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Der Saar-tan Lafontaine

Als ich ein kleiner Junge war, betrachtete ich Journalisten als Helden. Ja, eines Tages wollte ich selbst einer von ihnen sein. Ich sah sie als Intellektuelle in leicht abgeschabten Tweed-Anzügen, die kettenrauchend an ihrem Schreibtisch saßen und die Wahrheit in ihre kleinen schwarzen Schreibmaschinen hämmerten, die sich von nichts und niemandem aufhalten liessen in ihrem sisyphos-haften Kampf für das Gute und Gerechte in dieser Welt. Dabei lebten sie gefährlich, schufen sie sich doch mit Diktatoren, Geheimdiensten, Politikern, Konzernbossen, der Mafia und anderen Verbrechern mächtige Feinde. Das alles taten sie im Auftrag der Öffentlichkeit, der vierten Instanz im Staate, die, einmal aufgeklärt über die dunklen Machenschaften im Hintergrund, dafür sorgte, dass diese Verbrecher auf dem Müllhaufen der Geschichte landeten… Und der unbesungene Held, der Journalist, lächelte leicht, zündete sich eine neue Pfeife an und wandte sich dem nächsten Thema zu. Aber die Heldenverehrung eines kleinen Jungen zerbrach, wie so viele andere kindliche Illusionen auch. War ich noch als 12-,13-jähriger begeisterter SPIEGEL-Leser, der angeblich MEHR wusste, so änderte sich das, unmittelbar als ich lernte, im Kontext zu lesen. Und plötzlich war das schwarze gedruckte Wort auf weissem Hintergrund, an dass ich so unverbrüchlich geglaubt hatte, (fast) nichts mehr wert. Im SPIEGEL standen Dinge über „uns“ undankbare Ossis, die ich so nicht bestätigen konnte. Beinahe alle Zeitungen, quer durch die Bank, redeten Mitte der 1990er Jahre einen neoliberalen Markttotalitarismus herbei, in dem Gier, Profitsucht und Egoismus – die niedrigsten Instinkte – plötzlich zu den edelsten menschlichen Werten erklärt wurden. „Sozialismus funktioniert nicht“, „das Ende der Geschichte“ sei erreicht, es gäbe nur noch ein überlebendes System, dass sich quasi-evolutionär durchgesetzt habe – und dem man sich jetzt bedingunslos unterordnen müsse, so tönte es damals. In der Rückbetrachtung könnte man angesichts der  gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise jetzt mit einem simplen Schulterzucken erwidern: „Kapitalismus wohl auch nicht. Zumindest nicht so. Und zumindest nicht nur. Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues?“

In der deutschen politischen Landschaft wird letztere Position wohl am ehesten von der Linken und ihrer „Galionsfigur“ Oskar Lafontaine vertreten. Doch das darf nicht sein,im Wahlkampfjahr, so scheint es. Denken verboten, Hinterfragen verboten und gar die Systemfrage zu stellen in unseren Tagen, das… das ist infam. Und das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb dominiert seit Monaten in seltener Einhelligkeit von der „linksliberalen“ FR und „Zeit“ über das ZDF bis in Springers „Welt“ die Darstellung von Lafontaine und „der Linken“ als wirre Spinner, Populisten, aggressive Demokratiefeinde, Linksnazis. Die Saarbrücker Online Zeitung über das „ZDF-Sommerinterview“ mit Lafontaine:

Einen wirkungsvollen Auftakt bildete das ZDF-Interview mit dem Leiter des Hauptstadtbüros Berlin, Peter Frey am 12. Juli 09 in Saarbrücken. Dieser machte es praktisch unmöglich, sich von den Argumenten der Linken ein Bild zu machen, indem er unablässig die Person seines Gesprächspartners angriff. Der ZDF-Interviewer sprach anschliessend von Lafontaine als “dünnhäutig”, “verunsichert” , aus der “Fassung” geraten, als einem Mann der “kaum ruhig stehen kann”. Ähnlich fielen z.B. Organe der WAZ-Gruppe nach dem ZDF-Sommerinterview über Lafontaine her: er ist “umstritten”, “angefressen”, er “giftet”, “meckert” mit “gefrorenem Lächeln”, er “poltert”, er “mault”, ist “immer aufgeregter” und er ist “erkennbar angeschlagen”.

Die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Gift und Galle“ (die Lafontaine spucke, natürlich) über dasselbe Interview:

Dem Linken-Chef bereitete es sichtlichen Verdruss, mit welcher Hartnäckigkeit Frey auf seinem Rücktritt als Bundesfinanzminister im Jahr 1999 herumritt. „Wenn es brenzlig wird, wirft er hin“, laute ein gängiges Urteil über ihn, hielt Frey Lafontaine vor. Man solle doch „nicht so dämlich von hinschmeißen reden“, regte sich der sich auf. Mehrfach raunzte Lafontaine den Interviewer an: „Unterbrechen Sie mich nicht ständig“ und bügelte Fragen rüde ab: „Sie wissen doch, dass das ein Witz ist.“ [...] Als Lafontaine, dem das Rechthaben schon immer sehr wichtig war, davon sprach, dass es inzwischen auch „anständige Journalisten“ gebe, die ihm attestierten, richtig gelegen zu haben [...]

Die „Frankfurter Runschau“ schreibt über die ZDF-Wahlkampfsendung „Illner Intensiv“ unter dem Titel „Surreale Verschwörungstheorien“ (Lafontaines, selbstverständlich):

Auch Einspielfilmchen gehören zu „Illner Intim“ (oder so). Da tanzen Marx, Lenin, DDR-Funktionäre und Linke-Personal als Zombies zu Michael Jacksons „Thriller“ über die Gräber. Da werden Linke-Forderungen vor rosa Hintergrund als Seifenblasen auf den Schirm gepustet. [...]

Und der [Lafontaine] holt zur ganz großen Verschwörungstheorie aus: Die Medien in Deutschland, sagt er ungestört in einem deutschen Medium, seien ja in den Händen von zehn reichen Familien, und in deren Interesse liege es nun mal, die Linke klein zu halten. Jetzt muss er nur noch von jüdischen Familien reden, dann darf er bei der NPD eintreten, die redet genauso.

Damit hat der Saarkasper denn auch das Mitleid verspielt, das angesichts der ZDF-Inszenierung aufkommen könnte. Denn mit ein paar Höhenmetern Abstand, schon von der alleruntersten Metabene, sieht „Illner intrigant“ ganz, ganz hässlich aus. Zombie-Filme, DDR-Gesichter, wertend inszenierte Umfragen [...]

Der saarländische Napoleon-Imitator in seiner grenzenlosen Gier nach Aufmerksamkeit quält sich sogar noch ein falsches Lachen ab [...] Nicht, dass wir bei dem Herrn ein Rückgrat vermutet hätten – aber jeden Blödsinn muss man nicht mitmachen, selbst um der Sache willen nicht, falls die bei dem Herrn noch eine Rolle spielt.

Die „Welt“ (na gut, „die Welt“…) hat Lafontaine gar gleich als Verfassungsfeind entlarvt und berichtet über dieselbe „Illner Intensiv“-Sendung unter der Überschrift „Lafontaine stellt bei Illner die Demokratie in Frage“:

Irgendwie war „Illner Intensiv“ nur noch die Ein-Mann-Show des Oskar Lafontaine. Selbst wenn er gar nicht gefragt war, antwortete der Partei-Chef der Linken auf das Fragen-Bombardement der Moderatorin Maybrit Illner. Er stellte dabei aber nicht nur die Existenz der demokratischen Ordnung in Deutschland in Frage, sondern vor allem die Regierungsfähigkeit seiner Partei.

Angesichts der sinkenden Umfragewerte scheint die Linkspartei am Ende der Wirtschaftskrise in eine Parteikrise zu taumeln [...]

Lafontaine dagegen spricht lieber davon, dass das Programm, das unter anderem ein staatliches Ausgabenpaket von 300 Milliarden Euro pro Jahr vorsieht, kompromisslos ist. „Ein Parteiprogramm orientiert sich nicht an Kompromissen, sondern stellt die Positionen der Partei dar“, sagte er. Das klingt zwar ein bisschen besser, sagt aber auch nur, dass sich die Linken mit ihrem Programm selbst nicht als regierungsfähig betrachten.

