der Zweitverwertung und fordert „Re-Education“ der Deutschen, die eigentlich alles noch verkappte Faschisten und – noch schlimmer – „Antiamerikanisten“ sind, weil sie nicht alles so ganz so toll finden, was der nette Onkel Bush so macht.

Und so läuft die mediale Empörungsmaschinerie weiter und weiter, produziert Plattitüde um Plattitüde und lenkt von den wirklichen Problemen ab. Zum Beispiel, ist ja nur ein Vorschlag, ob die globale Apartheid zwischen Entwicklungs- und Industrieländern und die wachsende soziale Kluft zwischen Arm und Reich Symptome einer Art von „strukturellem Faschismus“ sind und der globale „Kampf gegen den Terror“ eine Nebelwand ist, die davon ablenken soll…

Und zum unsäglichen Medienspektakel Frau Herman, in deren Dunstkreis diese ganze „Stern“-Story eingebettet ist, bleibt eigentlich nicht mehr zu sagen, als dass Bücher von Nachrichtensprechern im allgemeinen völlig überbewertet werden.

Terror (böse) und Anti-Terror (gut)

novaexpress Am frühen Freitagmorgen wurden in London zwei Autobomben gefunden und entschärft. In zwei Mercedes in Haymarket und Piccadilly Circus fand die Polizei Konstruktionen aus Gasflaschen, Benzin und Nägeln. Angeblich soll der Spengsatz nach Plänen gebaut worden sein, die „Al Qaida“ im Internet veröffentlichte. Ausserdem raste ein brennender Jeep – ebenfalls mit Gasflaschen an Bord – in das Hauptterminal des Glasgow International Airport. Die beiden Insassen wurden verhaftet bzw. derjenige mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Ansonsten erlitten fünf Passanten leichte Verletzungen. Der Flughafen Glasgow wurde geschlossen, ausserdem die britische Terroralarmstufe auf das höchste Level „kritisch“ gesetzt. BBC-Korrespondent Danny Shaw spekulierte, da Commissioner Peter Clark, der Leiter der Londoner Ermittlungen, nach Schottland reiste, liege den Verdacht nahe, die Terrorattacken von London und Glasgow könnten von derselben Terrorzelle ausgeführt worden sein.

Bei Bombenangriffen im Rahmen des Kampfes gegen den Terror wurden am Samstag morgen in der afghanischen Provinz Helmand über 30 Zivilisten getötet und Dutzende verletzt, meldete die Provinzverwaltung. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder. Ein Sprecher der US Air Force sagte, ISAF (International Security Assistance Force) – Truppen hätten Luftunterstützung angefordert, weil sie von aufständischen Taliban-Kämpfern beschossen worden seien. Die USAF hätte alle feindlichen Stellungen zerstört und ausserdem Berichte über mögliche Zivilisten unter den Todesopfern erhalten.

Quellen:

01/07 BBC News
30/06 Reuters

Die Terroranschläge in Großbritannien schlugen fehl, was wohl an ihrer dilletantischen Planung und Ausführung lag. Bisland gibt es keine Beweise dafür, dass sie im Zusammenhang mit islamistischen Gruppen um „Al Qaida“ stehen. Es gibt auch keine Bekenntnisse, etwa auf gimf1.wordpress.com. Es stellt sich sowieso die Frage, wie ein Beweis für die Schuld des globalen Medienphantoms „Al Qaida“ aussieht und wie dann Querverbindungen zu irgendeinem Ort auf der Erde, den man bombardieren kann, hergestellt werden können.

In Afghanistan fielen am Samstag über 30 Zivilisten Bombardierungen zum Opfer. NATO- und US-Truppen kämpfen gegen „aufständische Taliban“. Eigentlich galt Afghanistan als bereits von den Taliban „befreit“ – es könnte allerdings sein, dass die Zivilbevölkerung ausserhalb der Hauptstadt Kabul das bislang noch nicht so mitbekommen hat. Wir sollten die Augen schließen und uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass NATO-Truppen in Afghanistan in unserem Namen gegen das Böse kämpfen. Damit wir das nicht vergessen. Und der Kampf gegen das Böse fordert – wie jeder Krieg – unschuldige Opfer. Nicht bei uns, zum Glück. Wer weiss, ob wir dann zu solch feinen Differenzierungen: Zivilisten wurden aus guten und aus bösen Motiven von einer Bombe zerfetzt, noch in der Lage wären?

