Guter Rassismus, böser Rassismus

“Ich kenne es aus Berlin so, dass Kultur meistens von Zuzüglern herein gebracht wird, während der Urberliner ein ziemlicher Schmutzfink ist. Neulich brachte das mal ein Imam am Kottbusser Tor auf den Punkt, als er sagte, die Berliner stinken. Aber da war was los, sag ich euch”

schrieb user „mahabba“ im Forum von „politischkorrekt“ resp. „politblogger“. Und fast niemand störte sich an einer solchen Äußerung. Mich regt das auf, denn auch das ist Rassismus (ausserdem bin ich, rein zufällig, ein Ur-Berliner). Man stelle sich vor, da hätte statt „Berliner“ „Türken“, „Araber“ oder „Migranten“ gestanden – „mahabba“ wäre auf der Stelle verwarnt oder gesperrt worden. Die zitierte Äußerung des Imams vom Kottbusser Tor ist hier dokumentiert. Der „Gelehrte“ hatte Ende 2004 in seinen Predigten geäußert, die Welt hätte noch nie irgendeinen Nutzen von Deutschen gehabt, sie würden nur üblen Geruch verbreiten. Dummerweise bekam der Verfassungsschutz Wind von diesen Predigten und ermittelte gegen den Imam.

Nun mag der Rassismus von Angehörigen einer Minderheitsgesellschaft gegenüber der Mehrheitsgesellschaft keine so „schlimmen“ Konsequenzen haben wie umgekehrt – eigentlich schaden sie sich nur selbst, wenn sie etwaige Ressentiments in der Mehrheitsgesellschaft noch befeuern. Aber Rassismus bleibt Rassismus, egal von wem und gegenüber wem. Selbstverständlich gibt es quer durch alle Bevölkerungsgruppen Idioten wie diesen Imam oder „mahabba“, die ihr kärgliches Ego nur dadurch aufplustern können, in dem sie sich selbst künstlich überhöhen, in dem sie sich über andere Menschen erhaben dünken. Geschenkt. Was mir aber sauer aufstösst ist, dass es von normalen, aufgeklärten „politisch korrekten“ Menschen so wenig Widerspruch gegen diesen Rassismus der Minderheitsgesellschaft gegen die Mehrheitsgesellschaft gibt. Etwa bei einer Google-Suche zu diesem Thema stösst man fast ausschließlich auf Giftblätter wie „blaue Narzisse“, „Junge Freiheit“ oder „Grüne Pest“ – und denen geht es wohl kaum um die Bekämpfung von Rassismus. Überlässt man hier einen Teil der Auseinandersetzung mit dem weiten Feld „Rassismus“ nicht eigentlich Rassisten? Was ist so verboten daran, zuzugestehen, dass es in gesellschaftlichen Minderheiten auch Rassisten gibt und warum artet die Forderung nach Gleichberechtigung von Minderheiten oder depriviliegierten Gruppen (ähnlich war es beim Feminismus) so oft in einen Status der Überhöhung: „der/die ist besser weil er/sie einer Gruppe angehört, die lange Zeit unterdrückt wurde“, aus?

Oma F.’s Meinungsimperium

Zumindest bei Menschen, die auch ganze Sätzen lesen können, ist der Springer-Konzern seit 40 Jahren als spiessbürgerlich, reaktionär und manipulativ verschrien. Beispiele für diese These sind sehr zahlreich. Der Springer-Medienkonzern folgt, teils offen, teils verdeckt einer ganz klaren Agenda – was für ein “normales” Unternehmen ja auch ok wäre, nicht jedoch für einen Medienkonzern, der sich eigentlich journalistischen Grundsätzen verpflichtet fühlen müsste. Tatsächlich haben wir in Deutschland mit Springer so etwas wie Rupert Murdochs “News Corporation”  oder Berlusconis Medienimperium – eine Medienmacht, die sich in einer Hand konzentriert, welche mit einer ganz eindeutigen politischen Ausrichtung Ziele verfolgt und unsere demokratische und pluralistische Gesellschaftsordnung bedroht.

bildautomatBildquelle (cc) mkorsokov

Erstaunlicherweise ist diese Hand bei Springer die leicht schwächliche, blaugeäderte und leberfleckige Hand einer Oma. Oma F., die vor 44 Jahren als Kindermädchen bei Axel Springer begann und es über Tisch und Bett bis zur Mehrheitsaktionärin des größten europäischen Zeitungskonzerns brachte. Damals, zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens, war Axel Cäsar Springer 30 Jahre älter als F. und in vierter Ehe verheiratet. Er richtete seiner heimlichen Geliebten eine Wohnung ein; laut F. S.s Biographin stand sie in dieser Zeit unter hohem Psycho-Druck:

“… (F.) war Axel Springer ausgeliefert [...] ständig in der Angst, womöglich irgendetwas falsch zu machen, was seinen Unmut hätte erregen können, und dann wieder verstoßen zu werden, wie so viele vor ihr [....] An der Seite Axel Springers hatte sie auch bald keine Zeit mehr, ihre alten Freundschaften zu pflegen. Sie hatte sich auf den Verleger zu konzentrieren – die Bedingung dafür, dass sie bleiben konnte. Und sie wollte es so.”

Selber sagte F. S. einmal:

“Ich habe mich an seiner Seite entwickelt. Ich gebe es zu: Ich bin sein Produkt.”

Nach 10 Jahren, im Januar 1978, wird F. Axel Springers fünfte Ehefrau. Axel Springer starb 1985 und F. war Haupterbin und  (zusammen mit Springers Anwalt Servatius) Testamentsvollstreckerin. Zu diesem Zeitpunkt hat der Verlagskonzern jedoch eine äußerst verzwickte Unternehmensstruktur: ein Viertel der Aktien gehören den Springer-Erben, ein weiteres Viertel dem Felix Burda-Verlag; die andere Hälfte der Aktien ist in Streubesitz und von diesen kauft Leo Kirch nach und nach 40% zusammen, um unternehmerischen Einfluss auf den Springer-Konzern zu nehmen. Ihr gelang es in den folgenden 20 Jahren, die Anteile der Axel Springer AG so zurückzukaufen, dass die unternehmerische Mehrheiten der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. zufallen (50% plus 10 Aktien der Axel Springer AG). Ihr selbst gehören dabei 90% der Gesellschaftsanteile der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. sowie weitere 5% der Aktien der Springer AG (seit 2002). Sie selbst ist stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates des Springer AG; der Vositzende Matthias Döpfner ist allerdings ausdrücklich “ein Mann ihres Vertrauens”. (Quellen: 1, 2, 3)

Die Absurdität dieser Geschichte muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau, die ursprünglich offenbar weder Persönlichkeit noch eine eigene Meinung hatte, ein totales Landei, quasi wie eine leere Schachtel, die der alternde Eros und Großverleger mit Inhalt füllte, verfügt über die größte Meinungsmacht Europas… Dieses Ziel erreichte F. wohl auch mit zumindest moralisch ziemlich dubiosen Praktiken: Kurz nach Axel Springers Tod stellten F. und der Anwalt Servatius die These auf, dass der bereits sehr kranke Axel Springer kurz vor seinem Tod am 22.09.1985 in einer letzten Unterredung den Willen geäußert habe, sein Testament zu ändern. Dieser “allerletzte Wille” fand jedoch nie eine schriftliche Entsprechung – in Springers Testament von 1983 stand nach wie vor, dass seine Frau 50 %, sein Enkel Axel Sven und Tochter Barbara jeweils 25 % seiner Aktien der Springer AG erhalten sollten. Am 31. Oktober 1985, dem Tag der Testamentsvollstreckung in der Springer-Villa in Berlin, stellte Anwalt Servatius die Sache so dar, dass der entkräftete Axel Springer keine Zeit mehr gehabt hätte, sein Testament zu korrigieren, dass eigentlich so aussehen sollte: 70 % für die Witwe, je 10 % für die beiden Kinder Nicolaus und Barbara sowie je 5 % für die Enkel Axel Sven und Ariane. Springer habe nur noch eine mündliche Erbenvereinbarung aufsetzen können, die er, Servatius, niedergeschrieben habe, so Servatius. In der 22 Jahre später von Axel Sven angestrengten zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit F. S. und Servatius ging es u. a. um die Frage, warum Axel Cäsar Springer in jenen Tagen eine Geburtstagskarte an seinen Freund Max Schmeling schreiben konnte, aber angeblich zu schwach war, ein neues Testament zu unterschreiben.