Bei Linkspartei geht es mittlerweile offenbar nur noch um Protest pur. Sie präsentieren sich fast wie tanzende Partei-Zombies, wie die Illner-Redaktion in einem Einspieler zeigte, der mit der Musik von Michael Jacksons Thriller untermalt war. [...]

Ist es wirklich eine „surreale Verschwörungstheorie“ Oskar Lafontaines, dass die Mainstream-Medien offenbar kein großes Interesse an einer objektiven Berichterstattung über seine Person und „die Linke“ hätten? Es ist m. E. deutlich, dass sich viele Medien in einem „Klassenkampf“ um die gescheiterte neoliberale Ideologie sehen, die sie vor wenigen Jahren noch im Brustton der Überzeugung heraustrompeteten, womit nicht zuletzt sie auch eine Mitverantwortung an der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise tragen.

PI-entology – die politisch inkorrekte Religionsausübung

Was ist los bei den „politisch inkorrekten“ Damen und Herren von pi-news.net? Da verwechselt man, absichtlich oder nicht, zwei Zeitungsartikel aus der Welt und strickt sofort eine gewaltige Verschwörungstheorie daraus:

„Die Exekution dreier moslemischer Massenmörder in Indonesien hat nicht nur unter den Frommen des Landes, sondern auch in der Redaktion der Welt für Unruhe gesorgt. [...] die Mutter eines der hingerichteten Bali-Terroristen (bekannte) wahrheitsgemäß [...], ihr Sohn habe nur getan, was der Islam verlange, nämlich Ungläubige zu töten. Das war der Wahrheit zu viel. Am Montag morgen wurde der Artikel gelöscht und durch eine begradigte Darstellung ersetzt, die die Friedfertigkeit der fiktiven Mehrheit der Muslime betont. Ganz kann man aber doch den Jubel zahlreicher Einzelfälle zum Eingang der Massenmörder ins muslimische Paradies nicht unter den fliegenden Teppich kehren.“

Ganz besonders apart finde ich übrigens die Wendung „…unter den fliegenden Teppich kehren.“ Hier wird der PI-Autor Opfer seiner Phrasendrescherei, denn man kehrt etwas unter den Teppich, um es zu verstecken, in der Hoffnung, dass dieser nie angehoben wird; was für einen Sinn sollte es haben, so etwas mit einem „fliegenden Teppich“ zu versuchen?

Die Gefolgschaft der PI-Eiferer im Kommentarbereich ergänzt natürlich sofort:

#75 Zallaqa (10. Nov 2008 21:43) „Der Islam ist gefährlicher als jede andere Weltanschauung. Wenn man die kulturellen Unterschiede zwischen den Wüstengegenden aus dem der Gründer des Terrorismus Mohamend entstammt und der Inselwelt Indonesiens betrachtet dann kann man nur sagen: Nicht die Menschen sind das Problem sondern der Islam ist das Problem; überall wo diese Weltanschauung Anhänger findet und sich ausbreiten kann herrscht Mord und Totschlag. Wann werden Moslems bzw. der Islam endlich verboten. Das ist keine Religion sondern einfach ein Terrorkonzept!“

#77 KarlMiller   (10. Nov 2008 23:31) „Das ist in Deutschland doch seit eh und je Sitte, die Nachrichten immer auch gleich schon in mit der dazugehörigen “richtigen” Deutung zu übermitteln.“

#78 ComebAck   (11. Nov 2008 02:37) “ ‘Selbstverständlich wäre der Terror zu vermeiden, indem man ihn konsequent verbannt. Alles uslime ausweisen und Mauer um Europa. Fertig!’ ich darf ergänzen:Der Einsatz nicht konventioneller Munition an ganz bestimmten Brennpunktes des Terrors sollte auch in Erwägung gezogen werden.“

#79 danton   (11. Nov 2008 06:39) „Der sogenannte Presserat und der unsägliche Pressekodes, dieses Manipulationsinstrument, das dem Lug und Trug Tür und Tor öffnet, gehören sofort ersatzlos abgeschafft!
Unser Recht auf vollständige, unverfälschte und objektive Information sowie auf Meinungsfreiheit wird durch diese verlogenen Presserat-Jakubiner völlig ad absurdum geführt!“

#80 byzanz   (11. Nov 2008 09:50) „Die Wahrheit lässt sich auf Dauer NIE verbergen. Auch wenn die volkspädagogischen Vernebelungsversuche noch so massiv sind: Die “Ungläubigen” in Europa registrieren mehr und mehr, dass der Islam eine faschistische, gewaltverliebte, intolerante und gemeingefährliche Ideologie ist. Wer was anderes behauptet, ist ein LÜGNER. Punkt.“

Der Islam ist keine Religion, sondern eine terroristische Ideologie (und der, der festlegt, was Religion sein darf und was nicht, das bin ich, ich, ich) und der Moslem an sich gehört verboten. Die gutmenschlich- linksgrünmuselfaschistische Dhimmi-Mainstreampresse verschweigt und verfälscht Nachrichten und handelt damit im volkspädagogischen Auftrag auf Anordnung der übergeordneten Eurabia-Weltverschwörung, weil Politiker und Wirtschaftsführer – aus welchen Gründen auch immer – den Plan gefasst haben, Europa zu islamisieren… Blablabla. Mantra-artig wiederholt die PI-Sekte ihre Glaubensbekenntnisse, die auch der kritische PI-Leser schon seit Jahren kennt und vorwärts und rückwärts kotzen könnte. Und das völlig unbeeinflusst von der Realität: Da die heilige PI-bel unzweifelhaft immer recht hat – immerhin nur ein von Amteuren geschriebener Weblog – muss es die gesamte Außenwelt sein, die sich gegen die tapfere kleine Schar der letzten Aufrechten und einzig wahren Hüter der einzig wahren Wahrheit verschworen hat.

Die PI-linge sollten begreifen, dass die meisten Leser PI nur als Unterhaltungsmedium begreifen und sich königlich über diesen billigen Verschwörungsmatsch und die Leute, die das ernst nehmen, amüsieren. Es bliebe nur zu hoffen, dass dann möglichst viele der PI-linge den Ausstieg aus ihrer Parallelwelt wieder schaffen.

Schwanengesang eines Neocon

Angesichts der überwältigenden Sieges Barack Obamas bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen und des beispiellosen moralischen und wirtschaftlichen Bankrotts der Neokonservativen kann man sich als Linker einer gewissen Schadenfreude kaum enthalten. Wirklich selten war es goldiger und herzerwämender als dieser Tage unser aller Lieblings-Hass- und Hetzblog „Politically Incorrect (PI) “ zu lesen, das verzweifelt vor dem Verfall seiner „pro-amerikanischen Werte“ in ihrem Mutterland vor einem Scherbenhaufen steht. Das ideologische Gerüst wackelt und seit Tagen windet man sich in Erklärungsversuchen:

„Woher kommt nun dieser Linksruck?“

„Man folgt offenbar dem Trend aus dem alten Europa.“

PI bemüht gar eine „Totalherrschaft von Massenwahn und Popkultur“ als einzig mögliche Erklärung, dass etwa 64 Millionen Bewohner der gottgleichen USA für einen „vermuselten“, „schwarzen Rassisten“ Barack Obama gestimmt haben. Das einzige, was ihnen bleibt ist

„Eine kulturpessimistische Polemik.“

Hä Hä Hä. Es sei erhellend, meint der PI-Gastautor Lion Edler, die heutige Situation in den USA mit Deutschland nach 1945 zu vergleichen:

„Die Durchdringung der deutschen Gesellschaft mit linker Propaganda begann, weil man aufgrund des totalen Zusammenbruchs 1945 tief im Inneren glaubte, das mit dem eigenen Volk etwas nicht stimmte, dass es nur aus Versagern und Verbrechern bestünde.“

Das ewige braune Gegreine vom „deutschen Schuldkomplex“ also. Wirklich erhellend.