Freiheit statt Neoliberalismus

novaexpress Lorenz v. Stein schrieb in der „Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich“ (1850):

„Wenn die nichtbesitzende Klasse die Herrschaft über die Staatsgewalt aus dem abstrakten Begriffe der rein demokratischen Gleichheit durch die Zahl der Stimmen erreichen will, so wird die besitzende Klasse ihr natürlicher und unversöhnlicher Feind sein, und der Staat wird der Gewalt der Waffen und damit dem Untergang der Freiheit anheimfallen.“ […] „Wenn die besitzende Klasse die Herrschaft über die Verwaltung wesentlich im Interesse des Besitzes ausübt, so wird sie die nichtbesitzende Klasse zu ihrem natürlichen und unversöhnlichen Feinde haben, und auch dann wird die Ordnung der Dinge in Gewalt untergehen.“ […] „Wenn dagegen die besitzende Klasse die Staatsverwaltung im Sinne der nichtbesitzenden Klasse zur Hebung des Loses der Arbeiter, für ihre Bildung und die Möglichkeit eines, wenn auch nur allmählichen, Kapitalerwerbs bietet, so wird diese Klasse in dem Maße mehr gleichgültig gegen die Form der Verfassung sein, in welchem die Interessen derselben mehr gefördert werden.“

Die drei Unterscheidungen, die Lorenz v. Stein trifft, bezeichnen drei Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme: „Kommunismus“ im Sinne von Marx, als Diktatur der Bevölkerungsmehrheit der Lohnarbeiter bzw. „Proletarier“. (Nicht der – ehemals – real existierende Sozialismus, der eine Herrschaft einer Minderheit von „Berufsproletariern“ bzw. Parteifunktionären war). Den zweite Fall v. Steins würde man heute als „Neoliberalismus“ bezeichnen: Die Funktion des Staates beschränkt sich im Wesentlichen darauf, die Eigentumsrechte der „besitzenden Klasse“ zu garantieren – alle anderen gesellschaftlichen Aufgaben werden von der „unsichtbaren Hand“ des allwissenden und allgegenwärtigen Marktes wahrgenommen. Die dritte, von v. Stein als Mittelweg und gleichzeitig Idealfall angenommene, Unterscheidung ist die soziale Marktwirtschaft bzw. der „Wohlfahrtsstaat“ oder keynesianische Staat.

Der keynesianische Wohlfahrtsstaat lag in der Periode nach dem zweiten Weltkrieg allen Wirtschafts- und Sozialsystemen der westlichen Industrieländer zugrunde. Der Aufbau der Sozialsysteme v. a. nach dem zweiten Weltkrieg geschah unter erheblicher steuerlicher Belastung der Privatwirtschaft – das „Laissez-Faire“-Prinzip des Kapitalismus wurde aufgegeben. Das staatliche, soziale Vorsorgeprinzip der westlichen Industrieländer (Grundsicherung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeitnehmerpartizipation, sozialer Wohnungsbau u. a.) erfüllte zwei wesentliche Aufgaben: Zum einen zog die Politik die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, bei der es sich um eine Deflationskrise handelte, und die als eine der wesentlichen Ursachen für den zweiten Weltkrieg ausgemacht wurde. Die Deflation lässt sich mit den gängigen Marktmechanismen, Lohnsenkungen und Kürzungen der Staatsausgaben, nicht bekämpfen, diese verstärken nur die Krise. In den „Lehren des reinen Marktes“, Laissez-Faire und Neoliberalismus, kommt die Deflation auch nicht vor. Zum anderen diente der Wohlfahrtsstaat in der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges den Ländern des „Westblocks“ als Stabilisierung und Absicherung der eigenen Bevölkerungen gegen die Ausbreitung des „Kommunismus“ des „Ostblocks“. Insofern bedeutete der Zusammenbruch des Ostblocks um 1990 nicht nur das Ende des „Sozialismus“ in den Ostblock-Ländern, sondern auch das Ende des „Sozialismus“ in den westlichen Industrieländern.