berlin_axel-springer-hochhausSpringer-Zentrale in Berlin [Bildquelle (cc) wikimedia]

Der damals 19-jährige Gymnasiast Axel Sven, der direkt von seinem Schweizer Internat angereist war und offenkundig keine juristische Beratung hatte, akzeptierte die Erbenvereinbarung, die seinen Erbanteil um 20 % auf nur 5 % reduzierte. Ernst Cramer, einer der engsten Freunde von Axel Springer, bekundete seine “Bauchschmerzen” darüber, dass der Springer-Enkel nicht einmal über ein großes Risiko aufgeklärt worden war, dass er mit dieser Erbenvereinbarung einging: die mögliche Zahlung einer Schenkungssteuer in Millionenhöhe. Man kann sich vorstellen, wie überfordert Axel Sven war, dem mit allen Wassern gewaschenen Juristen Servatius gegenüberzustehen. Er hatte fünf Jahre zuvor seinen Vater verloren und war auch noch wenige Monate zuvor das Opfer einer Entführung geworden. Servatius hatte nicht nur Axel Svens Mutter nicht mit eingeladen, sondern womöglich auch dafür gesorgt, dass ein Exemplar des Testaments erst so spät abgeschickt wurde, dass der Springer-Enkel es nicht mehr rechtzeitig vor der Testamentseröffnung erhielt.  “Bitte erst am 28/10 verschicken”, steht auf dem Umschlag der Testamente in der Nachlassakte, in der Handschrift eines Beamten. 22 Jahre später versicherte Servatius vor Gericht, er wisse davon nichts und habe (als Testamentvollstrecker) keinen Kontakt zu dem amtlichen Rechtspfleger gehabt.

Zu juristischen Auseinandersetzungen kam es, weil F.S. an ihrem, auch in ihrer Biographie formulierten Ziel festhielt: Die Enkel aus dem Konzern hinauszudrängen und die alleinige Kontrolle auszuüben. 1996 beendete sie die Testamentsvollstreckung, übernahm die Geschäftsführung der Familienholding und kaufte Barbara und Nicolaus Springer deren Springer AG-Anteile ab. 2001 kündigte sie den Gesellschaftervertrag mit noch am Verlag beteiligten Erben, Axel Sven und Ariane. Deren Minderheitsrechte sollen beseitigt werden, unter anderem der Anspruch, einen Vertreter in den Aufsichtsrat zu schicken.2002 fochten Axel Sven und Ariane die Erbschaftsvereinbarung an. 2003 wurden den Enkeln in zwei Schiedsgerichtsverfahren  Veto-Rechte in der Familienholding zugesprochen. Trotz der oben beschriebenen halbseidenen Tricks, mit denen der Springer-Enkel übers Ohr gehauen und um 80 % seines Erbes gebracht wurden, kam die endgültige juristische Niederlage für Axel Sven vor einem Jahr, am 22.01.08. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg wies die Klage gegen Servatius’ Erbschaftsvereinbarung in zweiter Instanz endgültig ab. Auch ein weiterer Vertrag, mit dem sich F. S. weitere 10 % vom ursprünglichen Anteil ihres Stiefenkels sicherte, erklärten die Richter für rechtsgültig.

Die Finanzkrise und den damit verbundenen niedrigen Börsenkurs der Springer-Aktie nutzte F. S. 2008 für weitere Auftstockungen ihrer Aktienmehrheit an der Springer AG. Insgesamt erwarb sie mit einigen Transaktionen seit Januar 08 über 600 000 Aktien erworben; rund 2 % des Gesamtunternehmens. F. S. besitzt ein Privatvermögen von rund 3,2 Milliarden US-$ und landet damit auf Platz 26 (Stand 2007) der reichsten Menschen Deutschlands. (Quellen: 1, 2, 3, 4, 5)

Für das Superwahljahr 2009 wird man erwarten können, dass “die Welt” und “Bild” eifrigst für F. S.’s Busenfreundin Angela Merkel trommeln werden. Eine Hand wäscht die andere, wie es heisst. Gefahren für unsere Demokratie scheinen nicht nur an den “extremistischen, äußeren Rändern der Gesellschaft” zu lauern…

Der Neocon und die Grenzen der Empathie

Durch Zufall entdeckte ich diese kurze Notiz auf “shifting reality”, bereits vom 05.11.08. “Momorulez” würdigt unter der Überschrift “Der letzte Pro-Bush-Blogger: Ich hab ihn lieb!” Paul13, Betreiber des Blogs “No blood for sauerkraut”, und zwar

“Wirklich. Ganz ironiefrei. Das liest sich einmal mehr wirklich lustig, und es ist wie immer auch was dran (und zitiert aus einem Kommentar Paul13′ zur Wahl Obamas):”

“Aber letztlich ist all das fast egal, denn mit dem Wechsel vom verhaßtesten, bösesten, dümmsten und häßlichsten zum beliebtesten, gütigsten, klügsten und bestaussehendsten US-Präsidenten – sprich von Teufel und Beelzebub in einer Person zum ultimativen Erlöser des 3. Jahrtausends – wird leider auch jene schaurig-schöne Phase zu Ende gehen, in der sich von Politikern über Medien und Intellektuelle bis hin zum einfachen Volk alle in selten gekannter Eintracht als grenzdebile Volltrottel entlarvt haben.”

(ich erspare dem Leser den Rest von Paul13′ Artikel, der hier nachzulesen ist)

Nun steht ”momorulez” selbstverständlich unbenommen das Recht zu, zu würdigen, wen er will und witzisch zu finden, was er will. Und auch “Paul13s’ ” Recht auf seine Meinung und politische Ansichten steht für mich in keiner grundsätzlichen Weise in Frage. Ist denn aber “Paul13″ selbst dazu bereit, anderen dasselbe zuzugestehen? Offensichtlich nein, zumindest wenn man obiges Zitat genauer betrachtet, das aussagt:

1. Alle Obama-Unterstützer laufen einer absurden Erlöser-Illusion hinterher und sind daher eigentlich nicht zurechnungsfähig
2. Obamas Vorgänger Bush wurde von seinen politischen Gegnern gnadenlos demagogisch und selbstverständlich vollkommen ungerechtfertigt niedergemacht – so etwa standen weder die USA noch die Welt am Ende der Amtszeit eines Präsidenten jemals besser da als genau jetzt
3. Alle Bush-Kritiker, quer durch alle Bevölkerungsschichten, sind “grenzdebile Volltrottel”

-Schön, mag man sagen. Präsident Bushs weltweite Beliebtheit bewegt sich zwar irgendwo zwischen Irans Rumpelstilzchen Ahmahdinedjad und dem “lieben Führer” Nord-Koreas, Kim Jong Ill, aber rund 67% der Weltbevölkerung sind ja, laut “Paul13″, “grenzdebile Volltrottel”:

wpo_leaders_jun08_graph2Weltweites Vertrauen in Bushs Weltpolitik, oder mit den Worten von “Paul13″: Weltweite Dichte “grenzdebiler Volltrottel”