„Die USA haben nach dem Irakkrieg etwas Ähnliches erlebt, nur nicht so extrem. Aus allen Ländern der Welt wurde Amerika unablässlich eingeredet, [...] dass sie nur Leid und Unglück über die Welt brächten. Das penetrante Einreden dieses schlechten Gewissens hat letztlich gefruchtet, auch die Amerikaner haben jetzt ihren Schuld-Komplex.“

Wenn „alle Länder der Welt“ der Meinung sind, der Irakkrieg sei von den USA ungerechtfertigt oder jedenfalls aus den falschen Motiven heraus begonnen worden, dann könnte ja vielleicht etwas dran sein? Nur so theoretisch? Nicht natürlich, wenn man von seiner göttlichen, unfehlbaren Mission überzeugt ist…

„Deswegen war es so eminent wichtig, dass George W. Bush direkt nach den Anschlägen des 11.September das Signal in die Welt sandte: Wir bleiben stolz auf Amerika, und wir lassen uns von den Feinden der Freiheit nicht unterkriegen, der amerikanische Traum wird auch weiterhin verteidigt.“

Es hapert offenbar nicht nur mit Logik und Demokratieverständnis, sondern sogar schon mit dem Verständnis einfachster zeitlicher Zusammenhänge: Weil die Welt aufgrund des Irakkriegs (Beginn März 2003) den USA permanent ein schlechtes Gewissen einredete, war es so wichtig, dass Bush ein Signal am 11.09.2001 sandte. Wenn es noch eines endgültigen Beweises bedurfte, dass Bush ein Messias ist bzw. war, dann ist er hiermit wohl erbracht.

„Bislang war Amerika immer ein geistiger Rebell und Einzelgänger. Egal, was der verprollte weltweite Mainstream wie eine “coole” Schulhof-Clique über das gemobbte Amerika sagte, Amerika ließ sich nichts einreden und ging wie ein einsamer Cowboy seinen Weg, und zeigte dem erbärmlichen Kontinent auf der anderen Seite des Atlantiks völlig zu Recht den Mittelfinger.“

So „einsam“ kann der „Cowboy“ mit negativer Außenhandelsbilanz, dessen Staatsverschuldung, die Verschuldung des Privatsektors und der Konsumentenhaushalte das BIP um mindestens das Dreifache übersteigt und dessen Finanzsektor gerade kollabiert, wohl nicht sein, denn ohne den „verprollten weltweiten Mainstream“ wäre er längst konkurs gegangen.

„Amerika lässt sich langsam aber sicher herunterziehen auf das primitive geistige Niveau Europas, auf das sozialistische und selbstgerechte, überhebliche Mainstream-Denken.“

Das muss die Erklärung für die Wahl Obamas sein: Europa zieht Amerika auf sein „primitives geistiges Niveau“ herunter. Amerikaner selbst wären sonst nämlich gar nicht in der Lage gewesen überhaupt auf die Idee zu kommen, etwas anderes als die Republikaner zu wählen.

„Und was sollte diesen Weg der Welt in den Sozialismus ändern? [...] So könnte das gewissermaßen tatsächlich “das Ende der Geschichte” sein, allerdings anders, als Fukuyama sich das dachte, nämlich ein sozialistisches Ende.“

Weine nur nächtelang in dein Kissen, mein Mitleid kriegst du trotzdem nicht, du heulsusiger Neocon.

„Nein, ich will nicht alle Obama-Fans von vornherein als dumm oder als Mitläufer bezeichnen.“

Ach nein?

„Man stelle sich vor, jemand würde an der Uni oder in der Schule sich zu Bush bekennen. Man kann leise erahnen, was passieren würde.“

Man würde denjenigen komisch ansehen, weil er hoffnungslos in der Vergangenheit lebt?

„Dieser überhebliche Konformismus und die Stigmatisierung Andersdenkender ist es, der auch Angst machen muss bei der europäischen Sicht auf Obama, und nicht etwa Obamas politische Ansichten selbst. Über die werden einige rot-grüne Spinner in Europa noch ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn Obama erstmal harte außenpolitische Forderungen an Europa stellt.“

Auf der einen Seite fürchtet der Autor als einziger Obama-Gegner stigmatisiert zu werden, auf der anderen Seite wird die Politik Obamas ganz bestimmt dafür sorgen, dass viele seine europäischen Fans sich von ihm abwenden? Die Logik als tragisches Opfer der Rechthaberei…

„Das Studentenportal “studivz” führte vor Kurzem eine Umfrage durch, für welchen Präsidentschafts-Kandidaten man denn die Daumen drücken würde. 91,4% stimmten für Obama, bei über 900.000 abgegebenen Stimmen. Wahlergebnisse fast wie in der DDR also, man fühlt sich etwas einsam beim Lesen dieser Zahlen. [...] Dazu präsentiert “studivz” als Symbol eine Comic-Zeichnung mit McCain und Obama im Boxkampf gegeneinander. Auch das ist natürlich nicht gerade neutral: Soll es doch offenbar suggerieren, dass es bei der US-Wahl darauf ankommt, wer der “fittere” und “hipper” ist. Aber es fällt wahrscheinlich kaum noch auf, was für ein krankes Denken da ohnehin dahinter steckt: Der US-Wahlkampf als Boxkampf, als Show-Ereignis für die Spaßgesellschaft, anstatt als ernsthaftes politisches Thema. [...]“

„Denn das ist der zweite Trend, der durch die Wahl Obamas zementiert wird: Der Weg in die weltweite Herrschaft der dekadenten, entarteten Popkultur-Ochlokratie. Das Anstandslose und Primitive, das Entartete wird zum gesellschaftlichen Mainstream, die Geisteskranken werden allmählich zur Mehrheit. Geschichtsbewusstsein und geschichtliches Schwärmen werden ersetzt durch gleichgültige Geschichtslosigkeit und blinder Fortschrittsgläubigkeit, durch seichtes “I have a dream”, “Yes we can” und “Change”-Geschwafels.
Schon jetzt kann man in größeren Städten doch nirgendswo eine U-Bahn betreten, ohne sofort den Anblick eines Haufens Gestörter und Irrer ertragen zu müssen.

Zunächst beweist uns Herr Lion Edler eindrucksvoll anhand einer Umfrage im StudiVZ und derer graphischen Darstellung wie „dekadent und entartet“ der Pöbel doch sei, der unverschämterweise via freie Wahlen über die Regierung bestimmt. Warum gehste nicht nach Saudi-Arabien oder Nord-Korea, wenn dir die „Pöbelherrschaft“ so stinkt? Ein Demokrat redet nicht so.Und das Edler mit dem ÖPNV in Großstädten nicht klar kommt beweist nur, dass er ein Mahlower Landei ist. Bezüglich der „Geisteskranken“, die „zur Mehrheit werden“ sei nur an ein altes englisches Sprichwort erinnert: „The one man in the world who never believes he is mad is the mad man.“

„Wer die Nase voll von dieser abartigen und gestörten Fortschrittsgesellschaft hat, der ist ein “Ewiggestriger”, oder “engstirnig”, “verbohrt”“, er vertritt “Schwarz-Weiß-Denken”, und – natürlich – er ist “unfähig, mit den modernen Anforderungen einer komplexen Welt zu recht zu kommen”. So einfach ist das, warum auch nachdenken. Die Konservativen haben es in Deutschland immer noch nicht verstanden: Parteien und Politiker haben kaum noch Einfluss, sie sind zunehmend Sklaven eines abstoßenden Medien-Zirkus.“

Oh oh, die Welt geht unter, weil „der Pöbel“ den falschen Präsidentschaftskandidaten gewählt hat. Zivilisationsgedanke und gesellschaftlicher Fortschritt sind seit dem 05.11.2008 ausser Kraft gesetzt und Obamas Wahl der endgültige Beweis für das bevorstehende Armageddon.