Die entwickelten kapitalistischen Industrieländer haben ein entscheidenes Problem zu lösen: Das wesentliche Merkmal des Kapitalismus ist, die Produktionskosten und damit die Lohneinkommen zu senken. Mit der Lohnsenkung sinkt die Binnennachfrage nach den im Land erzeugten Konsumgütern. Das Sinken der Konsumgüternachfrage wirkt sich nur so lange nicht auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus, wie sie durch die Nachfrage nach Investitionsgütern zur Modernisierung der Produktion und Innovation neuer Produkte ausgeglichen wird. Dieser Ausgleich findet in entwickelten kapitalistischen Industrieländer nicht mehr in ausreichendem Maße statt: Die Arbeitsproduktivität befindet sich bereits auf einem sehr hohen Niveau (moderne Produktionsanlagen, hohes erwirtschaftetes Bruttosozialprodukt je Arbeitnehmer). Auch der Konsumgüteranteil an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist in den Gesellschaften der entwickelten Industrieländer niedriger als in durchstartenden Ökonomien der „take off-countries“ oder zu Zeiten des „Wirtschaftswunders“. Mit Ausnahme von sogen. Modernisierungsschüben (z. B. die Computerisierung von Produktion und Konsum) ist somit in entwickelten Ökonomien die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stets niedriger als als die Produktionskapazitäten. Die Folge: Massenarbeitslosigkeit.

Die Lösung des politischen Keynesianismus für diese Problematik besteht in der Stärkung der Konsumgüternachfrage durch politische Steuerung, oder wie Neoliberalisten es nennen würden, staatliche Eingriffe in den freien Markt. Das Ziel des Keynesianismus lautet Vollbeschäftigung, also die Stärkung der Binnennachfrage und damit der Konsumgüternachfrage. Um dieses zu erreichen muss der Staat über zahlreiche Kompetenzen verfügen, die die Autononie des Unternehmertums und des Kapitals zunehmend einschränken. Dies bedeutet die weitestgehende gesellschaftliche Entmachtung der Kapitaleigner und deren Unterwerfung unter die politischen Entscheidungen der demokratisch legitimierten Verfassungsorgane. Dieser Vorgang wird von Neoliberalisten auch als „Einschränkung der Freiheit“ bezeichnet. Die „Befreiung des Kapitalismus von den staatlichen Fesseln“, die „Deregulierung“, ist also letztlich nichts anderes als die „Ent-demokratisierung“ der mächtigsten gesellschaftlichen Kräfte.

Die Deregulierung oder Neoliberalisierung erfordert ein hartes Durchgreifen gegenüber der von Sozialstaat geprägten Gesellschaften der entwickelten Industrieländer. Dies geschieht durch eine Ideologisierung der Wirtschaftstheorie des uneingeschränkten Kapitalismus, der sich in Form des „Laissez-Faire“-Kapitalismus schon in der 1930er Jahren als katastrophal falsch erwiesen hat. Der „globale Wettbewerb“ bzw. die Globalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang nichts anderes als die globale Allmacht der Kapitaleigner, gänzlich befreit von der demokratischen Kontrolle der Gesellschaften, die dieses Kapital erwirtschafteten. Die Aufrechterhaltung dieser entfesselten kapitalistischen Ordnung, in welcher der Staat nur noch die Rolle des Garanten der Eigentumsrechte der „besitzenden Klasse“ spielt, angesichts steigender Massenarbeitslosigkeit und Armut in den entwickelten Industrieländern erfordert letzen Endes autoritäre staatliche Strukturen. Ein Staat, der nicht länger das Allgemeinwohl vertritt, verliert im „neuen Prekariat“ der „Sockelarbeitslosen“ und in der abbröckelnden Mittelschicht (die ein Ergebnis des Wohlfahrtsstaates ist) seine Glaubwürdigkeit und damit seine zivilgesellschaftliche Grundlage.