In einem anhängigen Kommentar zu seinem Post bricht sich “momorulez” ‘ Begeisterung endgültig Bann:

“Paul, ich finde Deine Standfestigkeit super! Das muß ich ja doch hier mal loswerden, und das kommt wirklich von Herzen! Zudem mir ja auch dieser Irak-Krieg viel Probleme bereitet hat als anderen Linken, ich konnte immer gar nicht so richtig gegen den wettern und bin da lieber auf die Abstraktion ausgewichen [...]“

Der liebe “momorulez” tut in treuteutonischer Tradition gerade so, als wäre “Standfestigkeit” ein Wert an sich. “Deine Ehre heisst Treue” – oder was? An einem alten, unverbesserlichen Nazi-Onkel in der Familie bewundert man ja auch nicht seine “Standfestigkeit” (wobei das hier kein auf-dieselbe-Stufe-stellen sein soll). “Paul13″ mag persönlich ein netter Mensch sein; die von ihm vetretende Neocon-Ideologie enthält aber u. a. folgende “Bonmots”:

Demokratie und Marktwirtschaft westlichen Zuschnitts haben sich quasi sozialdarwinististisch historisch als beste aller Gesellschaftsordnungen durchgesetzt und sind daher nicht hinterfragbar (Fukuyama, Bush-Doktrin)

Archaische Gesellschaftsentwürfe – also alle anderen außer der westlichen – sind beständige Quelle von Konflikten, Gewalt und Bedrohung der US-amerikanischen Sicherheitsinteressen; daher muss die westliche Konzeption von Demokratie und Marktwirtschaft weltweit, notfalls mit Gewalt, verbreitet werden (Huntington, Bush-Doktrin)

Die USA sind das wichtigste Land der ganzen Welt, ein leuchtendes Vorbild für dieselbe und par quasi-natürlichem Recht Hegemon (”America first!”)

Es ist wichtig und richtig, dass politische Eliten “ihrem” Volk einen Mythos als “notwendige Illusion” vermitteln, an den der kleine Mann glauben kann. Das ist deshalb notwendig, weil der schädliche Liberalismus den kleinen Mann dazu bringt, alles anzuzweifeln, was die Grundlagen der Gesellschaft zerstört. Die Elite selbst muss nicht notwendigerweise selbst an diesen Mythos glauben (Leo Strauss).

In diesem Artikel geht es nicht eigentlich um “momorulez” und “paul13″; sie dienen nur als Aufhänger. Es geht auch nicht um eine Kritik am Neokonservativismus – unnötig, denn selten dürfte jemand in nur acht Jahren so derartig und in jeglicher (ökonomisch, moralisch, militärisch, politisch) Hinsicht abgewirtschaftet haben wie die Neocons. Es geht um etwas, was ich den typischen linken “Egalismus” nennen will. Es gibt unter “den Linken” im allgemeinen (fast) keinen “Korpsgeist”, kein “wer nicht für uns ist, ist gegen uns”, nicht mal ein ausgesprochenes “Wir-Gefühl”. Und das ist ja auch in Ordnung so. ABER: Die Folgen der oben angedeuteten Neocon-Ideologie; das und das, das, das und das, das, das, das und dasDAS sollten und dürfen “wir” den Neocons niemals vergessen. Und es niemals wieder soweit kommen lassen…

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“Laden Sie Neocons hier ab”, (Quelle)

Femi-schismus

Mariam Lau schreibt in der Welt einen kritischen Artikel zu Alice Schwarzer in der Welt (via Genderama). Alice Schwarzer ist eine kontroverse Figur des Zeitgeschehens: Sie erwarb sich unbestreitbare Verdienste um die Gleichberechtigung der Frauen; auf der anderen Seite hat sie sich mit Äußerungen selbst desavouiert, die jedem zur Empathie fähigen Menschen, Feminist oder Macho, die Kinnlade herunterklappen lassen müssten. So hetzte sie als Apologetin der sogen. “schleichenden Islamisierung Europas” gegen Muslime und befürwortete schwerste Körperverletzung, so lange sie sich nur gegen Männer richtet. Das ist nicht gut, aber die Welt ist nicht schwarzweiss und viele Personen der Zeitgeschichte, von Martin Luther bis Friedrich Nietzsche waren kontroverse Persönlichkeiten.

alice_bildSo siehts aus… (Bild-Bildquelle)

Was ich grundsätzlich nicht verstehen kann, ist, dass bei jeder Kritik an ihrer Säulenheiligen sofort Feministen anrücken, und zwar mit Vorwürfen, die so altbacken sind, dass, wären sie eine Art Brötchen, man sich vermutlich alle Zähne ausbeissen würde. Und hier fängt die Kritik an, dem man dieser Art von Feminismus machen muss: Offensichtlich sind sie, die Feministen, eben keine empathie-fähigen Menschen, jedenfalls nicht, was das Darüber-Hinaus-Denken ihrer Geschlechterrolle betrifft. So schreibt die eigenbezeichnete “Feministin Christina Passberger” im Kommentarbereich des Welt-Artikels:

“…gehören Sie etwa selbst noch zu den ,Alt-Paschas, an denen die Moderne spurlos vorbeigelaufen ist ?”

“Und Feminismus als totalitäre Ideologie zu bezeichnen ist ja wohl der Gipfel.”

“Als totalitäre Ideologie bezeichne ich es, wenn z.B. islamistisch gepolte Männer ihren Frauen im Namen der Religion verbieten, mit anderen Männern zu sprechen oder überhaupt am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilzunehmen.”

Die eine Sache ist die, dass eine Kritik an Alice Schwarzer einen offensichtlich automatisch in den Stand eines “Pascha” erhebt. Geschenkt. Die andere Sache, die einem auch in der Diskussion mit sogen. “Islamkritikern” immer wieder begegnet, ist: Was für einen Unterschied macht es eigentlich, ob Leute wie “Christina Passberger”, den Islam zur “totalitären Ideologie” erklären und darauf ihre “Islamkritik” aufbauen? Macht das den Islam in irgendeiner Weise weniger zur Weltreligion, weil offenbar hervorragend dafür qualifizierte Experten den Islam diesen Status aberkennen? Entweder sind alle Religionen “Ideologien”, oder keine. Und da Frau Passberger ja so eine Expertin ist, ist ihr die Geschichte des europäischen Feminismus natürlich vertraut und sie weiss, dass patriarchale Gesellschaftsentwürfe selbstverständlich ausschliesslich auf den Islam beschränkt sind…

Um ihrem Kommentar die Krone aufzusetzen, garniert sie ihn mit einem Verwurf, der in etwa so originell ist wie eingeschlafene Füße:

“Fakt ist, das sagt jede Statistik, dass Frauen die Führungsetagen noch lange nicht hälftig mit Männern erreicht haben. Frauen haben es aufgrund der immer noch besser funktionierenden Seilschaften von Männern in der Tat schwerer, dort anzukommen. Unmöglich ist es Gott sei Dank nicht mehr.”

ICH habe auch keinerlei Chance darauf, jemals im Vorstand eines großen börsennotierten Unternehmens zu sitzen. Aber da ich ein Mann bin, darf ich mich noch nicht mal darüber beschweren, schließlich bin ich grundsätzlich daran Schuld, dass Frauen in Führungsetagen statistisch unterrepräsentiert sind. Häh? Was haben denn die entsprechenden oligarchischen Seilschaften, die da aktiv sind, mit den Geschlechtern zu tun? Und wenn der Geldadel eine gewisse Art von Frauenquote einhalten würde, bei dem sich gegenseitigen Posten-Zuschachern, dann wäre das moralisch plötzlich viel mehr ok, ja?