„Wir müssen Konsequenzen ziehen. Von Parteien ist im Moment nicht viel Besserung zu erwarten. Wir müssen diesen abartigen, kranken Event-, Trash- und Porno-Apparat von “taz” bis “BILD” endlich unterwandern und gnadenlos aushöhlen, indem wir vor allem auch auf das Internet setzen (schon wieder etwas Fortschrittliches, welch Ironie…). Anstatt Kampagnen durchzuführen darüber, ob der Mindestlohn richtig ist oder nicht, sollte lieber über die Gehirnwäsche der nationalen Front der Linksmedien aufgeklärt werden.“

Die Springer-Presse reiht sich natürlich nahtlos ein in die „nationale Front der Linksmedien“… Die Konsequenzen, die eine solche „Unterwanderung“ und „gnadenlose Aushöhlung“ für unser Bildungssystem hätte, beweist Edler in seiner ganzen Pracht quasi im Selbstversuch im letzten Abschnitt:

„Und wir müssen dafür Sorgen, dass über die Lehrpläne in den Schulen nicht mehr nur rot-grüne Vollpfosten entscheiden, sodass zwischen all dem Böll-, Grass- und Brecht-Krempel zwischendurch auch noch was Vernünftiges kommt. Wir müssen Lehrkräfte durchsetzen, die ihre Aufgabe in Bildung und Wissensvermittlung sehen statt in politischer und ethischer Umerziehung und Indoktrinierung. Ansonsten wird man konstatieren müssen: Die Menschheit hat ihre kulturelle Höchstphase bereits seit Jahrhunderten hinter sich. Seit circa 300 Jahren ist ehrlicherweise kaum noch etwas passiert, was die herausragende Stellung gegenüber anderen Arten rechtfertigt, und die totale Obamisierung war dafür wieder ein besonders trauriges Beispiel. Sie reden von einem angeblich zu dämmenden “Raubtierkapitalismus” und “sozialer Gerechtigkeit”. In Wirklichkeit ist der Obama-Mob die Speerspitze einer in rein ökonomischen Kategorien denkenden Konsumgesellschaft, von dem sich nicht nur Karl Marx wohl angewidert abgewandt hätte.“

Wie wärs, an den Schulen ein paar Texte von Lion Edler zu bringen? Man hat ja sonst nicht viel zu lachen: Seit ca. 300 Jahren ist nichts mehr passiert, dass die besondere Stellung des Menschen gegenüber dem Tier rechtfertig?! Aufklärung, Wissenschaft, industrielle Revolution, Massenkommunikation, Technologisierung, Verfünffachung der Weltbevölkerung, Verdoppelung der Lebenserwartung, Luftfahrt, Raumfahrt, Demokratisierung, Globalisierung… Ja, auf welchem Ast hockt der denn, der Steinzeitkonservative?! Gott schütze uns vor der neokonservativen Unterwanderung unserer Medien und Lehrpläne, bleibt da nur zu konstatieren. Mit einem derartigen Rotzen auf alles, was unsere Gesellschaft ausmacht, bloß weil der demokratische Souverän in den USA anders entschieden hat, als er es gerne hätte, disqualifiziert sich der Neocon nur selbst. Es bleibt dem amüsierten Beobachter nur übrig, sein Taschentuch hervorzuziehen, um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen und dem Neocon ein leises „farewell“ zu winken. Und mach die Tür deiner Höhle hinter dir zu.

P.S. Der Text wäre nur ganz und gar amüsant, wenn es sich bei Lion Edler nur um einen dummen Jungen handeln würde. Allerdings möchte dieser sich offenbar mit dem Hoher-Teltower CDU-Ortsverband vom „entarteten, geisteskranken, popkulturellen Pöbel“ aus dem „erbärmlichen, geistig primitiven Europa“ in die Gemeindevertretung wählen lassen (Link via PK). Man fragt sich wirklich, mit was für einer Chuzpe dieser Typ ausgestattet ist…

Michael Glos` Bewerbungsschreiben

Es ist eben wie es ist. Man wird älter, der jugendliche Leichtsinn schwindet und man beginnt sich zu fragen: Werde ich von dem was ich mache in Zukunft leben können? Wie wird meine kärgliche Rente aussehen? Hartz IV-Niveau? Oder auch: nur meine Pension als bayerischer Landtagsabgeordneter plus Minister-Pension? Wird das reichen? Muss da nicht noch mehr kommen? Und man besinnt sich auf seine Möglichkeiten, vergisst all die großspurigen Ankündigungen, die man in seinem Bekanntenkreis gemacht hat und macht sich, wild entschlossen, auf die Suche nach einem neuen, besser bezahlten Job.

Nun muss man nicht denken, dass Zukunftssorgen wie diese nur den „normalen“ Bürger der Bananenrepublik Deutschland quälen. Nein, selbst Minister, genauer gesagt Wirtschaftsminister, sind davon betroffen. Allerdings, ist man zufällig Wirtschaftsminister – in einer „deregulierten“ Wirtschaft, in denen alles dem „freien Spiel der Märkte“ überlassen wird, eigentlich der Deppenjob der Nation – sind die Aussichten so schlecht nicht: Werner Schmidt, Wolfgang Clement, sie alle haben den Absprung in ein neues, besser bezahltes Berufsleben geschafft und arbeiten heute in der Energieindustrie. Michael Glos sollte sich also keine grauen Haare wachsen lassen, erst recht da die Energiekonzerne sicher wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass der Mann sich wirklich anstrengt. Vergessen hat er all das dämliche Gebrabbel von Anfang des Jahres, als Eon, RWE und EnBW die Strompreise erhöhten und er sich bedingungslos auf die Seite der Verbraucher schlug, drohen wollte, billigere Energie forderte, von mehr Wettbewerb, Sanktionen oder gar „Zerschlagung“ der Konzerne sprach.

Denkt Michael Glos an seine Zukunft? (Original-Bildquelle: swr.de)

“Unsere klare Position heißt, dass wir keine Zwangsenteignungen hinnehmen“, sagte Glos jetzt, nämlich zum Auftakt der EU-Ministerratskonferenz am Freitag (06.06.) in Luxemburg. Und zwar weil: “Wir [...] in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Netz (haben) und wir wollen, dass das immer wieder ertüchtigt wird – und zwar von denen, die Geld haben.“ Auch müssten die Netze ausgebaut werden, um Strom aus Erneuerbaren Energiequellen verteilen zu können, großen Offshore-Windenergieanlagen vor der Küste z. B. “Dazu bedarf es hoher Netzinvestitionen“. (Nur damit das mal klar ist, ist nämlich ganz anderer Strom, dieser erneuerbare, und Schuld an hohen Energiepreisen haben sowieso immer die Ökos mit ihren spleenigen Ideen.)

Abgesehen von der etwas dümmlichen Begründung hat sich Michael Glos mächtig ins Zeug gelegt und ein ordentliches Bewerbungsschreiben an einen späteren Energiekonzern-Arbeitgeber abgeliefert: Das Vorhaben der EU-Kommission war, die integrierten Energiekonzerne Europas zu „entflechten“, d. h. dass Energiekonzerne, die auch die Übertragungsnetze besitzen, diese an einen unabhängigen Netzbetreiber verkaufen müssen. Damit wäre ein Einstieg auf den deutschen Markt auch für kleinere Energieproduzenten erleichtert, die bislang recht willkürlich festgelegte „Netzdurchleitungsgebühren“ an ihre großen Konkurrenten zahlen müssen und daher kaum marktfähige Preise anbieten können. Nach Beschluss des Ministerrats können Deutschlands Energiekonzerne ihre Monopolstellung jetzt aber auch „sanft entflechten“ und ihre Netze an Tochtergesellschaften übergeben, in deren Aufsichtsräten sie „nur“ 51% der Stimmen halten dürfen [das Modell heisst in orwell´schem Neusprech: „Independent Transmission Operator" (ITO)]. Deutschland, Frankreich und Österreich haben sich damit gegen die EU-Kommission und Länder, deren Netze bereits von den Energieproduzenten getrennt sind, wie Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Spanien und Portugal, durchgesetzt. Zwar haben sich letztere Länder teilweise dagegen verwahren können, dass die Energiemonopolisten, die in „Heim“-Märkten die Preise diktieren, in ihre liberalisierten Energiemärkte einsteigen, sie dürfen „gewisse Abwehrmaßnahmen“ ergreifen. Aber da Michael Glos und seine Kamarilla eine Marktschieflage zugunsten seiner zukünftigen Arbeitgeber erstmal zugelassen hat, wird sich das mit Hilfe der EU-Wettbewerbskommission auch regeln lassen. Außerdem hat Glos erklärt, dass er gegen die Schaffung einer EU-Aufsichtsbehörde zur Kontrolle des Energiemarkts ist.

