Dümmliches Herumgebroder

Es gibt Leute wie Henryk M. Broder, die erreichen viel öffentliche Aufmerksamkeit auch für den geringsten Verbaldünnschiss. Broder bietet eigentlich nur noch Reibungsfläche ohne Substanz und sonnt sich in der generierten Aufmerksamkeit wie ein Frührentner, dessen Lebensinhalt darin besteht, seine Nachbarn zu terrorisieren.  Für mich ist er außerdem ein Symbol für den zum Neocon mutierten früheren linksliberalen Intellektuellen, der mal Ideale und was zu sagen hatte, dann aber aus persönlicher Eitelkeit und/oder des Geldes wegen der Versuchung erlag, den Mächtigen nach dem Mund zu reden. Und so salbadert Broder heute von den Gefahren eines „Einknickens“ vor der „islamischen Weltverschwörung“, um von den tatsächlichen Gefahren des Herausfallens ganzer Erdteile bzw. Bevölkerungsschichten aus dem Weltwirtschaftssystem abzulenken, dem kleinbürgerlichen Globalisierungsverlierer was zum Hassen zu geben – und dem „präventiven“ Sicherheitsstaat publizistische Unterfütterung, damit der dann notfalls sein Arsenal an polizeilichen bzw. weltpolizeilichen Maßnahmen gegen das Millionenheer der Marginalisierten auffahren kann. Außerdem symbolisiert er m. E. wie anerkannte neokonservative Intellektuelle ohne Zögern tief ins hinterste versiffte Plumpsklo der Medienlandschaft greifen, wenn das ihren Zielen dient. Und so bringt er es nicht einmal fertig, sich mehr als nur halbherzig vom Hass- und Hetzblog PI zu distanzieren.

Wegen der Ankündigung des Vorsitzenden des Innenausschusses des Bundestages, SPD-MdB Sebastian Edathy auf „Spiegel Online“, den Verfassungschutz auf PI aufmerksam machen zu wollen, schreibt Broder auf „Die Achse des Guten“ über PI könne man

„…sehr geteilter Meinung sein, vieles spricht dafür, dass es sich um eine Internet-Sekte handelt, die extrem monothematisch ausgerichtet ist.“

Über eine Webseite, die gerade in letzter Zeit durch eindeutig rassistische Artikel seine Kommentatoren aufhetzte und Spam-Email-„Fatwas“ gegen mißliebige Meinungen verhängt, ist er „geteilter Meinung“, weil „vieles dafür spricht“, dass sie „extrem monothematisch ausgerichtet“ ist. Aha. Aber eigentlich ist diese „Kritik“ schon zu hart, denn

 „…davon gibt es im Internet die Hülle und die Fülle, vom sog. Palästina-Portal eines westfälischen Frührentners, der es sich vorgenommen hat, den Nahostkonflikt zu lösen, bis zum BILD-Blog [...]“

Das BILD-Blog, welches Fehler in der Berichterstattung der größten deutschen Tages-„Zeitung“ mit BELEGEN richtigstellt und so oft genug tendenziöse Berichterstattung aufzeigt; und PI, das eine euro-islamische Weltverschwörung, die Unterwanderung unserer Gesellschaft durch Muslime, Quasi-Bürgerkriege in unseren Städten, eine grün-linke Dauerbeeinflussung der Mainstreampresse (z. B. BILD) usw. ohne irgendwelche glaubhaften Belege (die es ja nicht geben kann, weil die Mainstreampresse uns das alles verschweigt) wiederholt, wiederholt und immer wieder wiederholt, stehen also auf einer „extrem monothematisch ausgerichteten“ Stufe. Das Broder das ABC des Journalismus schon lange vergessen hat, kann man ja auch in seinen Büchern nachlesen.

Laut Broder sei es von PI auch

„…sicher keine gute Idee, sich mit einer obskuren Gruppe wie der JTF einzulassen. [...] auch wenn sie zufällig wie man selbst der Meinung sind, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht.“

Der „Jewish Task Force“ steht der wegen Terroranschlägen auf verschiedene sowjetische „weiche“ Ziele in New York 1987 in den USA zu 10 Jahren Haft verurteilte Victor Vancier vor, der seine Taten bis heute verteidigt. Gegenwärtig fährt die „JTF“ die Kampagne „Jews against Obama“, in denen der demokratische Präsidentschaftsbewerber als „5. Kolonne der Islamisten in den USA“ bezeichnet wird. Vielleicht sind sie aber auch, wie Broder, der Meinung, dass die Sonne im Osten auf- und Westen untergeht.