Was die Frau Feministin Passberger grundsätzlich nicht zu verstehen in der Lage ist, ist nämlich, dass ihre Behauptung:

“Feminismus ist die Forderung nach uneingeschränkter Gleichheit von Rechten und Pflichten von Frauen und Männern.”

einer Quadratur des Kreises gleichkommt. Eine “uneingeschränkte Gleichheit” liesse sich nur unter möglichst vollständiger Ignoranz der Geschlechter herstellen. Wie sollte eine Feministin wie Frau Passberger je dazu in der Lage sein? Dass sie eine Frau ist und ich ein Mann, ist nämlich weder ihr Verdienst noch meine Schuld oder andersherum – sondern ein genetischer Zufall.

PI-entology – die politisch inkorrekte Religionsausübung

Was ist los bei den “politisch inkorrekten” Damen und Herren von pi-news.net? Da verwechselt man, absichtlich oder nicht, zwei Zeitungsartikel aus der Welt und strickt sofort eine gewaltige Verschwörungstheorie daraus:

“Die Exekution dreier moslemischer Massenmörder in Indonesien hat nicht nur unter den Frommen des Landes, sondern auch in der Redaktion der Welt für Unruhe gesorgt. [...] die Mutter eines der hingerichteten Bali-Terroristen (bekannte) wahrheitsgemäß [...], ihr Sohn habe nur getan, was der Islam verlange, nämlich Ungläubige zu töten. Das war der Wahrheit zu viel. Am Montag morgen wurde der Artikel gelöscht und durch eine begradigte Darstellung ersetzt, die die Friedfertigkeit der fiktiven Mehrheit der Muslime betont. Ganz kann man aber doch den Jubel zahlreicher Einzelfälle zum Eingang der Massenmörder ins muslimische Paradies nicht unter den fliegenden Teppich kehren.”

Ganz besonders apart finde ich übrigens die Wendung “…unter den fliegenden Teppich kehren.” Hier wird der PI-Autor Opfer seiner Phrasendrescherei, denn man kehrt etwas unter den Teppich, um es zu verstecken, in der Hoffnung, dass dieser nie angehoben wird; was für einen Sinn sollte es haben, so etwas mit einem “fliegenden Teppich” zu versuchen?

Die Gefolgschaft der PI-Eiferer im Kommentarbereich ergänzt natürlich sofort:

#75 Zallaqa (10. Nov 2008 21:43) “Der Islam ist gefährlicher als jede andere Weltanschauung. Wenn man die kulturellen Unterschiede zwischen den Wüstengegenden aus dem der Gründer des Terrorismus Mohamend entstammt und der Inselwelt Indonesiens betrachtet dann kann man nur sagen: Nicht die Menschen sind das Problem sondern der Islam ist das Problem; überall wo diese Weltanschauung Anhänger findet und sich ausbreiten kann herrscht Mord und Totschlag. Wann werden Moslems bzw. der Islam endlich verboten. Das ist keine Religion sondern einfach ein Terrorkonzept!”

#77 KarlMiller   (10. Nov 2008 23:31) “Das ist in Deutschland doch seit eh und je Sitte, die Nachrichten immer auch gleich schon in mit der dazugehörigen “richtigen” Deutung zu übermitteln.”

#78 ComebAck   (11. Nov 2008 02:37) ” ‘Selbstverständlich wäre der Terror zu vermeiden, indem man ihn konsequent verbannt. Alles uslime ausweisen und Mauer um Europa. Fertig!’ ich darf ergänzen:Der Einsatz nicht konventioneller Munition an ganz bestimmten Brennpunktes des Terrors sollte auch in Erwägung gezogen werden.”

#79 danton   (11. Nov 2008 06:39) “Der sogenannte Presserat und der unsägliche Pressekodes, dieses Manipulationsinstrument, das dem Lug und Trug Tür und Tor öffnet, gehören sofort ersatzlos abgeschafft!
Unser Recht auf vollständige, unverfälschte und objektive Information sowie auf Meinungsfreiheit wird durch diese verlogenen Presserat-Jakubiner völlig ad absurdum geführt!”

#80 byzanz   (11. Nov 2008 09:50) “Die Wahrheit lässt sich auf Dauer NIE verbergen. Auch wenn die volkspädagogischen Vernebelungsversuche noch so massiv sind: Die “Ungläubigen” in Europa registrieren mehr und mehr, dass der Islam eine faschistische, gewaltverliebte, intolerante und gemeingefährliche Ideologie ist. Wer was anderes behauptet, ist ein LÜGNER. Punkt.”

Der Islam ist keine Religion, sondern eine terroristische Ideologie (und der, der festlegt, was Religion sein darf und was nicht, das bin ich, ich, ich) und der Moslem an sich gehört verboten. Die gutmenschlich- linksgrünmuselfaschistische Dhimmi-Mainstreampresse verschweigt und verfälscht Nachrichten und handelt damit im volkspädagogischen Auftrag auf Anordnung der übergeordneten Eurabia-Weltverschwörung, weil Politiker und Wirtschaftsführer – aus welchen Gründen auch immer – den Plan gefasst haben, Europa zu islamisieren… Blablabla. Mantra-artig wiederholt die PI-Sekte ihre Glaubensbekenntnisse, die auch der kritische PI-Leser schon seit Jahren kennt und vorwärts und rückwärts kotzen könnte. Und das völlig unbeeinflusst von der Realität: Da die heilige PI-bel unzweifelhaft immer recht hat – immerhin nur ein von Amteuren geschriebener Weblog – muss es die gesamte Außenwelt sein, die sich gegen die tapfere kleine Schar der letzten Aufrechten und einzig wahren Hüter der einzig wahren Wahrheit verschworen hat.

Die PI-linge sollten begreifen, dass die meisten Leser PI nur als Unterhaltungsmedium begreifen und sich königlich über diesen billigen Verschwörungsmatsch und die Leute, die das ernst nehmen, amüsieren. Es bliebe nur zu hoffen, dass dann möglichst viele der PI-linge den Ausstieg aus ihrer Parallelwelt wieder schaffen.

Schwanengesang eines Neocon

Angesichts der überwältigenden Sieges Barack Obamas bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen und des beispiellosen moralischen und wirtschaftlichen Bankrotts der Neokonservativen kann man sich als Linker einer gewissen Schadenfreude kaum enthalten. Wirklich selten war es goldiger und herzerwämender als dieser Tage unser aller Lieblings-Hass- und Hetzblog „Politically Incorrect (PI) “ zu lesen, das verzweifelt vor dem Verfall seiner „pro-amerikanischen Werte“ in ihrem Mutterland vor einem Scherbenhaufen steht. Das ideologische Gerüst wackelt und seit Tagen windet man sich in Erklärungsversuchen:

„Woher kommt nun dieser Linksruck?“

„Man folgt offenbar dem Trend aus dem alten Europa.“

PI bemüht gar eine „Totalherrschaft von Massenwahn und Popkultur“ als einzig mögliche Erklärung, dass etwa 64 Millionen Bewohner der gottgleichen USA für einen „vermuselten“, „schwarzen Rassisten“ Barack Obama gestimmt haben. Das einzige, was ihnen bleibt ist

„Eine kulturpessimistische Polemik.“

Hä Hä Hä. Es sei erhellend, meint der PI-Gastautor Lion Edler, die heutige Situation in den USA mit Deutschland nach 1945 zu vergleichen:

„Die Durchdringung der deutschen Gesellschaft mit linker Propaganda begann, weil man aufgrund des totalen Zusammenbruchs 1945 tief im Inneren glaubte, das mit dem eigenen Volk etwas nicht stimmte, dass es nur aus Versagern und Verbrechern bestünde.“

Das ewige braune Gegreine vom „deutschen Schuldkomplex“ also. Wirklich erhellend.