Eine Einigung auf das gesamte Energiepaket wird bis Jahresende angestrebt, wirksam werden könnte es ab 2011. Das EU-Parlament muss noch zustimmen. Der Chefökonom der österreichischen Energieaufsichtsbehörde, Johannes Mayer, sagte, damit könne nicht mit fallenden Energiepreisen gerechnet werden. Seine Erfahrung zeige, dass sich eine unzureichende Trennung zwischen Netzen und Vertrieb nur begrenzt regulieren lasse. Die Ökonomischen Interessen für eine Abschottung der Netze bzw. Märkte seien einfach zu groß.

Laut Beschluss des EU-Energieministerrats bezüglich des „Independent Transmission Operators“, also der Netzbetreiber-Tochtergesellschaft eines Energiemonopolisten, dürfen Manager des Mutterkonzerns künftig nicht unmittelbar in die Tochtergesellschaft wechseln, sondern es gilt eine „Karenzzeit“ für den Übergang von von drei Jahren bzw. umgekehrt 4 Jahren. Da weiss ich ja jetzt schon, wer ab 2009 für den Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden einer Netzbetreiber-Tochtergesellschaft von EnBW, RWE, Eon oder Vattenfall zur Verfügung steht. Herzlichen Glückwunsch, Herr Glos!

 

Dank an Fefes Blog für die Zweisatz-Inspiration!

Obama – Africa`s Pride and Hope

The US-Democrat`s candidate for US presidency Barack Obamas “Hope and Change”- campaign influenced the whole world, of course, but especially the people here in East Africa. The opportunity to have a half-East-African as the most powerful man in the world set the masses under electric voltage. You will not find one single Kenyan, Tanzanian or Ugandan who is not fanatic for Obama. Furthermore many so-called political realists call Obamas thesis too “simple” and “unrealistic” but I think millions of ordinary people all over the world understand it`s barely positive character which is including people, not excluding, which is not awaking fears against somebody to present you as a protection and not raising political profit in planting hate and primitive instincts in the minds of the own clientele. Conservatives will never be able to create a positive vision like this.

Despite the fact that now the USA is the far most hated country in the world – from Asia to Africa, from Europe to Latin America –, despite the fact that current US-Republicans are broadly recognized as the political executors of a mostly white minority, in some parts fundamental christians, in some parts with racist views, with the power of oil and other industries in the background, with no other interest in the world than defend their own property, Barack Obamas pure existence is a symbol to the world that things will may not going worse forever. Of course, Obama is charged with a lot of legendary symbolism between Martin Luther King`s movement for civil rights and John F. Kennedy`s charming and jovial aura and it will be very difficult for him to fulfill all this hopes and dreams he awakened (?) in the people. But his precursor performed so badly and his footsteps will be so small that together with the worlds deep breathe again that this guy is away Obama will have a big credit for making mistakes and find into his presidency step by step.

 I remember what a friend of mine told me about the visit of George W. Bush in Tanzania`s capital Dar Es Salaam in march 2008. He was landing on Nyerere International Airport with three planes, one of them full of security staff, the second full of armored vehicles and the third with himself. Helicopters were circling above Dar Es Salaam downtown, streets were blocked, inhabitants prohibited to enter city center, even the cellular phone network was interrupted for the duration of Bush`s stay in Dar. “What this guy thinks who he is?” my friend said, “He is coming here at the end of his presidency of eight years which clearly proves that we were not important enough for his political agenda and than he invades our capital with his security forces. We are not interested in him and we know that he only appears for bargaining permission for a US military base with our corrupt political leaders.” – “It`s the same like in Germany,” I replied, “of course he was there I think four times but all places he visits were invaded by his guards and sharp shooters, blocking the streets and force ordinary people out, changing previous peaceful locations in fortresses so that everybody knows that the world`s most hated leader is here…”

Gregor Joseph Adolf Pol Pot Gysi, oder: Wie die BILD Geschichte ins “rechte” Licht rückt

Es hat natürlich gar keinen Zweck, sich über Äußerungen der BILD-„Zeitung“ überhaupt aufzuregen. BILD-„Zeitung“ „lesen“ doch nur Leute, die es nicht anders verdient haben. Ihr BILD-„Zeitungs“-„Journalisten“ könnt euch wirklich auf den Kopf stellen, euer Geschreibsel interessiert nur Leute, die entweder ein ernsthaftes Problem mit rudimentärstem Textverständnis oder ein ähnlich gestörtes Verhältnis zur Realität haben – wie ihr. Wie anders ist es sonst zu erklären, was Dr. Nicolaus Fest in seiner aktuellen Kolumne „Hieb und StichFest (und das kann nur ironisch gemeint sein, wenn Herr Dr. Fest, den Artikel, den er versucht zu verreissen, tatsächlich gelesen hat) mit dem Gysi-Portrait der ZEIT anstellt? Herr Dr. Fest wirft der ZEIT nämlich vor, sie würde die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung umschreiben. Diesen Intention meint Herr Dr. Fest aus ZEIT-Redakteurs Christoph Dieckmanns Sätzen:

„Gysis größtes Verdienst betrifft die deutsche Einheit. Es ist ihm maßgeblich zu verdanken, dass eine enorme Menge der staatsnahen DDR-Bevölkerung sich zur parlamentarischen Demokratie überreden ließ,“

herauslesen zu können. Fest erwidert darauf:

„Aha. So war das also.  Die Demonstranten in Leipzig, Dresden und Ost-Berlin wollten zunächst gar nicht die parlamentarische Demokratie, wollten kein selbst bestimmtes, ungegängeltes „Leben der Anderen“.

Herr Dr. Fest, die Rede ist von der staatsnahen Bevölkerung. Für Sie noch mal zu Erklärung: Staatsnahe Bevölkerung, also SED-Mitglieder, protestierten im Allgemeinen nicht auf Montagsdemonstrationen gegen den Staat. Wirklich hieb- und stichfest, Ihre „Argumentation“, Herr Fest. Christoph Dieckmann hat klar zum Ausdruck gebracht, was er meint, er schreibt im folgenden:

„Die SED hatte vor der Wende 2,3 Millionen (Mitglieder). Sie befehligte noch Armee, Polizei, Geheimdienst, als ihr im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren wurde. Nur in tiefster Krise konnte dieser intellektuelle Entertainer Honecker und Krenz (als Parteivorsitzender) beerben. Frisch gewählt, schwenkte Gysi statt Blumen einen Besen, verhieß demokratischen Kehraus – und half der PDS gewordenen SED, ihr Parteivermögen zu retten.“

Und was drehen Sie daraus, Herr Dr. Fest?

„In Wahrheit waren sie, [...] gar nicht sicher, ob sie ihre verfallenden Städte, die Fürsorge der Stasi [...] tatsächlich gegen Reise- und Meinungsfreiheit, D-Mark und Rechtstaatlichkeit eintauschen sollten. Lange schwankten sie, [...] ob sie das Grau ihrer Häuser wie ihres staatlich überwachten Lebens den Billionensubventionen der alten Bundesländer opfern sollten. Doch dann wurde ihnen, so Dieckmann, „im Dezember 1989, kurz vor Mitternacht, ein kurioser Heiland geboren“ – Gregor Gysi. Erst dieser Heiland nahm das schwankende Volk an die Hand und überredete es, den Weg ins neue, wenn auch kapitalistische und daher keineswegs gelobte Land mal zu versuchen. Das ist nun zugegebenermaßen eine Deutung der Wiedervereinigung, die man außerhalb der ZEIT noch nie lesen konnte.“

Herr Dr. Fest, in der ZEIT steht von Ihren soeben zusammenphantasierten Absurditäten nicht das Geringste. Christoph Dieckmann bezeichnet Gysi als „Heiland“ der SED/PDS und selbstverständlich nicht der DDR-Bevölkerung. Die nicht-staatsnahe DDR-Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt nämlich weder von Herrn Gysi noch von der SED/PDS sonderlich begeistert, wie es bei Dieckmann auch ganz deutlich steht:

„Im Volkskammer-Wahlkampf hielt er der Ost-Wut stand, ließ sich bedrohen und mit Kuhglocken niederläuten. Dank Gysi errang die PDS am 18. März 1990 bei den freien Wahlen 16,3 Prozent.“

Von „Billionensubventionen der alten Bundesländer“ war im Dezember 1989 noch keine Rede, Herr Dr. Fest – ganz davon abgesehen, dass Sie damit den Ossis das Verdienst an „ihrer“ friedlichen, demokratischen Wende 1989 komplett streitig machen, indem Sie ein rein monetäres Motiv unterstellen. Niemand wusste damals, wie es weitergehen würde. Oder sind Ihre Kenntnisse neuerer Geschichte ebenso rudimentär wie Ihr Textverständnis, wenn Sie nicht wissen, dass die deutsche Einheit erst mit den 4+2-Verhandlungen zwischen USA, Frankreich, Sowjetunion, Großbritannien und den beiden deutschen Staaten möglich wurde – und zwar im Frühjahr 1990?