Im Anschluss präsentiert Broder der Öffentlichkeit seinen Email-Schlagabtausch mit besagtem Herrn Edathy.

„… [Im] zusammenhang (mit der von Edathy empfohlenen Verfassungsschutz-Beobachtung PIs – Anm. d. A.) [würde es mich] interessieren, ob sie den verfassungsschutz auch darum gebeten haben, websites wie z.b. “muslimmarkt.de”  zu beobachten, weil dort antisemitische propaganda betrieben wird,“

fragt er an und Edathy antwortet:

„Darf ich Ihre Email so verstehen, dass Sie die Seite pi-news.net als unproblematisch erachten [...]? Wenn dem so ist, leite ich Ihre Email und diese Antwort gerne an die Mitglieder des Innenausschusses des Deutschen Bundestages weiter – gerade mit Blick auf die öffentliche Ausschuss-Anhörung am 16.06.2008 [...]“

Die Verbindung Broder-PI ist kein Geheimnis. Ausserdem würde jeder normalsterbliche Bundesbürger zu einer Frage, die ihn in der Sache interessiert, eine Google-Recherche machen, auf den Verfassungsschutzbericht stoßen oder den später noch zu erwähnenden Wikipedia-Eintrag. Natürlich ist Broder kein Normalsterblicher und das macht er Edathy jetzt erstmal klar. Er ist nämlich

„[...] der steuerzahler [...],“

und damit, Herr Edathy

„[...] ihr arbeitgeber [...]“. 

„ich [erwarte] deswegen, wie von jedem angestellten, [...] dass sie ihre arbeit machen und sich nicht in rabulistik üben.“

Darüber hinaus wird der Chef bald auch mal persönlich vorbeikommen, und:

„[...] ihre nicht-antwort auf meine anfrage bei der ausschuss-anhörung am 16.6. den mitgliedern des ausschusses zu präsentieren, als illustration für den extrem sensiblen umgang mit antisemitischen randerscheinungen.“

Das hat gesessen. Har har har. Der schlicht mit „b.“ unterschreibene Chef von Herrn Edathy wird also bei der Anhörung eine Nicht-Antwort als Illustration präsentieren, wo man ihm – wahrscheinlich rein interessehalber, wie das wohl anstellen mag – dann selbstverständlich auch Redezeit einräumt. Der Art, wie Herr „b.“ die Begriffe „Arbeitgeber“ und „Angestellte“ definiert, ist übrigens ausgesprochen dehnbar: Als jahrelanger „Spiegel“-Abonnent und „Spiegel“-Online-Leser, der mit meinen Zahlungen Ihren Lebensunterhalt mitfinanzierte, Herr Broder, erwarte ich, dass Sie sich endlich mal rasieren und aufhören, so einen Schwachsinn zu fabrizieren, jawohl!

Herr Edathy gibt in seiner neuerlichen Antwort nun zu bedenken, dass

„…meines Wissens die Internetseite muslim-markt.de vom Verfassungsschutz ausgewertet wird. Bezüglich der Seite pi-news.net bin ich mir diesbezüglich nicht sicher.“

Und hängt einen Wikipedia-Link an seine Mail, dass „muslimmarkt.de“ im Verfassungsschutz-Bericht schon ab 2005 erwähnt wird. Da Herr „b.“aber schon die Definitionsmacht darüber besitzt dass “1,3 Mrd. Muslime in aller Welt zum chronischen Beleidigtsein neigen”, der Unterschied zwischen Islam und Islamismus feinsinnig ist“ usw., ist es für ihn auch ein Leichtes seine, sagen wir mal, etwas phantasielose Erwiderung als geistreiche Pointe zu definieren:

„ich bin zutiefst beruhigt, dass der vorsitzende des innenausschusses des bundestages sich über die aktivitäten des verfassungsschutzes aus wikipedia informiert.“

Dass übrigens der Herr SPD-MdB Edathy ein gestörtes Verhältnis zur Meinungsfreiheit zu haben scheint, steht auf einem anderen Blatt: hier bei Herrn Hoff und hier die ganze Geschichte, wie Edathy die Nichtweiterbeschäftigung der Journalistin Susanne Härpfer bei „Zeit“-Online erwirkte. Es gab mal Zeiten, da beschäftigten sich Journalisten mit solchen Themen…

1 Antwort zu “Dümmliches Herumgebroder”


  1. 1 antifaunited August 19, 2008 um 8:31

    Ein Jahresrückblick des Kabarettisten Hagen Rether hat den Spiegel-Autor Henryk M. Broder ins Delirium versetzt

    http://antifaunited.wordpress.com/2008/01/13/spiegel-star-bald-im-koma/


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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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