„Die USA haben nach dem Irakkrieg etwas Ähnliches erlebt, nur nicht so extrem. Aus allen Ländern der Welt wurde Amerika unablässlich eingeredet, [...] dass sie nur Leid und Unglück über die Welt brächten. Das penetrante Einreden dieses schlechten Gewissens hat letztlich gefruchtet, auch die Amerikaner haben jetzt ihren Schuld-Komplex.“

Wenn „alle Länder der Welt“ der Meinung sind, der Irakkrieg sei von den USA ungerechtfertigt oder jedenfalls aus den falschen Motiven heraus begonnen worden, dann könnte ja vielleicht etwas dran sein? Nur so theoretisch? Nicht natürlich, wenn man von seiner göttlichen, unfehlbaren Mission überzeugt ist…

„Deswegen war es so eminent wichtig, dass George W. Bush direkt nach den Anschlägen des 11.September das Signal in die Welt sandte: Wir bleiben stolz auf Amerika, und wir lassen uns von den Feinden der Freiheit nicht unterkriegen, der amerikanische Traum wird auch weiterhin verteidigt.“

Es hapert offenbar nicht nur mit Logik und Demokratieverständnis, sondern sogar schon mit dem Verständnis einfachster zeitlicher Zusammenhänge: Weil die Welt aufgrund des Irakkriegs (Beginn März 2003) den USA permanent ein schlechtes Gewissen einredete, war es so wichtig, dass Bush ein Signal am 11.09.2001 sandte. Wenn es noch eines endgültigen Beweises bedurfte, dass Bush ein Messias ist bzw. war, dann ist er hiermit wohl erbracht.

„Bislang war Amerika immer ein geistiger Rebell und Einzelgänger. Egal, was der verprollte weltweite Mainstream wie eine “coole” Schulhof-Clique über das gemobbte Amerika sagte, Amerika ließ sich nichts einreden und ging wie ein einsamer Cowboy seinen Weg, und zeigte dem erbärmlichen Kontinent auf der anderen Seite des Atlantiks völlig zu Recht den Mittelfinger.“

So „einsam“ kann der „Cowboy“ mit negativer Außenhandelsbilanz, dessen Staatsverschuldung, die Verschuldung des Privatsektors und der Konsumentenhaushalte das BIP um mindestens das Dreifache übersteigt und dessen Finanzsektor gerade kollabiert, wohl nicht sein, denn ohne den „verprollten weltweiten Mainstream“ wäre er längst konkurs gegangen.

„Amerika lässt sich langsam aber sicher herunterziehen auf das primitive geistige Niveau Europas, auf das sozialistische und selbstgerechte, überhebliche Mainstream-Denken.“

Das muss die Erklärung für die Wahl Obamas sein: Europa zieht Amerika auf sein „primitives geistiges Niveau“ herunter. Amerikaner selbst wären sonst nämlich gar nicht in der Lage gewesen überhaupt auf die Idee zu kommen, etwas anderes als die Republikaner zu wählen.

„Und was sollte diesen Weg der Welt in den Sozialismus ändern? [...] So könnte das gewissermaßen tatsächlich “das Ende der Geschichte” sein, allerdings anders, als Fukuyama sich das dachte, nämlich ein sozialistisches Ende.“

Weine nur nächtelang in dein Kissen, mein Mitleid kriegst du trotzdem nicht, du heulsusiger Neocon.

„Nein, ich will nicht alle Obama-Fans von vornherein als dumm oder als Mitläufer bezeichnen.“

Ach nein?

„Man stelle sich vor, jemand würde an der Uni oder in der Schule sich zu Bush bekennen. Man kann leise erahnen, was passieren würde.“

Man würde denjenigen komisch ansehen, weil er hoffnungslos in der Vergangenheit lebt?

„Dieser überhebliche Konformismus und die Stigmatisierung Andersdenkender ist es, der auch Angst machen muss bei der europäischen Sicht auf Obama, und nicht etwa Obamas politische Ansichten selbst. Über die werden einige rot-grüne Spinner in Europa noch ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn Obama erstmal harte außenpolitische Forderungen an Europa stellt.“

Auf der einen Seite fürchtet der Autor als einziger Obama-Gegner stigmatisiert zu werden, auf der anderen Seite wird die Politik Obamas ganz bestimmt dafür sorgen, dass viele seine europäischen Fans sich von ihm abwenden? Die Logik als tragisches Opfer der Rechthaberei…

„Das Studentenportal “studivz” führte vor Kurzem eine Umfrage durch, für welchen Präsidentschafts-Kandidaten man denn die Daumen drücken würde. 91,4% stimmten für Obama, bei über 900.000 abgegebenen Stimmen. Wahlergebnisse fast wie in der DDR also, man fühlt sich etwas einsam beim Lesen dieser Zahlen. [...] Dazu präsentiert “studivz” als Symbol eine Comic-Zeichnung mit McCain und Obama im Boxkampf gegeneinander. Auch das ist natürlich nicht gerade neutral: Soll es doch offenbar suggerieren, dass es bei der US-Wahl darauf ankommt, wer der “fittere” und “hipper” ist. Aber es fällt wahrscheinlich kaum noch auf, was für ein krankes Denken da ohnehin dahinter steckt: Der US-Wahlkampf als Boxkampf, als Show-Ereignis für die Spaßgesellschaft, anstatt als ernsthaftes politisches Thema. [...]“

„Denn das ist der zweite Trend, der durch die Wahl Obamas zementiert wird: Der Weg in die weltweite Herrschaft der dekadenten, entarteten Popkultur-Ochlokratie. Das Anstandslose und Primitive, das Entartete wird zum gesellschaftlichen Mainstream, die Geisteskranken werden allmählich zur Mehrheit. Geschichtsbewusstsein und geschichtliches Schwärmen werden ersetzt durch gleichgültige Geschichtslosigkeit und blinder Fortschrittsgläubigkeit, durch seichtes “I have a dream”, “Yes we can” und “Change”-Geschwafels.
Schon jetzt kann man in größeren Städten doch nirgendswo eine U-Bahn betreten, ohne sofort den Anblick eines Haufens Gestörter und Irrer ertragen zu müssen.

Zunächst beweist uns Herr Lion Edler eindrucksvoll anhand einer Umfrage im StudiVZ und derer graphischen Darstellung wie „dekadent und entartet“ der Pöbel doch sei, der unverschämterweise via freie Wahlen über die Regierung bestimmt. Warum gehste nicht nach Saudi-Arabien oder Nord-Korea, wenn dir die „Pöbelherrschaft“ so stinkt? Ein Demokrat redet nicht so.Und das Edler mit dem ÖPNV in Großstädten nicht klar kommt beweist nur, dass er ein Mahlower Landei ist. Bezüglich der „Geisteskranken“, die „zur Mehrheit werden“ sei nur an ein altes englisches Sprichwort erinnert: “The one man in the world who never believes he is mad is the mad man.”