Wenn der Leser jetzt aber glaubt, Fest hätte sein Potenzial an Absurditäten für dieses mal schon ausgeschöpft, der irrt. Denn in Fests kunterbunter Klischeekiste fehlt ja noch was: Gysi, Ossis, SED/PDS, „Das Leben der Anderen“… Stasi!

„Gysi und die Stasi-Vorwürfe, das ist ein alt vertrautes Karussell. Es kreist jahrein, jahraus. Dieselben Pferdchen kommen immer wieder vorbei,“

schreibt Dieckmann. Und da in Herrn Dr. Fests BILD-„Zeitungs“-geschulten Gehirn sich einmal ein Gedanke verfangen hat, bleibt er dabei:

„[...] Auch das ist ein Gedanke mit dem Potential, die Geschichte ganz neu zu schreiben. Auf andere Heilsbringer angewandt, ließen sich schöne neue Biographien verfassen. Stalin ohne die Karussell-Pferdchen Gulag, Deportationen und Kulackenmord; Pol Pot ohne die „killing fields“; und auch unser Adolf wäre in dieser Betrachtung vermutlich ein famoser Kerl, wenn nicht immer der Vorwurf des Judenmordes im Raum stehen würde.“

Was Stalin seine Gulags mit Millionen Toten waren, Pol Pot seine „killing fields“ und Hitler der Holocaust – dass ist Gysi seine Vergangenheit als Anwalt für DDR-Dissidenten, eine Rolle, in der er selbstverständlich Kontakte zur Stasi hatte… Was soll man dazu noch sagen? Das Beste wäre wohl: Ach, es ist ja bloß die BILD…

„Zum allerersten Mal seit 1949 existiere ein nennenswertes Bedürfnis nach einer politischen Kraft links von der Sozialdemokratie. In der alten Bundesrepublik sei das ja nicht nötig gewesen. Es gab den rheinischen Kapitalismus, sagt Gysi, das war ein Sozialstaatskompromiss, geformt in der Systemauseinandersetzung mit der DDR. Er war demokratisch, er fand Lösungen auch für Arbeitslose, Kranke, Rentner. Alle hatten am Aufschwung teil. Das ist spätestens seit Schröder vorbei,“

zitiert ZEIT-Redakteur Dieckmann Gysi. Und hier liegt der eigentliche Grund für BILD-Kolumnist Fests tatsachenverdrehendes Geschwafel. Zu Zeiten des Kalten Krieges befand sich der „Westen“ in System-Konkurrenz mit dem „Osten“ und zeigte deshalb – insbesondere im „Frontstaat“ Bundesrepublik Deutschland – seiner Bevölkerung, auf deren Unterstützung er angewiesen war, ein freundliches, fürsorgliches, wohlfahrtsstaatliches Antlitz. Nach Ende des Kalten Krieges war das nicht mehr notwendig – und die Bevölkerungsmassen der für das turbokapitalistische System ökonomisch „Überflüssigen“ werden als genau das behandelt. Dass ein neokonservativer Volksverdummer wie Dr. N. Fest das mit einer Wolke absurdester Worthülsen einzuhüllen versucht, verstehe ich ja – und breite gnädig den Mantel des Schweigens über den Rest seines „Artikels“.   

Witchcraft – Hexenglaube in Ostafrika

RIESIGE HEXENVERBRENNUNG – 11 TOTE brüllt uns der „Kölner Express“ [1] in seiner Online Augabe in RIESIGEN BUCHSTABEN entgegen, findet es

„Unfassbar! Es gibt auf der Welt tatsächlich noch Hexen-Verbrennungen.“

Und berichtet fassungslos, dass in einem Dorf im Kisii-Distrikt in Kenia am vergangenen Mittwoch 11 Frauen und Männer im Alter von 80 bis 96 Jahren brutal vom Mob ermordet wurden. Außerdem hätten zahlreiche Dorfbewohner Verständnis für die Tat geäußert, da die Polizei sie nicht vor Hexerei schützt. Als Erklärung hat das Blatt anzubieten:

„Hexenglaube ist in der Region weit verbreitet.“

Das wars. Afrika mal wieder. Tss, tss. Der „verlorene Kontinent“. Hoffnungslos. Die machen sogar noch Hexenverbrennungen, in der modernen Zeit, wo wir doch die letzte Hexe schon vor 250 Jahren verbrannten… Da schüttelt der aufgeklärte Europäer das weise Haupt, legt den „Express“ oder auch „Die Zeit“ beiseite, in der dasselbe steht, nur mit Haupt- und Nebensätzen, schaltet DSDS ein und hat dabei nicht mal den geringsten Hauch einer Ahnung davon, was in der Welt tatsächlich alles sonst noch so vor sich geht…

Eine etwas detailliertere Aufklärung aus erster Hand findet sich wieder mal nur bei der guten, alten Tante BBC und nicht der klaustrophobisch nach innen fixierten, deutschen Presse. Demnach seien 19 Dorfbewohner festgenommen worden, die das Massaker vielleicht nicht selbst durchgeführt, aber angestiftet hätten. Sie hätten eine Liste der Opfer mit angeblichen Beweisen erstellt und der Mob habe diese einzeln aus ihren Häusern gezerrt. Das Dorf sei von der Polizei besetzt, um alle Schuldigen zu verhaften und Racheaktionen zu verhindern. Es sei in der Region in der Vergangenheit mehrmals zu ähnlichen Übergriffen gekommen, bei denen angebliche Hexen ermordet oder vertrieben wurden – die hohe Zahl an Opfern sei jedoch überraschend. Die Hinterbliebenen der Opfer hielten sich versteckt – sie fürchten um ihr Leben.

Was ist nun dran an diesen „primitiven Stammeskulten“, dem „Vodoo“ oder der „witchcraft“, dem diese unverbesslichen Afrikaner immer noch in Scharen anhängen? Zunächst mal ein persönlicher Eindruck: Hexerei kommt im Alltag, zumindest hier in Tanzania nur in zahlreichen Horrorfilmen der nigerianischen Videoindustrie („Nollywood“) – und im Fußball vor, wo z. B. Amulette und Reliquien im Torraum vergraben werden. Bezüglich des beliebten Themas „witchcraft“ in Horrorfilmen gibt es soziologische Theorien darüber, dass sich Afrikaner in vielen Ländern die unfassbaren Einkommensunterschiede und Ungerechtigkeiten ihrer Gesellschaften nicht mehr mit Korruption erklären können, sondern mit übersinnlichen, bösen und antichristlichen Hexenkulten (z. B. „vulture occult“). Eine ausführliche Beschreibung des Problems findet sich im britischen „Independent“, in einem Artikel über Tanzania vom 28.11.2005. Korrespondent Oliver Duff berichtet aus Mwanza (Lake Victoria), dass in abgelegenen Regionen des Landes womöglich pro Jahr über 1.000 hauptsächlich alte Frauen, die keine Kinder haben, um sie zu beschützen, Hexenverfolgungen zum Opfer fallen. Er benennt Einzelschicksale: Die 70-jährige Lemi Ndaki aus dem Dorf Mwamagigisi, drei Autostunden entfernt von Mwanza, die eines Nachts vor 19 Jahren gerade noch den Arm zwischen sich und die auf sie niedersausende Machete bringen konnte, von dem durch ihre Schreie geweckten Nachbarn gerettet wurde und deshalb „nur“ den Arm verlor. Ng’wana Budodi, Kabula Lubambe, Helena Mabula, Ng’wana Ng’ombe und ihr Mann Sami aus demselben Dorf wurden erschossen, erstochen, erschlagen oder verbrannten in der angezündeten Hütte.