Literatur:

Herbert Schui u. a.: „Wollt ihr den totalen Markt?“; Droemersche Verlagsanstalt Knaur, München 1997

http://www.uni-tuebingen.de/uni/wwa/download/Lorenz_von_Stein/Wuchter_Charakter_des_Staates_

Praesentation.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes

Gedankenverbrechen 9/11

by red.cloud In George Orwells apokalyptischem Roman „1984“ (von 1948) werden allein gedachte Erwägungen von Individuen, die sich nicht im Einklang mit der offiziellen Doktrin des total gleichgeschalteten Überwachungsstaates „Ozeanien“ befinden, als „Gedankenverbrechen“ von der „Gedankenpolizei“ mit Folter und Tod geahndet. Primär unter dem Eindruck des stalinistischen Regimes in der Sowjetunion verfasst, wird der Roman auch generell als Warnung vor totalitaristischen Ideologien und/oder antiliberalen staatlichen Strukturen verstanden.

Unwissenheit ist Stärke? Wahrheit ist Lüge?

„The most important thing is for us to find Osama bin Laden. It is our number one priority and we will not rest until we find him.“
- G.W. Bush, 9/13/01

„I want justice…There’s an old poster out West, as I recall, that said, ‘Wanted: Dead or Alive,’“
- G.W. Bush, 9/17/01, UPI

„Of course we’re after Iraq.. eh.. Saddam Hussein.. I mean bin Laden.“
- George W. Bush

„I don’t know where bin Laden is. I have no idea and really don’t care. It’s not that important. It’s not our priority.“
- G.W. Bush, 3/13/02

„I am truly not that concerned about him.“
- G.W. Bush, repsonding to a question about bin Laden’s whereabouts,
3/13/02 (The New American, 4/8/02)

„We know that he has had contacts with terrorist networks like Al Qaeda.“
- George W. Bush on Saddam

„This administration never said that the 9/11 attacks were orchestrated between Saddam and Al Qaeda.“
- George W. Bush

(depresident.com/bushisms.asp)

Ein neues “Pearl Harbor”?

“Further, the process of transformation, even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent of some catastrophic and catalyzing event – like a new Pearl Harbor.”*

(„Rebuilding Americas Defenses“ – neokonservatives Strategiepapier „The Project for a New American Century“; September 2000; S. 51)

(newamericancentury.org/RebuildingAmericasDefenses.pdf)

 

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Zahlen: armscontrolcenter.org; cdi.org; globalissues.org / Grafik: red.cloud

Aktienentwicklung der „United Techologies Corp.“ und „Lockheed Martin Corp.“ über die letzen 5 bzw. 10 Jahre:

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*Der Autor ist sich der Tatsache bewusst, dass aus dem Sinnzusammenhang gerissene Zitate keinerlei “Beweiskraft” haben

Das Gravitationsgesetz spricht für die „Controlled Demolition“-Hypothese

Für den freien Fall im Gravitationsfeld der Erde ergibt sich nach Newtons Gravitationsgesetz: h(t) = h(0) – ½ gt² (bei Vernachlässigung der Luftwiderstandes). Um die Zeit zu berechnen, die ein Objekt benötigt, dass vom Dach eines der Twin Towers (Höhe 417 m) senkrecht hinunterfällt, gilt entsprechend: t = sqrt [(-2h(t)+2h(0))/g], mit h(t) = 0 (Höhe zum gewünschten Zeitpunkt); h(0) = 417 m (Ausgangshöhe) und g=9,81 m/s² (Erdbeschleunigung). Also: t = sqrt [(2*417m)/9,81 m/s²] = 9,22 s. Im freien Fall eines Objektes innerhalb eines Mediums geringerer Dichte (flüssig oder gasförmig) wirken auf das Objekt 2 entgegengesetzte Kraftvektoren: G = mg (Gravitationskraft, Richtung Erdmittelpunkt) und F(R) = kv² (Reibungskraft; k ist die Reibungskonstante, abhängig von Mediumdichte, Oberfläche und Volumen des fallenden Objektes). Die Reibungskonstante k wirkt während des gesamten Falls auf das mit der Geschwindigkeit v fallende Objekt als Widerstand des Mediums; die resultierende Reibungskraft ist dem Gravitationsvektor genau entgegengesetzt. Da auf das in einem Medium fallende Objekt zuzüglich der Gravitationskraft eine entgegengesetzte Reibungskraft wirkt, verlangsamt sich die Fallgeschwindigkeit, mithin verlängert sich die Falldauer t des fallenden Objektes.