„Wer die Nase voll von dieser abartigen und gestörten Fortschrittsgesellschaft hat, der ist ein “Ewiggestriger”, oder “engstirnig”, “verbohrt””, er vertritt “Schwarz-Weiß-Denken”, und – natürlich – er ist “unfähig, mit den modernen Anforderungen einer komplexen Welt zu recht zu kommen”. So einfach ist das, warum auch nachdenken. Die Konservativen haben es in Deutschland immer noch nicht verstanden: Parteien und Politiker haben kaum noch Einfluss, sie sind zunehmend Sklaven eines abstoßenden Medien-Zirkus.“

Oh oh, die Welt geht unter, weil „der Pöbel“ den falschen Präsidentschaftskandidaten gewählt hat. Zivilisationsgedanke und gesellschaftlicher Fortschritt sind seit dem 05.11.2008 ausser Kraft gesetzt und Obamas Wahl der endgültige Beweis für das bevorstehende Armageddon.

“Wir müssen Konsequenzen ziehen. Von Parteien ist im Moment nicht viel Besserung zu erwarten. Wir müssen diesen abartigen, kranken Event-, Trash- und Porno-Apparat von “taz” bis “BILD” endlich unterwandern und gnadenlos aushöhlen, indem wir vor allem auch auf das Internet setzen (schon wieder etwas Fortschrittliches, welch Ironie…). Anstatt Kampagnen durchzuführen darüber, ob der Mindestlohn richtig ist oder nicht, sollte lieber über die Gehirnwäsche der nationalen Front der Linksmedien aufgeklärt werden.”

Die Springer-Presse reiht sich natürlich nahtlos ein in die „nationale Front der Linksmedien“… Die Konsequenzen, die eine solche “Unterwanderung” und “gnadenlose Aushöhlung” für unser Bildungssystem hätte, beweist Edler in seiner ganzen Pracht quasi im Selbstversuch im letzten Abschnitt:

„Und wir müssen dafür Sorgen, dass über die Lehrpläne in den Schulen nicht mehr nur rot-grüne Vollpfosten entscheiden, sodass zwischen all dem Böll-, Grass- und Brecht-Krempel zwischendurch auch noch was Vernünftiges kommt. Wir müssen Lehrkräfte durchsetzen, die ihre Aufgabe in Bildung und Wissensvermittlung sehen statt in politischer und ethischer Umerziehung und Indoktrinierung. Ansonsten wird man konstatieren müssen: Die Menschheit hat ihre kulturelle Höchstphase bereits seit Jahrhunderten hinter sich. Seit circa 300 Jahren ist ehrlicherweise kaum noch etwas passiert, was die herausragende Stellung gegenüber anderen Arten rechtfertigt, und die totale Obamisierung war dafür wieder ein besonders trauriges Beispiel. Sie reden von einem angeblich zu dämmenden “Raubtierkapitalismus” und “sozialer Gerechtigkeit”. In Wirklichkeit ist der Obama-Mob die Speerspitze einer in rein ökonomischen Kategorien denkenden Konsumgesellschaft, von dem sich nicht nur Karl Marx wohl angewidert abgewandt hätte.“

Wie wärs, an den Schulen ein paar Texte von Lion Edler zu bringen? Man hat ja sonst nicht viel zu lachen: Seit ca. 300 Jahren ist nichts mehr passiert, dass die besondere Stellung des Menschen gegenüber dem Tier rechtfertig?! Aufklärung, Wissenschaft, industrielle Revolution, Massenkommunikation, Technologisierung, Verfünffachung der Weltbevölkerung, Verdoppelung der Lebenserwartung, Luftfahrt, Raumfahrt, Demokratisierung, Globalisierung… Ja, auf welchem Ast hockt der denn, der Steinzeitkonservative?! Gott schütze uns vor der neokonservativen Unterwanderung unserer Medien und Lehrpläne, bleibt da nur zu konstatieren. Mit einem derartigen Rotzen auf alles, was unsere Gesellschaft ausmacht, bloß weil der demokratische Souverän in den USA anders entschieden hat, als er es gerne hätte, disqualifiziert sich der Neocon nur selbst. Es bleibt dem amüsierten Beobachter nur übrig, sein Taschentuch hervorzuziehen, um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen und dem Neocon ein leises „farewell“ zu winken. Und mach die Tür deiner Höhle hinter dir zu.

P.S. Der Text wäre nur ganz und gar amüsant, wenn es sich bei Lion Edler nur um einen dummen Jungen handeln würde. Allerdings möchte dieser sich offenbar mit dem Hoher-Teltower CDU-Ortsverband vom „entarteten, geisteskranken, popkulturellen Pöbel“ aus dem „erbärmlichen, geistig primitiven Europa“ in die Gemeindevertretung wählen lassen (Link via PK). Man fragt sich wirklich, mit was für einer Chuzpe dieser Typ ausgestattet ist…

Selbstkritische Artikelreflektion: „Bezness“ – Selber schuld oder nicht?

Da ich aufgrund einer schlechten Erfahrung trackbacks zu meinen Artikeln sporadisch zurückverfolge und es mich auch oft freut, wenn mein Geschreibsel reflektiert, diskutiert und/oder weiterverarbeitet wird, stieß ich neulich auf dieses schweizer (?) „bezness“-Diskussionsforum. Und ich war so angenehm überrascht, wie es in der Bloggosphäre selten vorkommt.

Tatsächlich, wie auch eine der Damen bemerkte, der Artikel ist verdammt provokant und „bezness“-Betroffene können sich beim oberflächlichen Lesen davon persönlich angegriffen fühlen – auch wenn ich an einer Stelle äussere, dass ich es mir nicht herausnehme, Leidensgeschichten auf einer persönlichen Ebene anzugreifen – was hiermit nochmal betont sein soll. Allerdings ist Provokation oder eine gewisse „Zänkischkeit“ nicht nur der Bloggosphäre immanent (in der jeder einsam hinter seinem Rechner sitzt und sich für den Größten hält) sondern darüber hinaus eine grundlegende Eigenschaft des Mannes.

Ich stehe aber zu meinem Artikel, denn: Erstens, der unerträglich selbstgerechte Ton auf dieser speziellen Webseite 1001geschichte.de („Bezness verstößt gegen die Menschenrechte!!!“), der geht nicht an und kann nicht unkommentiert bleiben, weil man, zweitens, in der Lage sein sollte, soweit von der eigenen Person abstrahieren zu können, dass man persönliche, subjektive Erfahrungen nicht auf ganze Länder oder Erdteile überträgt (man lese nur mal den zitierten Kommentar am Ende meines Artikels) und, drittens, weil sowas dazu führt, dass man sich in seine Opferrolle zurückzieht, diese anzieht wie einen alten, gemütlichen Mantel und genau das einer/einem bei der Verarbeitung eines solchen Erlebnisses nicht weiterhilft. Im Gegenteil, das Eingeständnis, dass man mitschuld ist, wenn man betrogen/überfallen/ausgeraubt/entführt wurde, ist fundamental dafür, mental mit diesen Erlebnissen abzuschliessen und weiterzumachen. Dass sich festnageln auf die Opferrolle führt dazu, dass ein Arsch einer/einem das ganze Leben versaut.

Letzteres ist für mich der entscheidene Punkt. Was ich aber in dem Artikel getan habe, ist, die durch die Webseite 1001geschichte.de vermittelte Haltung auf alle „bezness“-Betroffenen zu projizieren. Das man das nicht tun kann/darf, das beweisen die Diskutantinnen des besagten „bezness“-Diskussionsforums. Fühlen die sich etwa angegriffen von der provokanten „Hülle“ des Artikels, von dem ich-bin-der-Größte-Brustgetrommel des Mannes im Autoren? Nein, ohne irgendwelche Umschweife stoßen sie zum Kern des Artikels vor, ganz so wie ich es gemeint, aber vielleicht nicht direkt genug gesagt hatte. Deswegen blogge ich.