Betroffen seien hauptsächlich die Distrikte Mwanza, Shinyanga und Tabora, die mehrheitlich vom Sukuma-Tribe bewohnt werden, fährt Duff fort, die tanzanische Regierung tue nichts und verharmlose das Problem in ihren offiziellen Statistiken: Von 1970 bis 2003 sei es zu 3.072 Todesopfern gekommen, lautet eine Angabe, während ein Report einer Regierungskommission von 1989 allein zwischen 1970 und 1983 schon 3.593 angezeigten Todesopfer durch Hexenverfolgungen angebe und laut inoffiziellen Angaben eines Polizeibeamten eine interne Studie des Innenministeriums für die Zeit zwischen 1994 und 1998 über 5.000 Todesopfer festgestellt habe.

Dorfbewohner machten für persönliche Schicksalschläge: ein gestorbenes Kind, schlechte Ernten oder unbefriedigende Farmansiedlungen; Hexen verantwortlich und es gäbe Banden von professionellen Killern, die von Dorf zu Dorf zögen um sie zu beseitigen. Die gegenwärtige Bezahlung liege bei umgerechnet 100 US$ oder einem Rind. Manchmal breche auch der offene Lynchmob aus und die Opfer werden massakriert – oft sogar angestiftet durch eigene Familienmitglieder. Die Ursache für die Morde an angeblichen Hexen liege darin, so Duff, dass das Leben für die Bauern in diesen abgelegenen Region so hart sei und sich Nachbarn und Verwandte in einem harten Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen befinden. Das jährliche Durchschnittseinkommen liegt bei 330 US$, die durchschnittliche Lebenserwartung bei 46 Jahren. Es gibt keine Elektrizitätsversorgung, das Wasser ist knapp und die Ernteerträge schwanken stark, die Häuser sind aus Lehm mit Strohdächern. Während der Regenzeit sind die Dörfer größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten, was auch erklärt, warum Behörden nicht viel tun können. Seuchen wie Malaria, Typhus, Polio, Dysenterie und v. a. HIV/AIDS sind für viele Bauern tödliche Schicksalsschläge bei mangelnder Hygiene, Bildung und Gesundheitsversorgung, die sie sich mit Hexenkraft erklären.

Die Problematik, dass es beim Konkurrenzkampf einer trotz allem wachsenden Bevölkerung um knappe Ressourcen zu Gewaltausbrüchen bis Bürgerkriegen kommen kann, benennt die Malthus-Theorie. Sie besagt, dass es bei grundsätzlich exponentiellem Bevölkerungswachstum und gleichzeitig aber nur grundsätzlich linearem Anstieg der Nahrungsmittelproduktion[2] zu einer wachsenden Lücke zwischen beiden Kurven und damit einer wachsenden Ressourcenknappheit kommen muss. Die Theorie würde auch erklären, warum in Europa die Hexenverfolgungen mit der beginnenden Industrialisierung aufhörten. Oliver Duff bietet auch noch eine andere Erklärung für die „Hexen“-Morde im subsaharischen Afrika an: Der Zusammenbruch des traditionellen, dörflichen Stammessystems[3]: Lokale Chiefs wurden abgelöst durch weit entfernt residierende Regierungsbeamte, die nicht im Dorf sozialisiert sind. Eine Rechtsordnung besteht, die nur theoretisch ist, da sie in den weitabgelegenen, infrastrukturell unerschlossenen Dörfern nicht exekutiv durchgesetzt werden kann. In diese Autoritätslücke stoßen „traditionelle“ Heiler: „witch doctors“ – oftmals Hasadeure und Betrüger, die letzte Reste des traditionellen Glaubens für ihre geschäftlichen Machenschaften ausnutzen. Eine Hexendoktorin erklärte es Oliver Duff:

„Wenn du eine unbekannte Krankheit hast, heisst dass, Hexerei ist im Spiel. Geister erzählen mir, wer die Hexe ist, wenn ich schlafe. Das erzähle ich dann dem Patienten. Wenn dieser stirbt, wollen die Verwandten die Hexe töten. Es ist zur Sicherheit.”

Es ist also viel plausibler, dass die Hexenglaube und Hexenverfolgungen im subsaharischen Afrika nichts mit „primitiven Stammeskulten“ zu tun hat, sondern eher mit dem Zusammenbruch der traditionellen Dorfgesellschaften. Aber dies und Erklärungen wie die Malthus-Theorie gehen der deutschen Presse natürlich viel zu weit. Man beschränkt sich auf sensationsheischenden Schock-Journalismus, der wieder mal nur das Bild vom „unterbelichteten, primitiven Afrikaner“ in die Öffentlichkeit schreit und dem Eingeborenen der europäischen Überflussgesellschaft nur ein wohliges, kleines Gruseln angesichts der unheimlichen Welt vor den Toren der „Festung Europa“ über den Rücken jagt.


[1] Gefunden via POLITISCH KORREKT

[2] Wachstums-„sprünge“ in der Nahrungsmittelproduktion sind zwar möglich – etwa durch die flächendeckende Einführung der technisierten Landwirtschaft, Schädlingsbekämpfung, Düngung oder neue Anbausorten, niemals aber ein gleichmäßiger, exponentieller Anstieg.

[3] Duff macht im Fall Tanzanias den Ujamaa-Sozialismus des Staatsgründers Julius Nyerere verantwortlich – ich persönlich halte das Argument aber nicht für stichhaltig. Zwar hat die Kollektivierung und Zwangsumsiedlung von Bauern zusammen mit dem Krieg gegen Uganda (1979) Tanzanias Wirtschaft ruiniert – die sozialistische Zeit endete aber in den frühen 1980er Jahren, es gibt heutzutage kaum noch bewohnte Ujamaa-Dörfer und Hexenverfolgungen gibt es nicht nur in Tanzania, sondern auch in Ländern, die nie sozialistisch waren wie Kenia.

Homer Simpson for President!

Anlässlich des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos äußerte sich der Soziologe und Reichtumsforscher Prof. Hans Jürgen Krysmanski im stern.de-Interview über Netzwerke des Geldes und der Macht und den Diskurs der Eliten.

„Das World Economic Forum ist etwas Besonderes geworden, weil dort Spitzenmanager mit Vertretern anderer Eliten in Berührung kommen. Das ist ja gar nicht selbstverständlich. [...] aufstrebende Politiker aus Afrika auf, die Musiklegende Brian Eno [...], Hollywoodstar Angelina Jolie [...] Wissenschaftler [...] alle verständigen sich selbstverständlich über Fragen, die jeden Menschen auf der Welt betreffen, aber es ist ein Diskurs unter Eliten für Eliten. Wenn dabei etwas für die Massen „abfällt“, ist das eher Zufall. „

„Davos ist ein Symbol für die Privatisierung der Macht. Schon längst sind große transnationale Konzerne mächtiger als die meisten Regierungen [...] Politische Macht ist abgewandert in die Finanzsphäre und in die Hände einer neuen Managerklasse, die über informelle Netzwerke weltweit politisch wirksam wird. [...] Dieser Primat der Politik aber wird derzeit in einem erschreckenden und noch gar nicht begriffenen Ausmaß ausgehöhlt. [...] gerade auch in den Bollwerken der westlichen Demokratie [...]„

„Wir sprechen von tausend bis zweitausend Milliardären, von hundert- bis zweihunderttausend Personen mit einem frei verfügbaren Geldvermögen von je über 30 Millionen Dollar weltweit. Das ist eine winzige Gruppe. Und doch scheint der auf dieser Welt produzierte Reichtum in diese Richtung zu fließen [...]„

Wie ist vor diesem Hintergrund das Wahlspektakel in den USA zu bewerten?

„Politische Macht ist unsichtbar geworden und zugleich weiß jedermann, dass es sie gibt,“

sagt Krysmanski (bezugnehmend auf Davos).