Die untenstehende Abbildung zeigt die gemessenen seismischen Erschütterungen des kollabierenden (zuerst von dem Flugzeug getroffenen, aber zuletzt einstürzenden) Nordturms, aufgezeichnet von der New York am nächsten liegenden Station Palisades vom 11. September 2001. Selbst unter der Annahme, dass der Start und des Ende des Kollapses ohne große Erschütterungen vonstatten ging, kommt man auf nicht mehr als höchsten 14 Sekunden für den kompletten Zusammenbruch des Gebäudes. Dieses Ergebnis ist erstaunlich, wenn man es mit der obigen Falldauer t etwa eines WTC-Dachtrümmers, unter der Annahme eines komplett widerstandsfreien (also schnellstmöglichen) Falls, von 9,22 Sekunden vergleicht.

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(PAL: Station Palisades, NY – 34 km von WTC entfernt) (Quelle: 911research.wtc7.net/mirrors/guardian/WTC/Seismic/WTC_LDEO_KIM.htm)

Auf dieser Tatsache basiert die sogen. Controlled Demolition-Hypothese: Das Zeitintervall des Zusammenbruchs der WTC-Türme deutet auf einen nahezu widerstandsfreien freien Fall etwa eines Dachtrümmers von 417 m bis auf 0 m hin. Unser Dachtrümmer legte den gesamten Fallstrecke über die Höhe des WTC-Nordturm zurück mit einer durchschnittlichen Fallgeschwindigkeit von 417 m / 14 s = 29,8 m/s zurück; demgegenüber würde die völlig widerstandsfreie (maximale) durchschnittliche Fallgeschwindigkeit 45,22 m/s betragen. Zum Vergleich: Ein Holzwürfel mit 25,4 cm (=10″) Kantenlänge besitzt einen Luftwiderstand, der seine Fallgeschwindigkeit gegenüber dem reibungslosen Fall im Vakuum um etwa 50% abbremsen würde. Schlußfolgerung 1: Beim Kollaps des Nordturmes senkrecht herabstürzende Dachtrümmer können kaum mehr als dem Luftwiderstand ausgesetzt gewesen sein. Schlußfolgerung 2: Der komplette Kollaps des Turmes ist nicht das Resultat senkrecht stürzender Trümmer bzw. Masse, die zunächst die darunterliegende Masse aus ihrer Verankerung reissen und „aus dem Weg räumen“ muss – dafür verbleibt der Trümmermasse der Dachkonstruktion „keine Zeit“. Sie hat ja nur etwa 14 Sekunden. Unser hypothetisches Dachtrümmer kann auf seinem Weg nach unten nicht noch weiteren Widerständen durch feste Materie ausgesetzt gewesen sein – diese müssen vorher schon „aus dem Weg geräumt“ worden sein. Dies ist möglich, wenn die gesamte Baukonstruktion plötzlich an sämtlichen tragenden Punkten seine Stabilität verliert, wie es bei „kontrollierten Sprengungen“ abzureissender Gebäude, durch die Platzierung von Sprengladungen an den entsprechenden tragenden Punkten, passiert.

Das durch einen Flugzeugcrash in ein Gebäude, etwa durch sich im Gebäude durch Luft- und Fahrstuhlschächte ausbreitendes, brennendes Kerosin, alle tragenden Punkte der Gebäudekonstruktion zufällig destabilisiert werden, ist schlechterdings unmöglich. Verschärfend kommt hinzu, dass am selben Tag insgesamt drei Gebäude in vergleichbaren Zeitintervallen kollabierten – wobei im WTC 7 nicht einmal von Flugzeug-Kerosin als Brandbeschleuniger ausgegangen werden kann. Das Gebäude war von brennenden Trümmer der Twin Towers getroffen worden, welche angeblich Dieselgeneratoren im Gebäude getroffen und entzündet haben. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass sich in der Nähe aller tragenden Punkten der Baukonstruktion Dieselgeneratoren befinden, die auch noch zufällig alle von herumfliegenden Trümmern getroffen werden. Im FEMA-Report heisst es hierzu etwas okkult:
„The specifics of the fires in WTC 7 and how they caused the building to collapse remain unknown at this time. Although the total diesel fuel on the premises contained massive potential energy, the best hypothesis has only a low probability of occurrence.” (Kapitel 5.7) Anm. des Autors: Wenn die „beste Hypothese“ nur eine geringe Wahrscheinlichkeit hat – ist sie wahrscheinlich nicht die beste Hypothese…