Michael Glos` Bewerbungsschreiben

Es ist eben wie es ist. Man wird älter, der jugendliche Leichtsinn schwindet und man beginnt sich zu fragen: Werde ich von dem was ich mache in Zukunft leben können? Wie wird meine kärgliche Rente aussehen? Hartz IV-Niveau? Oder auch: nur meine Pension als bayerischer Landtagsabgeordneter plus Minister-Pension? Wird das reichen? Muss da nicht noch mehr kommen? Und man besinnt sich auf seine Möglichkeiten, vergisst all die großspurigen Ankündigungen, die man in seinem Bekanntenkreis gemacht hat und macht sich, wild entschlossen, auf die Suche nach einem neuen, besser bezahlten Job.

Nun muss man nicht denken, dass Zukunftssorgen wie diese nur den „normalen“ Bürger der Bananenrepublik Deutschland quälen. Nein, selbst Minister, genauer gesagt Wirtschaftsminister, sind davon betroffen. Allerdings, ist man zufällig Wirtschaftsminister – in einer „deregulierten“ Wirtschaft, in denen alles dem „freien Spiel der Märkte“ überlassen wird, eigentlich der Deppenjob der Nation – sind die Aussichten so schlecht nicht: Werner Schmidt, Wolfgang Clement, sie alle haben den Absprung in ein neues, besser bezahltes Berufsleben geschafft und arbeiten heute in der Energieindustrie. Michael Glos sollte sich also keine grauen Haare wachsen lassen, erst recht da die Energiekonzerne sicher wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass der Mann sich wirklich anstrengt. Vergessen hat er all das dämliche Gebrabbel von Anfang des Jahres, als Eon, RWE und EnBW die Strompreise erhöhten und er sich bedingungslos auf die Seite der Verbraucher schlug, drohen wollte, billigere Energie forderte, von mehr Wettbewerb, Sanktionen oder gar „Zerschlagung“ der Konzerne sprach.

Denkt Michael Glos an seine Zukunft? (Original-Bildquelle: swr.de)

”Unsere klare Position heißt, dass wir keine Zwangsenteignungen hinnehmen”, sagte Glos jetzt, nämlich zum Auftakt der EU-Ministerratskonferenz am Freitag (06.06.) in Luxemburg. Und zwar weil: ”Wir [...] in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Netz (haben) und wir wollen, dass das immer wieder ertüchtigt wird – und zwar von denen, die Geld haben.” Auch müssten die Netze ausgebaut werden, um Strom aus Erneuerbaren Energiequellen verteilen zu können, großen Offshore-Windenergieanlagen vor der Küste z. B. ”Dazu bedarf es hoher Netzinvestitionen”. (Nur damit das mal klar ist, ist nämlich ganz anderer Strom, dieser erneuerbare, und Schuld an hohen Energiepreisen haben sowieso immer die Ökos mit ihren spleenigen Ideen.)

Abgesehen von der etwas dümmlichen Begründung hat sich Michael Glos mächtig ins Zeug gelegt und ein ordentliches Bewerbungsschreiben an einen späteren Energiekonzern-Arbeitgeber abgeliefert: Das Vorhaben der EU-Kommission war, die integrierten Energiekonzerne Europas zu „entflechten“, d. h. dass Energiekonzerne, die auch die Übertragungsnetze besitzen, diese an einen unabhängigen Netzbetreiber verkaufen müssen. Damit wäre ein Einstieg auf den deutschen Markt auch für kleinere Energieproduzenten erleichtert, die bislang recht willkürlich festgelegte „Netzdurchleitungsgebühren“ an ihre großen Konkurrenten zahlen müssen und daher kaum marktfähige Preise anbieten können. Nach Beschluss des Ministerrats können Deutschlands Energiekonzerne ihre Monopolstellung jetzt aber auch „sanft entflechten“ und ihre Netze an Tochtergesellschaften übergeben, in deren Aufsichtsräten sie „nur“ 51% der Stimmen halten dürfen [das Modell heisst in orwell´schem Neusprech: „Independent Transmission Operator" (ITO)]. Deutschland, Frankreich und Österreich haben sich damit gegen die EU-Kommission und Länder, deren Netze bereits von den Energieproduzenten getrennt sind, wie Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Spanien und Portugal, durchgesetzt. Zwar haben sich letztere Länder teilweise dagegen verwahren können, dass die Energiemonopolisten, die in „Heim“-Märkten die Preise diktieren, in ihre liberalisierten Energiemärkte einsteigen, sie dürfen „gewisse Abwehrmaßnahmen“ ergreifen. Aber da Michael Glos und seine Kamarilla eine Marktschieflage zugunsten seiner zukünftigen Arbeitgeber erstmal zugelassen hat, wird sich das mit Hilfe der EU-Wettbewerbskommission auch regeln lassen. Außerdem hat Glos erklärt, dass er gegen die Schaffung einer EU-Aufsichtsbehörde zur Kontrolle des Energiemarkts ist.

Eine Einigung auf das gesamte Energiepaket wird bis Jahresende angestrebt, wirksam werden könnte es ab 2011. Das EU-Parlament muss noch zustimmen. Der Chefökonom der österreichischen Energieaufsichtsbehörde, Johannes Mayer, sagte, damit könne nicht mit fallenden Energiepreisen gerechnet werden. Seine Erfahrung zeige, dass sich eine unzureichende Trennung zwischen Netzen und Vertrieb nur begrenzt regulieren lasse. Die Ökonomischen Interessen für eine Abschottung der Netze bzw. Märkte seien einfach zu groß.

Laut Beschluss des EU-Energieministerrats bezüglich des „Independent Transmission Operators”, also der Netzbetreiber-Tochtergesellschaft eines Energiemonopolisten, dürfen Manager des Mutterkonzerns künftig nicht unmittelbar in die Tochtergesellschaft wechseln, sondern es gilt eine „Karenzzeit“ für den Übergang von von drei Jahren bzw. umgekehrt 4 Jahren. Da weiss ich ja jetzt schon, wer ab 2009 für den Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden einer Netzbetreiber-Tochtergesellschaft von EnBW, RWE, Eon oder Vattenfall zur Verfügung steht. Herzlichen Glückwunsch, Herr Glos!

 

Dank an Fefes Blog für die Zweisatz-Inspiration!

Deutsche Identität in der Fremde

Mit Erschrecken musste ich vor kurzem feststellen, dass ich tatsächlich stolz bin, Deutscher zu sein. Allerdings nur hier in Ostafrika. Nicht auszuschliessen sogar, dass ich am Sonntag, wenn Deutschland spielt, beim Absingen der Nationalhymne, aufstehen, die Hand auf die Brust legen werde und als einziger in der ganzen biergeschwängerten Bar laut mitsingen werde. Naja – soweit wird es wohl doch nicht kommen. Ich habe mich lange gefragt, woher dieser plötzliche Anflug von Nationalstolz kommt –denn eigentlich ist es ja albern, auf etwas stolz zu sein, was nur eine Laune des Schicksals und nicht der eigene Verdienst ist; von der unheilvollen Geschichte des deutschen Nationalstolzes mal ganz abgesehen (ein „wenig“ haben „wir“ Deutschen im ehemaligen Deutsch-Ostafrika schließlich auch rumgemetzelt, im Krieg gegen den Wahehe-Tribe in den 1890ern und im „Maji Maji“-Aufstand 1905).