„Deshalb wird diese neue Form der Macht in prächtigen Schaubildern inszeniert.“

Dieser Eindruck drängt sich beim US-Vorwahlkampf allerdings auch auf. Sind Politiker als vom Volk gewählte Repräsentanten inzwischen mehr oder weniger Polit-Darsteller auf der Bühne der öffentlichen Aufmerksamkeit? Kaum mehr als Comic-Figuren, auf die sich Träume und Hoffnungen von Millionen marginalisierter Bürger projizieren?

homer_for_president.jpgobama_superman.jpg
Welchen dieser Kandidaten würden Sie wählen? (Quelle 1, 2)

Die schon immer – diesmal aber besonders starke – Art der Personalisierung mag ja dem ganzen Schauspiel die Spannung einer Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft verleihen, lassen wir uns davon aber nicht allzusehr mitreissen und vergessen über den ganzen bunten Bildchen die wirklich wichtigen Fragen zu stellen? Wer zahlt und v. a. warum zahlt jemand für das ganze Spektakel? Laut der „Federal Election Commission“ könnte der gesamte Präsidentschaftswahlkampf diesmal nicht nur die 1-Mrd.-US$-Schallmauer durchbrechen, sondern direkt die 2-Mrd-US$-Schwelle erreichen. Lagen die Kosten der Präsidentschaftswahl 2004 insgesamt noch bei 693 Mio. US$, wurden bis jetzt -obwohl die eigentliche Präsidentenwahl erst am 04. November stattfindet- schon fast 600 Mio. US$ an Spenden eingesammelt. Und diesmal liegen die demokratischen Präsidentschaftsbewerber mit ihren „Kriegskassen“ weit in Führung – obwohl die Republikaner gemeinhin als Vertreter der US-Großindustrie betrachtet werden: Hillary Clinton sammelte 118 Mio. US$, Barack Obama 104 Mio., gefolgt von Mitt Romney mit 90 Mio., John McCain mit 42 und Mike Huckabee mit nur 9 Mio. US$. (Quelle) Wer immer die noblen Spender sind -von Obama heisst es, das hauptsächlich kleine Spender zu seiner Wahlkampfkasse beitragen würden und er Geld von „der Wall Street“ ablehne und von Romney, dass er einen Großteil aus seinem eigenen Multi-Millionen Doller-Vermögen eingebracht habe- zeichnet sich hier bereits eine Entscheidung um das Präsidentenamt ab?

Für das Geld wird uns aber auch eine perfekt inszenierte Multmedia-Show geboten, bei der mich (natürlich) insbesondere Barack Obamas Kampagne beeindruckt: „Change – we can believe in“: Partizipation, gelebte Demokratie, eine bessere Zukunft und ein neues Amerika. Der USA-Korrespondent der „Wirtschaftswoche“, Dieter Schnaas, berichtet über eine Wahlkampfveranstaltung in South Carolinas Hauptstadt Columbia am 25. Januar, dem Tag vor den Vorwahlen:

Amerika steht vor dem Ruin, ruft Obama, die Regierung sei ein Synonym für Korruption und Vetternwirtschaft, Washington ein Sammelbegriff für die Herrschaft von Lobbyismus und Unternehmensinteressen, Amerikas internationale Reputation durch eine bornierte Klimapolitik und dumme Kriege dahin […] [Aber eine Wandel ist möglich], durch eine nationale Anstrengung, [...] im Namen aller Amerikaner [...] durch ein Ende der alten Grabenkämpfe zwischen Demokraten und Republikanern, durch einen neuen Anfang und eine überparteiliche Politik des gesunden Menschenverstandes, die zum Beispiel nicht wollen kann, dass 47 Millionen Amerikaner nicht krankenversichert sind.

„Hoffnung“, ruft Obama, „bedeutet nicht, dass man sich etwas wünscht, sondern dass man sich Ziele setzt, um sie kämpft, sich für sie abrackert – und manchmal auch für sie stirbt“.

Einen Tag seinem Vorwahlsieg in South Carolina erhält Obama Unterstützung durch die liberalen Säulenheiligen Amerikas, den Kennedy-Clan:

„Ich habe keinen Präsidenten erlebt, der mich so inspiriert hat, wie mein Vater andere Menschen inspiriert hat“, schreibt John F. Kennedys Tochter Caroline in der „New York Times“, „und ich glaube, in Barack Obama den Menschen gefunden zu haben, der dieser Präsident sein könnte…“

Die anderen Präsidentschaftskandidaten konnten sich dem Sog von Obamas „Change“-Kampagne nicht entziehen: Hillbilly R. Clinton predigt den „cleverern Wandel“ und John Edwards (im Achtelfinale ausgeschieden) „wirklichen Wandel“, auch die republikanischen Kandidaten präsentieren sich als Erneuerer und der amtierende Präsident George W. Bush könnte, um einen von ihnen zu bestrafen, auf dessen Wahlkampfveranstaltung auftreten.

Ach, ist das schöööööööön, und es könnte dem Autor die Tränen in die Augen treiben – wenn, ja wenn ich religiös wäre. Ich glaube nicht an Erlöser. Politische Heilsversprechen mit dem Potenzial, dass sich alles von nun an in Richtung einer anderen, besseren Welt bewegen wird, dass der Zeiger einer Richterskala nach all den Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu weit ausgeschlagen ist und sich nun wieder zurückbewegen muss, hat es schon zu oft gegeben – man denke etwa an Präsident Lula in Brasilien oder Nelson Mandela in Südafrika. Und Präsidentschaftskampagnen, die hunderte Millionen Dollar kosten, können nicht die „Interessen des kleinen Mannes“ gegen die Strukturen und Netzwerke des „großen Geldes“ vertreten. Millionensummen würden nicht fliessen, wenn Unterstützer nicht ein „Shareholder Value“ des entsprechenden Kandidaten nach Antritt der Präsidentschaft erwarten würden.

Vorbehaltlos unterstützte ich deshalb nur eine einzige Kandidatur, die Homer Simpsons, welche er hier in der „Late Show with David Letterman“ ankündigt.

[Den besten Punkt der Top-Ten-Liste "Gründe, warum Homer Präsident werden sollte" finde ich No. 8: "FOX News (welches "The Simpsons" in den USA ausstrahlt) hätte ich in jedem Fall auf meiner Seite."]

Verwandte Artikel:

„Gottesstaat“ USA: Die Präsidentschaftswahl 2008 und der Kampf um die Deutungshoheit über dem Altar

Mediale Vergewaltigungsopfer

Leider, leider habe ich im Moment keine Zeit für tiefschürfende Textanalysen. Denn dieser Phallisch Inkompatible (PI) Artikel haut mich echt vom Hocker. Kurz zusammengefasst:

Roland Koch hat die Wahl in Hessen verloren, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk gleich einem Triebtäter manisch über jeden armen Konservativen dieses Landes herfällt und ihn medial vergewaltigt.

So weit, so Pathologisch Irrational (PI). Was mich dabei jedoch am meisten verwirrt, ist: Gibt es nicht mal mehr im stramm rechtskonservativen Lager noch echte Männer? Nur noch heulende Memmen, die, wenn etwas nicht läuft wie geplant, alles auf das böse, böse Umfeld schieben, statt zu sagen: Gut. Hab ich wohl die Situation falsch eingeschätzt. Ist halt wie es ist. Das Leben geht weiter… ?

Ich meine, wie unaussprechlich armselig muss man eigentlich sein, um sich bzw. das eigene rechtskonservative Lager als mediales Vergewaltigungsopfer zu inszenieren?

Eigentlich fällt mir dazu nicht mehr viel ein.

So sehen Sieger aus…

linke_glueckwuensche_01.jpg

Und was jetzt fehlt, G’nossen, ist ein klares parteiprogrammatisches Bekenntnis zur sozialen, d. h. keynesianistischen Marktwirtschaft – mit der Betonung auf ersterem Attribut. Und nicht -wie Sie, geschätzter Herr Gysi, bei AnneWill am vergangenen Sonntag- von „neuen, sozialistischen Konzepten in Südamerika“ schwärmen. Dass das mit dem selbstverliebten, egomanischen Großmaul Chavez in Venezuela klappt, liegt allein an den sprudelnden Staatseinnahmen aus dem sprudelnden Erdöl, da sollten wir uns ja wohl nichts vormachen…

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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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