Für die „Pancake“-Hypothese spricht höchstens der „Patriot Act“

Die offiziellen Untersuchungen, wie im Abschlussbericht der 9/11-Untersuchungskommission der amerikanischen Regierung, im FEMA- (Federal Emergency Management Agency) Report und im NIST- (National Institute of Standards and Technology) dargelegt, basieren demgegenüber auf der „Pancake“-Hypothese: Die aus den Einschlägen der Flugzeuge resultierende kinetische Energie hat die Asbest-Brandschutzbeschichtung des tragenden Stahlrahmens in den entsprechenden Etagen abgeschlagen. Dadurch kann des brennende Kerosin den tragenden Stahlrahmen in den Etagen wenn auch nicht zum Schmelzen bringen (dafür reicht ein Kerosinfeuer mit höchstens 800 °C nicht aus, da die Schmelztemperatur für gehärteten Baustahl (ohne Beschichtung) 1.500 °C beträgt), aber doch den Stahl soweit destabilisieren, dass die von den Einschlägen betroffenden Etagen ihren Halt verlieren. Die abrutschende Etage kracht auf die darunterliegende Etage, reisst sie aus ihrer Verankerung, beide stürzen auf die nächste Etage und so weiter – eine Kettenreaktion wie bei einem senkrechten Dominospiel. Die „Pancake“-Hypothese erklärt aber nicht, wie der Kollaps der WTC-Türme in einem so kurzen Zeitintervall geschehen konnte, welches – wie oben beschrieben – auf einen sehr widerstandsarmen Zusammenbruch hindeutet. Der Kollaps einer solchen „Domino-Kettenreaktion“ aufeinanderstürzender Etagen ist – wie sich leicht vorstellen lässt – alles andere als widerstandsarm.

Sowohl die unabhängigen Untersuchungen der „Scholarship for 9/11 truth“ des Physikprofessors Dr. Steven E. Jones (Brigham Young University Utah) als auch der FEMA-Report stellten am Ground Zero geschmolzene Stahltrümmer der tragenden Konstruktion der Twin Towers sicher. Beide Berichte stellten an diesen Fragmenten Rückstände von Schwefel, Eisenoxid und Magnesiumoxid fest. Während die FEMA dies als „ungewöhnlich und unerklärbar“ bezeichnet, beschrieb Jones die Rückstände als „Fingerprint einer Thermit-Explosion“. Die chemische Reaktion einer Thermit-Explosion, so Jones, sei sowohl in der Lage, gehärteten Stahl zu schmelzen, als auch die ungewöhnliche Intensität der Staubwolken beim Kollaps der Twin Towers erklären. Dieser pyroklastische Rauch sei ein normaler Prozess der chemischen Prozesse während einer Thermit-Explosion. Der Autor möchte an dieser Stelle anmerken, dass die Bestätigung einer Theorie anhand zwei oder mehrerer voneinander unabhängigen Beobachtungen wissenschaftlich als starkes Indiz für den Wahrheitsgehalt der Theorie gewertet wird.

Ansichten und Meinungen rund um das Thema des 11. September 2001 haben ja mittlerweile fast den Status von Glaubensbekenntnissen für die jeweilig vetretende „Wahrheit“ erreicht. Der Autor dieses Artikels, der damit vom „Ufer der Verschwörungstheoriker“ zum anderen Ufer hinüberwinkt, möchte mit seinen sachlich vorgetragenden Einwänden gegen die offizielle Version der Ereignisse lediglich betonen, dass niemand bislang weiss, was an diesem Tag wirklich geschah. Vielleicht werden wir es in 50 Jahren wissen. Vielleicht werden wir es nie wissen. Zweifel an der offiziellen Version bedeuten für den Autor keine Relativierung der fast 3.000 unschuldigen Opfer.

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„Scholarship for 9/11 truth“-Untersuchung:
journalof911studies.com/volume/200609/WhyIndeedDidtheWorldTradeCenterBuildingsCompletelyCollapse.pdf

FEMA-Report:
fema.gov/pdf/library/fema403_ch5.pdf

9/11 truth movement: truth911.net


…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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