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mein Nationalstolz von der „Andersartigkeit“ kommt – meiner „Andersartigkeit“. Wenn man nicht als Tourist im Land ist (ich arbeite ja hier), nicht in abgeschotteten Touristenfestungen residiert, nicht von einem Haufen serviler Dienstleister umgeben ist und ansonsten in fast derselben „gut weissen“ Gesellschaft wie zu Hause auch, dann nimmt man Tanzania anders war (ich las neulich in einer Anzeige, dass irgendeine Tourismusmesse in einem der „paradiesischsten Länder der Welt“ stattfinden würde: Tanzania – und hielt das zunächst für ein zynischen Witz). Darüber hinaus gibt es für mich kaum etwas abgeschmackteres als diese ganze bestimmte Klientel mittelalterlicher Touristinnen, die am Kilimanjaro Airport (dem Touristenflughafen) aus dem Flugzeug stolpern, sich von Kopf bis Fuß in Massaitücher wickeln und sich ab jetzt als „weisse Massai“ fühlen und sich – als Höhepunkt der Abgeschmacktheit – noch einen 20 Jahre jüngeren afrikanischen Lover einkaufen. Eigentlich müssten sie der besagten Laune des Schicksals auf Knien dafür danken, keine jener halbverhungerten, abgearbeiteten Gestalten zu sein, welche die Massai ihre Frauen schimpfen.

Tatsächlich wird derjenige, der sich nicht in der von der afrikanischen Realität abgeschotteten Touristensphäre bewegt – und das heisst, konfrontiert zu werden, mit Lebenssituationen, in die man sich nicht mehr hineinversetzen kann, monatelang die Muttersprache nicht sprechen oder auch nur mit jemandem zu tun zu haben, der eine entfernt ähnliche kulturelle Prägung hat – bald überwältigt vom Gefühl der eigenen Fremdheit. „Was mache ich überhaupt hier?“ – ist dann die klassische Frage, wenn mal wieder nichts funktioniert, mit europäischen Verstand gefasste Pläne nicht aufgehen, man sich beleidigt oder verarscht fühlt vom Verhalten von Afrikanern, dass man eventuell nur einfach nicht versteht, oder wenn man, im Extremfall, betrogen, beraubt oder entführt wurde und die korrupten Behörden einem auch nicht weiterhelfen. Dann können einen nur echte, wahre Freundschaften trösten, die dann allerdings grandios sind in Herzlichkeit und Loyalität und auch in der Entdeckung, dass, wenn man eine individuelle Ebene gefunden hat, kulturelle Unterschiede eigentlich gar nicht mehr existieren: Der Typ da gegenüber, der ist genau wie ich, der mag Bier, Fußball, Zigaretten, Gitarrespielen und Frauen und der hat genau die gleichen Sorgen, wie es wohl in Zukunft mit ihm weitergeht… Sie sind allerdings rar, diese Freundschaften, abseits des eigennützigen Interesses: Viele Tanzanier suchen „Freundschaften“ mit „reichen“ Europäern, weil sich durch die jahrzehntelange „Entwicklungs“-Hilfe eine Geber-/Nehmer-Mentalität herausgebildet hat; umgekehrt erwischt man sich als Europäer immer wieder dabei, aus Bequemlichkeit auch die kleinsten Sachen durch seinen „Freund“ erledigen lassen zu wollen oder aus einer diffusen Ängstlichkeit zu erwarten, dass er dich überall hin begleitet; der „Freund“ avanciert dann immer mehr zum Dienstboten oder Bodyguard. 

Meistens bleibt die kulturelle Wand undurchdringlich, und inmitten der afrikanische Gesellschaft verwandelt man sich von einem Individuum mit Namen, Lebensweg, Schwächen und Stärken in den „Mzungu“ (kiswaheli für „Fremder“, „Reisender“, „Europäer“). Und es ist nicht mal „böse“ oder irgendwie rassistisch gemeint, es ist tatsächlich nur die „Andersartigkeit“ des Aussehens (eigentlich nicht einmal der Hautfarbe, es gibt ja Albinos, die sind sogar noch „weisser“), gepaart mit ausgeprägten Halbwissen über Europa aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen, jedoch kräht es einem in Städten und Dörfern abseits der Touristenpfade wohl hunderte Male hinterher,von  kleinen Kinder, Heranwachsenden, selbst Erwachsenen, die dich nicht kennen, als sei das dein Vorname. Und so wird es Realität, Identität, deine Hautfarbe und dein Land, das für dein Selbst, zumindest in der vertrauten Umgebung deiner Heimat, eigentlich keine Rolle spielt, wird Sinnbild für dich – und wenn man einen etwas trotzigen Charakter hat – zu Stolz.

Und plötzlich lässt man auf Deutschland nichts kommen  – das Land, wo es niemals zu Stromausfällen oder Wasserknappheit kommt, Infrastruktur, der Staat und seine Behörden funktionieren und alle Menschen pünktlich sind, das beste Auto der Welt, Mercedes, produziert wird und die besten Sportler der Welt, Michael Schumacher und Michael Ballack herkommen… Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich sofort wieder anfangen, auf das Land schimpfen, wie alle anderen anständigen Deutschen auch (und das – verdammt noch mal – völlig  zu Recht!), aber zumindest in den ersten Wochen allen kleinlichen Komfort geniessen (Heisses Wasser! Aus der Leitung! Internet, wann immer ich will! Bücher! Deutsches Fernsehen! Waschmaschine! Mutterns Küche!). Darauf freue ich mich schon.

Obama – Africa`s Pride and Hope

The US-Democrat`s candidate for US presidency Barack Obamas “Hope and Change”- campaign influenced the whole world, of course, but especially the people here in East Africa. The opportunity to have a half-East-African as the most powerful man in the world set the masses under electric voltage. You will not find one single Kenyan, Tanzanian or Ugandan who is not fanatic for Obama. Furthermore many so-called political realists call Obamas thesis too “simple” and “unrealistic” but I think millions of ordinary people all over the world understand it`s barely positive character which is including people, not excluding, which is not awaking fears against somebody to present you as a protection and not raising political profit in planting hate and primitive instincts in the minds of the own clientele. Conservatives will never be able to create a positive vision like this.

Despite the fact that now the USA is the far most hated country in the world – from Asia to Africa, from Europe to Latin America –, despite the fact that current US-Republicans are broadly recognized as the political executors of a mostly white minority, in some parts fundamental christians, in some parts with racist views, with the power of oil and other industries in the background, with no other interest in the world than defend their own property, Barack Obamas pure existence is a symbol to the world that things will may not going worse forever. Of course, Obama is charged with a lot of legendary symbolism between Martin Luther King`s movement for civil rights and John F. Kennedy`s charming and jovial aura and it will be very difficult for him to fulfill all this hopes and dreams he awakened (?) in the people. But his precursor performed so badly and his footsteps will be so small that together with the worlds deep breathe again that this guy is away Obama will have a big credit for making mistakes and find into his presidency step by step.

 I remember what a friend of mine told me about the visit of George W. Bush in Tanzania`s capital Dar Es Salaam in march 2008. He was landing on Nyerere International Airport with three planes, one of them full of security staff, the second full of armored vehicles and the third with himself. Helicopters were circling above Dar Es Salaam downtown, streets were blocked, inhabitants prohibited to enter city center, even the cellular phone network was interrupted for the duration of Bush`s stay in Dar. “What this guy thinks who he is?” my friend said, “He is coming here at the end of his presidency of eight years which clearly proves that we were not important enough for his political agenda and than he invades our capital with his security forces. We are not interested in him and we know that he only appears for bargaining permission for a US military base with our corrupt political leaders.” – “It`s the same like in Germany,” I replied, “of course he was there I think four times but all places he visits were invaded by his guards and sharp shooters, blocking the streets and force ordinary people out, changing previous peaceful locations in fortresses so that everybody knows that the world`s most hated leader is here…”

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…cited:

"First rule about journalism: Don't talk about journalism. Or maybe that's fight club. Or whatever..." (Stephen Colbert)

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